Digitales

StudiVZ: Löschung der SPD-Gruppe war ein Versehen

Die SPD hat es auf StudiVZ nicht leicht. Nachdem Anfang Februar die gesamte Gruppe mit allen Mitgliedern und Nachrichten ins virtuelle Nirwana geschickt wurde, haben am vergangenen Freitag scheinbar wieder unbekannte Täter ohne Vorwarnung die Löschtaste gedrückt. Und während in diversen Blogs bereits eifrig über die Hintergründe spekuliert und diskutiert wird, hält sich Betreiber Holtzbrinck auffällig im Hintergrund.

Mögliche Erklärungen gibt es viele. Entweder hat der Gruppengründer die SPD-Gruppe selbst gelöscht oder in sein StudiVZ-Konto wurde eingebrochen und der (beziehungsweise die) Hacker haben das für ihn erledigt. Noch eine Möglichkeit: die Plattform-Betreiber haben selbst den Stecker gezogen. Das Recht dazu hätten sie jedenfalls mit Verweis auf den Verhaltenskodex.

Regel 9: Es darf keine kommerzielle oder politische Werbung von Nutzern veröffentlicht werden.

Folgt StudiVZ allerdings dieser Regel, dann müssten auch andere politische Gruppierungen auf der Plattform dem Rotstift zum Opfer fallen. Das ist aber bis jetzt nicht der Fall.

Vor wenigen Minuten hat sich endlich COO Malte Cherdron beim Gruppengründer per E-Mail gemeldet – der den Inhalt wiederum ins Forum der neu gegründeten SPD-Gruppe gepostet hat.

Nils,

die Löschung der Gruppe war unser Fehler. Wir können da nur vielmals um Entschuldigung bitten. Wie das genau geschehen konnte, klären wir gerade noch. Wir tun alles dafür, dass sich so etwas nicht wiederholt.

In einigen Blogs ist der Verdacht geäußert worden, wir hätten etwas gegen die SPD. Das ist natürlich Unsinn. Politische Diskussionen gehören gerade in einem Wahljahr selbstverständlich zu einem sozialen Netzwerk dazu, und wir heißen euch und alle anderen demokratischen Parteien dabei herzlich willkommen.

Das alles hilft dir jetzt natürlich nur bedingt, weil die Gruppe nun mal gelöscht wurde. Ich würde mich freuen, wenn wir dazu kurz telefonieren könnten. Du erreichst mich unter xxxxxxx oder xxxxxxxxx.

Noch einmal: Diese Panne tut uns sehr leid, und wir entschuldigen uns ganz ausdrücklich dafür.

Viele Grüße
Malte

Malte Cherdron
COO
studiVZ Ltd.

Es gibt auch bereits schon die ersten Reaktionen auf das StudiVZ-Schreiben. So beispielsweise von Anil K.: „Die haben was gegen unsere Partei und gut ist! Ist doch kein Zufall dass es uns Roten das zweimal passiert!“. Auch Özge Y. macht seinem Ärger Luft: „Ein Versehen halte ich für eine schlechte Ausrede … niemand löscht eine Gruppe zwei mal versehentlich. Die haben einfach nur Angst, das wir das an die Öffentlichkeit bringen“.

Update: Eben hat sich auch der StudiVZ-Pressesprecher bei mir gemeldet. Ich hatte ihn heute morgen deswegen angerufen und um ein Statement gebeten. Hier ist es: „Dass die SPD-Gruppe gelöscht wurde, war natürlich keine böse Absicht, sondern ein Fehler in unserem Support, für den wir uns in aller Form entschuldigen. Inzwischen ist eine neue SPD-Gruppe wieder aktiv, die selbstverständlich ebenso herzlich willkommen ist, wie alle anderen demokratischen Diskussionen.“

(Michael Friedrichs)

Über den Autor

Michael Friedrichs

Michael Friedrichs hat als Redakteur für BASIC thinking im Jahr 2009 fast 400 Artikel veröffentlicht.

31 Kommentare

  • Ich hätte es verstanden, wenn StudiVZ die Gruppe willentlich gelöscht hätte, ohne dass ich etwas gegen die SPD habe.

    Aber nehmen wir mal an, es gebe bei StudiVZ auch eine NPD-Gruppe (ich weiß nicht, ob das evtl. bereits der Fall ist), dann dürfte StudiVZ diese nun nicht mehr löschen. Das wäre eine Ungleichbehandlung – da man ja künftig auch die SPD gewähren lassen möchte. Da aber die NPD (noch) ebenso wie die SPD eine demokratisch legitimierte Partei ist, müsste man sie gleich behandeln.

    Nur weiß ich nicht, ob es wirklich wünschenswert ist, wenn StudiVZ demnächst den Rechten als Anlaufpunkt dienen könnte.

  • was spricht gegen eine solche Ungleichbehandlung?

    Das Grundgesetz (Art. 3 ) jedenfalls nicht, denn hier handelt es sich um ein privates Unternehmen, nicht den Staat. Stelle es Dir als virtuelles Hausrecht vor. Wenn da die rechten Pappenheimer daher kommen, kann man sie „rauswerfen“, wenn sie einem nicht passen. Sprich: Privatrechtlich gibt es – mit Ausnahme des Arbeitsrechts (AGG) – keinen Anspruch auf „Gleichbehandlung“

    Also halte ich die Sorge für unbegründet.

  • Der fehler im Support könnte durchaus ein Mensch sein, der einfach mal auf eigene Faust ein wenig aufgeräumt hat. Aber solche Fehler sollten sich ja schnell erledigen lassen. Alles andere wäre mir irgendwie suspekt und das man bei Stuidzv die Devise rausgegeben hat Parteigruppen zu löschen kann ich mir beim besten willen nicht vorstellen, wie das allerdings bei Parteien an den Rändern gehandhabt wird ist mal interessant, aber so lange die nicht verboten sind müsste da ja auch gleiches Recht für alle gelten.

  • es ist schon komisch, dass ein solch großer service nicht alle 10 min seine datenbanken sichert… oder meine ich das nur?

  • Eigentlich sollte StudiVZ jetzt genau erklären wie es zwei mal zu diesem „Fehler“ gekommen ist.
    Wurde die Support Person die auf löschen geklickt hat gefeuert?

  • SPD?

    Ist das nicht die langjährige Regierungspartei, die uns die Wirtschafts- und Finanzkrise mit eingebrockt hat?

    Streichen die nicht jedes Jahr sechsstellige Summen an Spendengeldern von deutschen Banken ein, damit denen nicht auf die Finger geklopft wird, weil sie „Schrottpapiere“ unters Volk bringen?

    Ist das nicht die Partei, die Kindergeld an Millionäre zahlt, obwohl für die wirklich Bedürftigen nicht genügend Gelder vorhanden ist?

    Was für Schädlinge …

  • Löschung der SPD Gruppe nur ein Versehen…

    Angeblich. Es ist mittlerweile eine offizielle Stellungnahme zu der studiVZ Sache eingetrudelt. Es war wohl alles nur ein Versehen und man bedauert den ganzen Vorfall. Dass ein schaler Nachgeschmack bleibt wird sich dadurch aber nicht aus der Welt scha…

  • Soziale Netze werden für die Wahlkämpfe der Zukunft an Bedeutung gewinnen, das ist klar. Insofern kann eine Löschung durchaus einnige Stimmen kosten und zu Konsequenzen führen: Wir erinnern uns, dass die Wahlergebnisse immer enger werden (siehe die letzten beiden BT-Wahlen).

  • Vielleicht läuft ein Parteienverbotsverfahren gegen die SPD (angestrengt von der CSU)? Man hat einen V-Mann (so wie damals bei der NPD) bei dingsbumsVZ eingeschleust, der dort ein wenig für Unruhe sorgen soll.

    Leider hat er „Edit“ mit dem „Gruppe löschen“-Button verwechselt.

    Kann ja mal passieren… 😀

  • Man sollte die Löschung zum Anlass nehmen, mal genauer hinzuschauen, was man eigentlich macht.

    Man nutzt fremde Infrastruktur um ein immer feiner verästeltes Netz zu spinnen und für sich zu nutzen und übersieht dabei völlig, dass die Eigentümer der Infrastruktur diese nicht zur Verfügung stellen, weil sie Menschenfreunde sind, oder einer gewissen politischen Richtung zum Durchbruch verhelfen wollen, sondern weil sie Geld verdienen möchten und müssen (die Kredite wollen ja bedient werden).

    Was passiert, wenn Dienste, die man kostenlos nutzt, ausfallen weil das Geld ausgegangen ist, oder weil der Besitzer wechselt und neue Regeln aufstellt?

  • Ich kann auch niemandem empfehlen seine Inhalte auf einer Platform zu verbreiten, die willkürlich zensiert wird.

    Und die anscheinend auch für DATENVERLUST gut ist, LOL.

  • „SPD? Ist das nicht die langjährige Regierungspartei, die uns die Wirtschafts- und Finanzkrise mit eingebrockt hat?
    Streichen die nicht jedes Jahr sechsstellige Summen an Spendengeldern von deutschen Banken ein, damit denen nicht auf die Finger geklopft wird, weil sie “Schrottpapiere” unters Volk bringen?
    Ist das nicht die Partei, die Kindergeld an Millionäre zahlt, obwohl für die wirklich Bedürftigen nicht genügend Gelder vorhanden ist?“

    Ist selbiges nicht der Fall bei FDP, CDU, CSU, etc etc?
    Man sollte da nicht nur die SPD in den Topf werfen. Wer weiß, vielleicht haben die Betreiber vom SVZ einfach nur etwas gegen die sozial-demokraten.. Versehentlich zweimal gelöscht, kann man meiner Uroma erzählen, aber sonst niemandem. Trotz allem find ich es lustig, denn soetwas taucht nicht mal in den Nachrichten auf, was garantiert ein lustiger Schocker wäre..

  • „Ist selbiges nicht der Fall bei FDP, CDU, CSU, etc etc?“

    Aber sicher doch. Auch die von Ihnen genannten Parteien haben die Wirtschaftskrise mitzuverantworten. Die bekommen alle reichlich Spenden von den deutschen Banken. „Wessen Brot ich ess‘, …“

    Charakterlos, unfähig und feige. Der gesamte Alpha-Kader …

  • Wozu brauche ich eine SPD-Gruppe bei StudiVZ? Kann ich so etwas nicht im Internet als Forum oder in Form eines Blogs selber betreiben? Dann bin ich nicht vom guten Willen solcher Leute abhängig.

  • Naja, die Gründe liegen doch auf der Hand:
    Im StudiVZ (inkl. meinVZ) sind extrem viele Menschen angemeldet. Jeder kennt es. Da vertreten zu sein ist einfach gute Werbung und für Kontaktsuchende eine einfache Möglichkeit, Ansprechpartner zu finden, ohne sich durch die Berge von Blogs kämpfen zu müssen.

    Nebenbei bemerkt wird im StudiVZ eine bestimmte Zielgruppe angesprochen, nämlich junge Leute. Irgendwo im www wäre alles bunt gemischt und durcheinander.

  • „was spricht gegen eine solche Ungleichbehandlung?

    Das Grundgesetz (Art. 3 ) jedenfalls nicht, denn hier handelt es sich um ein privates Unternehmen, nicht den Staat.“

    Sehe ich genauso! Und spreche mich zudem hiermit sogar stark dafür aus. Ich würd es es drauf anlegen ..auf biegen und brechen!

  • „Naja, die Gründe liegen doch auf der Hand:
    Im StudiVZ (inkl. meinVZ) sind extrem viele Menschen angemeldet. Jeder kennt es. Da vertreten zu sein ist einfach gute Werbung und für Kontaktsuchende eine einfache Möglichkeit, Suchmaschinen eintragen Ansprechpartner zu finden, ohne sich durch die Berge von Blogs kämpfen zu müssen.

    Nebenbei bemerkt wird im StudiVZ eine bestimmte Zielgruppe angesprochen, nämlich junge Leute. Irgendwo im www wäre alles bunt gemischt und durcheinander.“

    dito!

  • @ Smileys und Anonymous

    “was spricht gegen eine solche Ungleichbehandlung?
    Das Grundgesetz (Art. 3 ) jedenfalls nicht, denn hier handelt es sich um ein privates Unternehmen, nicht den Staat. …
    Sprich: Privatrechtlich gibt es – mit Ausnahme des Arbeitsrechts (AGG) – keinen Anspruch auf “Gleichbehandlung”

    FALSCH!! Das GG wirkt mindestens mittelbar auf das Privatrecht, somit auch auf Rechte zwischen Privaten.
    Ungerechtfertigte Ungleichbehandlung ist auch zwischen Privaten nicht uneingeschränkt möglich, die Privatautonomie stößt diesbezüglich dann an ihre Grenzen!
    Die Grundrechte dienen insoweit als verfassungsrechtliche Wertentscheidungen bei der Auslegung nachrangigen Rechts und damit insbesondere bei privatrechtlichen Generalklauseln (einfachgesetzliche Anknüpfungspunkte). Die Wirkung der Grundrechte zwischen Privaten kann aber nur mittelbarer Natur sein (sog. mittelbare Drittwirkung).
    Somit ein zwar in der Abwägung gegenseitiger Interessen zu beachtender Grundsatz, jedoch nicht eine direkte Anwendbarkeit der Grundrechte. Dabei ein mittelbarer Anspruch auf Gleichbehandlung!!

  • @ Anonymous
    Magst recht haben, bin kein Jurist
    Ich würde es dennoch drauf anlegen und n riesen Medienrummel draus machen. Das Zeichen wäre gesetzt! und als vzpipapo könnt ich die
    Eus dann auch verkraften.

    mir gings ums Prinzip
    Schon die ganze erfolglosen Prozesse gegen die NPD gingen mir gegen den Strich. Und dann noch diese Begründungen!! OMG

  • Erst einmal, bin ich KEIN Mann! Zweitens, ist es doch so, wenn im StudiVz eine Gruppe gelöscht werden soll, muss immer ein weiteres Mal bestätigt werden, dass die Gruppe verschwinden soll. Dies ist nun 2 Mal passiert. Was ihr nicht außer Acht lassen dürft, die SPD StudiVz Gruppe, war die größte politische Gruppe im StudiVz. Wir hatten fast 4000 Mitglieder und plötzlich war die Gruppe weg. Nun möchte das StudiVz-Team also wirklich behaupten, einer ihrer schusseligen Mitarbeiter hätte sich angeblich VIER mal verklickt? Denn die Gruppe wurde 2 mal gelöscht. Ergo, zwei Mal löschen und zwei Mal bestätigen. Der gesunde Menschenverstand, sagt doch, dass sowas KEIN Zufall ist und sich dann mit einer Begründung an die Öffentlichkeit zu wenden, die keine richtige Begründung ist, finde ich doch sehr armselig!

Kommentieren