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Facebook und das 84-Prozent-Debakel: Vermeintlicher Vertrag im Netz aufgetaucht

Da hat Kollege Hayo neulich scheinbar den richtigen Riecher gehabt, als er vermutete, dass diese Meldung noch für reichlich Gesprächsstoff sorgen könnte. Der Mann auf dem Foto – Programmierer Paul Ceglia, der seine Brötchen mittlerweile mit dem Verkauf von Holzpellets verdient, hat unlängst den 84-prozentigen Anteil an Facebook für sich beansprucht und viele von uns – ich inklusive – haben eher müde gelächelt.

Ein Mann, der sich jahrelang diesbezüglich nicht zu Wort gemeldet hat und der selbst in den Blickpunkt der Justiz geraten ist, macht einfach nicht den Eindruck, als liefere er mehr als nur den Stoff für die journalistische Saure-Gurken-Zeit im Sommer. Jetzt jedoch könnte sich das Blatt wenden, denn mittlerweile sind die Dokumente, die im Mittelpunkt der Klage gegen Zuckerberg stehen, im Internet aufgetaucht.Auf dem Screenshot habe ich mal zwei Passagen markiert, die Facebook-Mastermind „Zuck“ noch Magenschmerzen bereiten könnten:

Jetzt gilt es für Facebook der ganzen Welt zu beweisen, dass dieser Vertrag ein Fake ist, denn ansonsten könnte die Geschichte Ausmaße annehmen, die sich so niemand – erst recht nicht im Facebook-Firmensitz – vorher vorgestellt hat, wie Meedia heute berichtet und Alleyinsider-Gründer Henry Blodget zitiert:

Die Winklevoss-Brüder hatten nichts in der Hand und haben 65 Millionen Dollar kassiert. Es könnte sein, dass Paul Ceglia mit weitaus mehr nach Haus geht.

Um es nochmal ins Gedächtnis zu rufen: Besagte Winklevoss-Brüder und Divya Narendra haben 2008 die erwähnten 65 Mio Dollar erhalten, weil sie angeblich von Mark Zuckerberg des ursprünglichen Facebook-Konzepts beraubt wurden und er durch diese Zahlung eine Klage abwenden konnte – das alles, ohne dass belastendes Material wie im aktuellen Fall vorlag.

Ich bin alles andere als ein Rechts-Experte, aber ich zweifel zumindest daran, dass man sich vertraglich 50% an einem Unternehmen sichern kann, welches noch nicht gegründet worden ist und zu dessen Konzept und Erfolg man so ziemlich genau nichts beigesteuert hat. Was glaubt ihr? Wird das Dokument vor Gericht bestehen können und Ceglia bestätigen, der sich auf Facebook heute schon als Facebook-Owner feiern lässt, oder wird wie gewohnt Zuckerberg die Oberhand behalten, gegebenenfalls wieder durch einen angemessenen Obolus?

(Carsten Drees / Foto)


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Ehemalige BASIC thinking Autoren

Dieses Posting wurde von einem Blogger geschrieben, der nicht mehr für BASIC thinking aktiv ist.

20 Kommentare

  • Ich gehe davon aus, dass er nur Geld machen möchte. Ob er durchkommt oder nicht, dass ist im Amerikanischen Recht immer schwer zu sagen, weshalb man jetzt wohl einfach mal abwarten sollte.

  • „Ich bin alles andere als ein Rechts-Experte, aber ich zweifel zumindest daran, dass man sich vertraglich 50% an einem Unternehmen sichern kann, welches noch nicht gegründet worden ist und zu dessen Konzept und Erfolg man so ziemlich genau nichts beigesteuert hat.“

    Ich dachte für diesen Anteil hätte Ceglia 1000$ beigesteuert? Allerdings liest sich das im Vertrag eher so als würde er 1000$ für „The Page Book“ oder so ähnlich bezahlen?!

  • ja gebt das größte Netzwerk der Welt jemandem der kein Plan davon hat. Haha das wäre das aus für FB. Außer er lässt es sich von Zuckerberg abkaufen was wohl das schlauste wäre. Hoffe für FB dass das nicht so ist

  • @rob: Der Scan / die Kopie ist etwas schwer lesbar, aber da steht „The Face Book“, was der Arbeitstitel von Facebook war.

    Und natürlich geht es ihm nicht um Anteile an Facebook oder gar die Kontrolle darüber, sondern um Geld. Ich vermute mal, dass er nach einer außergerichtlichen Einigung mit einem ordentlich dreistelligen Milionenbetrag nach Hause geht und den Verkauf von Holzpellets in Zukunft wohl sein lassen kann.

  • was kommt morgen – die Stellungnahme die Facebook vor über einer Woche zu den damals aufgetauchten Verträgen abgegeben hat? Sind wir grad im Sommerloch?

  • Über diese Sache habe ich auch vor einigen Tagen geschrieben. Ich glaub der Vertrag schwirrt schon seit einiger Zeit im Netz. Erregt aber komischerweise erst jetzt überall großes Aufsehen. Facebook selbst ist der Meinung das er gefälscht ist. Das würde ich auch ersteinmal denken. Ceglias Anwalt hätte aber angeblich noch weitere Beweise. So bleibt abzuwarten ob der Vertrag oder ein anderer „Beweis“ zu den Firmenanteilen führen wird. Ich persönlich glaube das ganze nach wie vor nicht so recht.

  • Zwei Sachen, die ich erstmal loswerden muss:
    1. Der Vertrag ist schon seit mindestens zwei Wochen im Netz – spätestens seit der einstweiligen Verfügung des New Yorker Richters, das Facebook-Kapital einzufrieren.
    2. Es wäre schön, wenn wir uns jetzt mal langsam einigen könnten, wer sich hier auf was geeinigt hat. Es wird (in den deutschen Medien ausnahmslos, in den amerikanischen zum Teil) verbreitet, Ceglia sei Programmierer und von Zuckerberg beauftragt worden. Ich glaube, es war umgekehrt – in erster Linie, weil der Vertrag es so sagt (es ist ein „Work-for-hire“-Vertrag, in dem Zuckerberg ausschließlich als „Seller“ bzw. „Contractor“ vorkommt – also derjenige, der die Arbeit macht). Zum anderen aber, weil es anders keinen Sinn ergibt: Zuckerberg beauftragt Ceglia, die Website zu programmieren, und der bekommt 1% Anteil am Unternehmen für jeden Tag, den er zu lange braucht? Unter diesen Bedingungen möchte ich gerne arbeiten.

    So richtig zum Thema:
    Es ist möglich, dass der ganze Fall in sich zusammenbricht. In der Originalgeschichte im Wall Street Journal wird ein Vertragsjurist mit der Aussage zitiert, dass Ansprüche aus Verträgen in New York nach 6 Jahren verfallen. [EDIT: Missverständnis meinerseits entfernt]
    Es könnte also gut sein, dass der Anspruch, unabhängig vom Wahrheitsgehalt, längst nichtig ist.

  • Über diese Sache habe ich auch vor einigen Tagen geschrieben. Ich glaube der Vertrag schwirrt schon seit einiger Zeit im Netz. Erregt aber komischerweise erst jetzt überall großes Aufsehen. Facebook selbst ist der Meinung das er gefälscht ist. Das würde ich auch ersteinmal denken. Ceglias Anwalt hätte aber angeblich noch weitere Beweise. So bleibt abzuwarten ob der Vertrag oder ein anderer „Beweis“ zu den Firmenanteilen führen wird. Ich persönlich glaube das ganze nach wie vor nicht so recht.

  • vielleicht wird er FB übernehmen und uns allen einen riesigen Gefallen tun und dieses infektiöse und penetrante Social-Gedöns abschalten.

  • der will geld. würd ich auch wollen. und in den usa kann man doch bei sowas unheimlich schnell an große summen kommen. wer da noch lotto spielt, ist selber schuld.

  • Lieber Herr Drees,

    schlagen Sie doch bei Gelegenheit mal im Wörterbuch Ihres Vertrauens die Bedeutung der Wörter »vermeintlich« und »scheinbar« nach. Vereinfacht gesagt sagt die Überschrift zu diesem Artikel aus, daß der im Netz aufgetauchte Vertrag ein Fake sei und daß »Kollege Hayo« sich geirrt habe.

  • Toll, wenn man mal die Bude aufräumt und dann so nen alten Wisch aus nem Stapel irgendwas fischt. Muss gleich mal nachdenken, ob ich nicht auch schon mal was mit Facebook oder wenigstens ein bissel StudiVZ zu tun hatte.

  • Hat sich schon mal jemand gefragt, ob das nicht alles
    lediglich als Publicity für den bald anlaufenden Kinofilm dient?
    (Ich denke, das hat der ein oder andere bestimmt.)

    Es ist doch merkwürdig oder eben auch nicht, dass diese Geschichte relativ zeitnah mit dem ersten Kinotrailer zu „the social network“ in den Medien aufgetaucht ist.

    An sich klingt der Film für mich bisher nicht nach einem wirklich Knaller, den man unbedingt bald im Kino bestaunen muss und auf den die Welt gewartet hat (wie zum bsp. auf Avatar, Fluch der Karibik,Harry Potter, Herr der Ringe, Star Wars oder Terminator damals), aber mit der richtigen story darum gesponnen evtl. mit der Aussicht, dass diese im Film weitergesponnen und/ oder aufgeklärt wird, macht es dieses doch zumindest ein Stück weit spannender und zieht mehr Besucher ins Kino.

    Es ist zumindest denkbar und auch nicht ganz aus der Luft gegriffen, dass es sich hierbei möglicherweise „nur“ um PR handeln könnte. Ob diese PR – Strategie, sofern es sich tatsächlich um eine handelt (?), um den Film zu promoten und für Spannung zu sorgen, gut, schlecht oder glaubwürdig ist und schlußendlich aufgeht, ist dann eine zweite Sache.

  • Öhm, Verträge sind nicht immer so wasserfest wie sie scheinen. Ob das Projekt jetzt „The Face Book“ hieß oder nicht, ist doch egal … es handelte sich damals nicht um Facebook, sondern um eine Auftragsarbeit. Zwischenzeitlich hat Zuckerberg doch ganz andere Sachen gemacht bevor Facebook die Pforten öffnete und StudiVZ wenige Monate später das gleiche in Rot in Deutschland anbot …

  • na und? Dann wird der Chef gewechselt. Eurer ist doch auch weg und keinen interessiert es? Der Chef wird doch nur gebraucht wenn er der Buhmann ist (außenstehen betrachtet) Herrje

  • Also 1) Vermögen einfrieren klingt erstmal spektakulär.

    Allerdings handelt es sich hier um eine gerichtliche Verfügung, die Facebook, bzw den Inhabern von Unternehmensanteilen und -werten, verbietet diese Werte auf andere Inhaber zu transferieren.

    Im Endeffekt wird damit nur kurzfristig das eventuell dem Kläger zustehende Vermögen geschützt. Dass FB verboten wird seine Rechnungen zu zahlen, also Kosten zu begleichen, die, gesetzt den Fall dass Ceglia Recht hat, dieser auch tragen müßte, wäre unlogisch.

    Insofern gar nicht so dramatisch.

    Und 2) Überall wird immer geschrieben, dass Ceglia für die Verzögerung verantwortlich sei und es deshalb unverständlich sei, dass er dafür auch noch geldwerte Vorteile kriegt – anders rum wird ein Schuh draus und die Sache deutlich logischer:

    der Entwickler kriegt für die Entwicklung weniger Geld weil der Auftraggeber kein Geld hat. Im Gegenzug werden ihm Unternehmensanteile versprochen. Plötzlich ist er also “Mitunternehmer” und hat ein Interesse dran, dass seine formalen Unternehmensanteile sich möglichst schnell zu Geld verwandeln. Um ihn jetzt zu motivieren, NOCH bessere Arbeit zu leisten, wird eben diese Abmachung getroffen, die, und das ist das Entscheidende,

    ein verspäteten Release, der durch Zuckerberg z.B. auf Grund mangelnder Organisation, verschuldet wird, in Vorteile für den Entwickler verwandeln.

    Das hat 2 Vorteile:
    1. Zuckerberg hat Druck, seinen Teil der Abmachung zu erfüllen und gegenüber seinem Mit-Unternehmer pünktlich für den Release zu sorgen und

    2. der Entwickler weiß, dass Zuckerberg sich darum bemüht, dass das Ding auch online geht und trägt das erhöhte Risiko einen Auftrag zu bearbeiten, der ihm am Ende vielleicht weniger Geld einbringt als wenn er sich normal hätte vergüten lassen.

    Und 3) @Autor: was spricht dagegen solche Verträge zu schließen? Klar, man könnte jetzt sagen, ‘Zuckerberg, du Schwackopf, selber Schuld’, aber der war halt damals auch nur ein Bubi und jeder weiß doch, was für Versprechen man macht, wenn man seine Idee gut findet und davon ausgeht alles pünktlich hinzukriegen.

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