Apple macht (ein wenig) Licht in der Gerüchteküche

André Vatter

apple

Da kommen wir heute nicht dran vorbei. Apple hat also in der Nacht die Quartalszahlen bekanntgegeben, hier kurz die wichtigsten Eckpunkte: Der Umsatz stieg im Vergleich zu 2008 um acht Prozent auf 8,16 Milliarden Dollar, der Gewinn konnte um 15 Prozent zulegen und liegt bei aktionärsfreundlichen 1,21 Milliarden Dollar. Wie zu erwarten war (s. Posting über den iPod shuffle), stieg auch die Gewinnmarge von 32,9 auf 36,4 Prozent. Das iPhone verkauft sich mit 3,8 Millionen (und damit doppelt soviel als 2008) abgesetzten Einheiten hervorragend, auch der iPod macht mit 11 Millionen Verkäufen eine gute Figur. Einzig – und das war ebenfalls zu erwarten – die Mac-Rechner schwächeln: drei Prozent weniger konnten an den Mann gebracht werden, aber immerhin noch 2,2 Millionen Stück.

Gute Zahlen also, sehr gute, wenn man bedenkt, dass Steve Jobs derzeit mit der Decke über den Beinen vor dem Fernseher sitzt. Was uns zum eigentlichen Thema bringt und weshalb wie alle hier sind: Was bringt der Sommer bei Apple? Dazu nahm während der Telefonkonferenz der Übergangschef Tim Cook den Apparat in die Hand und beantwortete einige Fragen. Um es gleich vorwegzunehmen: Cook steht Jobs in seinen Äußerungen in nichts nach. Auch er klingt, als hätte er vor dem Interview eine Pille mit Stierhormonen genommen.

Gibt es ein Apple-Netbook:
Nein. Definitiv nicht. Nicht in diesem Jahr. Vielleicht niemals. Cook verwies auf die „großartigen Produkte“, die Apple herstelle und machte dann einen verächtlichen Seitenblick: „Auf dem Netbook-Markt sehe ich zusammengepresste Keyboards, Müll-Hardware, sehr kleine Bildschirme, schlechte Software.“ Also nichts, auf das er ein Apple-Logo kleben möchte. „Von heute aus betrachtet ist das nichts, was uns interessiert und auch die Kunden werden langfristig das Interesse verlieren.“ Wer ein mobiles Surfgerät haben möchte, sei mit dem iPhone und dem iPod touch bestens bedient. Apple jedenfalls würde erst über Netbooks nachdenken, wenn man ein zufriedenstellendes Produkt daraus machen könnte.

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Über exklusive Partnerschaften im Mobilfunk:
Cook bezeichnete AT&T als den „besten Mobilfunkprovider in den USA“. Man beabsichtige nicht, die Kooperation zu beenden (Puh, und AT&T hatte schon gezittert). Wenn er so über T-Mobile sprechen würde, würde Obermann seine Freundin zum Essen einladen. Also wie es in Deutschland weitergeht? Wahrscheinlich ähnlich…

Was ist mit Steve Jobs:
Nur eine schmallippige Antwort auf die Frage, ob Mr. Jobs irgendwann das Ruder wieder in die Hand nimmt: „Wir freuen uns auf Steves Rückkehr zu Apple gegen Ende Juni.“ (Ich stelle mir das wie von einer Roboterstimme gesprochen vor.)

Über das Chaos im App Store:
Es gibt gute Gründe dafür, dass es mittlerweile zig Bezahl-Apps gibt, die einen besseren Überblick verschaffen, als der App Store selbst. Finde ich jedenfalls. Cook findet das nicht: „Wir haben eine Top-50- und Top-100-Liste für kostenlose und kostenpflichtige Apps eingebaut. Wir haben sie nach verschiedenen Genres sortiert und werden das weiter vorantreiben.“

Über Ideenklau und den Palm Pre:
„Wir haben einen Plan, der uns für immer der Anführer der iPhone-Branche sein lässt“, so Cook. Das klingt so… egal. Angesprochen auf eine etwaige Furcht vor der Konkurrenz, meint der Interims-Chef: „Es ist schwer sich über Produkte zu äußern, die noch überhaupt nicht draußen sind“ – und spielt damit auf den Palm Pre an, der Mitte Mai auf den Markt kommt und derzeit durch den Angelina Jolie PR-Stunt in den Staaten gehypt wird. „Wir denken, dass wir Jahre voraus sind.“

(André Vatter)

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André Vatter ist Journalist, Blogger und Social Median aus Hamburg. Er hat von 2009 bis 2010 über 1.000 Artikel für BASIC thinking geschrieben.