Sonstiges

Überraschend: Zuckerberg zieht Facebook Lite den Stecker

Gerade einmal ein halbes Jahr hat Facebook Lite durchgehalten – jetzt hat das Unternehmen dem Feature ohne Vorwarnung das Licht ausgeknipst. Das Pendant zur normalen Facebook-Seite hatte in erster Linie diejenigen Nutzer im Blick, die mit schwacher Internetanbindung oder ressourcenarmen Rechnern umgehen müssen (zum Beispiel in den Ländern der dritten Welt): Pinnwandeinträge, Text, Fotos, Videos, Links – das musste reichen. Apps wurden nicht unterstützt. Der zweite Antrieb, der zu Facebook Lite führte, war die Erkenntnis, dass die Social Community mittlerweile mit ihrem überbordenden Funktionsüberangebot die Neulinge abschreckt und man daher eine Art Schnupper-Facebook im Netz installieren wollte.

Doch nun ist erst einmal Schluss damit. Über Twitter wiesen die Betreiber gerade auf ein „Update für Facebook Lite“ hin, wer dem Link folgt, wird jedoch mit einer ziemlich brüsken Erklärung abgespeist:

Danke an alle, die Facebook Lite ausprobiert haben. Wir unterstützen es nicht länger, dennoch haben wir eine Menge durch den Test mit dieser minimalistischen Seite gelernt. Wenn Sie bislang Lite benutzt haben, werden Sie nun zu der Hauptseite von Facebook weitergeleitet.

Aha. Hä? Einige Nutzer laufen angesichts der knappen Durchsage Amok. Da werden banale Gründe genannt, wie die Tatsache, dass manche mit dem App-Klimbim nie etwas anfangen konnten und die schlanke Alternative daher bevorzugten. Andere beklagen, dass Facebook Lite der einzige Weg sei, wie sie das Netzwerk auch von ihren Handys aus nutzen konnten (dafür wiederum gibt es eigentlich die mobile Seite m.facebook.com). Wiederum andere Einwürfe stimmen tatsächlich nachdenklich: „Warum? Dies war die einzige Möglichkeit für uns, die aus Ländern, in denen zensiert wird, auf Facebook zuzugreifen. Ich lebe in Vietnam, wo Facebook seit vergangenem Oktober gesperrt ist. Wer sich fragt, wie ich nun online gekommen bin: Ich ließ DNS, IPs und so weiter durch einen Experten ändern. Jetzt bin ich auf Facebook, doch ich kann nicht von Seite zu Seite navigieren. Ich kann nur mein Profil sehen und werde abgemeldet, sobald ich Nachrichten oder Bilder poste. Bitte bringt Facebook Lite zurück! BITTE!“

Facebook hält sich angesichts des Protests bedeckt. Es lässt sich nur mutmaßen, weshalb sich das Unternehmen zu diesem Schritt entschlossen hat. Grund könnte zum Beispiel das gerade anziehende Geschäft mit Apps und virtuellen Waren sein, das schon heute ordentlich Geld in die Kassen spült. Durch das Abschalten der Lite-Version sind nun ausnahmslos alle Nutzer gezwungen, sich zumindest mit den Möglichkeiten der Miniprogramme auseinanderzusetzen.

(André Vatter)


Vernetze dich mit uns!

Like uns auf Facebook oder folge uns bei Twitter


Über den Autor

André Vatter

André Vatter ist Journalist, Blogger und Social Median aus Hamburg. Er hat von 2009 bis 2010 über 1.000 Artikel für BASIC thinking geschrieben.

10 Kommentare

  • Eine noch bessere mobile Version für Smartphones mit Multitouch ist touch.facebook.com, sollte man mal ausprobieren.

    Ich finde viele Applications auch extrem nervig, aber die blockiere ich dann einfach, blockiere die Neuigkeiten von Freunden, die dauerhaft posten aus Apps und poste selber so gut wie gar nicht aus Applications.

    Ich verstehe nur nicht, wieso jemand auf lite.facebook.com zugreifen kann, aber nicht auf facebook.com? Haben die etwa nicht die IP der Facebook-Server zensiert, sondern nur die URI?

  • Und alle schreien „meld mich ab“, „mies“ (ähnlich damals bei StudiVZ mit dem Datenschutz-GAU) – im Endeffekt werden dann wahrscheinlich nur 0,001% der User Ihren Account aufgeben, die anderen finden sich damit ab (ausgenommen die, die nun nicht mehr können, siehe Beispiel Vietnam etc – für die ists schade…)

  • Welchen Grund sollten sie auch sonst haben? Facebook ist einfach ein gutes Beispiel für ein Unternehmen, dem die User wirklich egal sind…

    Für die Deutsch-Viatnamesin, Kann man nicht einfach mit einem Appspot Proxy auf Facebook? Sollte doch weitgehend funktionieren…?!

  • In Vietnam haben sie tatsächlich nicht lite.facebook.com gesperrt. Deswegen war es ein guter Workarround. DNS Änderung funzt meistens, aber nicht immer. Deswegen muss man manchmal auch per https auf die seite gehen. (ich lebe in vietnam)

  • Ich glaube, das ist auch ne strategische Frage. Solang es Facebook Lite gibt, bietet Zuckerberg seinen Programmierern eine Ausrede, warum sie nicht stärker an der Performance von Facebook polieren. Das Erfolgsrezept von Facebook war schon immer die exzellente Qualität der Webseite (UI + Perfomance), und da sollte man seine Aufmerksamkeit wohl besser nicht teilen. Als Experiment war es aber richtig.

    Das Internet-Zensur-Problem in Vietnam, China und anderen Ländern hat damit nichts zu tun. Facebook und Facebook Lite sind in diesen Ländern gleichermaßen gut oder schlecht hinter der Great Firewall erreichbar. Die junge Dame muss wohl den Techniker nochmal kommen lassen.

Kommentieren