Musikindustrie: Physische Datenträger bleiben auch künftig das Medium Nummer eins

André Vatter

So, nach der Kleckerinfo vom Wochenanfang zum boomenden Online-Versandhandel (!) legt der Bundesverband Musikindustrie nun noch einmal mit konkreten Verkaufszahlen nach. Auf einen Nenner gebracht? „Joah, lief schon mal besser.“

In der Mitteilung wird Wert darauf gelegt, dass das Jahr 2009 als „Krisenjahr“ verstanden wird, in dem man sich „gut behauptet“ habe. Im vergangenen Jahr konnte die Musikindustrie einen Gesamtumsatz in Höhe von 1,803 Milliarden Euro verzeichnen. 2008 waren es noch 1,842 Milliarden Euro, also rund 2,1 Prozent mehr. Dazu sollte noch erwähnt werden, dass in die Statistik zum ersten Mal die Einnahmen aus Leistungsschutzrechten sowie den neuen Erlösquellen wie Merchandise, Künstlermanagement und Lizenzeinnahmen mit eingeflossen sind. Das eigentliche Minus dürfte also ein wenig größer sein.

Wie erwartet, ist der Umsatz mit dem reinen Musikverkauf zurückgegangen und zwar um minus 3,3 Prozent auf 1,530 Milliarden Euro. Das halbwegs stabile Ergebnis verdankt die Musikindustrie nach wie vor dem physischen Datenträger Compact Disc. Nach Informationen des Verbandes macht das Geschäft mit CDs und DVDs noch immer 90 Prozent des Gesamtumsatzes in dem Sektor aus. Noch einmal: 90 Prozent! 2009 war übrigens auch das Jahr, in dem der Verkauf von Langspielplatten erstmal wieder die Millionenmarke knackte. Erkläre mir mal jemand diese Entwicklung. Ich meine, die Musikindustrie braucht offenbar in nächster Zeit keine kreativen Vertriebskonzepte für das Internet – weil offenbar nur ein überschaubarer Bedarf besteht.

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Im O-Ton des BVMI-Geschäftsführers Stefan Michalk klingt das dann so: „Die deutschen Musikfirmen haben erfolgreich in die digitale Zukunft investiert, ohne den physischen Markt zu vernachlässigen.“ Dabei ist der Umsatz mit Musikdownloads 2009 ordentlich in die Höhe geschossen, um genau zu sein um 34,6 Prozent von 87,9 Millionen auf 118,3 Millionen Euro. Der Verband zeigte sich einigermaßen überrascht darüber, dass Online-Käufer offenbar nicht – wie überall vermutet – in der Single-Abteilung suchen, sondern gerne auch ganze Alben (Bundles) kaufen.

Allgemein gesehen versuchen sich die Musikfirmen neben dem Kerngeschäft ein zweites Standbein aufzubauen: Merchandise, Künstlermanagement, Brand-Partnership, Pauschalvergütungen – dieses Beiwerk des Entertainment-Business holte bereits sechs Prozent des Gesamtumsatzes herein. Künftig soll diese Zahl weiter steigen.

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(André Vatter)

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André Vatter ist Journalist, Blogger und Social Median aus Hamburg. Er hat von 2009 bis 2010 über 1.000 Artikel für BASIC thinking geschrieben.