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Google TV gerät ins Stocken: Mehrere US-Medienkonzerne verhängen Content-Sperre

Das Problem-Szenario wurde vor dem Start von Google TV häufig skizziert und thematisiert, nun ist es Wirklichkeit geworden. Mit ABC, NBC und CBS sträuben sich gleich drei große Fernseh-Sender dagegen, dass der Suchriese ihr Programm anzapft. Promo-Clips als Teaser sind okay, in voller Länge soll es Quotenreißer wie „Modern Family„, „The Office“ und „CSI“ aber nicht zu sehen geben. „Google TV ermöglicht den Zugang zu Content, der heute bereits im Netz verfügbar und mittels Telefon oder PC abrufbar ist. Aber es ist letztlich die Entscheidung des Content-Anbieters, seinen Fans die Möglichkeit nicht anzubieten, diesen Content auf der Plattform [Google TV] konsumieren zu können“, kommentiert eine Google-Sprecherin die Restriktionen.

Und warum stellen sich die Sender quer? Weil ihnen offenbar das Business-Konzept nicht passt, das man in Mountain View gestrickt hat. Was kaum einen überraschen dürfte, denn ihre Sorge, sich selbst zu kannibalisieren, ist durchaus berechtigt. Indem sie Google die gleichen Inhalte zur Verfügung stellen, die sie auf ihren eigenen Seiten anbieten, steigt das Risiko des Besucherschwunds. Zudem müssen (Werbe)Einnahmen mit dem Parasiten geteilt werden. Auf der anderen Seite gilt mit den nötigen Abänderungen das Gleiche, was auch im Streit um Bezahlinhalte zwischen Zeitungsverlegern und dem Suchriesen zum Tragen kam: Über die Suchmaschine wird Traffic auf die Seiten der Content-Lieferanten geleitet und Google bringt sozusagen eine, möglicherweise von den Sendern noch nicht erschlossene Fanbase mit.

Es gibt aber noch weitere Hürden. Offenbar scheuen die Sender die Kosten, die ein Umbau beziehungsweise die Optimierung der eigenen Webpräsenz mit sich bringen würde, um nahtlos an Google TV andocken zu können. Dieser Punkt erinnert ein wenig an die Kontroverse, die Apple bei der Einführung des iPad mit ein paar Medien-Konzernen hatte. Damals weigerten sich einige US-Schwergewichte, ihre Flash-Video-Sammlungen an den von Jobs protegierten Standard anzupassen. Neben Geld spielte hier aber auch die Präferenz für Flash eine Rolle.

Na und zu guter Letzt fürchten die Anbieter natürlich eine Kooperation mit einem Unternehmen, das der Betreiber des Sündenpfuhls schlechthin ist: YouTube. Ihr versteht schon: Unterstützung von Piraterie, Content-Klau und so weiter. Die Sender sollen einer anonymen Quelle zufolge deshalb mit der Bitte an den Suchriesen herangetreten sein, bei Suchanfragen in Google TV jene Ergebnisse herauszufiltern, die von Piratenseiten stammen. Die Antwort war aber offenbar nicht besonders zufriedenstellend. Demnach soll aus Mountain View lediglich die Versicherung gekommen sein, dass die Suchfunktion dafür optimiert sei, originären Content anzuzeigen. Außerdem könnten sie jederzeit einen Antrag auf Löschung von als illegal erkannten Content bei Google stellen. Das manche Unternehmen diese Möglichkeit auf YouTube nicht wahrnehmen, weil die Vorteile die Nachteile überwiegen, ist wohl ein offenes Geheimnis. Anders dürfte es auf Google TV in vielen Fällen auch nicht sein.

Wie dem auch sei. Alle beteiligten Parteien sind, so wie es momentan aussieht, nicht bereit, von ihrem Standpunkt abzurücken. Und einige weitere Sender, wie etwa Fox, sperren sich zwar noch nicht gegen Google TV, haben aber auch noch keine endgültige Entscheidung über eine weitreichende Kooperation gefällt. Vermutlich testet man momentan noch die Möglichkeiten an und wägt die Vor- gegen die Nachteile ab. Bleibt also abzuwarten, ob sich aus Google TV noch eine Erfolgsstory entwickelt.

(Marek Hoffmann / Foto: Flickr – Fotograf: Narisa)


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Über den Autor

Marek Hoffmann

Marek Hoffmann hat von 2009 bis 2010 über 750 Artikel für BASIC thinking geschrieben und veröffentlicht.

17 Kommentare

  • @Oliver
    Die Zeitungsinhalte sind ja nur Ausschnitte. Bei Google-TV geht es eben um die Frage, ob nur Ausschnitte von TV-Content gezeigt werden, oder komplette Inhalte.

  • Also meiner Einschätzung nach wird es ein Erfolg werden, da technisch unversierte Nutzer jetzt das am Fernseher machen können, was der Druchschnittstechie schon seit Jahren am Rechner/Fernseher macht.
    Und es ist glaube ich ziemlich egal ob sich ein Sender da nun dagegenstellt: mit jedem Sender verschwinden vielleicht 0,00004% des Angebots im Internet…
    Leider trotzdem eine dieser Erfindungen die mir nie was nützen werden. Dem Fernseher als solchem habe ich schon vor 10 Jahren abgesagt 🙂

  • Die Frage ob dies „Schlecht“ für Google oder etwa eher „Schlechter“ für die Sender ist wird sich noch Zeigen.
    Die Fernsehgewohnheiten werden sich durch das Internet auf dem TV dramatisch Ändern … wer sich dagegen Verweigert könnte zum Schluß der „Dumme“ sein und nicht „Google“, da er keine oder weniger Zuschauer mehr hat.

    Zudem wird sich wohl noch mehr Ändern im Fernsehmarkt , denn wozu in naher Zukunft überhaupt noch Kabelfernsehen oder Sat ?
    Ja sogar die großen Kabelnetzbetreibern könnte das Internet wie schon den Videotheken zum Verhängniss werden.
    Denn warum in Zukunft doppelt zahlen für Internetanschluß und Kabelfernsehen werden sich vielleicht viele fragen, wenn alle Sender oder Filme per Stream auch über Breitband zb. per Telekom oder Google-TV ect. empfangar sind ?
    Schon der mobile LTS – Standard könnte die Fernsehlandschaft drastisch verändern, auch Hierzulande.

  • Alles eine Frage der Macht. Und Google scheint sehr mächtig zu sein. Und dazu es noch weiter zu werden. Daher ist es wenig verwunderlich, wenn andere Angst um die Butter auf ihrem Brot haben. Egal wie dick diese wiederum ist ….

  • Das geht voll in die Hose. Und ich meine nicht Google TV, sondern das Ansinnen der Content-Sperrer. Die klinken sich aus höheren Einnahmen via Google usw. aus.

  • Es ist immer wieder faszinierend, dass alle Unternehmen wenn Google im Spiel ist sofort ein Veto machen um die Suchmaschine zu stoppen. Am Ende kommt dann die 380 Grad Drehung weil Google mit seinen Konzepten erfolgreich ist. Spätestens wenn die ersten Sender erfolgreich mit Google sind kommt der Rest von ganz alleine.

  • Google TV liefert über die integrierten Dienste Amazon Video on Demand und Netflix durchaus die Inhalte der TV-Sender. Diese dürfen eine Umgehung von Netflix & Co. als Streaminganbieter jedoch nicht zulassen, weil sonst ihre Verträge neu geschrieben werden müssten. Solche Abmachungen sehen es nicht vor, dass eine Sendung auf der einen Seite via Google TV „verschenkt“ wird, wenn auf der anderen Seite pro Stream / Abonnent etc. abgerechnet wird.

    Vertragsverhandlungen über Streamingrechte können sich hinziehen, die Materie ist nicht über Standardverträge abbildbar. Deshalb wird es noch eine Weile dauern, bis Google TV ein wirklich attraktives Programm „for free“ anbieten kann.

    Bis dahin können sich die TV-Zuschauer ja über Google TV informieren und falls sie Netflix-Kunde sind, die Sendungen gleich anschauen, oder falls nicht durch einen Klick zur TV-Sender-Website sich dort die Sendungen anschauen, oder via Hulu (plus) etc.

  • Wenn wir nicht aufpassen, dann ist bald alles Google á la „ich google das mal eben“, „ich schau mir das mal eben bei Google maps an“, „ich schick mal ne schnell ne mail von gmail aus“ und last but not least, bald dann ich schau mir das im Google TV an? … sorry aber mir macht das allmählich Angst!

  • Ich lese Google, ich lese Content-Anbieter/Medienkonzerne aber nichts über den Benutzer/Konsumenten – richtig der spielt ja in dererlei Überlegungen ja auch gar keine Rolle, Hauptsache die Anbieter ob nun Google oder Hollywood verdienen genug. GoogleTV ist in Europa ohnehin kein Thema, außer eine schwarze (bei TFT wohl eher graue) Mattscheibe wird gibt es da nix zu sehen – ausser vielleicht „Dieser Content wurde vom Anbieter in Ihrem/Deinem Land gesperrt“ (weil bei der Achse des Bösen ?).
    Ärgerlicher eigentlich nur noch: Und wie immer hat die europäische Industrie (Gerätehersteller/Content-Produzenten -Anbieter) zu einem Zukunftsthema nichts zu sagen …..warten wir halt mal drauf was China macht.

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