Nie mehr Fail-Whale? – Twitter zieht in modernes Rechenzentrum

Marek Hoffmann

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Mir war das seinerzeit gar nicht aufgefallen und erst die Kollegen von Onlinekosten hatten mich darauf aufmerksam gemacht. Als ich während der Fußball-Weltmeisterschaft einen meiner Artikel über Twitter posten wollte, bekam ich nur den berühmt-berüchtigten Fail-Whale zu sehen. Als es auch nach einer Viertelstunde nicht ging und ich meinem Frust intern über ICQ Luft gemacht hatte, kam der Hinweis, dass Twitter vor allem zu Beginn eines neuen WM-Matches immer unter der Fülle an Tweets zusammenbreche. Jeder von uns, der bisweilen einmal Twitter nutzt, dürfte sich schon einmal über die schlechte Server-Leistung der Plattform geärgert haben. Bei der Weltmeisterschaft ist diese Achillesferse des Unternehmens aber besonders deutlich zutage getreten. Warum nun aber dieses Anekdötchen?

Weil diese Zeiten – hoffentlich – bald vorbei sein. Wie Jean-Paul Cozzatti, Entwickler bei dem Microblogging-Dienst, nämlich am gestrigen Mittwoch im Blog des Unternehmens schrieb, zieht Twitter Ende dieses Jahres um. Genauer gesagt betrifft das die technische Infrastruktur, die nach Salt Lake City ausgelagert und dort in einem nach eigenen Maßgaben und Vorstellungen erbauten Rechenzentrum untergebracht wird.

War man bisher noch auf die Hilfe anderer Unternehmen und Dienstleister angewiesen, haben die Verantwortlichen bei Twitter nun die volle Kontrolle über ihre Systeme, deren Konfigurationen, die Netzwerke – bis hin zu den Strom- und Kühlsystem-Einstellungen. Das bedeutet natürlich einerseits, dass künftig auf eventuelle Probleme schneller reagiert werden kann, und andererseits, dass Twitter neue Features und Angebote besser testen kann. Mal sehen, welchen Vorteil das für die User birgt. Ein Schelm, der denkt, dass Twitter die technischen Verbesserungen möglicherweise in erster Linie vorgenommen hat, um Business-Kunden nicht (weiterhin) mit der störanfälligen Technik zu verschrecken.

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Wie dem auch sei, zunächst bleibt lobend festzuhalten: Bei Twitter wurde erkannt , dass man bei über 75 Millionen Usern und in diesem Jahr durchschnittlich 300.000 Neuanmeldungen pro Tag ein wenig des von Microsoft und Google eingenommenen Geldes in die Verbesserung der IT-Infrastruktur stecken muss. Und nicht immer nur in die Entwicklung von mehr oder minder gelungenen Features, Services (beispielsweise earlybird) oder die Übernahmen von Parasitendiensten. Auch wenn es stimmen sollte, dass nur ein Viertel der User tatsächlich aktiv Twitter nutzen: umso schlimmer, dass die es schaffen, den Dienst immer wieder in die Knie zu zwingen. An welche technischen Grenzen Twitter dabei übrigens stößt, beschreibt der Chefentwickler John Adams anschaulich in dem nachfolgenden Video: 

Auch der Blog-Artikel zur Performance auf Twitter gibt interessante Einblicke in die Probleme, mit denen der Dienst so zu kämpfen hat. 

(Marek Hoffmann)

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Marek Hoffmann hat von 2009 bis 2010 über 750 Artikel für BASIC thinking geschrieben und veröffentlicht.