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Angriff der Medien-Giganten: Amazon und Sony planen eigene Streamingdienste

Laut Presseberichten im Vorfeld der Internationalen Funkausstellung (IFA) planen Amazon und Sony jeweils einen signifikanten Ausbau des eigenen Medienangebotes. Amazon will nach einem Bericht des Wall Street Journals einen Video-Abodienst für Filme und Serien einführen und würde damit in direkte Konkurrenz zu Netflix und dem geplanten Bezahldienst von YouTube Movies treten. Die Financial Times berichtet, Sony würde auf der IFA ein Download-Angebot für Filme und Musik ankündigen, das sich gegen den Platzhirsch iTunes durchsetzen soll.

Amazon bietet seinen Kunden heute bereits den Download verschiedener Filme und Serienfolgen an. Der geplante Dienst aber soll auf einem Abomodell beruhen, bei dem die Nutzer für eine monatliche Gebühr auf ein großes Portfolio an Filmen und Serien zugreifen können. Anders als bei seinem bestehenden Angebot will der Buchversender die Medieninhalte bei dem geplanten System als Stream anbieten. Ebenso wie bei YouTube hat der User dadurch keine Filmdaten auf dem Rechner, die er mit seinen Freunden und Verwandten tauschen könnte.

Die virtuelle Videothek soll sowohl über das Web als auch über entsprechend ausgestattete Endgeräte zugänglich sein. Dazu gehören etwa onlinefähige Fernseher, BluRay-Player und Spielkonsolen. Um sich bereits zum Start eine große Nutzerbasis zu sichern, sieht ein Plan des Buchhändlers nach Auskunft der Zeitung vor, das Filmabo mit „Amazon Pime“ zu bündeln. Für eine Jahresgebühr von 79 US-Dollar müssen die Mitglieder dieses Programms keine Versandkosten für ihre Bücher- oder DVD-Bestellungen mehr bezahlen. Eine Kombination beider Dienste würde dem Filmangebot automatisch eine Millionen-Kundschaft  bescheren.

Allerdings beruht der Bericht des Wall Street Journals im Wesentlichen auf Aussagen ungenannter „gut unterrichteter Kreise“. Weder Amazon noch die Medienfirmen, mit denen der Versandanbieter in Verhandlung steht, haben den Bericht bisher bestätigt.

Auch Sony plant einen Streaming-Dienst

Während das berichtete Vorhaben des größten Internet-Buchanbieters direkt auf das Geschäft des etablierten Dienstes Netflix zielt, hat Sony nach einem Bericht der Financial Times den Online-Musikgiganten iTunes im Visier. Die Finanzzeitung erwartet, dass das Medienunternehmen auf der Funkausstellung in Berlin eine Plattform für Musik und Videos vorstellt. Laut dem Bericht handelt es sich bei dem Angebot ebenfalls um ein Abomodell. Im Gegensatz zu Apples Musikshop, bei dem einzelne Titel  bezahlt und dauerhaft gespeichert werden können, wird es sich daher auch bei Sonys geplanten Dienst um ein Streamingsystem handeln.

Im offensichtlich härter werdenden Konkurrenzkampf der Medienanbieter kann die japanische Firma auf einige Millionen Kunden zurückgreifen, die bereits onlinefähige Geräte wie die Spielkonsole „Playstation“ und deren mobiles Pendant „Playstation Portable“ besitzen. Der tatsächliche Start des Systems wird sich aber noch etwas hinziehen, da noch nicht alle Verträge mit den beteiligten Inhaltsanbietern abgeschlossen sind. Sollte die Financial Times mit ihrem Bericht recht behalten, könnte der überraschende Eintritt von Sony in den Wettbewerb tatsächlich auch den PR-Strategen der Apfelfirma die Schau stehlen, die erst heute Abend einige Neuerungen im eigenen Musikbereich ankündigen wollen.

(Nils Baer)


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Über den Autor

Nils Baer

Nils Baer hat im Jahr 2010 über 100 Artikel für BASIC thinking geschrieben und veröffentlicht.

8 Kommentare

  • Ich bin mal gespannt, wie sich der Markt künftig noch weiter entwickeln wird. Gerade im Streaming-Bereich lässt sich künftig sicherlich viel Geld verdienen.

    Spannend wirds, wenn es irgendwann eine Art On-Demand Dienst für Bundesliga-Spiele geben wird. Die derzeitige Martkaufteilung zwischen der Telekom und Sky gefällt mir nicht sonderlich, auch weil ich kein großer Fan von langfristigen Abos bin.

    Jens

  • Die Filme und Serien werden deshalb ja nicht „mehr“ also bieten dann doch im Endeffekt alle dann das Gleiche an.
    Bei soviel Konkurrenz wird es wohl über die Preisschiene laufen müssen, das Nachsehen wird dann wohl neben Videotheken das Pay-TV haben , zumindest die Sender welche keine Eigenproduktionen haben wie Sky.

  • Mit meiner PS3 kann ich schon einen Musikvideostream nutzen. Er besitzt einige Channels. Ist sogar Kostenlos im Store zu Downloaden. Nur der Name will mir gerade nicht einfallen. Wenn ich wieder zu Hause bin schaue ich mal :-).

    Ein neuer Menu Punkt TV ist auch noch seit dem letzten Update dazu gekommen. Animax soll der erste PayTv Sender sein. Wird aber erst mitte September starten.
    http://www.play3.de/2010/08/19/animax-der-erste-deutsche-tv-channel-auf-der-ps3/

  • Jetzt prügeln sich alle um den Kuchen ‚Online Musik/Film Vertrieb‘. Viel neues taucht auf, viele wird genauso schnell wieder verschwinden und am Ende hat nur der nicht die Hinternkarte, der auf das ausgereifteste System zurückgreift: Filesharing in jeglicher Form (P2P, OneClick, Video Sharing Site). Ich bin der Meinung, dass nur eine einheitlichen Lösung in Konkurrenz zum Filesharing treten kann. Wenn da jeder sein eigenes Süppchen kocht und sich die Spieler gegenseitig fertig machen wird das nichts.

  • Stimme da flyho voll zu. Solange sich die ganze Musik/Film/Software Industrie nicht ändert btw anpasst werden die nie etwas annähernd erfolgreiches wie p2p erreichen…

  • Naja ich weiss nicht, ich glaube sogar der Massenmarkt wird eher gewillt sein für Inhalte zu bezahlen, vor allem wenn man die Inhalte schnell und unkompliziert bekommt…. Denn schließlich ist P2P nachwievor nicht legal 😉

  • @Jan:
    Dafür müssten die Idioten (sry, aber ist imho so) erstmal Ihre Preispolitik überdenken. Wenn ich bedenke das ich bei den aktuellen Online-Videotheken schon fast den halben Preis einer DVD bezahle, nur um mir den Film 24h lang anschauen zu dürfen -> Nein danke! Dazu kommt das „Kauf-Angebot“ von eben solchen, wo ich dann mit DRM „gesegnet“ bin -.-
    Wenns nach mir gehen würde: Plattform wie Youtube (Streaming), Filme für einmaliges Anschauen ausleihbar (und nicht für 24 oder 48h, Streaming eben), Filmpreise radikal anpassen und als Gegenzug von mir aus alle 30 Minuten für 2 Minuten Werbung senden (um den geringeren Preis zu ermöglichen)…um noch weiter zu träumen: Sprachauswahl bei den Filmen und Serien (manches wird einfach Kaputtsynchronisiert)

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