Sonstiges

'Da ging mir ein Licht auf': Kanadier nutzt Google Street View für Album-Promotion

Fear Salesman

Auf Zack sein, Einfallsreichtum haben, an sich selbst und sein Produkt glauben: das sind die Basis-Zutaten für eine erfolgreiche Karriere. Nate Heagy hat mit einer richtig coolen Aktion unter Beweis gestellt, dass er all das hat. Der Gründer und das offenbar einzige Mitglied der Band „Fear Salesman“ hat einem Google Street View-Fahrzeug aufgelauert, sich von diesem fotografieren lassen und so sein Debüt-Album promotet. Coole Idee.

Irgendwie hatte Nate davon Wind bekommen, dass Google seine 200.000-Seelen-Stadt Saskatoon in das Street View-Projekt aufnehmen wollte. Hierzu sollte bald eines dieser Kamera-Autos rumkurven und Fotos von dem Ort machen. Der 30-jährige Kanadier, der in seinem Hauptberuf Software-Entwickler ist, ließ daraufhin ein Schild mit dem Namen seiner Band anfertigen, montierte es auf einen Notenständer, schmiss diesen und seine Gitarre in den Kofferraum seiner Karre und lauerte dem Google-Fahrzeug auf.

Er folgte ihm dann so lange, bis er dessen Route vorhersagen konnte, überholte es, packte schnell seinen Krempel aus, positionierte sich, lächelte und dann… machte es klick. Foto war gemacht (siehe oben). Seitdem brauchte sich der gute Nate keine Sorgen mehr um Promotion zu machen (angeblich soll ihn Google sogar gefeatured haben, ich konnte dazu aber nix im Netz finden), wobei diese ihm die größten Kopfzerbrechen bereitete, wie er in einem Interview mit CBC News verriet: „Eine Band zu promoten, ist hart. Als ich an dem Album gearbeitet habe, dachte ich die ganze Zeit darüber nach, wie ich es promoten könnte – wie kann ich auf mich aufmerksam machen.“ Und dann kam das Heureka-Erlebnis: „Als Google ankündigte, dass Street View nach Saskatoon käme – da ging mir ein Licht auf“.

Erfrischende Geschichte. Die zudem eine interessante Frage aufwirft: Könnte Nate bei Google beantragen, dass sein Gesicht (der Typ sieht übrigens ein wenig aus wie Sönke Wortmann, hat CBC ein Foto von sich geschickt) wieder sichtbar gemacht wird? Sollte dies technisch möglich sein, müsste dann Google einwilligen oder der Gesetzgeber, der Google aus Datenschutzgründen zur Unkenntlichmachung des Gesichts verpflichtet hat? Wie sieht es hier mit dem Recht am eigenen Bild aus? Und hätte Google das Gesicht auch unkenntlich gemacht (machen müssen), wenn Nate ein Foto von sich an einem weiteren Notenständer befestigt hätte? Juristen mit Schwerpunkt „Internationales Recht“: vortreten!

Und weil ich den Mann so sympathisch finde und damit ihr wisst, wofür er sich so angestrengt hat, hier noch sein aktueller „Hit“ – „Run Away“ (den Google möglicherweise bald auch auf der neuen, eigenen Video-Plattform Vevo zeigen könnte):

(Marek Hoffmann)


Vernetze dich mit uns!

Like uns auf Facebook oder folge uns bei Twitter


Über den Autor

Marek Hoffmann

Marek Hoffmann hat von 2009 bis 2010 über 750 Artikel für BASIC thinking geschrieben und veröffentlicht.

17 Kommentare

  • Hört sich fast zu gut an um kein Marketinggag von Google zu sein. Zumindest wäre es ein guter 🙂

    Sollte das nicht der Fall sein, dann Hut ab für den Künstler … Ein schönes Beispiel vom Nutzen neuer Techniken für die Selbstvermarktung.

  • Sehr nett. Muss nur noch etwas klugscheissen: bei einer Großstadt mit 200.000 Einwohnern von „kleinem Städchen“ zu reden, ist vielleicht etwas gewagt. 🙂 Vor allen Dingen, wenn es sich dabei um die größte Stadt Saskatchewans handelt, einer Provinz, doppelt so groß wie uns‘ Deutschland.

  • Du wirst dafür noch dankbar sein, jetzt wo die Horden entzürnter Saskatoon-Informatikstudenten von einer Massen-DoS-Attacke auf basicthinking.de abgesehen haben und sich wieder dem Bashing von Regina auf urbandictionary zuwenden.

    Obwohl, uups: „Nothing ever really happens in Saskatoon, and nobody really cares.“ http://saskatoon.urbanup.com/3841501

    Okay, Du kannst es wieder zurückändern. 😉

  • Also zumindest aus Warte des deutschen Rechts: Die Personen werden ja unkenntlich gemacht, weil google nicht davon ausgehen darf, dass jeder einem Zeigen des Gesichts zustimmt (Recht am eigenen Bild / allg. Persönlichkeitsrecht). Wenn man nun aber explizit diesem Zustimmt und auch für google nachgewiesen ist, dass die Person auch wirklich die ist, die man dann über das Internet sehen kann – was spricht dann gegen die Veröffentlichung?

  • Bei uns in Pforzheim, DE war das Google Street View Auto bzw. mehrere davon auch schon. Jetzt weiß ich wie ich mich hätte promoten können. *ärger*

  • @ Piullipresidente: Und es steht dort auch: „It only has approximately 215,000 people which makes it rather small compared to other Canadian cities.“ 😉

    @ Elradon: „Wenn man nun aber explizit diesem Zustimmt und auch für google nachgewiesen ist, dass die Person auch wirklich die ist, die man dann über das Internet sehen kann – was spricht dann gegen die Veröffentlichung?“ – Für diesen Fall hatte ich eben wissen wollen, ob ggf. der Gesetzgeber vorher noch zustimmen muss, der Google ja erst zum Unkenntlichmachen verdonnert hat.

    @ Benne: Wie heißt es bei Eminem: Du bekommst nur eine Chance… 😉

  • Geschickt! Also dumm ist die Idee nicht… eigentlich sogar genial, genial einfach… So wirbt man im Jahre 2009/2010! Der Mann geht mit der Zeit und wir wissen ja alle, wer nicht mit der Zeit geht – der geht mit der Zeit!

  • Naja, der Gesetzgeber hat google doch genau so wie jeden anderen eingeschränkt – oder nicht? Durch das Recht am Eigenen Bild. Danach muss man i.d.R. die Zustimmung des abgebildeten. Die läge ja dann vor.

    Weitere Schranken sind mir nicht bekannt – wobei es mich gerade wundert, dass die Menschen nicht als Beiwerk betrachtet werden und deshalb keine Erlaubnis notwendig wär…

  • Das hat er wirklich sehr schlau gemacht. Es hat ihm jedenfalls geholfen seiner Karriere auf einem höheren Niveau zu heben. Es könnte natürlich eine Google Werbung sein, einiges spricht dafür. Zum Beispiel dass der Kerl die Route der Google Wagen vorhersagen konnte und dass diese Geschichte überall ins Netz auftaucht, vielleicht hat Google einiges geholfen?

Kommentieren