Eco Design: Haltestellen-Auskunft aus dem Gully

Marek Hoffmann

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Gully

Zuerst habe ich bei obigem Objekt an einen endlich mal ansehnlichen Gully-Deckel gedacht. Dann an eine futuristische Radkappe. Und bevor ich dann gelesen hab, was es wirklich ist, dachte ich, das John Lennon-Denkmal im Central Park sei im Web 2.0 angekommen. Aber weit gefehlt. Tatsächlich handelt es sich beim „Eco Sign“ um ein futuristisches Hinweisschild. Oder Auskunftsgeber. Oder Stadtplan. Jedenfalls um eine Studie der Designer Cheolyeon Jo und Youngsun Lee, mit der sie orientierungslosen Mitmenschen das Auffinden von Haltestellen öffentlicher Transportmittel erleichtern wollen.

Wenn ich das Konzept nämlich richtig verstanden habe, dann muss man mit dem Fuß (wahlweise links oder rechts) eine der beiden „Tasten“ des Gullys für mindestens zwei Sekunden betreten, um Auskunft darüber zu erhalten, wo sich die nächste (d.h. näheste) Bahn- beziehungsweise Bushaltestelle befindet. Angetrieben wird das Ding – das „Eco“ im Namen lässt es schon vermuten – auf ökologisch unbedenkliche Art: mit Regenwasser. Dieses sickert durch die Schlitze im „Gully“ und treibt ihn dann an. Irgendwie. Wie genau, hat sich mir ehrlich gesagt nicht ganz erschlossen. Offenbar wird eine Art Propeller durch die hinabstürzenden Regenwasser-Bäche im Stile eines Wasserrads in Bewegung gesetzt und erzeugt dadurch Strom.

Gully_FunktionsweiseSo sehr ich auf solche Studien stehe – diese halte ich für völlig bekloppt. Mal ganz davon abgesehen, dass es vielleicht in England ausreichend regnet, um den „Gully“ in Betrieb zu setzen (ja – Solarzellen wären eine Alternative, aber nicht hier in Köln, wo die Sonne fast nie scheint), sehe ich für mich keinen Vorteil im „Eco Sign“. Das hängt zum einen damit zusammen, dass der „Gully“ doch viel schwieriger auszumachen ist, als ein Hinweisschild. Zudem darf es nicht allzu weit von der nächstliegenden Station entfernt sein, auf die es hinweist, weil ich mir die Wegbeschreibung sonst nicht merken kann. Einem Stadtplan entnommene Informationen kann ich mir da schon besser merken (kann anderen allerdings anders gehen, das sehe ich ein). Leute mit einem steifen Hals haben darüber hinaus genau so wenig zu lachen, wie Augenschwache. Je nach dem, wie das Ding montiert ist, könnte es zudem oft fehlen, weil sich Halbstarke das Ding in die Bude hängen. Dann brauchen sie ihren besoffenen Freunden nach der Party nicht mehr zu verklickern, wo die nächste Haltestelle ist.

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Sollte es das (der?) „Eco Sign“ wider Erwarten doch auf den Markt schaffen, könnte es direkt eine Klage geben. Zumindest wenn es unter diesem Namen vertrieben wird. Denn wie ich vorhin bei meinen Recherchen gesehen habe existiert bereits eine Design-Schule mit diesem Namen – und zwar in Köln. Ziemlich viele Gründe also, die gegen den „Gully“ sprechen, wie ich finde.

(Marek Hoffmann)

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Marek Hoffmann hat von 2009 bis 2010 über 750 Artikel für BASIC thinking geschrieben und veröffentlicht.