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Menschliche Roboter: Spammer bezahlen 'Mitarbeiter' fürs Lösen von CAPTCHAs

Es dürfte kaum einen Web-Surfer geben, der sie nicht schon einmal gesehen hat: CAPTCHA-Eingabefelder. Sei es bei dem Versuch, sich einen E-Mail-Account zu erstellen oder bei der Anmeldung auf irgendeiner Internet-Plattform. Wie man der offiziellen Website entnehmen kann, steht CAPTCHA für Completely Automated Public Turing test to tell Computers and Humans Apart. Übersetzt heißt es so viel wie „Vollautomatischer öffentlicher Turing-Test, um Computer und Menschen zu unterscheiden“. Durch das Abfragen von mal mehr und mal weniger gelungenen Zahlen- und/oder Buchstabenkombinationen soll also festgestellt werden, ob es sich bei dem User um einen menschlichen oder aber einen robotischen Seitenbesucher handelt. Und das soll in erster Linie der Spam-Vermeidung dienen. Wie erfolgreich das System (für sich alleine genommen) ist, kann ich nicht beurteilen. Fest steht aber offenbar, dass sich Spammer neurdings menschlicher Helfer bedienen (müssen), um dieses System zu überlisten.

Wie die New York Times berichtet, werden die Ärmsten der Armen in Entwicklungsländern wie Bangladesch oder Indien für nichts anderes angeheurt, als um in monotoner Arbeit die CAPTCHA-Zeichenfolgen in die entsprechenden Eingabefelder von Mail-Anbietern zu tippen. Die neue erstellten und somit für Blacklists und Filter noch unbekannten Accounts werden dann genutzt, um wieder für eine Weile ungehindert Junk-Mails verschicken zu können. Für 1.000 „entzifferte“ CAPTCHAS erhält ein solcher Arbeiter, deren Zahl auf „Tausende“ geschätzt wird, zwischen 80 US-Cent und 1,20 US-Dollar. Diese Preise sowie auch die dazugehörigen Angebote kann jeder Interessierte Seiten wie Freelancer.com entnehmen, wo die Spammer sich offenbar völlig unbehelligt ihre Mitarbeiter rekrutieren.

Dies hängt nicht zuletzt damit zusammen, dass die Cyber-Schurken oftmals sehr gute Netzwerke aus Mittels- und Strohmännern aufgebaut haben und nie persönlich, sondern nur anonym über das Internet mit ihren Angestellten kommunizieren. Auch die Bezahlung verläuft über Online-Konten oder Internet-Geldtransfer-Seiten. Und die Arbeiter heuern neue Arbeiter durch Mundpropaganda an. Zudem stellt sich natürlich die Frage, ob die Spammer mit solchen Jobangeboten überhaupt gegen geltendes Recht eines Staates verstoßen. Ein Grund, der aber ganz sicher eine Erklärung dafür ist, warum bei Freelancer und ähnlichen Seiten bisher noch keine Beschwerden oder Löschanträge eingegangen sind, ist dieser: es interessiert niemanden.

Auf das Problem angesprochen, gab beispielsweise ein Google-Sprecher zu Protokoll, dass der Suchgigant sich keine Sorgen über bezahlte menschliche CAPTCHA-Decoder mache. Ihmzufolge sei diese Sicherheitsmaßnahme nämlich nur eine von vielen Tools, das Website-Betreiber nutzen, um sich vor Spammern zu schützen. So verschicken manche Unternehmen beispielsweise Bestätigungscodes in Form von SMS an Mobiltelefone, die dann erst wieder in ein anderes Eingabefeld eingegeben werden müssten, um einen Mail-Account zu aktivieren. Macduff Hughes, technischer Leiter beim Suchgiganten, ergänzt: „Es lässt sich nicht verhindern, dass bezahlte Personen CAPTCHA-Aufgaben lösen. Unser Ziel ist es, die massenhafte Erstellung von Mail-Accounts für Spammer unattraktiver zu gestalten. Und der Umstand, dass Spammer Menschen für das Lösen von CAPTCHA-Aufgaben bezahlen müssen, zeigt, dass das Tool funktioniert“.

Die Recherchen der New York Times scheinen diese Aussagen zu bestätigen. Auch wenn die Hilfsarbeiter unseren Maßstäben nach wenig verdienen (sie sehen das sicherlich etwas anders), lohnt sich das Geschäft für den Spammer auch nur dann, wenn er bereits erfolgreich, das heißt profitabel ist. Denn wie heißt es so schön: Auch Kleinvieh macht Mist und die Lohn-Cent-Beträge läppern sich irgendwann zu einem Kostenfaktor, der dem Spammer ein Loch in sein Portemonnaie brennt.

(Marek Hoffmann)

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Über den Autor

Marek Hoffmann

Marek Hoffmann hat von 2009 bis 2010 über 750 Artikel für BASIC thinking geschrieben und veröffentlicht.

11 Kommentare

  • lol, 80cent für 1000 ? die ham doch latte, wer macht da mit ??? is ja noch schlimmer als sklaven arbeit…..

    bei 1000 stück würd ich schon mindestens meine 50€ haben wollen. Ist ja immerhin arbeit für die Augen und denken muss man auch noch.

    Bei den preisen würd ich ganz klar mal nen vogel zeigen, immerhin verdienen die sich dadurch ne goldene nase mit ihren spammails.

  • Das richtet sich wohl an die Zielgruppe „muss es machen“ oder..wie hießen noch mal die Leute die bei WoW dauernd das selbe gemacht haben..?

    Jetzt sind Spammer also auch Menschenausbeuter, gehts überhaupt noch ein Stockwerk tiefer?!

  • das traurige daran ist ja auch noch, das die leute in solchen ländern, froh sind mit so ner sch… arbeit geld zu verdienen.
    zudem gibt´s leider genug captchas die von vorne herein so gut wie keinen schutz bieten.

  • was heißt denn hier „menschenausbeuter“? ist doch gut, wenns neue arbeitsplätze gibt. ob jetz im (giftigen) müll drähte suchen oder captchas eintragen…
    und @1: leider gibt es in unserer welt für viele nicht die option sich das schönste auszusuchen. wenn es allerdings so wäre, dann würdest du auch nicht so überheblich reden.

  • Wir reden hier immernoch von einem Land mit einem Durchschnittseinkommen von 70,-€ im Monat und entsprechend niedrigen Lebenserhaltungskosten.

    Von Luxus kann hier gewiss nicht die Rede sein.. aber wie #4 schon schrieb, stumpf irgendwelche CAPTCHAs reinhämmern ist immernoch besser als im Müll wühlen oder den ganzen Tag bis zu den Knieen im Reisfeld zu stehen.

    Viele Programmierarbeiten werden zu dumping Preisen auch in Indien erledigt.. das ist dann besser, weil es mehr Anspruch hat?

    Man kann die Welt nicht mit Deutschland vergleichen.

  • Sollnse doch machen, solange die Menschen aus diesen Ländern so ihr Geld bekommen damit Ihre Familie genug essen bekommt. Kann ich mit ein paar mehr oder wenigere Spam Mails auch leben, sind doch eh schon 95% meines Posteingangs, was soll sich da noch groß bei ändern?

  • Captchas sind veraltet, wenn Spammer Menschen in der Dritten Welt bezahlen, diese zu lösen…

    Konfrontiert mit strengeren Sicherheitsmaßnahmen im Internet, haben einige Spammer begonnen das zu tun, was in der Welt der globalisierten Wirtschaft schon lange Usus ist: sie lagern Arbeit aus (Outsourcing). Outsourcing monotoner Aufgaben für geringe …

  • Ich weiß ja nicht, ob Spam wirklich so ein erträgliches Geschäft ist, wie immer behauptet wird. Wäre es das, dann könnten die ihr Zeug auch ganz legal anpreisen und es verkaufen.

    Die Frage ist, ob diese „Dienstleistung“ wirklich gutes tut: Einerseits haben die „Dienstleister“ ein Einkommen. Andererseits helfen sie mit, anderen einen Schaden zuzufügen. Wenn Leute gegen Geld Waffen zusammenbauen, ist auch keiner begeistert – warum also hier?

  • Ist ja nichts neues mehr, dass sich immer mehr Firman an die Entwicklungsarmen Länder halten. Diese benötigen ja quasi jeden cent und fuer die ist es es vielleicht ein „vermoegen“?! aber es gibt viele Firmen, welche die „dreckarbeit“ gerne abschieben.

    es gibt auch immer mehr Firmen, die teilweise schon ihre Programmier-arbeiten abschieben. Eigentlich ganz trauig!

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