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Erwachsenen-Spiel im Tamagotchi-Style: Bei iHobe müsst ihr euch um Obdachlose kümmern

Eigentlich schreibe ich nicht über iPhone-Apps, die hierzulande nicht verfügbar sind. Für iHobo (iTunes-Link) möchte ich aber mit dieser Tradition brechen, da ich die Anwendung einerseits völlig verrückt und andererseits total interessant finde. Und das scheint mir eine Mischung, die die App mit den erforderlichen Abänderungen auch hierzulande erfolgreich werden lassen könnte. Entwickelt wurde sie unentgeltlich vom Londoner Ableger des multinationalen Werbedienstleisters und Medienkonzerns Publicis Groupe. Und zwar für Depaul UK, eine Wohltätigkeitsorganisation in Grobritannien, die sich um jugendliche Obdachlose kümmert. Wer nun eins und eins zusammenzählt und den Namen der App (die frei ins Deutsche übersetzt etwa „Ich, Obdachloser“ heißen könnte) mit der Info über Depaul kombiniert, könnte bereits einen Verdacht haben, worum es bei der Anwendung geht.

Etwas despektierlich könnte man iHobo als eine Abart des Tamagotchi bezeichnen, wobei es sich hier nicht um ein virtuelles Küken handelt, das versorgt werden soll – sondern um einen obachlosen Jugendlichen. Diesen holt sich der User als Real-Animation auf sein Smartphone, und muss ihn dann in Echtzeit und über eine Zeitraum von drei Tagen versorgen. „Versorgen“ bedeutet dabei aber nicht, dass ihr irgendeiner realen Person Geld oder Klamotten schicken müsst, oder sie bei euch zu Hause aufnehmen sollt. Es bedeutet nur – wie beim Tamagotchi – dass ihr ihm per Knopfdruck virtuelle Güter wie beispielsweise einen Schlafsack oder etwas zu Essen gebt. „In Echtzeit“ bedeutet aber gleichzeitig, dass er euch um diese Mitleidsgesten auch mitten in den Nacht bitten kann – und wird.

Eine solche Status-Nachrichten auf eurem Phone könnte dann beispielsweise beinhalten, dass ihm kalt und er müde ist. Ein Klick auf den virtuellen Schlafsack lässt dann ihn und auch wieder euch in Ruhe schlafen. Reagiert ihr aber nicht oder falsch, kann das dramatische Folgen für den Jugendlichen haben. So besteht etwa die Gefahr, dass er sich aus Hunger oder Kälte eine Überdosis Drogen verpasst und daran stirbt.

Ein durchaus makabres „Spiel“, das aber seinen Zweck gerade durch diese Härte und Realitätsnähe erfüllen soll und bei einigen, die sich auf dieses Spiel einlassen, auch wird. Es geht nämlich darum, die Menschen für die Nöte der Obdachlosen zu sensibilisieren. Und dies funktioniert am besten, wenn ihre Involvierung mit Entbehrungen zu tun hat. Damit meine ich nicht den Euro, den vermutlich jeder von uns ohne groß nachzudenken schon mal in irgendeinen Kaffeebecher geworfen hat. Wenn ihr von einer Spiel-App aus dem Schlaf gerissen werdet, dann bewegen wir uns auf einem völlig anderen Level. Vor allem dann, wenn euch iHobo aus dem Tiefschlaf weckt und euch am nächsten Tag eine Klausur oder ein wichtiger Geschäftstermin bevorsteht. In Anbetracht dessen die App dann nicht abzuschalten oder sein Handy auf stumm zu schalten, erfordert eine gewisses Zugeständnis.  

Zudem könnte ich mir vorstellen, dass es das Spiel bei einigen Usern schafft, ein anderes Bewusstsein für Obdachlose zu wecken. Zunächst nur für den virtuellen, dann aber auch für den realen Obdachlosen. Wird Erstgenannter nämlich einige zeitlang völlig von euch ignoriert, könntet ihr die Nachricht erhalten, dass ihm Dorgen angeboten wurden und er sie angenommen hat. Dies wäre mit eurer Hilfe sicherlich zu vermeiden gewesen. Die App appeliert somit an euer Gewissen und spielt ein wenig mit eurem Schuldgefühl. Je besser es schafft, mit den Vorwürfen Letzteres in euch hervorzurufen, desto tiefer dürfte sich das Bewusstsein für die Not der Obdachlosen bei euch ausprägen. Mit einem ähnlichen Prinizip hatte ja auch das bereits erwähnte Tamagotchi Erfolg.

Ziel von iHobo ist es übrigens, Spendengelder für Depaul UK zu sammeln. Diese können bereitwillige User direkt über die App an die Organisation überweisen. Was haltet ihr von der Idee und denkt ihr, dass sie auch hierzulande Zuspruch finden könnte?   

(Marek Hoffmann)


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Über den Autor

Marek Hoffmann

Marek Hoffmann hat von 2009 bis 2010 über 750 Artikel für BASIC thinking geschrieben und veröffentlicht.

21 Kommentare

  • War ich noch ein begeisterte Leser der ersten Stunde ist das Niveau mitlerweile auf ein Ebene abgeflacht, bei der ich mich zwingen muss einige Artikel zu ende zulesen. Die Individualität die dieser Blog mal besaß ist für mich föllig verloren gegangen. Im überwiegenden Maße wird hier nur noch über Themen berichtet, die auf anderen Seite schon zu genüge geschrieben wurde oder einfach nur Werbung für Facebook oder Apple sind.

    Welche Zielgruppe hat Basicthinking mitlerweile?

    Dadurch das ich mich nicht zu den 14- Jährigen, zähle deren Freizeitbeschäftigung in Farmville für Facebook spielen und Tamagotchi auf dem iPhone füttern besteht, ist eure Seite mitlerweile in meinem täglichen Info-pool ganz nach unten gerutscht. Schade

  • Warum nicht für den Echtbetrieb nutzen?

    Obdachlose bekommen ein günstiges Handy und je 100 Spieler bekommen einen Obdachlosen zugewiesen. Nun wird mit Echtgeld gespendet, sobald zB 70x 20ct zusammengekommen sind, bekommt der Obdachlose eine SMS, mit der er sich den Billigschlafsack o.ä. im Wert von 14 Euro bei einer Zentrale (Bahnhofsmission, Filialle einer sponsernden Kette etc.) gratis abholen kann..

    Bedürfnisse sind natürlich per SMS anzumelden 🙂

    Na? 🙂

  • Also, ich bin ja ein großer Fan dieser Website, aber die Apple-Zentrierung geht selbst mir als Macbook User auf die Nerven. Es gibt doch zahlreiche andere Systeme, beispielsweise auch Android, die interessante Infos wert wären. Ich verstehe nicht, warum man in der Redaktion sich nicht auch mal so ein Gerät anschafft und damit das Spektrum der Nachrichten erweitert.

  • Leute, was ist denn bei euch los? Habe ich vor zwei Monaten noch mehrmals täglich auf eure Seite geschaut, ist das jetzt rapide zurückgegangen auf 1-2 Mal am Tag. Es gibt doch sicherlich spannendere Themen als eine Penner-App, das iPad, Facebook und dergleichen.

  • wirklich ziemlich krass. ich finde das spiel eher geschmacklos – ob man dadurch tatsächlich eine sensibilisierung herbeiführen kann weiß ich natürlich nicht. vielleicht ist es ja auch sinnvoll – aber ich habe dabei ein komisches gefühl!

  • Sehr coole App. Ich kann nur hoffen das diese auch in Deutschland öffentlich wird. Ich denke schon das man das Bewusstsein einiger (iPhone)-User positiv beeinflussen kann. Im Grunde ist es nichts anderes wie Fernsehen, Filme, Games und andere Medien.

  • Die Storyline ist ja durchaus bekannt. Pennergame.de war damit in Deutschland und auch international sehr erfolgreich (über 4 Millionen Spieler). Auf Facebook gibt es mit StreetRivals auch eine App zum gleichen Thema. Nur für das iPhone hat die Geschichte wohl noch gefehlt 😉

  • Als ich den Titel las, dachte ich erst was für´n markaberer Quatsch…mitlerweile denke ich das zwar immer noch, aber gut wenn dadurch Spenden zusammen kommen und wer sich sowas runterladen muss…bitte
    Das man dadurch mehr auf die Obdachlosen achtet oder eventuell was „gutes“ für sie macht, glaub ich ehrlich gesagt nicht. Nicht die Generation die sich so ein „Spiel“ runterlädt…

  • Irgendwie find ich s auch extrem makaber so n „ich kümmer mich Spiel “ anzubieten. Da sich doch icn Wirklichkeit nicht mal 1Prozent der sogenannten Spieler mit der wirklichen Realität befassen wird. – Ups hab ich doch vergessen ihm meinen Schlafsack zu geben, jetzt is er tot. .. naja nur n Spiel. – Kann man sich ja nen neuen Obdachlosen holen. Das is aber Realität für Menschen.. Echt beschissen so was zu vermarkten , gibts auch andere Wege Obdachlose zu unterstützen, falls sie davon irgendnen Nutzen haben sollten – was ich bezweifle….

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