Facebook: Jetzt mal endlich Kasse machen

André Vatter

Ich erinnere mich noch daran, als wäre es gestern gewesen. Vor zwei Jahren, wenige Tage vor Weihnachten, wälzte StudiVZ wichtige Datenschutzpunkte vom AGB-Menü und fügte stattdessen so etwas an die Stelle:

„Ich willige ein, dass StudiVZ die von mir bei der Registrierung mitgeteilten Daten […] dazu nutzt, um mir gezielt personalisierte Werbung […] zu präsentieren.“ (aus den AGB)

Was für ein Aufschrei! Schnüffel-Werbung! Orwell! StasiVZ! Und dann auch noch das freche Ultimatum an die Nutzer: „Entweder ihr macht mit oder könnt gehen.“ Naja, heute ist das alles Schnee von gestern, heruntergekocht. Vielleicht liegt es an Schäuble, der Vorratsdatenspeicherung und dem Bundestrojaner, dass Datenschutz im privaten Sektor ein wenig in den Hintergrund gerückt ist. Außer einem Image-Dämpfer und weiterhin dürftig dahindümpelnden Werbeeinahmen hat es den VZlern jedenfalls nichts eingebracht.

Umso spannender dürfte nun die neue Vorlage aus den USA werden, denn Facebook – als zumindest gedanklicher Vorvater des VZ-Imperiums (und mehr sage ich hier nicht) – will nun endlich einen Weg gefunden haben, die 150 Millionen Mitgliedschaften zu Geld zu machen. Endlich. „Engagement Ads“ lautet das neue Zauberwort, hinter dem allerdings nichts anderes als ein putziger Euphemismus für ausgeklügeltes Behavioral targeting steckt. Der britische „Telegraph“ war auf einer Präsentation in Davos dabei, als Zuckerberg persönlich seine neue Cash-in-Idee vorstellte – die ausnahmsweise nicht aufs direkte Profilselling setzt. Die Idee dahinter: Unternehmen dürfen innerhalb der Community Umfragen starten, um damit das Terrain nach potentiellen Käufern zu sondieren. Die Ergebnisse werden in Echtzeit angezeigt, woraufhin die Werbeauslieferung mit quasi null Streuverlust in Gang gesetzt wird. Laut „Telegraph“ darf dabei alles zur Sprache kommen, also nicht nur das Geburtsdatum und die Herkunft, sondern gleich auch mal der Familienstand und die sexuelle Orientierung. Erste Live-Tests ließ Zuckerberg in Davos vom Band rollen und fragte zum Beispiel gezielt palästinensische und israelische Nutzer nach der Bedeutung eines Weltfriedens.

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Die Gründerschwester Randi Zuckerberg, Global Markets Director bei Facebook, jubelt bereits und spricht von „tonnes of people“, die sagen, dass die Engagement Ads „so incredible“ für ihr Geschäft seien. Facebooks Privacy Policy nach zu urteilen ist an der Praxis auch nichts auszusetzen, immerhin handelt es sich um die freiweillige Entscheidung der Nutzer, ob sie an einer Umfrage teilnehmen oder nicht. Leider erwähnt der Artikel nicht, wie hoch die Rücklaufquote der Antworten war. Noch wird irgendein Wort über Motivationsanreize verloren. Wie es zumindest heißt, wurde während der Veranstaltung nach der Meinung über Barack Obamas Pläne zur Konjunkturrettung gefragt – und 120.000 US-Nutzer antworteten. Wie auch immer: AT&T und (die Job-Plattform) CareerBuilder haben bereits als erste Werbepartner angeheuert, schätzungsweise im Frühling soll die Kiste „Tausenden von Unternehmen“ zur Verfügung stehen. Und wenn uns Holtzbrinck und die VZ-Gruppe nicht im Stich lassen, schätze ich, dass es hier im Herbst soweit sein könnte.

(André Vatter)

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André Vatter ist Journalist, Blogger und Social Median aus Hamburg. Er hat von 2009 bis 2010 über 1.000 Artikel für BASIC thinking geschrieben.