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Journalisten suchen ihren Weg zum „e“ wie „Zukunft“

vordergründig könnte man das als amüsant abtun, worüber die Journalisten untereinander debattieren, wenn der eine „nach vorne ins moderne Netzzeitalter“ schreit und der andere hinterherruft, welche Richtung wohl eher zu effizienteren Resultaten führt, wenn der Vorauseilende bis dato trotz eEinsatz nichts Auffälliges zu Stande gebracht habe. Was es wohl Journalisten bringe, sich so sehr zu vernetzen und einzutauchen. Hintergründig sind das aber exakt die Diskussionen, die in der Übergangsphase zu einem neuem Equilibrium dem Berufsstand eine proaktive Neuorientierung verschaffen.

Holger Schmidt/FAZ hat dazu wieder einmal die Trenddaten lt. Allensbach ins Visier genommen: „Das Internet wird zum Leitmedium„. Zwei Grafiken zeigen den schleichenden Prozess der Informationsumorientierung:
Trend 1
Trend 2
In rund 10 Jahren hat die Generation der Jungspunte ihr Informationsverhalten Stück für Stück angepasst. Man kann wohl kaum behaupten, dass der Berufsstand der Journalisten das nicht mitbekommen hat, doch alles Lamentieren und Rätselraten hilft nix, was und wie zu tun ist, um unter den neuen Umweltbedingungen sein Plätzchen zu finden. Es spielt nicht einmal eine Rolle, ob Thomas Knüwer nun eine Role Model sein könnte oder nicht, es ist letztlich egal! Warum?

Der Verlust an Printeinnahmen kann momentan nicht durch Onlineaktivitäten kompensiert werden (jeder Prozentpunkt, den die Verlage über die Jahre hinweg an Printauflage verlieren, wird nur zu einem sehr kleinen Bruchteil durch einen Mehrprozentpunkt im Netz gedeckelt), da das Einnahmemodell Werbung nicht genug hergibt, das Fehlen eines etablierten Micropayment-Systems rächt sich immer mehr und eine echte Innovationsbereitschaft im Sinne eines Umdenken, wie man Informationen zum Kunden noch bringen könnte, existiert in der notwendigen Breite nicht. Nach wie vor behaupte ich, dass es ohne Investitionen in eReader und eine komplette, lokale Infrastruktur nicht gehen wird, das Zusammenschrumpfen dieses Berufstandes aufzuhalten (siehe zu diesem Themenkomplex eReader in Mache, Warum retten sich die Zeitungen nicht? und die Artikelreihe Eyeballs). Ein Verlag alleine kann das nicht stemmen, alle zusammen schon viel eher. Statt also Online nur nachzuäffen und das haptische Element des raschelnden Papiers seelig zu betonen, sollte man eigene Wege gehen, ein Transportobjekt zu finden, das beide Vorteilswelten aus Offline und Online zu einem neuen Etwas kombiniert.

Markttechnisch jedoch kann ich die großen Verlage gut verstehen: Sie werden einen Teufel tun und allen gemeinsam einen Zugang zu einem wie auch immer gedachten, zukünftigen Markt eröffnen. Stattdessen kann ein Axel Springer und Spiegel ausharren, warten, bis die zahlreiche Konkurrenz in der Onlinewelt verhungert und den kleineren Kuchen unter sich aufteilen. Es ist jetzt schon in dieser Frühphase absehbar, wie die Großen von den Entwicklungen profitieren, während die Kleinen keine Möglichkeiten haben mangels Kapitaldecke. Unter dem Strich kann dieses Verhalten mehr einbringen als die heutige Umsatzsituation. Ist aber eine pure Annahme, wie brutal Marktteilnehmer im Grunde agieren. Die Annahme, die wären dumm, die würde ich nicht so schnell treffen.

Egal wie man es dreht und wendet, Thomas hat in einem imho völlig Recht:

Stirbt damit der Journalismus? Nein. Aber er wird zur Billigware. Die großen Medienhäuser werden ihre Angebote zusammenlegen und runterschrumpfen bis sie ein Niveau erreicht haben, das sich noch irgendwie über Werbung finanzieren lässt. Denn bezahlen mag ja heute schon kaum jemand für die Inhalte.

Ihr werdet Euch die Köpfe heiß diskutieren, Ihr werdet über Thomas Knüwers Effizienz diskutieren (wie Stefan Niggemeiers), Ihr werdet möglicherweise Wege finden, ja, die werden aber bei Weitem nicht allen was bringen, sorry, meine Meinung. Einen Effekt kann ich bei einer möglicherweise zukünftigen Oligopolisierung des News-Medienmarktes nicht abschätzen: Wird es die Rolle des Internets derart stärken, dass die News-Newbies des neuen Zeitalters eine noch größere Infopower bekommen? Die Techcrunchs und vielen, weiteren Anlaufstellen im Netz (Foren, Blogs, SNs)? Ich beneide Euch nicht wirklich. Eine spannende Zeit ist es.


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Über den Autor

Robert Basic

Robert Basic ist Namensgeber und Gründer von BASIC thinking und hat die Seite 2009 abgegeben. Von 2004 bis 2009 hat er über 12.000 Artikel hier veröffentlicht.

11 Kommentare

  • Was bitte meinst du denn mit E-Reader und lokaler Infrastruktur?

    Falls damit Anzeigegeraete a la Kindle gemeint sind: Wir sind leider noch nicht annaehernd soweit, uns um geeignete Anzeigegeraete zu kuemmern — erst einmal muessen die Inhalte her, und zwar mehr als nur ein kommentierter Agenturfeed und das „rueberschaufeln“ der Print-Inhalte in das Web-CMS. So sieht aktuell leider die Realitaet aus.

    Der Fahrplan muss anders aussehen. Eine geeignete, gut navigierbare Onlineausgabe der Zeitung bauen (nein, kein PDF-Reader oder was weiss ich). Ordentliche Suchfunktionen anbieten. Feedback erlauben.

    Bis das mal steht, ist sowieso die uebernaechste Generation von Anzeigegeraeten auf dem Markt. Das ist im Vergleich total nachrangig.

  • Biegsame Displays schoen und gut. Ob ich aber nun polemisch gesagt Crap auf dem iPhone oder Crap auf dem Plastic-Logic-Display ansehe, ist doch wuppe. Die Inhalte muessen stimmen, die sind wenigstens genauso wichtig wie das Darstellungsmedium, und an denen hapert es IMO am meisten.

  • Traditionen dauern nicht ewig.

    Es gab mal eine Tradition:

    Man kauft einen Stapel Papier, was da drin steht liest man und hält es für relevant, weil es drin steht. Man hält es für wahr, weil man keine anderen Informationsquellen hat, ausser bei Themen, die man direkt erfährt / erlebt. Weil es nur diesen einen Weg gibt, müssen Unternehmen viel Geld für Werbung in diesen Papierstapeln ausgeben. Es bleibt ihnen sonst nichts übrig, können sie doch nicht direkt mit den Lesern kommunizieren. In dieser Tradition hatten die Verlage und ihre nachgelagerten Vertriebswege die Macht: über die Inhalte und über Erfolg/Misserfolg von Unternehmen. Alle mussten zahlen: die Leser und die Unternehmen. Also eigentlich nur die Leser/Konsumenten, denn die Werbeausgaben werden ja auf den Produktpreis aufgeschlagen. Die Unternehmen mussten einen Großteil ihres Profits für Werbung ausgeben, deren Effizienz sie kaum messen konnten. Sie werden mit „Nutzungswahrscheinlichkeiten“, „Hochrechnungen“ etc. abgespeist, wo sie doch sonst Kosten mit extremer Genauigkeit kalkulieren müssen, damit Fabriken profitabel sind.

    Das ändert sich nun:

    Die Leser merken, dass vieles schlicht nicht wahr oder verzerrt dargestellt ist, was in den Papierstapeln steht, oder manchmal auch einfach nur veraltet, nicht so tief recherchiert wie es möglich wäre. Sie merken auch, dass vieles fehlt in diesen Papierstapeln, was von Interesse und Relevanz für viele Menschen ist. Die Unternehmen können nun direkt mit ihren Kunden kommunizieren, 365 Tage im Jahr, 24 Stunden am Tag. Bei Interesse finden Kunden und Unternehmen direkt zusammen, benötigen dafür keine Medien.

    Das trifft vielleicht für 2/3 aller Themen / Kunden / Unternehmen zu, die Zahl ist von mir grob geschätzt.

    Für 1/3 benötigt man weiter Fachmedien, Fachleute, Beratung, Einordnung. Wer die leisten kann (ob Verlag oder Einzelkämpfer, ob Verein oder Verband oder Partei oder ….) muss nicht bange sein, dass ihn Leser nicht finden werden.

    Dafür sorgen schon die Suchmaschinen, Foren, engagierte Blogger/Autoren….

    Aus dieser Veränderung ergibt sich für mich, dass ein „Zuwachs“ bei Online nie die Verluste in Print ersetzen wird. Das ist ein Wunschtraum der Verlierer.

    Es handelt sich nicht nur um einen Wandel des Transportweges, sondern eine grundsätzliche Veränderung in der Gesellschaft. Aus Mangel (hoher Preis für Papierstapel und die weißen Flächen drin) wird nun Überangebot, deshalb fallen bei ersetzbaren Medien die Preise ins Bodenlose, schrumpfen die Auflagen, wird verschleudert auf „Abo“ komm raus.

    Für relevante Medien wird jedoch weiter „gezahlt“: mit Aufmerksamkeit durch die Leser und durch Werbung bei 100% Nachweis der erbrachten Leistung. Ob das Medium dann gedruckt oder nicht ist, spielt m. E. keine Rolle. Auf die Bedeutung für die Menschen und für die Unternehmen kommt es an.

  • Die Fakten sind eindeutig und auch seit Monaten bekannt: Bis 29-jährige lesen kaum Zeitung, auch Akademiker nicht (mehr viel), und vor allem die Gruppe der Innovatoren bewegt sich zunehmend nur noch im Web.
    Die Diskussion, die dann entsteht, dreht sich zumeist a) um Wirtschaftlichkeit, b) die Frage, welches Medium gewinnt, und c) um die inzwischen ausgelutschte und polarisierte Diskussion um Qualität von Onlinejournalismus, Partizipation etc. Ich verfolge das nun seit zwei Jahren, und die Standpunkte dazu sind im Grunde hinreichend ausgetauscht.

    Diese Diskussion ist zum einen nicht richtig, weil das Internet ein „Hybrid-Medium“ ist, das alle anderen Medien abbildet. Es gibt kein entweder-oder, und es sollte auch keine „Lager“ geben, denn relevante, richtige und gut aufbereite Inhalte kosten leider Zeit, Geld und bedürfen der Finanzierung, sonst gibt es sie nicht mehr. Egal, in welchem Medium. Online hat niedrigere Distributionskosten ggü Print, aber das ist zu trennen von der Contenterstellung, die leider im grossen und ganzen das gleiche kostet.

    Zum anderen zeigen die Diskussionen aber auch eine IMHO erschreckend apolitische Denkweise. Der Prozess der Meinungsbildung ist DER Prozess, der in einer Demokratie der wichtigste ist, weil aus ihm die materielle (nicht: die formelle) Legitimität der gewählten Organe erwächst. Ein Parlament, das von schlecht informierten Bürgern gewählt wird, verliert langfristig seine materielle Legitimation, ganz zu schweigen von Exekutive und Legislative, die von ihr bestellt werden und daher nur abgeleitete Legitimation besitzen. Verliert der Meinungsbildungsprozess an Qualität (zugegeben: er ist auch heute nicht gut, und das Internet könnte weit mehr dazu beitragen!), wird dies langfristig zur Erosion der Demokratie führen. Pointiert formuliert: Informierte Bürger sind condition sine qua non fuer die Demokratie.

    Da wir auf einer politischen Ebene wie selbstverständlich argumentieren, wenn es um Bildungsausgaben, Ausgaben für F+E, Ausgaben fuer Verteidigung geht (jeweil hohe Millionenbeträge im Bundeshaushalt ohne direkte Refinanzierung), darf man sich auch mal fragen: Ob es fuer das Gemeinwohl nicht besser wäre, diesem Prozess Einhalt zu gebieten, der der Contentgenierung auf Dauer wirtschaftliche Rahmenbedingungen setzt, die ihre Funktion im demokratischen Willensbildungsprozess schädigen. Es kann unter diesem Aspekt nicht die Aufgabe von porfessionellen Redaktionen sein, Klickstrecken zu produzieren, nur um die Reichweite zu halten und zu steigern, und drei Mal am Tag die Homepage umzubauen, damit alle wie die Junkies drei Mal am Tag auf die Angebote sehen. Da läuft seit Jahren etwas schief, aus einer politischen Perspektive. (Mal ganz abgesehen davon, dass dies auch nicht im Interesse der Leser ist. Richtig wäre mit den Mitteln des Internets, dass man weniger Visits hat und sich dann aber mit meinungsbildenen und hintergründigen Themen befasst.)

    Ich kann daher den Ruf einzelner Verlags-Lobbyisten gut verstehen, dass das politische System hierauf eine Antwort finden muss. Es ist ein Systembruch, dass wir alle die ö-r Fernseh- und Radioanstalten seit zig Jahren per GEZ-Zwangsabgabe subventionieren, und die Verlage wirtschaflich ohne jede Unterstützung der öff. Hand agieren.

    Das ist, wie gesagt, eine politische Sicht.
    Kann man anders sehen, und auch mit gutem Grund, aber mir wäre wichtig, den Journalismus nicht als Cost Center zu sehen, sondern in einem gesamtgesellschaftlichen Kontext.

  • @Christoph Kappes:

    Genau das haben wir doch mit der Mediensteuer, die durch die GEZ eingezogen wird, schon: von fast allen Bürgern subventionierte Medien, allerdings (noch) ohne Print.

    Man müsste doch nur den öffentlich-rechtlichen Medien erlauben, auch im Zeitungs/Zeitschriftengeschäft tätig zu werden.

    Wenn erst einmal jeder Bürger eine kostenlose (er zahlt ja indirekt) unabhängige Tages/Wochen/Monatszeitung im Briefkasten findet, ist er auch informiert.

    Die Werbung in solchen Medien könnte sich – ohne jeden Einfluss auf die Redaktion, die viele Zeitschriftenhäuser inzwischen den Werbungtreibenden einräumen – zu Höchstpreisen vermarkten lassen, so dass am Ende die „Gebühren“ sogar sinken könnten.

    Nur gäbe es dann bald keine Medien-Dynastien mit Erbpachtrecht auf Profite mehr… denn außer der TAZ und DER SPIEGEL, Ökotest und natürlich vielen Unterhaltungsmedien sehe ich kaum ein gedrucktes Produkt, das gegen solche öffentlich-rechtliche Printmedien bestehen könnte.

    Die „Verlage“ könnten sich dann auf das beschränken, was sie gut können: Herstellen der druckfähigen Vorlagen, Drucken, Konfektionieren, Post aufliefern, Adressverwaltung etc.

    Wäre für alle 4 „Beteiligten“ ein Gewinn: den Verlagen würde der Druck genommen, in wirtschaftlich schwierigen Zeiten Qualität zu liefern, den öffentlich-rechtlichen Medien ist die Zukunft gesichert, die Bürger hätten verlässliche Informationsquellen, die Politik „Kanäle“ um zu kommunizieren.

    Ich wäre dabei, gründen wir eine Initiative dafür ?

  • mir bereitet es bei dieser gedanklichen Lösung größte Bauchschmerzen, da die Intendantenposten bewusst auch pol. bestimmt besetzt werden. Oder stört das nur mich?

  • @Robert: mich stört das „politische“ daran auch. Jedoch: dank Internet und agilen Bloggern würde zuviel Einflussnahme publik gemacht. Die unterschiedlichen Gruppen würden sich mit Argusaugen überwachen. Und: es gäbe ja weiterhin die TAZ, FAZ (habe ich vorhin vergessen), SPIEGEL …

    Schlimmer als die aktuellen Panikaktionen der Verlage kann es kaum noch kommen. Einige mutieren zu Reisebüros und Partnervermittlungen, andere zu schlecht getarnten Onlinehändlern oder Briefzustellern…

    Und wer solche Marktforscher hat, braucht eigentlich keine Feinde mehr:

    „Marken können allein durch Werbung im Internet aufgebaut werden – besagt eine Studie im Auftrag des Verlegerverbandes VDZ. Präsentiert hat vorläufige Ergebnisse Wolfgang Dittrich bei den Zeitschriftentagen. “

    http://turi-2.blog.de/2008/12/04/heute2-verlegerstudie-horizont-chip-5162519

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