Wave ist doch nicht tot: dezentrale Auferstehung der Google-Welle

Nachdem Google Anfang August überraschend das Ende von Wave angekündigt hat, gab es zwei Reaktionen. Die eine Gruppe fragte „Google Was?“ und die andere war völlig aufgelöst und forderte die Rettung des gescheiterten E-Mail-Killers.  Zu den Anhängern der Welle gehörten dabei nicht nur verspielte Online-Junkies, wie das „Pulp Fiction“-Video (siehe unten) vielleicht nahegelegt hat, sondern auch seriöse Forscher, die das Protokoll zur ortsübergreifenden Zusammenarbeit genutzt haben. Dementsprechend enttäuscht waren die ernsthaften Nutzer des Systems, als die Suchmaschinenfirma dessen Ende verkündete.

Für all jene verzweifelten Seelen hat das Entwicklerteam aber nun eine gute Nachricht. Zwar bleibt es bei der Abschaltung der entsprechenden Google-Server voraussichtlich im nächsten Jahr, aber das bedeutet nicht das endgültige Ende der Plattform. Von vornherein hatten die Erfinder angekündigt, das System als Open Source freizugeben, so dass jeder interessierte Anwender mit entsprechender Hardwareausstattung seine eigenen Wave-Server aufsetzen kann. Die Programmierer versprechen nun, mit „Wave in a Box“ dieses Verfahren so einfach wie möglich zu machen.

Zwar wird die freie Variante des Systems nicht den gesamten Funktionsumfang des bisherigen Angebots liefern, dafür kann sie aber nach Belieben von Unternehmen, Universitäten und privaten Initiativen eingesetzt werden. Das Programmiererteam hofft, dass über diesen Weg auch eine dezentrale Weiterentwicklung des Systems möglich ist. Was man auch immer sonst von Google halten mag, dieser Schritt ist in jeder Hinsicht positiv. Wer Wave in Zukunft einsetzen will, kann es tun und bei Bedarf sogar noch ausbauen und verbessern. Und niemand muss befürchten, dass seine Daten aus der Welle in irgendeiner Form von dem Suchkonzern abgeschöpft werden.

(Nils Baer)


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Über den Autor

Nils Baer

Nils Baer hat im Jahr 2010 über 100 Artikel für BASIC thinking geschrieben und veröffentlicht.

12 Kommentare

  • Zumindest die zugrundeliegende Technik ist doch anscheinend in Google Docs etc. wiederzufinden. Wenn ich dort ein Dokument erstelle und freigebe, sehe ich seit einem der letzten Updates dort in Echtzeit, wer gerade mit mir zusammen an einem Dokument arbeitet. Durchaus brauchbar finde ich (im Gegensatz zum Wave-Hype).

  • Google Wave hatte ja viele intelligente Ansätze, war wahrscheinlich nur zu sehr »Kulturschock« um sich wirklich erfolgreich etablieren zu können. Zumal viele Sinn und Zweck des ganzen nicht erfassen konnten und selbige auch nicht wirklich verständlich kommuniziert wurden.
    Mal sehen, was sich da noch entwickelt. Es wirklich als »tot« zu bezeichnen halte ich für verfrüht. Totgesagte leben länger… 😉

  • Da bin ich ja mal gespannt, was aus dem Projekt wird. Open Source macht vieles einfacher und das Programm kann sich aufgrund der „Usernähe“ viel leichter auf Bedürnisse ausrichten. Das nicht der ganze Funktionsumfang vorhanden ist, ist zwar Schade aber ich schaue gerne über so etwas hinweg, solange der Dienst seinen Zweck erfüllt.

  • Gut, aber ich wäre dennoch überrascht wenn Google die Wave ende des Jahres offline setzt. Bisher haben sie ja nur gesagt dass sie den Fortbestand nicht garantieren!

  • Genail! Einfach genial!
    Dafür liebe ich Google, Sammelwut hin oder her, das tut nämlich sonst keiner der Global Player für seine User.
    Und ich könnte das im eigenen Unternehmen gut für Zusammenarbeit gebrauchen!

  • Top Schachzug von Google, das Ganze freizugeben. Wirklich eine vernünftige Entscheidung.

    Was ich an Wave großartig fand, war das Echtzeit-Schreiben. Bei manchen Sachen mags zwar stören, aber oft ist es schön, wenn man schon anfangen kann, eine Antwort zu schreiben, obwohl der andere noch tippt.

  • dass das mit dem open-source-prinzip gut klappt sieht man ja zum teil an android. da haben ja auch viele „ausgewählte“ entwickler mitarbeiten können und ihre eigenen ideen eingebracht. mal schauen ob es mit google wave da auch noch so einen positiven trend gibt. könnte wirklich ein interessant werden

  • Na, also ich kann nicht sagen, dass ich Wave auch nur eine Träne nachweine. Und mal im Ernst: so lustig das Pulp Fiction-Video auch ist… das hätte man jetzt genau so gut mit MS Word machen können oder mit Power Point… 😉

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