VZ-Chef Clemens Riedl: "In ein paar Jahren wird alle Welt bei Facebook sein"

Jürgen Vielmeier

VZ-Chef Clemens Riedl hat RP Online ein bemerkenswertes Interview gegeben. Schlüsselsatz ist ohne Frage diese Aussage: „In ein paar Jahren wird alle Welt bei Facebook sein.“ Strecken die VZler damit die Waffen?

Nein, natürlich nicht. Das Interview mit Riedl liest sich vielmehr wie ein erstaunlich nüchternes, offenes Bekenntnis. Anders als seine Vorgänger redet er nicht von großen Wachstumszahlen oder Techniktrends, denen man dringend folgen müsse. Riedl will keinen Milliardenmarkt beherrschen, keine Gebühr erheben und auf das iPad erst aufsatteln, wenn die Zeit gekommen sei. Den von vielen Internetenthusiasten herbeigeschriebenen Tod der Tageszeitung sieht er nicht. Motto sei: „Wir springen nicht auf jeden Zukunfts-Hype auf, sondern kümmern uns um die Gegenwart.“ Und dort seien die VZs Marktführer bei mobilen Apps. Bei Online-Spielen seien die VZs gerade zur größten Plattform für Spiele aufgestiegen.

Facebook soll nicht länger der Konkurrent sein

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Zumindest Letzteres war mir neu. Ich schaue nicht mehr oft bei MeinVZ vorbei. Aber ein lange nicht mehr getaner Rundgang bestätigt zumindest gute Zahlen für Online-Games: Topspiel „Frohe Ernte“ hat gut 1,1 Millionen Benutzer, zahlreiche weitere Farmville-Klone mehr als 100.000. „Brain Buddies“ und „Bubble Island“ liegen mit 750.000 und 520.000 Benutzern weit über 500.000 Benutzern. „Nur sieben Prozent unserer Nutzer sind von Werbung genervt“, sagt Riedl, und gewissermaßen muss ich ihm zustimmen: Die meiste Werbung ist so dezent platziert, dass sie kaum auffällt. Dass viele Nutzer die Banner anklickten und als nützliches Angebot wahr nähmen, wie Riedl behauptet, kaufe ich ihm allerdings nicht ab.

Noch immer scheinen die VZs von Facebook zu kopieren, was man angesichts des technischen Rückstands inzwischen wahrlich begrüßen muss. So ähnelt der Buschfunk – endlich – immer mehr dem Facebook-Feed. Man kann Status-Meldungen posten und andere „Funksprüche“ oder Fotos von anderen kommentieren. Der Feed ist mittlerweile gut in die VZ-Startseite integriert, wirkt im Vergleich zu Facebook aber immer noch hölzern. Kurz: Mein-Schüler-StudiVZ hat sich in die richtige Richtung weiter entwickelt, liegt aber immer noch Welten hinter Facebook.

Wer nur auf Halten spielt, wird absteigen

Das weiß auch Riedl, und anders als seine Vorgänger scheint er zumindest keinen Hehl mehr daraus zu machen, dass der Kampf um schiere Nutzermassen gegen Facebook verloren ist. Und so ist denn auch sein Eingangszitat zu verstehen: Mit Facebook mitzuhalten ist für die VZs ein verlorener Kampf. Eine Möglichkeit kann es also sein, sich auf die momentane Stärke (17 Millionen Nutzer) zu besinnen, sich einen Stück vom nach wie vor aufgehenden Kuchen im deutschen Markt für Online-Werbung zu sichern. Und Facebook hin und wieder ein Tortenstück vom Heber zu nehmen, sprich: die eine oder andere Idee einfach zu kopieren, wenn sie sich bei Facebook durchgesetzt hat. Den Marktführer als Software-Tester für die eigene Sache zu benutzen, das ist auch irgendwo smart und spart viel Geld. Die Idee, mit dem eigenen Pfund Datenschutz zu wuchern – hier sind die VZs inzwischen vorbildlich – und damit gegen aufkommende Facebook-Klone wie Diaspora anzukämpfen, scheint in Berlin noch niemand für möglich zu halten.

Nicht offensiv spielen, lieber hinten dicht machen und Ball halten, soll also die künftige VZ-Taktik sein. Damit kann man aber nicht gewinnen, höchstens mal ein Unentschieden herausholen. Ist es also schon so weit, dass für die VZs nicht mehr drin ist? Wenn man technische Innovationen die anderen umsetzen lässt und sich auf den deutschen Markt beschränkt, dann ja. Dann wird man aber nicht lange die Klasse halten können. Was meint ihr? Haben die VZs noch Chancen? Was müssten sie tun, um gegen Facebook zu bestehen? Sagt uns eure Meinung in den Kommentaren!

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(Jürgen Vielmeier)

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Jürgen Vielmeier ist Journalist und Blogger seit 2001. Er lebt in Bonn, liebt das Rheinland und hat von 2010 bis 2012 über 1.500 Artikel auf BASIC thinking geschrieben.