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Basic Flashback: Wenn Menschen zu Zeitungen werden

Geht es euch inzwischen auch so, dass euch Nachrichten auf Papier wie ein Relikt aus grauer Vorzeit vorkommen? Viel haben die Medienexperten in letzter Zeit über die Zukunft des Journalismus debattiert und dabei krude Theorien entworfen. Zum Beispiel, dass wir Nachrichten bald nur noch auf Tablet-Rechnern lesen, nur noch auf Smartphones, oder dass Leser ihre Nachrichten gleich selbst schreiben. Letzteres ist bei näherer Betrachtung gar nicht einmal so absurd. Ich denke sogar, dass sich darüber nachzudenken lohnt. Fairerweise muss ich sagen, dass die Theorie nicht von mir stammt, sondern ich sie von Enno Park von meinem alten Blog YuccaTree schamlos „geklaut“ habe. Sie gefiel mir so gut, dass ich sie hier näher ausführen möchte.

Enno beschreibt das Szenario, dass netzaffine Menschen ihre Nachrichten nicht mehr von Verlagen und Online-Magazinen beziehen, sondern von Personen. Sprich: Wir erfahren das Neueste nicht mehr von der „Kölnischen Rundschau“, „TAZ“, „FAZ“ oder „Spiegel Online“, sondern von Hannes Schröder, Klaus-Peter Wuttke und Clara Schmidtke – den Leuten, denen wir auf Twitter oder Facebook folgen. Es ist die digitale Version von „Hast du schon gehört?“, dem Geschwätz aus dem Treppenhaus. Kombiniert mit der Theorie „If the news is important, it will find me“ ergibt sich daraus die einfache Formel:

Wenn ich mich informieren will, lese ich keine Zeitung mehr, sondern rufe meine Statusmeldungen ab.

Enno schreibt:

Fast alles, was ich intensiver nachlese, stammt nicht aus Quellen [wie SpOn oder Heise], sondern aus anderen Blogs bzw. aus meiner Twitter-Timeline. Ich lese also keine Medien mehr, sondern Menschen. Ein Artikel ist nicht mehr unbedingt interessant, weil er über ein bestimmtes Thema berichtet, sondern weil ein Mensch, von dem ich (warum auch immer) viel halte, das Thema für berichtenswert hält und deshalb mein Interesse weckt.

Im Vergleich zu Nachrichtenmagazinen gibt es einen weiteren Vorteil: Tweetmeldungen wurden mir bereits zubereitet. Sie sind auf das Wesentlichste zusammengefasst, kommentiert und – für eventuelles Interesse an der ganzen Geschichte – oft mit Link zur Originalmeldung versehen. Der Autor hat die Meldung bereits aus anderen für mich herausgefiltert. Und das meist in aller Kürze auf 140 oder weniger Zeichen.

Der Leser von morgen: Egoistisch, illoyal – gut informiert

Setzt sich der Trend durch, erhöht das den Stellenwert interessanter Persönlichkeiten und Special-Interest-Schreiber. So könnte man also einem bewanderten Sportblogger folgen, einem Social-Media-Experten, mehreren gut politisch Informierten verschiedener Couleur, Wirtschaftstwitterern mit Insiderwissen, Filmexperten – oder eben Generalisten, deren Persönlichkeit und Meinung wir interessant finden. Nachrichten werden persönlicher werden, Meldungen insgesamt kürzer. Es werden wohl weniger echte Journalisten gebraucht; die Bedeutung des Journalismus wird wohl generell abnehmen.

Journalismus an sich wird uns zunehmend unwichtiger werden: Wir werden schamlos und illoyal nur die Meldungen weiterverlinken, die uns interessant erscheinen, egal von welcher Quelle sie stammen. Für die journalistischen Meldungen, die es noch geben wird, wird immer mehr gelten: Sie müssen kürzer werden, damit sie sich leichter verbreiten lassen. So weit die Theorie. Ob es wirklich so kommt und ob überhaupt alle Menschen dieses Szenario mögen, wird die Zukunft zeigen. Und natürlich wird der Journalismus nicht ganz aussterben: Selbst die besten Informationsdestillierer brauchen natürlich noch eine Originalquelle, von der sie ihre Nachrichten beziehen.

Zum Schluss bleibt noch die Antwort auf die Frage, wie aktuell wir mit Statusmeldungen informiert werden. Enno entschuldigt sich in seinem Artikel, dass er erst über einen Witz auf Twitter von Michael Ballacks WM-Aus erfahren habe, als längst jeder in Deutschland Bescheid wusste.

Er las den Tweet knapp zwei Stunden, nachdem die Meldung über den Ticker ging…

(Jürgen Vielmeier)


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Über den Autor

Jürgen Vielmeier

Jürgen Vielmeier ist Journalist und Blogger seit 2001. Er lebt in Bonn, liebt das Rheinland und hat von 2010 bis 2012 über 1.500 Artikel auf BASIC thinking geschrieben.

36 Kommentare

  • Für mich ist das eine erschreckende Vision, um ehrlich zu sein.
    Für manche bereiche kann so etwas evtl funktionieren – Sport, „Nachrichten“ über den B-Promi der gern mal wieder seinen Namen lesen will etc. – aber komplexere Geschichten (z.B. CIA Gefängnisse, die Flugverbindungen… war damals ein echt guter Artikel im Spiegel) lassen sich nicht in kurzen Sätzen zusammenfassen. Auch muss dafür jemand sehr viel Unterwegs sein, Kontakte suchen… @HeinzSchmittchen gibt sicher nicht so viel Geld für Flüge etc aus um zwei Wochen später zu Tippen „Krass, CIA hat Gefängnisse in EU und fliegt Menschen von dort nach Kuba“.

    Mir gehen die Verlage mit ihren Versuchen, sich ohne Innovation per Gesetz am Leben erhalten zu wollen usw auch auf den Geist, aber ohne ZEIT, NZZ (, FAZ) oder Spiegel würde auch nichts besser. Der Trick besteht eben darin, auch mal so ein Relikt in die Hand zu nehmen und zu lesen; der Unterschied zum Online-mist ist immer noch nicht von der Hand zu weisen.

    Ausserdem: teh Internetz ist mächtig und gross, ja. Aber der Teil der Leute, die wie Du (Jürgen) so viel Zeit darin verbringen, ist verschwindend gering. Woher bekommen in deiner Vision die anderen ihre Nachrichten?
    Ich z.b lese keine Feeds, Twitter und an sich auch nur 5-10 Blogs. Woher soll ich also erfahren, dass Nordkorea ein Südkoreanisches Boot versenkt hat und nun mit Krieg droht, wenn bei Basic Thinking oder BLOGXY nichts darüber zu lesen ist?

  • Interessante Idee! Die Dezentralisierung der Information, weg von ein paar Platzhirschen, von Informationsmonolithen, und hin zum Bazaar erinnert mich einerseits an W.S.Burroughs Traum von der Informationsanarchie und andererseits doch an das inzwischen beinahe steinzeitlich anmutende Kathedral-Bazaar Modell.

    Augenscheinlich spült es zunächst den Basenatratsch aus den Boulevardzeitungen ins Web. Jeder schreibt iregndetwas über irgendein Thema. Dabei ist es noch gar nicht wesentlich, ob irgendjemand von irgendetwas irgendeine Ahnung hat, sondern nur, wie gut er das, was er verfasst, verpackt und verkauft.
    Dass es Tratsch und Klatsch ist erkennt man zweifelsfrei aus der Quellenangabe, die entweder nicht exisitiert oder aber in einem selbstreferenzierenden Looping festhängt.

    Es wäre wirklich gut, wenn sich der Informationsschlamm selbst reguliert und vom Papier ins Web abfließt. Für Junkies der Informationshäppchen ist das fein und wir genügen, um Zeit totzuschlagen, was ja auch seine Berechtigung hat.

    Was ich jedoch nicht so ohne weiteres glauben kann ist, dass der Qualitätsjournalismus, der investigative, zeitaufwändige, kostenintensive Journalismus a) ausstirbt und b) auf die Infotainmentschiene rutscht, um sich ebenso billig anzubieten wie Klatsch, Tratsch und Plauderei, und sich dem künstlich erregten Konsumenten vor die Füße wirft. Der Qualitätsjournalismus wird (tut er eigentlich schon) die Mitteln der modernen Technik nutzen, um wahrgenommen zu werden, aber gewiss nicht nicht darauf beschränken, als Bit und Byte im Datennirvana herumzuschwirren.
    Wirklich gute Journalisten werden – dies ist nur meine Vermutung – weiter darauf drängen, dass ihre Beiträge in Qualitätsprintmedien erscheinen. Inhaltsangaben und Diskussionen zu den Artikeln können und werden gerne im Web stattfinden (Man sehe http://blog.profil.at), aber die Hauptbühne wird das Printmedium bleiben. Dies unter anderem auch, weil es eine bestimmte Art von Lese- und Lebenskultur symbolisiert. Und dies ist nun mal nicht so leicht aus den Köpfen der Leute zu bekommen.

    Eine Balance zwischen alten und neuen Medien wäre eine tolle Lösung. Jede Form von Journalismus wird seine Plattform finden, und die Zeit wird zeigen, auf welcher Plattform welche Qualität zu finden sein wird.

  • @S.Kluess: Ich habe es vielmehr so verstanden, dass die Leute denen ich auf Twitter z.B. Folge als „News-Channel“ fungieren. Liegen meine Interessen etwa auf Allg. Nachrichten, Sport und Technik, folge ich ein paar hervorstechenden Twittereren, die dann für mich das Nachrichtengeschehen der Rubriken durchstöbern und nur „interessante“ weitergeben. Je nachdem was du lesen willst, folgst du so bestimmten News Anchorn. Da du aber so im Vorfeld wählen musst, was du kriegen willst, fällt wahrscheinlich auch viel wichtiges unter den Teppich oder erreicht dich nur über Umwege verspätet.

  • Die Auswahl an interessanten Nachrichten von Anderen treffen zu lassen, erinnert eher daran raus zu bekommen was die Menschen beschäftigt, aber nicht daran einen vernünftigen Nachrichtenfluß zu gewährleisten.
    Zudem die Lokalen Nachrichten vermutlich viel zu kurz kämen, da eine enorme Menge an Menschen Twittern müssten um die Breite der täglichen Meldungen abzudecken. Aus diesem Pool die interessanten Leute rauszufinden wird wohl sehr lange dauern.
    Mir ist die tägliche Lekture der Papierzeitung immer noch am liebsten. Twitter und ähnliche Dienste können da nur als Ergänzung fungieren.

  • Dass echte Zeitungen verschwinden, bezweifele ich stark. Zeitungen haben ja nicht nur den Sinn, Nachrichten zu verbreiten, Journalismus lebt davon, Nachrichten (Stories) zu entdecken, zu recherchieren, sich an den Ort des Geschehens zu begeben, und zu kommentieren.

    Auch wenn die Zeitung in gedruckter Form in Zukunft sicher keinen Bestand mehr haben wird…

    Aber über den Journalismus in der Zukunft kann man natürlich nur spekulieren, es kann immer anders kommen, als man denkt.

  • @sangius: Eben um letzteres geht es mir. Ich wähle schon jetzt: Politik. Internationales usw bekomme ich eher aus der NZZ oder der ZEIT, für die gemütliche Lektüre darf’s dann mal der Spiegel sein und alles was mit Technik und Internet zu tun hat finde ich meistens hier. Eine solche Vorauswahl trift man immer, zumal man immer zwei Quellen haben sollte. Allerdings geht mir so bei klassischen Medien nichts verloren.

    Bei dieser Thematik bin ich inzwischen der Meinung, dass sich „das Internet“ für viel zu wichtig hält. Twitter und Blogs können Printmedien und gute, professionelle Journalisten (deren Zahl ich auf ca 50 schätzen würde) nicht ersetzen.
    Und ein „Expertennetz“, in dem der Professor für Wirtschaftswissenschaften über die Steuerpläne der Regierung schreibt oder das Geflecht aus Banken, Staatsverschuldungen und Griechischen Frührentnern verständlich macht, ist illusorisch. Zumal ich dieses sehr spezielle Blog auch noch finden müsste (!).

  • Ich bin einer der Menschen, die jeden morgen ihre Tageszeitung lesen – und auch wirklich gerne lesen. Und ich finde es gut, wenn ich dort auch einmal Informationen über Themen finde, die eigentlich nicht zu meinen normalen Stöberthemen im Web gehören.
    Gerade im Gespräch erkennt man relativ schnell die Leute, deren Hauptquelle für Information Spiegel online, msn.de oder auch Basic Thinking sind – es geht um die neuesten Gadgets, B-Promi-Nachrichten oder eben das aktuelle Internet-Meme. Ich finde es recht erschreckend, wie wenig breitgefächert das Wissen dieser Menschen ist, gerade weil sie sich ihre Informationsströme komplett selbst zusammenstellen und alles ausklammern, was auch nur ein bisschen davon abgweicht. Im Prinzip wird genau das freiwillig gemacht, was oft als Vorkauen der Informationen durch die großen Verlage angeprangert wird.

  • Was hätten die schlauen Twitternachrichtenverbreiter denn zu twittern, wenn es keine Nachrichtenagenturen gäbe? Dass Mama eben in der Küche den Sauerbraten aufgesetzt hat, dass Papa im Keller ne Glühbirne wechselt und dass bei Frau Klawuttke im Hinterhaus ne Mülltüte vor der Wohnungstüte steht und stinkt?

    Eine persönliche SMS von Herrn Ballack oder Herrn Müller-Wohlfahrt werden sie ja wohl kaum bekommen haben.

  • Ich denke auch, dass die Printmedien nicht aussterben werden. Denn am angenehmsten liest sichs immer noch vom Papier.
    Habe kürzlich einen Beitrag gesehen, in dem ein junges Unternehmen gezeigt wurde, dass es möglich macht seine Zeitung selbst zusammen zu stellen. Also bestimmte Teile aus verschiedenen Zeitungen in einer persönlichen Zeitung zusammengefasst.

    Im allgemeinen würde ich sagen, dass sich Qualität immer durchsetzt, ob auf Papier oder im Netz. Und wie oben schon geschrieben, werden mich wirklich wichtige Nachrichten schon erreichen. Ob man vom Ausfall von Ballack jetzt sofort erfahren muss oder ob es einem reicht wenn man es irgendwann vor der WM mitbekommt ist auch eine persönliche Geschichte.

  • Ich glaube auch, dass sich das „Internet“ viel zu wichtig nimmt. Gab es vor nicht all zu langer Zeit ein Problem an Informationen zu gelangen, besteht heute eher die Schwierigkeit diese zu selektieren, denn vieles was über Kanäle wie Twitter, Facebook oder auch Blogs an Infos kommt ist vorselektiert und verbrämt durch persönliche Meinungen.

    Was übrig bleibt hat oft noch weniger Gehalt, als ein Stammtischgespräch nach dem fünften oder sechsten Bier. Bemerkenswert finde ich auch einige (wirklich nur einige und beileibe nicht die Mehrheit) Vertreter der „Bloggerelite“ die glauben, die Wahrheit für sich gepachtet zu haben und dabei haarsträubenden, tendenziösen Unsinn verzapfen. Nein, ich sehe das klassische Medium Zeitung nicht vom Aussterben bedroht.

  • Schön und gut, dass man Nachrichten via Twitter, Facebook und Co zugespielt bekommt, aber wenn ich dem Link folge, lande ich doch dennoch wieder beim ganz normalen journalistisch fundierten Artikel bei Spiegel, FAZ, usw. Wenn mir mein Kumpel erzählt, dass er im Spiegel eine tolle Story gelesen hat, dann folge ich vermutlich der Empfehlung, wenn mich das Thema interessiert – den fundierten Artikel aber kann nicht mein Kumpel schreiben, das muss schon ein Journalist tun.
    Print ist sicher auf dem Rückzug, Journalismus aber genauso sicher nicht…

  • Mal schnell selbst Portale wie Google News, SPON, WELT-Online oder diverse Blogs zu überfliegen ist immer noch die beste Methode. Für umfassende Informationen kommt man am Buch eh nicht vorbei…

    „…Im Vergleich zu Nachrichtenmagazinen gibt es einen weiteren Vorteil: Tweetmeldungen wurden mir bereits zubereitet. Sie sind auf das Wesentlichste zusammengefasst, kommentiert und – für eventuelles Interesse an der ganzen Geschichte – oft mit Link zur Originalmeldung versehen….“

    Das alles in 140 Zeichen, wer’s glaubt…

    „…Ich lese also keine Medien mehr, sondern Menschen…“

    Ich lese immer Artikel in Medien von Menschen, egal von/durch welche Quelle…

    „…Der Autor hat die Meldung bereits aus anderen für mich herausgefiltert…“

    Das machen die klassischen Medien seit Urzeiten…

    „…Nachrichten werden persönlicher werden, Meldungen insgesamt kürzer…“

    Und damit immer oberflächlicher…

    „…Es werden wohl weniger echte Journalisten gebraucht…“

    Es werden mehr qualifizierte Journalisten gebraucht denn ja! Blogger sind zum Teil auch echte Journalisten, nur eben ohne „echte“ Bezahlung…“

    „…Selbst die besten Informationsdestillierer brauchen natürlich noch eine Originalquelle, von der sie ihre Nachrichten beziehen…“

    Ach was?

  • Zwei Sachen möchte ich gerne anmerken, das ganze ist natürlich keinen „Idee von mir“, sondern geht auf den Ausspruch zurück: „Wenn die Nachricht wichtig ist, wird sie mich finden.“ Habe gerade die Quelle nicht zur Hand. Eine andere Sache: Ich sehe das ganze durchaus kritisch, weil diese Art der vernetzten Nachrichtenweitergabe eben nur eine andere Art ist, aber keine die per se besser oder schlechter sein muss: Ich bin schon in „Ignoranz 2.0 am Vorabend der viralen Kriegsführung“ auf die Manipulierbarkeit solcher Nachrichtenwege eingegangen. http://yuccatree.de/2010/04/ignoranz-2-0-am-vorabend-der-viralen-kriegsfuhrung/

  • Ich glaube, man sollte hier differenzieren: Nachrichten im klassischen Sinne, also reine Information, kann ich mir zu 90% sehr gut in kleinen Twitter-Häppchen vorstellen.

    Dennoch schätze ich auch sehr eine ausführliche, hintergründige Berichterstattung, aber die muss keineswegs topaktuell sein. Ich lese z.B. sehr gerne die „BrandEins“ und bezahle auch gerne dafür. Das tolle an denen ist aber, dass hier die Zeitschrift selber eine Art „Persönlichkeit“ hat. Hier geht es nicht darum, dass Nachrichtenhäppchen vom Vortag noch mal ein bißchen aufgepumpt werden, sondern um viel mehr.

    Und das ist durchaus eine Entwicklung, die ich mir vorstellen könnte: Schnelles, kostenloses Informiert-Sein über Twitter, tiefgründiges Wissen über bezahlte Magazine oder Webseiten. Für eine halbgare Mischung aus Promi-News, Sportmeldungen und Politikerzitaten möchte ich nämlich in der Tat kein Geld mehr ausgeben.

  • Kann der 11 nur zustimmen. Werd nie verstehen wie ihr der Meinung seid das 140 Zeichen ausreichen um miteinander zukommunizieren, erst recht wichtige Nachrichten zu verbreiten.

    Das Internet ist bei weitem nicht so mächtig wie es denkt.

  • Ich kann eure Zweifel zum Teil nachvollziehen. Wie geschrieben: Es ist nur eine Theorie, wie es kommen könnte. Klar ist mir natürlich auch, aber auch das hatte ich ja geschrieben, dass wir den Journalismus immer noch brauchen werden und dass er natürlich in einer Form überleben wird.

    Die entscheidende Frage ist: Haben wir in 5-10 Jahren noch so viele Medien wie heute, werden die alle überleben, können die sich alle dann noch finanzieren, brauchen wir noch so viele Journalisten? Nicht wenn es so weitergeht, wie im Moment. Alle – oder sagen wir lieber viele – wollen guten Journalismus. Nur bezahlen will dafür keiner kaum mehr etwas. Weder die Verlage noch die Leser.

    Auf der einen Seite konsolidiert sich der Zeitungs- und Zeitschriftenmarkt weiter. Auf der anderen Seite gibt es derzeit für Journalisten zwei Trends: Entweder eine PR-Stelle annehmen und damit meist deutlich besseres Geld verdienen (die Gegenseite ist stärker) oder das einmal erdachte Thema möglichst oft umstricken und möglichst vielen Medien anbieten. Auch damit kann man noch ganz gut Geld verdienen. Die Folgen sind: Die gleichen Geschichten tauchen in vielen Publikationen auf. Und immer bessere PR-Meldungen tauchen in immer schlechteren Publikationen auf. Eine Frage wird sein, welcher Verlag für hintergründige und mit viel Aufwand recherchierte Geschichten etwas zahlen will. Haben wollen ja. Zahlen wollen nein.

    Ich halte 140 Zeichen nicht für der Weisheit letzter Schluss. Aber es zeigt die Richtung auf. Nachrichten werden kürzer, weil die Menschen immer weniger Zeit haben, viel zu lesen. Und da halte ich die Idee, Menschen statt Medien zu lesen, durchaus für interessant.

  • Ich denke nicht dass Printmedien aussterben werden. Im Gegenteil. Neue Projekte wie niiu (bitte nicht als Werbung verstehen, dieses Projekt wurde auf der 7. LiMA in Berlin vorgestellt und begeisterte mich auf Anhieb) bieten alles, was sich der Leser vom Printmedium wünscht. Sie fragen nun warum man sich mit Papier belasten sollte?

    Die Antwort liegt vielleicht im Lebensgefühl. Sicher kann mich mich mit meinem Notebook ins Strassencafé setzen, aber da entspanne ich nicht, ich arbeite. Eine gute Zeitung, im Zug, im Café oder zum Frühstück, dass hat auch was mit Lebensart zu tun, mit einer Art Entschleunigung, auf die viele Menschen in meinem recht großen Bekanntenkreis, trotz eindeutiger Technikaffinition, nicht verzichten wollen.

    Was letztlich bleibt, ist die Frage nach der individuellen Auswahl der Nachrichten. Diese Lücke schließt das o.a. Informationsangebot, auch wenn man auf Kosten der Schnelligkeit des Informationsflusses Abstriche machen muss.

  • Ich wehre mich strikt gegen die Vorstellung, dass man mit 140 Zeichen sinnvoll kommunizieren kann. Tut mir leid, mehr kann ich nicht schreib

  • Ich finde den Artikel gut, aber ich glaube hier täuschen etwas die Bezeichnungen.

    Eine Zeitung nennt man Zeit,FAZ,Spiegel, etc. … einen Blog nennt man „Basic Thinking“, „Selbständig im Netz“, etc. und wenn man diesen Blogs folgt, folgt man eben einer Person. Das liegt aber mehr an der Tatsache, dass Blogs derzeit von meist einer Person geschrieben werden, als an der Tatsache, dass man einer Person folgt.
    Wenn Blogs von mehreren Leuten geschrieben werden würden, würde der Artikel einfach lauten „man folgt Blogs und nicht mehr umbedingt Zeitungen.“ denn die meisten Twitterer, die wirklich viel und informativ twittern, bloggen auch.

  • Auf der einen Seite konsolidiert sich der Zeitungs- und Zeitschriftenmarkt weiter. Auf der anderen Seite gibt es derzeit für Journalisten zwei Trends: Entweder eine PR-Stelle annehmen und damit meist deutlich besseres Geld verdienen (die Gegenseite ist stärker) oder das einmal erdachte Thema möglichst oft umstricken und möglichst vielen Medien anbieten. Auch damit kann man noch ganz gut Geld verdienen. Die Folgen sind: Die gleichen Geschichten tauchen in vielen Publikationen auf. Und immer bessere PR-Meldungen tauchen in immer schlechteren Publikationen auf. Eine Frage wird sein, welcher Verlag für hintergründige und mit viel Aufwand recherchierte Geschichten etwas zahlen will. Haben wollen ja. Zahlen wollen nein.
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  • Ich vermute, für Journalisten könnte es ähnlich laufen, wie in der Musikbranche. Um Geld zu verdienen, müssen Musiker auf Tournee gehen, für das Live-Erlebnis bezahlen die Menschen, für die CD oder das MP3 nicht mehr so wie früher. Weltweit „Platten“ verkaufen, wird nicht mehr reichen.

    Jpournlaisten könnten Bücher schreiben und Lesungen (gibt ja auch Bloglesungen) veranstalten, gute Glossisten könnten Kbarett machen etc.

    Nur: Es ist nicht jeder die Rampensau und die Edelfedern werden nicht ausreichen die Seiten oder Sites zu füllen (u.a. auch, weil sie ja laufend auf Tournee sind).

  • Die Hoffnung auf Journalismus per Twitter und Blogs halte ich für einen Witz. Journalismus braucht qualifizierte Recherche und Kommentierung, und die können nur mit erwirtschaftetem Geld gewährleistet werden. Selbst Blogs wie dieses halten ja nach Werbegeld Ausschau und haben deshalb in der Aufmachung und Qualifikation immer weniger von einem herkömmlichen privaten Blog, sondern immer mehr von einem Onlinemagazin.
    Da nach wie vor Bedarf, also eine Nachfrage an qualifiziertem Journalismus besteht, spricht nichts dagegen, dass sich auch im Internet wie im Printbereich große bekannte Journalismus-Marken herausbilden. Dieser Prozess dauert nur etwas länger, weil die Papierzeitungen ein recht langgezogenen Niedergang haben. Die derzeitigen Probleme sind reine Übergangsprobleme von einer Medieninfrastruktur in die andere. Da sich vorwiegend junge Leute fast ausschließlich im Internet informieren, zieht sich dieser Übergang vielleicht über mehrere Generationen hinweg, vielleicht aber auch viel schneller.

    Je weniger Zeitungen gekauft werden,
    – desto mehr weichen einstige Printleser aufs Internet aus,
    – desto mehr können Onlinemedien auch aus dieser steigenden Nachfrage Erlöse erzielen,
    – desto mehr ist die einst in Zeitungen werbende Werbewirtschaft auch auf Werbung in Onlinemedien angewiesen.

  • @Oliver: Tät schon gehen. Twitter als Anreißer zu einem Artikel einer seriösen Zeitung. Auf der Seite der seriösen Zeitung eine Zusammenfassung des qualitätsjournalistischen Artikels, und der Hinweis, dass der ganze Beitrag in der Zeitung/Zeitschrift/etzetera steht.

    Wär nur so ne Idee 🙂

  • Ich empfinde dieses Szenario auf der einen Seite sehr spannend aber auch sehr erdrückend. Woher erkenne ich eigentlich eine Nachricht ob dieses überhaupt noch der Realität entspricht wenn ich mich nur nach Tweets und Facebookkommentaren richte….

  • Ich finde es schade, wenn die guten alten Zeitungen evtl. bald nicht mehr existieren werden. Es läuft alles über Twitter. Dadurch werden die Nachrichten unpersönlicher. Die Nachrichten werden von persönlichen Meinungen beeinflusst. Daher sind es keine sachlichen Informationen mehr.

  • Die Informationsmassen im Internet zwingen in der Tat zur Verkürzung und Fokussierung. Was aber nicht zur Folge haben muß, dass Journalismus nur noch in Twitter und Blogs stattfindet. Solche Verkürzung und Fokussierung von Journalismus auf das Wichtigste sowie die entsprechend übersichtliche Gestaltung von Onlinemagazinen brauchen noch viel mehr Profis als die heutigen einfach nur besinnungslos hingeschmie°^Wtippten Bleiwüsten.

    Hinzu kommt, der normale Informations-Journalismus hat durch das Internet enorm an Wert verloren, weil er durch das Internet viel besser, schneller, direkter und vielfältiger verfügbar ist als in einzelnen Printprodukten am Kiosk, wo die einzelnen Medientitel mit der Preisbarriere noch einen gewissen exlusiven Status hatten. Konsumenten können sich heute im Internet völlig frei bei Hunderten von Informationsanbietern informieren. Journalismus kann daher nennenswerte Erlöse nur noch mit qualifizierten UND strukturierten, fokussierten Recherchen und Kommentierungen erzielen. Das Internet zwingt viel mehr als die Printmedien zügig und fokussiert auf den Punkt zu kommen.

  • Zeitung lesen und Twittern ist doch ein Oxymoron in Perfektion.

    Mein Twitter Konto habe ich geschlossen, weil ich dieses 140-Zeichen-Gestammel leid war.

  • Erst im vergangenen Jahr ging die auf Papier gedruckte Zeitung Schachwelt auf den Markt. Jörg Hickl, Internationaler Großmeister, hatte diesen Mut. Dieses Jahr bei der Schach WM zwischen Anand und Topalov in Sofia war er der einzige deutsche Anbieter aus dem illustren Kreis der Schachzeitungen der Online-Live die Partien zusammen mit dem Internationalen Meister Ilja Schneider kommentierte. Außerdem initierte er einen gut bestückten Blog durch den Journalisten und Internationalen Meister Stefan Löffler. Letzter hatte vor dem WM-Match sich in Spanien mit Topalov und dessen umtriebigen Manager Danilov getroffen und ein lesenswertes Interview geführt. Dieses erschien nur in der Papierausgabe. Ich bin ja ein Verfechter und großer Anhänger der Kombination Print und Online. Das Beispiel Schachwelt zeigt wie es pragmatisch funktionieren kann.

    Anderes Beispiel. Meine Liebste liest gerne die Landlust. Gute Artikel, liebevoll zusammengestellte Fotostrecken. Das Magazin boomt. Die Auflage steigt und steigt.

    Selbiges -Auflage steigt und steigt- Phanomen ist beim Wirtschaftsmagazin brand eins zu beobachten.

    Länder wie Frankreich, Italien oder Spanien sind sogar in der Lage eine tägliche auf Papier gedruckte Sportzeitung an die Leserschaft zu bringen.

    In Deutschland wird die Wochenausgabe der Sportbild (Spitzenplatz bei den Verkaufszahlen in Europa) auch in 10 Jahren noch existieren.

    Im ICE mag ich lieber Zeitungen lesen wie den Laptop auspacken. Beim Sonntagsfrühstück mit meiner Liebsten mag ich ebenfalls keinen Laptop auf dem Schoß.

    Letztendlich leben viele Blogs (meiner inbegriffen) auch vom vorhandenen Zeitungswissen. Fachmagazine wie Sponsors oder sponsor news verkaufen Ihre Zeitungen gar nicht über den regulären Bahnhofsbuchhandel. Ihre Online Auftritte offenbaren nie das ganze Wissen, welches in Ihren von Spezialwissen gefüllten Druckerzeugnissen vorhanden ist. Die Verkaufszahlen speziell bei Sponsors ist ebenfalls beachtlich.

    Ich wiederhole mich gerne: Ich mag die Kombination von Online und Print.

  • Das Beispiel Schachwelt zeigt wie es pragmatisch funktionieren kann.

    Anderes Beispiel. Meine Liebste liest gerne die Landlust. Gute Artikel, liebevoll zusammengestellte Fotostrecken. Das Magazin boomt. Die Auflage

  • Täglich lese ich online Nachrichten. Wenn ich am Wochenende mal die Papierform in der Hand habe, lege ich Sie wieder weg, weil alles was da drinn steht ich schon ausführlich gelesen habe. Ich komme momentan auch nicht mehr an Magazine ran, ich habe immer das gefühl auf jeder Seite ist Werbung. Ich weis das die sich so finanzieren, aber werbung die mich nicht anspricht schreckt mich ab. Ich will nicht immer nur teure Uhren, schnelle Autos oder sowas sehen, ich würde auch mehr Zahlen für gut recherchierte BEiträge, wenn die Werbung wegbliebe.

  • ich habe aufgehört mir Zeitungen in Papier zu kaufen. Online ist alles aktueller, nur einzelne Artikel werden nicht online gestellt, aber was man nicht weis, das interessiert einen auch nicht.

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