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Facebook schafft die 'Fans' ab, macht sie zu 'Gefällt mir!'-Anhängern

Kleine Änderung, große Wirkung. Zumindest wenn es nach dem Willen der Verantwortlichen bei Facebook geht, soll sich diese Abwandlung des bekannten geflügelten Wortes bald bewahrheiten. Und hierum geht es: Ihr kennt ja sicher alle die „Werde Fan von“-Button –  und Banner, die Unternehmen wie Coca Cola, die Telekom und natürlich auch Basic Thinking verwenden. Dieser Slogan soll nun verschwinden, oder besser ausgedrückt: er soll einem anderen weichen. Denn eigentlich möchten sich Zuckerberg und Co. nur von dem Wörtchen „Fan“ trennen und es gegen „Like“ ersetzen. Da „Werde Mögen von“ oder entsprechend „Become A Like“ aber bescheuert klingt, wird halt notgedrungen die komplette Ansage geändert.

Aber warum nur? Diese Frage habe ich mir als allererste gestellt, als ich die Meldung vorhin las. Und die simple Antwort lautet – „natürlich“, bin ich da fast schon geneigt hinzuzufügen: aus wirtschaftlichen Gründen. Die nämlich bereits auf Facebook existierenden „Like“-Buttons werden von den Usern nämlich fast doppelt so oft angeklickt, wie ihre „Become A Fan“-Pendants. Und nun hoffen die Denker und Lenker des größten sozialen Netzwerkes der Welt, dass sie durch diese Änderung das Engagement der User steigern und damit gleichzeitig auch ihre Bindung zu den Unternehmen beziehungsweise deren Produkten stärken können. Klingt plausibel.

Und ehrlich gesagt bin ich sogar geneigt, das zu glauben. Ich hatte ja bereits in einem anderen Artikel über Facebook zugegeben, dass ich von den marketingstrategischen Können sehr beeindruckt bin, auch wenn das für das Social Network als solches nicht gilt. Die kleine, aber bedeutende Verschiebung des Suchfensters von der rechten Seite in die obere Mitte ist eines von vielen Beispielen für eine Entscheidung, die dem Netzwerk mit wenig Aufwand einen enormen Nutzen gebracht hat.

Der Grund übrigens, warum User doppelt so häufig auf die „Like“-Button klicken, ist der: Sie fühlen sich mit diesem Button wohler, als mit dem „Become A Fan“. Und das hängt damit zusammen, dass letzterer „Slogan“ eine tiefere Verbindung mit einem Unternehmen oder dessen Produkt suggeriert beziehungsweise impliziert, als viele Facebook-Nutzer bereit sind einzugehen. „Like“ hingegen ist schnell mal angeklickt, die Sympathie für ein Unternehmen bekundet, aber ohne diese implizierte Verbindlichkeit.

Die Änderung sollen einer vertraulichen E-Mail zufolge (die vom Unternehmens bereits bestätigt wurde) in den kommenden Wochen umgesetzt werden. Diese war an eine Vielzahl von Werbe-Agenturen verschickt worden, um ihnen im Vorfeld die Möglichkeit zu bieten, bei ihren Werbekampagnen und Facebook-Strategien darauf reagieren zu können. Darüber hinaus enthielt sie Ratschläge dazu, wie die Agenturen auf die bevorstehenden Änderungen reagieren sollten. Einer davon lautet beispielsweise: „Nach einer Weile, wenn sich die User an die sprachliche Änderung gewöhnt haben, empfehlen wir ihnen Folgendes: Benutzen sie ‚Find us on Facebook‘ oder ‚Like us on Facebook‘ um Menschen dazu einzuladen, ihre Seite regelmäßig aufzurufen.“

Darüber hinaus wurde auch erläutert, wie sich der neue „Like“-Button von dem bereits existieren „Like“-Feature unterscheiden wird, den User in ihren Updates sehen (etwas durch expliziten sozialen Kontext oder ästhetische Unterschiede). Zudem wurden Beispiele dafür gegeben, wie er in Werbe-Botaschaften eingesetzt werden kann (nur „Like“ versus „John Doe and 3 of your friends like [Page Name]“, zu Deutsch etwa „Otto Normalverbraucher und drei deiner Freunden mögen [Name der Webseite]“).

Was haltet ihr davon? Ist das eine sinnvolle Änderung und leuchtet die Begründung ein? Wie erlebt ihr das – klickt ihr häufiger auf „Like“ – als auf „Fan“-Button oder werdet ihr es in Zukunft tun?

(Marek Hoffmann / Foto: flickr – Fotograf: benstein)


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Über den Autor

Marek Hoffmann

Marek Hoffmann hat von 2009 bis 2010 über 750 Artikel für BASIC thinking geschrieben und veröffentlicht.

40 Kommentare

  • Als ich den Titel gelesen habe, war ich zunächst äusserst skeptisch – schließlich ist es ja das „Fan sein“, was Unternehmens-Pages von privatem Content irgendwie unterscheidet. Bei vielen Marken möchte ich ja gerade als „Fan“ betitelt werden, weil ich die Produkte schätze, gern nutze und das anderen auch so vermitteln will.
    Dass aber viele Leute ein Problem damit haben, eine so enge Bindung zu einem Unternehmen/Produkt/einer Seite einzugehen, war mir gar nicht bewusst – klingt aber schlüssig. Im Endeffekt ist es aus meiner Sicht nur eine kleine Änderung, die Facebook ein Stück harmonischer macht. Meinen Segen haben sie 😉

  • „Gefällt mir“ ist viel universeller anwendbar als Fan, auch wenn Fans ein Unternehmen stolzer machen. Bei Kochmeister haben wir vor kurzem von einer 6-stufigen Bildbewertung auf ein einfaches „Gefällt mir“ umgestellt, mit dem Effekt, dass es keine negativen Bewertungen mehr gibt. Das verbessert die Akzeptanz enorm ohne, dass es nennenswert an Aussagekraft verliert. Die deutsche Übersetzung von „Like me“ wird aber noch spannend. „Lass mich dir gefallen auf Facebook“ wird hoffentlich nicht werden 🙂

  • Hört sich sehr sinnvoll an.
    „Become a fan“ ist total bindend. Wovon ist man Fan im Leben? Von ganz, ganz wenigen Sachen. Sowas wie „das hier ist einer meiner besten Freunde“.
    Aber „hier ein Kumpel von mir“. Das geht viel schneller über die Lippen, ist viel unverbindlicher. Genau wie „like it“.

    Ich bin nicht bei Facebook, aber „like it“ könnte ich mir vorstellen anzuklicken. „Become a fan“ sicher nicht. Und schon gar nicht von einem Unternehmen – ausser es heisst Apple 🙂

  • „Like me“ wird nicht überetzt werden. Das ist bald ein international gefügeltes Wort, weil es eines SEIN SOLL.

    Tschüss-

  • @Meral: Dein Beispiel erinnert mich an den Artikel, den ich heute über Microsofts Bing-Suchmaschine gelesen habe (http://www.businessinsider.com/microsoft-chose-bing-over-bang-for-its-search-engine-2010-3). Darin ging es unter anderem darum, warum Bing Bing und nicht wie ursprünglich geplant Bang heißt. Die Antwort: [The name Bang] almost fit all the criteria, except when used as a verb. Most people don’t want to say they „banged Obama’s dog“ when they look for Bo Obama on the Internet. 😀

  • Ich persönlich finde es einen strategisch klugen Schachzug!

    Wir du bereits im Artikel erwähnst, wird dadurch glaube eine Hürde aus dem Weg geräumt. Denn wenn ich Fan von etwas bin, ist das gleich ein großer Unterschied, wie wenn ich nur sage mir gefällt das.

    Ich denke sie werden dadurch die Klicks auf Facebook steigern!

  • find ich besser als fan, aber immer noch nicht gut. nur weil ich informationen abrufen will, muss ich noch lange das angebot nicht mögen oder gar ein fan sein. es kann sogar das genaue gegenteil eintreffen. follow wie bei twitter wäre richtig. aber facebook ist ja kein social network, sondern eine vermarktungsplattform die vorgibt ersteres zu sein, also wahrscheinlich sinnvoll.

    beispiel: politikinteressierter user möchte sich informieren und dabei die ganze politische landschaft im auge behalten. ihm muss dann die NPD gefallen. super!

  • Dann müsst ihr aber auch darauf achten, dass ihr euren Button auf der Rechtenseite rechtzeitig ändert 😉

    „Mir gefällt Basic Thinking auf Facebook“

  • „Like“ wird auf vielen Seiten eingesetzt, um Punkte, Sterne, grüne Balken … zu vergeben.

    Vieleicht wird deshalb „Like“ mehr angeklickt, weil man halt nur für etwas voten will.

    Jetzt wird dieses Wort auf einmal in einen neuen Context geholt – es kann mit dem „Follow“ von Twitter verglichen werden.

    Da werden sich wohl, zumindest zu Anfang, einge Leute wundern, wer auf einmal in der Freundesliste auftaucht, und später wird es genauso häufig geklickt wie der „Fan“-Button…

  • Finde ich gut. Wenn Facebook nun aber konsequent ist, wird im nächsten Schritt dann auch ein neuer Begriff für die Bezeichnung „Freunde“ gefunden werden müssen. Die Tageszeitung Die Welt hat uns dafür Gott-sei-Dank bereits sensibilisiert.

  • Ich finde „Gefällt mir“ ist aber nicht aussagekräftig genug. Ich klicke „Gefällt mir“ an um eben genau das auszudrücken. Dass ich aber dann die ganzen Posts von der Firma in meinem Stream habe ist für mich daraus nicht erkenntlich.

  • Finde die Umbenennung zwar auch erstmal besser, aber auch noch nicht optimal. Viel besser fände ich „Follower“, aber den Begriff hat ja schon ein anderes Netzwerk im Einsatz. 😉 Abonnent wäre auch komisch, weil sich das auch wieder sehr angeheftet anhört.

    Ich denke aber schon, dass häufiger auf „Like“ statt auf „Fan“ geklickt wird, weil sich Like einfach nicht so bindend anhört, wie Like.

  • Aus Marketing Controlling Perspektive halte ich diese Änderung für problematisch: gerade weil „I like“ weniger verbindlich ist als „Become a Fan“, macht diese Differenzierung Sinn, um verschiedene „Bindungsintensitäten“ zwischen FB-Nutzer und Unternehmen zu unterscheiden.

  • Ich kann mir gut vorstellen das dadurch mehr geklickt wird.

    Nur stelle ich mir auch die Frage, will ich „nur“ möglichst viele „Like its“ die nur sehr beiläufig an meinem Unternehmen / Produkt interessiert sind? Oder sind mir ein paar weniger, dafür deutlich interessiertere „Fans“ lieber?

    Was zählt hier? Qualität? oder Quantität?
    😉

  • Irre ich mich oder bedeutet nicht das „Fan werden“ auch ein Abo auf die News in Facebook? Und das „Gefällt mir“ ist nur einmalig? In dem Fall wäre die stärkere Bindung auch funktional, nicht nur emotional.
    Und wenn das so ist, wie wird dann künftig das eine Like vom anderen unterschieden?

  • @10 (dagassa): Du musst kein Fan einer Page sein, um die Informationen lesen zu können. Pages sind für alle sichtbar, soviel ich weiß. Daher brauchts Du – um bei Deinem Beispiel zu bleiben – auch nicht der NPD beitreten, um die Inhalte zu lesen. Nur schreiben kannst Du als nicht-Fan nicht.

  • Ich denke auch, dass die Hürde Fan zu werden deutlich höher liegt als einfach etwas zu mögen(like-button). Ich persönlich werde nur von wenigen Sachen Fan, aber der „gefällt mir“ Link ist schnell mal geklickt. Ich bin sehr gespannt, wie sich das auswirken wird und Facebook noch stärker in unser alltägliches (Web-) Leben drängt.

  • @#11: wobei der satz „Mir gefällt … bei Facebook“ auch nicht so optimal ist, da es irgentwie suggeriert das mit etwas nur bei facebook gefällt…
    naja, finde das ganze persönlich etwas kinkerlich, hab mir nie ernste gedanken gemacht ob das fan-sein nicht etwas zu stark rüber kommt, nutze die funktion eh nur um über aktuelle news des produktes/der seite informiert zu werden und nicht um mich selbst darzustellen….
    aber kann verstehen das viele sich darum ernome gedanken machen….

  • ich hätte gerne einen „Don’t like“-Button. z. B. um die ganzen Farmville-posts kurz und bündig zu kommentieren.

  • Ist schlau.
    Für mich klingt Fan auch eher verpflichtend, und von 100 Sachen Fan zu sein ist schwierig.
    Auch wenn ich kein Facebook habe.

  • … und die Jugend wird sofort ein Kunstwort daraus machen: Nach „Kommi“ (Kommentar) oder „Modi“ (Moderator bei einem Webradio) kommt dann der „Gefalli“ (also ein Gefällt-mir-Klicker).

  • Wenn man auf facebook Fan von irgendwem oder irgendwas ist, dann wird dies auch sofort all deinen Freunden angezeigt. Wenn man jedoch gewisse Interessen hat, die man nicht zwingend seinen Freunden unter dir Nase reiben mochte, bleibt einem nichts weiter übrig als die Enthaltung des Fan Werdens .

    Hoffentlich kommen demnächst ein paar Features mehr bei dennen man mehr Privatsphäre Geniessen und dennoch Social Networking betreiben kann.

  • @Alexander
    ist mir schon klar! mit echtzeitweb hat’s dann aber nichts mehr zu tun! der sinn der sites ist ja das abonnieren. sonst könnten die firmen ja gleich gruppen aufmachen.

  • Ich bin da etwas zwiegespalten, ähnlich wie Till ganz oben. Manchmal will ich ja wirklich ganz bewusst Fan sein und nicht einfach nur „gefällt mir“ oder „mag ich“ sagen.

    Ich klicke das dann zwar vielleicht(!) öfter an, reduziere damit aber die Intensität der Bindung.

  • Sehr interessanter Post!
    Wie „Goldgräber der Neuzeit“ oben schon schrieb, etwas zu liken ist einfach viel unverbindlicher als ein Fan von etwas zu werden. Als Fan muss schon alles komplett passen. Ein Like hingegen vergibt man schnell, ohne dass man eine tiefere Bindung eingeht…

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