Sonstiges

warum retten sich die Zeitungen nicht?

das Gejammer der Zeitungen nimmt zu, da sie zunehmend an Auflagen verlieren, der Weg ins Netz zwar nicht für alle so steinig ist, jedoch die Einnahmen dort bei Weitem nicht die Printeinnahmen erreichen. Warum? Weil man sich dort fast ausschließlich nur auf Werbung stützt, paid content sei kein Einnahmenmodell, was man gebetsmühlenartig wiederholt, als könne man nicht selbst denken.

Aktuelles Beispiel: WAZ und auch weitere, siehe dazu Medienlese „Holzhausen wird zur Geisterstadt“ und Pottblog „Sparpläne bei der WAZ-Mediengruppe werden konkreter„.

Nun lasst uns mal nicht kurzsichtig von 1-2 Jahren reden, nehmen wir längere Zeiträume, die man ins Auge fassen sollte, sagen wir mal 5-10 Jahre. Und wenn man ahnt, dass sich das Verhalten von Kunden nur langsam eben in diesen Zeiträumen ändert, muss man dennoch jetzt schon investieren bzw. beginnen, um die Grundlagen zu schaffen. Grundlagen für was? Oben sagte ich was von Werbe- und Bezahlsäule (Kaufgebühr einer Zeitung) Werbung ist klar, nicht mein Ding, läuft ja bereits einigermaßen. Was ist mit Bezahlung? Online? Wo? Mobil! Zeitungen werden wohl zu einem guten Teil unterwegs gelesen (zur/von der Arbeit…). Für diesen Teil der Leserschaft bzw. diesen Teil des Use Cases „Zeitung lesen“ kann eine Bezahlbereitschaft existieren, die nicht von der Hand zu weisen ist. Wenn was vorliegt? Ein vernünftiges Bezahlsystem.

NY TimesBeispiel: iPhone. NyTimes. Ich kann die iPhone App der NYT oW installieren, Beiträge downloaden und auch offline lesen, ohne dass ich mit dem Web connected sein müsste (beim Download natürlich schon). Und das liest sich ergonomisch gesehen nicht mal so schlecht, wie man bei einem kleinen Gerät wie dem iPhone denken könnte. Man kann das Gerät auch horizontal drehen, gar auf den Kopf stellen und die Artikel drehen sich mit. Wer sich das anschauen möchte, bittschön, habe zu der Applikaton bereits was geschrieben: NY Times for iPhone. Ich bin damit topzufrieden. Bevor ich zum Wechseln meiner Winterreifen los bin, habe ich das ipod Touch (kein online connect via GPRS/UMTS, nur WLAN) angeworfen, die neuesten Artikel wurden automatisch heruntergeladen, fertig. Beim Warten auf die Winterreifen habe ich dann am ipod Touch die Artikel gelesen. Eine perfekte Lösung, was man aber nur dann empfindet, wenn man sowas mal in der Praxis genutzt hat.

Zentraler Punkt: Das ist soooo easy, dass man sich fragt, warum die Zeitungen „mobile Lesegeräte“ bzw. „mobile Lösungen“ nicht von sich aus pushen. Iphone, Kindle, G1, Android…. wieso investiert man nicht gemeinsam in solche Lösungen im breiten Umfeld, um einen Push zu erzeugen, der die Kunden erzieht? Wenn das Bezahlsystem so simpel wie beim iPhone gelöst ist – und ich sehe keinen Grund, warum das nicht möglich sein sollte – und die erforderlichen Geräte gefördert werden, wieso sollte man nicht investieren? Warum sollte eine Zeitung nicht zB ein iPhone bzw. ein Android-Handy dem Kunden schenken, wo die Lösung fertig drauf ist? Wieso sollte man keine „Tankstation“ anbieten, wo man das Gerät kurz ankoppelt, die Artikel zusammengestellt und auf das Gerät geladen werden, wenn man in der Bahnstation weder WLAN noch GSM-Connect hat? Weil sowas nur die wenigen Webfreaks nutzen, die nur im Netz leben? Weil mobile Geräte noch nicht soweit sind und sowas wie ein iphone die Ausnahme bleiben wird? Welch ein Unsinn. Hey, es ist doch so oder so klar, dass Holzzeitungen in nicht einmal 20-40 Jahren passe sein werden. Worauf warten? Sparmaßnahmen sind was für die, die keine Ideen haben und nur das nachplappern, was ihnen die erzählen, was nicht geht, weil blablabla… wer nicht wagt, der nix gewinnt. Und eines ist klar: Wir lernen, es geht nicht von heute morgen, egal was man tut. Wer früher lernt, erntet auch früher.


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Über den Autor

Robert Basic

Robert Basic ist Namensgeber und Gründer von BASIC thinking und hat die Seite 2009 abgegeben. Von 2004 bis 2009 hat er über 12.000 Artikel hier veröffentlicht.

38 Kommentare

  • Ich glaube du machst es dir zu einfach.

    Das Problem ist nicht, die Inhalte auf mobile Geräte zu bekommen, oder dafür zu bezahlen. Das Problem ist, dass es einfach zu viele kostenlose Angebote für das gibt, was Zeitungen bieten: News, Wetterbericht, Sport, Anzeigen…die Meinung vieler ist doch: „…warum soll ich für Informationen bezahlen, an die ich auch kostenlos kommen kann?“ Die (subjektive) Qualität ist in dem Fall für viele kein Argument…

    Grüße,
    Torsten

  • Der Zustand von Print…

    ZUm artikel von Don Dahlmann noch ein paar Beobachtungen und zu Roberts Überlegungen von mir.

    * Schon seit Jahren werden die Budgets für freie Mitarbeiter bei Print zurückgefahren, und solche Dinge wie Urlaubsgeld und Weihnachtsgeld gekippt. Hei…

  • Die Antwort warum sie es nicht machen, ist ganz einfach. Sie können es nicht. Dabei meine ich nicht die Technik – es ist das Umdenken.

    Die Alten, die das Sagen haben sind zu unbeweglich und wenn es Mitarbeiter gibt, die die neuen Techniken des Internet schon adaptiert haben und sie im Idealfall leben, rennen gegen eine Wand und die nächste Wand und die nächste Wand.

    Es ist nicht nur Print , glaube ich. Es betrifft alle Industrien. Ich erlebe es immer wieder bei Kunden. Oft kann man nur das schlimmste verhindern.

    Dazu passt auch dieser Artikel über die Digital Natives, der kürzlich erschienen ist. War aus einer Schweizer Zeitung, glaub ich.

  • Wieviel zahlst Du denn für Deine NYT-Texte? Nichts, oder? Und wieviel wärst Du bereit zu zahlen? Einen so hohen Preis, dass sich für den Verlag das hier phantasierte Sponsor-Lesegerät rechnet?

    Ich wäre dazu nicht bereit. Eher kaufe ich eine gedruckte Zeitschrift, um darin lange, ausführliche Texte offline lesen zu können. Auch gern Reportagen mit schönen großen Fotos. Sieht gedruckt einfach besser aus als am Screen. Für die schnelle, kurze Info online dagegen zahle ich niemandem was. Weil die schnelle, kurze Info etwa gleichlautend über Dutzende Kanäle gleichzeitig kommt. Oder willst Du die alle mittelfristig schließen?

  • Ich denke die Verlage meckern gerne ohne sich wirklich an die Zeit anzupassen. Würde Apple nicht ständig neue Produkte und ein neues Betriebsystem rausbringen, wäre es auch schon längst untergangen. Die Verlage müssen verstehen, dass die Zukunft im Web liegt. Sie müssen nach möglichkeiten suchen, im Web mit Werbung oder bezahlten Diensten vernünftig voran zu kommen. Spiegel.de macht es vor, dass es funktioniert. Ich befürchte zwar, dass durch den Wandel im Web kleinere Zeitungen auf der Strecke bleiben werden, allerdings nur weil auch der Zeitungsmarkt globaler wird und wir uns in den heutigen Zeiten auch mal eine NYT durchlesen, früher hätten wir diese im Print-Geschäft seltener der Lokalen Tageszeitung vorgezogen.
    Wenn der Service gut genug ist, wird sicher auch ein Teil der Leserschaft bereit dazu sein, für Artikel zu zahlen. Allerdings sehe ich es nicht als die Aufgabe der Verlage unser W-Lan Netz auszuweiten um so einer besseren Verbreitung zu dienen. Wenn man vorrausschaut wird in einigen Jahren in jedem mobline Device über UMTS-Internet geben oder W-Lan breitet sich so aus, dass wir es für normal halten an der Tankstelle W-lan zu haben.

  • Wie sehen die Finanzen der Medienkonzerne tatsächlich aus ? Eines ist doch klar: Man kann nur das ausgeben, was man einnimmt und man wird weder mit philosophischen Erklärungen („Noch kein Rotschrift hat eine Zeitung geführt“), noch mit politische-ideologischer Verklärung („Zeitung X müßte nur meine Meinung widerspiegeln, dann wird sie auch gelesen“) daran etwas ändern.

    Ich gehe von Folgendem aus:
    1. Das Abwandern von Immobilien-, Kfz- (und z.T. auch Stellen-)Anzeigen zu „Online“ plus geringeres Wirtschaftswachstum bescheren Mrd.-Ausfälle. In den USA kündigte vor einem Jahr ein Immobilienkonzern den Zeitungen/Zeitschriften an: „Es wird blutig !“
    2. Wir haben einen Wandel in der Bevölkerungsstruktur. Zeitungen werden aufgrund ihrer Haptik immer existieren aber warum muß es die *Frankfurter Rundschau* geben ? Oder die seit Christi Geburt(?) defizitäre *Welt* oder den *Tagesspiegel* ?

    Apropos „…struktur“: Auf einem verlinkten Video der `medienlese´ sah man Mitglieder des Journalistenverbandes – ich vermute mit einem Durchschnittsalter von 58,7 Jahren. … die Uhr tickt.

    Alles fließt und wenn der Buchhandel an ´amazon´ Beschäftigung verliert, edle Immobilienmakler Kunden an Online-Discount-Dienste verlieren, dann wird *Print* nicht auf der Insel der Seligen leben (können).

    @MarkS, das Vorgehen von NYT sichert vllt. deren „USP“ … die wiederum Abonnenten und Anzeigen sichert. 😉

  • Robert, warum drehst Du Deinen eePc nicht einfach um 90 Grad, die Software dazu gibt es umsonst. Von Samsung für Win zum Beispiel.
    Dann IST das ein Lesegerät!
    Aber ich habe auch den Eindruck, dass die Zeitschriftenverlage sowas gar nicht denken können. Das ist heute bereits so. Frag mal einen Drucker einer auflagenstarken Zeitung, was er von der Redaktion hält und umgekehrt. Da ist zu viel Unbeweglichkeit im Raum.
    Zum Bezahlen: Ich lese den Mannheimer Morgen nur noch als e-Paper, einmal, weil ich meist so früh aufstehe, dass der Printteil nie da war und dann, weil das Web-Abo die Hälfte billiger ist. Plus Recherche im Archiv und alle Teil-Zeitungen (regional) inklusive. Zeitungen der alten Art sind eigentlich nur noch wegen dem Lokalen attraktiv.

    Aber das wird alles kommen, es wird!

  • Klein bisschen OT: Bereits Ende der neunziger konnte man mit einer Software namens AvantGo customisierte Feeds der meisten großen (Tages-)publikationen, zumindest im englischsprachigen Raum, auf den Palm (damals: Pilot Professional, Palm III und Palm V) holen.

    Ich finde, 10 Jahre sind eine Menge Zeit um sich auf Trends vorzubereiten.

  • da gibts eine wichtige komponente. es ist der mensch. zeitungen gehören doch aaaalten verlagen. da sitzen oft traditionelle familien dahinter. aus einem zeitungsverlag ein medienunternehmen zu machen, ist sehr schwer. veränderungen sind einfach für den menschen sehr schwer.

    guck dir die autohersteller an. was tun die sich schwer, sich vom benziner und diesel zu verabschieden. hybrid? gas? solar? pfui. hätten sie ihre milliarden statt in ps und hubraum in neue antriebstechnologien gesteckt, wären wir da auch schon weiter.

    und die zeitungsverlage? selbes spiel. es werden ein paar kapieren. ein paar andere werden auf grund ihrer grösse durchhalten und auch auf den zug aufpsringen. der rest verschwindet einfach.
    wieder die analogie zum auto: die marken gibts doch noch. nur sind sie in den händen von wenigen herstellern. so schätze ich das bei den zeitungen auch ein. es werden die überbleiben, die wandelfähige menschen an den entscheiderpositionen haben. und das sind oft die gesellschafter oder familienräte – nicht aber chefredakteure oder geschäftsführer…

  • @Mark, ganz einfach, grob das was die NYT an Kosten hat + Gewinnmarge geteilt durch Auflage (im Onlinebereich).. die Texte sind nämlich ewig lang, qualitativ hochwertig, etcpp… + lass doch mal Deine Fantasie spielen, was so ein totes Holz nicht kann und was der Kunde für Nutzenaspekte zusätzlich rauszieht(zB inline comments meiner Abo-Kumpels, die den Artikel mit mir zusammen kommentieren, um den Inhalt besser bewerten zu können, was die Bedeutung angeht, simples inline-bookmarking, geocodiertes Berichtswesen, etcpp… die Welt gehört den Kreativen.

  • die zeitungen werden ganz ohne zweifel die nächste Musikindustrie werden. es gilt allein schon mit dem gigantischen content den longtail zu bedieben und den index vollzumüllen. da kann man dann auch noch geld mit werbung verdienen. das ist immerhin mehr als jetzt mit dem content von vergangenen jahrzehnten verdient wird. nämlich nichts.

    aber das hat ja schon die musikindustrie nicht geschnallt. die illegalen downloads waren doch zu einem hohen prozentsatz im normalen handel gar nicht mehr zu bekommen. die downloads haben aber belegt, dass es noch eine nachfrage gab.

  • Ich denke, Zeitungen werden eines Tages aussterben. Da gibt’s nichts zu retten. Das Lokale werden Websites übernehmen, die große Politik Spiegel und Co. Leider.

  • „Für diesen Teil der Leserschaft bzw. diesen Teil des Use Cases „€œZeitung lesen“€? kann eine Bezahlbereitschaft existieren, die nicht von der Hand zu weisen ist.“

    „Kann“ und so, loge. 🙂
    Ansonsten zahlt zum Glück kaum jemand im Web für Inhalte. Es trifft mit den Zeitungsverlegern schon die Richtigen, erst seitdem es Blogger gibt wissen viele, dass die oft einseitige und parteipolitisch geprägte Berichterstattung der „Qualitätsmedien“ (wie auch der staatlichen „Qualmedien“) verzichtbar ist.

  • Gibt es sowas denn schön für blogs in Kombi mit dem iPhone? Vernünftige kostenlose RAD Reader gibt es ja ebenfalls nicht. Gruß, Peter

  • Ich glaube ihr vergesst alle, dass das Medium „Zeitung“ in erster Linie vom 0815-Bürger gekauft wird und der besitzt heute noch nicht die mobilen Geräte und die Geduld sich das alles beizubringen. Nicht jeder verfügt über einen Account bei xy um das und jenes nutzen zu können.

    Die Zeitungen müssen die Leser vom Printbereich langsam auf ihre Onlineangebote aufmerksam machen, zum Beispiel durch Aboangebote, die Vorteile im Onlinebereich erwecken oder gezielte Onlineabos für Content. Man muss attraktiver sein als die anderen Medien. Die meisten Nachrichten könnte ich mir theoretisch aus Blogs holen, weswegen ich keinen Sinn darin sehe ein Abo bei xy anzumelden, das würde ich allerdings dann tun, wenn mir dieses Angebot etwas bietet, dass ich so nirgends kriege.

  • hatte mal die idee automaten aufzustellen wo man sich die immer aktuelle onlineausgabe der zeitung ausdrucken lassen kann. 50 cent rein und du bekommst die aktuellsten meldungen anstatt einer tageszeitung mit themen von gestern….aber die verlage schlafen…

  • NY Times ist ja gigantisch – diese Zeitschrift macht noch mehr Gewinn alleine weil sie über die Krise berichtet. Ob die von der Krise betroffen ist mag ich bezweifeln. Vieleicht werden die Werbeeinnahmen etwas schrumpfen, aber dafür kaufen die Leute viel mehr Exemplare. Alle Medien werden sich sicherlich in Richtung Mobile entwickeln. Mich wundert nur, das Bloomberg noch keine digitalen Zeitschriften anbietet.

  • Natürlich schlafen die Zeitungsverlage. Es gibt mehr Möglichkeiten, als Werbung oder einen Betrag für eine Online-Einsicht, ob mobil oder nicht. Ein einfaches Brainstorming und Zusammenarbeit mit vordergründig fremden Unternehmen würde weiterbringen. Im Moment subventionieren jawohl die Abonnenten die Online Ausgaben, die ja ökonomisch als Zweitverwertung anzusehen sind. Aber wie wäre es, ein Abo mit Online zu koppeln. Gibt es ja teilweise. Wie wäre es, Händi-Verträge mit Online Ausgaben im Vertrag zu koppeln. Variable Bezahlmodelle für verschiedene Fälle: einmalig mobil, gekoppelt mit einem Pfund Tchibo Kaffee, gekoppelt mit Cafehäusern, 10 l Benzin geben 1 Tag das Angebot x frei, u. v. m.. Man mag darüber lächeln, oder sofort hier und da Bedenken anmelden. Aber es geht darum, Ideen auszusprechen. Und natürlich bin ich selbst skeptisch, im Gewürge eines großen Verlages, solche Projekte auf den Weg zu bringen. Deshalb wird die Veränderung von außen kommen, von einem Nicht-Zeitungsverlag. Wie so oft schon. Alle werden überrascht sein, von dieser unerwarteten, wendigen Innovationsfreude eines Unternehmens, das garnicht als Konkurrenz gesehen wurde. Wahrscheinlich ein Unternehmen, das irgendeine technische Innovations im Bereich e-Reader bringen wird oder irgendein Flipper Hersteller, der sich neue Geräte ausdenken muß.

  • Ideen haben die. Ob Kaffee oder Miles-and-More-Gutschriften. Nur setzen die Verlage diese Ideen dazu ein, Abos zu verkaufen.

  • Die Tatsache ist: Viele Verlage wünschen sich, dass der extreme Aufwandsunterschied zwischen Informationbeschaffung/Contenterstellung einerseits und deren Vielfältigung andereseits einfach weg ist.

  • Bereits Ende der 90iger gab es Überlegungen, daß „content“ mittel-, bis langfristig nahezu kostenlos anzubieten sei – eben aufgrund der geringen Kosten der Vervielfältigung. Geld könne man fast ausschließlich durch die Vermarktung,des durch den „content“ erzielten Ruhmes verdienen:
    Insofern sind Leserreisen, Buchhandel, etc. nur die Umsetzung dieser Entwicklung…
    (Wobei ich jetzt mal ketzerisch frage, ob „Contenterstellung“ bei Zeitungen wirklich so teuer ist oder ob man nicht einfach per Internet „recherchieren“ kann)

  • Ich hatte vor 12 Jahren mal die Freude, Zeitungsverlegern aus Sicht der Medienforschung die Zukunft der Medien und der Werbung vorzustelllen.

    Die Reaktionen waren ernüchternd und haben mich davon abgehalten, jemals in einen dieser Verlage zu wechseln, die meinten, eine dauerhafte „Lizenz zum Gelddrucken“ durch ihre lokalen Monopole zu besitzen.

    Einige wenige haben sich dann doch auf den Weg gemacht und entsprechende Initiativen in ihren Verlagen unterstützt oder ins Leben gerufen, diversifiziert, auch neue Projekte „draußen“ gestartet oder sich meist „still“ daran beteiligt.

    Ein großer Teil wollte jedoch nicht erkennen, warum man mit einigen Jahren Vorlauf agieren sollte, wenn doch alles so schön langsam (wenn auch in die falsche Richtung, nach unten) läuft, dass man doch ausreichend Zeit hat, wenn es mal richtig schlimm kommt etc. pp. Ausserdem habe man ja noch lokale Radiosender (… dann kommt auf einmal last.fm), Gelbe Seiten (Google Maps + Local), Anzeigenblätter, Postvertrieb (PIN….), Fachzeitschriften (Whitepapers….) – da kann doch einem nichts passieren.

    Nun kommt in einen vorhandenen Trend der sinkenden Auflagen (bis auf DIE ZEIT, ÖKOTEST und einige wenige andere) und Anzeigenvolumina eine deutliche Verschlechterung der Finanzlage und Kreditlinien, steigende Kosten (v.a. Energie / Transport, aber auch Personal durch Mindestlöhne und Überalterung der Belegschaften) und einen generelle Abwanderung der Leistungsträger (Mitarbeiter und Werbungtreibende) Richtung Internet dazu.

    Der Stress, der auf diesen Unternehmen lastet und auf ihren Eigentümern / Verwaltern steigt exponentiell – weitere Leistungsträger verlassen jetzt zügig diesen ehemals sicheren Hafen… weil sie sich dort eben jetzt nicht mehr sicher fühlen und wenn sie schon Unsicherheiten eingehen, dann doch lieber in Unternehmen, die auch eine realistische Chance haben.

    Jetzt wollen einige verkaufen… und es ist kein Käufer mehr da, weil die Banken das nicht mehr finanzieren wollen.

    Was bleibt ? Weitermachen wie bisher, gesund schrumpfen, Qualität reduzieren, hoffen auf einen dritten Frühling.

    Wer soll in solchen Unternehmen neue Projekte wagen ? Diese Mitarbeiter sind längst gegangen oder auf dem Sprung.

  • Hm, und was ist mit dem guten Gefühl morgens am Frühstückstisch eine Zeitung zu lesen? Ich finde, keine digitale Lösung bietet diesen Komfort.

    Glaubt denn jemand hier, dass es die Bild-Zeitung in 30 Jahren nicht in Papierform geben wird?

  • Es mag genug Menschen geben, die ihr Ritual am Frühstückstisch beibehalten. Solange ihnen noch jemand das gedruckte Blättchen ins Haus liefert. Bei sinkenden Auflagen und Arbeitskräftemangel (Zusteller) werden die Kosten dafür immer weiter steigen, pro zugestelltem Exemplar. Für Pendler ist die Zeitung zudem häufig keine gut Wahl, sie wird zu spät morgens zugestellt, am Steuer lesen ist gefährlich (da hört man dann lieber einen Nachrichtensender, ein Hörbuch oder Podcasts) und in überfüllten Zügen ist das klassische Zeitungsfprmat zu unhandlich. Nit einer Datenflatrate von 10 EUR im Monat kann ich hingegen morgens minutenaktuell via mobile Web Nachrichten lesen, nicht nur deutsche, sondern auch internationale Medien.

    Das braucht gewiss nicht jeder.

    Was es m. E. in 10 Jahren sogar mehr als heute gedruckt geben wird sind längere Lesestücke wie in der ZEIT u.a. Wochenzeitungen. Mehr Qualität, weniger Nachrichtenagenturmaterial, das mit Archivwissen garniert wird.

  • Es gibt durchaus Nachfrage nach guten Ideen:
    http://www.gruenewiese2009.de/

    G+J Deutschland sucht zum Beispiel (noch bis zum 30. November) die Medienidee des Jahres… und:

    „Das siegreiche Team erhält die Gelegenheit, die Weiterentwicklung des Konzepts maßgeblich mitzugestalten. G+J Deutschland zahlt den Gewinnern einmalig eine Prämie in Höhe von € 10.000,- – selbst dann, wenn das Team nicht an einer Mitarbeit interessiert ist. „

  • […] Vorbei sind die Zeiten, in denen man nur vom Heimrechner oder dem suendhaft teuren und gleichzeitig furchtbar schweren Laptop ueber Modem oder ISDN quaelend langsam ins Internet konnte. Mein ueber zwei Jahre altes Telefon kann per WLAN ins Netz, moderne Netbooks halten bis zu sechs Stunden Zugfahrt durch, waehrend der man sich durch die vorab auf den RSS-Reader geladenen Nachrichten und Artikel durchlesen kann — und wenn es einen furchtbar interessant klingenden Backlink gibt, kann man dem sogleich via WLAN oder UMTS folgen. Die New York Times macht das schon, in Deutschland sucht man danach vergebens. […]

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