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Google TV: Es ist eine Plattform, kein Service – daher gibt's kein Geld für Content-Anbieter

Vor kurzem hat das Projekt Google TV einen ersten kleinen Dämpfer erlitten, als sich gleich drei große US-Fernsehsender dagegen sträubten, mehr als ein paar kurze Promo-Clips auf der Plattform zur Verfügung zu stellen. Google reagierte zwar auf die Ängste und Sorgen der Medien-Bosse, konnte sie aber nicht ausräumen. Na fein, scheint sich der Suchriese dann offenbar gedacht zu haben. Wenn es mit gut Zureden nicht funktioniert, dann müssen wir wohl deutlichere Worte wählen, um den Widerspenstigen die Unsinnigkeit ihrer Befürchtungen und der daraus resultierenden Forderungen klarzumachen.  

Die Sender hätten grundsätzlich ein falsches Verständnis von dem, was Google TV eigentlich ist, lies am gestrigen Dienstag ein Konzern-Mitarbeiter in einem Telefoninterview mit The Canadian Press sinngemäß verlautbaren. Und darauf basiere der Irrtum anzunehmen, sie könnten Geld dafür verlangen, wenn sie Usern ihren Content auf der Plattform zur Verfügung stellten. Immerhin, so Rishi Chandra, Produkt-Manager bei Google TV, handele es sich bei dem Angebot nur um eine Plattform – und keinen Service! 

„Das ist der Unterschied zwischen Google TV und YouTube. YouTube ist ein Service. Google TV an sich ist im wahrsten Sinne des Wortes nur eine Plattform.“ Daher werde man von den Usern auch kein Geld für deren Nutzung verlangen, so Chandra. Was im Umkehrschluss natürlich bedeutet, dass das Unternehmen auch keines für die Content-Lieferanten übrig hat.

Dass diese Argumentation etwas zu kurz greifen und auch andere Sender beunruhigen könnte, die bisher nur testweise mit Google TV kooperieren, dürfte man auch in Mountain View ahnen. Immerhin ist damit nämlich die Kernfrage noch nicht geklärt: Wenn die Fernsehsender auf Google TV Content kostenfrei zur Verfügung stellen – wer hält dann die Kunden der Sender davon ab, ihre Bezahl-Abos zu kündigenden, die ihnen bisher den Online-Zugriff auf die Video-Angebote ermöglichten? Daher hat Chandra folgenden Lösungsansatz parat.

YouTube wird einfach sein Werbe-Erlös-Modell auf Google TV ausweiten. „Der Weg, auf dem wir für Content zahlen würden, wäre durch ein ähnliches System wie bei YouTube“, so Chandra. Ein in meinen Augen riskantes Spiel, das Google hier betreibt. Sollte das Angebot nämlich vor den Fernseh-Bossen nicht bestehen können, wofür die Chancen sehr hoch stehen, dann könnte der Content-Strom sehr schnell verebben, der Google-TV speist. Denn wie der Suchriese selbst sagt: es ist nur eine Plattform, die von anderen mit Inhalten gefüllt wird. Aber wer weiß, ein ähnliches Konzept hat ja auch schon bei YouTube und Google News funktioniert…

(Marek Hoffmann)


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Über den Autor

Marek Hoffmann

Marek Hoffmann hat von 2009 bis 2010 über 750 Artikel für BASIC thinking geschrieben und veröffentlicht.

20 Kommentare

  • Ich bin wirklich mal gespannt, wohin die Reise mit Google TV geht. Es wird sicher nicht mehr lange dauern, bis Google einen Weg aufzeigen wird, wie Anbieter Geld damit verdienen können – und natürlich auch Google selbst.

  • Aber trotzdem finde ich die Frage berechtigt, warum die US-Fernsehsender Inhalte für Google TV Geräte sperren, die sich mit einem PC ‚frei‘ und ohne Vertrag abrufen lassen. Zumindest hatte ich den Konflikt bisher so verstanden.

    Es kann nicht nur um die Frage gehen, dass vielleicht mehr Leute auf die Idee kommen mit Google TV Internetinhalte auf einen großen Bildschirm anzuzeigen als mit einem Laptop.

    Da eigentlich Spannende an Google TV erscheint mir aber sowieso etwas anderes: die Möglichkeit klassischen passiven Fernsehkonsum über die gewohnten Kanäle mit interaktiven Elementen aus dem Internet (Twitter! Facebook!) aufzupeppen. So war Sieg von Lena durch das parallele Twittern mit dem Smartphone gleich viel interessanter als ohne. Und hier schafft Google TV vielleicht wirklich etwas neues.

  • Google TV ist eine Plattform, genauso wie Philips NetTV, Samsungs Internet@TV, AppleTV oder Xbox Live.

    Pinzipiell muss man hier zwischen 3 Modellen unterscheiden:

    1. Kostenfreie Inhalte
    Wenn Sender im Web kostenfreie Inhalte anbieten, werden Sie auch auf diesen Plattformen kostenlos bleiben (Wie beispielsweise die Mediatheken der ÖR, die auf diesen Plattformen teilweise schon verfügbar sind).

    2. Werbefinanzierte Inhalte
    Bei den Angeboten der Sender, die Online werbefinanziert zur Verfügung stehen, könnte entweder eine Youtube-artige Lösung zum Einsatz kommen oder die existierende Werbung (Prerolls etc.) könnte in der Wiedergabe auf den Plattformen mit eingebunden werden. In letzterem Fall wäre wahrscheinlich ein Revenue Share der Werbeerlöse auf der Plattform an Google fällig.

    3. Kostenpflichtig (Abo oder PPV)
    Wenn der Content im Netz kostenpflichtig ist (z.B. Hulu & Netflix (US) oder Videoload & Maxdome (D)) wird bei dem Vertrieb über die Plattformen ebenfalls ein Revenue Share der Content-Anbieter an die Plattformbetreiber fällig.

    Alles in Allem basiert das Geschäftsmodell solcher Plattformen auf erhöhter Reichweite für die Sender und Rev Share Erlösen für die Plattformbetreiber.

  • So lange Google keine Angebote zur Refinanzierung bietet, so lange wird es wohl auch nichts mit GTV.

    Aktuell können Contentanbieter (zumindest im kleinen Rahmen) mit Werbeanzeigen auf der eigenen Streamseite ihre Inhalte zur Verfügung stellen. Bei GTV würde dies komplett wegfallen – somit nicht rentabel.

    Aus unternehmerischer Sicht gesehen ist es nicht tragbar Content, der für viel Geld produziert wird, komplett kostenlos und ohne Werbeeinnahmen zur Verfügung zu stellen. Ich bin auch durchaus bereit Werbung anzusehen – oder gar Geld dafür zu zahlen – wenn die Inhalte stimmen.

    Der Verlierer wird dabei zunehmend der User, der sich immer größere Linklisten anlegen darf um sich sein Wunschprogramm zusammen stellen zu können und dann fehlt auch die einheitliche Bedienung …

  • Ich finde die Frage um solchen Content eigentlich völlig nebensächlich:
    Google TV bietet doch nicht nur die Möglichkeit, Webvideos von Fernsehsendern anzuzeigen!?
    Surfen, Apps, ICQ, Facebook, jede X-beliebige Newsseite, den ganz normalen Fernsehkanal!, Youtube, Google Reader und was es noch alles gibt was man am Fernseher machen könnte…
    Da finde ich die Diskussion um den Content von ein paar aufmüpfigen Hanseln völlig uninteressant

  • Der Hintergrund ist ein Anderer.
    Die Fernsehsender wittern eine neue lukrative Einnahme Quelle.
    Verpasste Sendungen die früher der Zuschauer per Videorecorder Aufgenommen hatte , soll er nun in einer Mediatheke Abrufen können und dafür Bezahlen. Aufnahmen sollen daher künftig mittels der HD+ Technik unterbunden werden.
    Die Fage wird aber sein ob der Verbraucher das mitmacht?
    Vermutlich hat er keine andere Wahl mehr wenn Analoge und bisherige digitale SD Sender Abgeschalten und nur noch in HDTV (HDTV+) Ausgestrahlt wird.
    Die Sender haben nun Angst Google könnte diese Pläne durchkreuzen indem die Plattform wie schon die „Suchmaschine“ zu Mächtig wird und dann Bedingungen diktieren könnte.

  • Google ist ja bei Youtube nachhaltig daran gescheitert, Katzenvideos zu monetarisieren, die Plattform ist ja trotz enormer Reichweite immer noch nicht rentabel. Also wird es jetzt noch einmal versucht, mit professionell produzierten Inhalten Dritter. Doch die müssen ja weiterhin ihre Schauspieler, Techniker, Dramaturgen etc. bezahlen, also muss auch auf dieser Plattform ein Erlösmodell her. Inzwischen zahlen viele Sparten-Sender zusätzliche Gebühren (Retransmission Fees), wenn sie ein Signal weiterverbreiten, das über Antenne eigentlich frei verfügbar ist. Weil das Einschaltquoten bringt, die sich über Werbung refinanzieren lassen. Es gibt also keinen Grund, ausgerechnet Google die Inhalte zu schenken, nur damit die ihr Youtube-Investment nicht abschreiben müssen.

  • Ich kann mir nicht vorstellen, dass die US-Sender den Boykott aufrecht erhalten werden. Google TV funktioniert ja quasi wie die „ganz normale“ Google-Web-Suche. Da wird jeder Content aufgesogen und öffentlich zugänglich gemacht. Solange die US-Sender ihre Video-Inhalte von der Google-TV-Suche ausschließen, schaden sie nur ihrem eigenen Ruf. Der User von heute möchte tolle Suchergebnisse, die möglichst frei von irgendwelchen Kosten sind!

  • @11 Technik-Freak
    Der User von heute möchte tolle Suchergebnisse, die möglichst frei von irgendwelchen Kosten sind!

    Das möchte der User aber die Contentanbieter wollen ein Bezahlsystem durchsetzen und Schlußmachen mit der Kostenlos Kultur im Internet allenthalben…
    Wer wird sich wohl Durchsetzen? … ich sehe da für den heutigen User eher „schwarz“, wenn er sich weiterhin mehr und mehr Abhängig machen von dieser bunten App Kultur und Firmen wie Google oder Facebook.
    Dadurch immer mehr zu reinen Konsumenten im Netz werden, statt selbst wie einmal Angedacht etwas Beizutragen und Content zu Erzeugen?

  • @basic: Das ist alles richtig, was du sagst, aber leider nur im idealistischen Sinne. Die Contentanbieter mögen ihren Inhalt nur gegen Entgelt ins Netz stellen. Das ist ja auch ihr gutes Recht. Nur leider kursieren im Netz – und das ist jetzt real, auch wenn das Netz virtuell sein sollte – sehr viele „semilegale“ Videos. Solange der Gesetzgeber nicht wirklich etwas dagegen unternimmt, finde ich die Politik von Google vertretbar. Es gibt Plattformen, auf denen kannst du eine Vielzahl von Filmen angucken – und wahrscheinlich kennst du selbst auch einige davon. Alles kostenfrei. Warum sollte Google solche Videoinhalte sperren und dafür nur kostenpflichtige Inhalte als Google-TV-Ergebnis zulassen? Das wäre doch in gewisser Weise weltfremd, oder?

  • @14 Technik-Freak
    …Die Contentanbieter mögen ihren Inhalt nur gegen Entgelt ins Netz stellen. Das ist ja auch ihr gutes Recht…..

    Das wäre OK ,
    was aber nicht in Ordnung ist und viele noch gar nicht Wissen ist, dass die priv. Sender bei ihren HDTV ( HD+) Sendungen mittels CI+ das Mitschneiden (Aufnehmen) der Sendungen Unterbinden können.
    Was bedeutet das wenn ich eine Serien Folge verpasse ich diese zukünftig nicht mehr zumidest bei den HD+ Sendern problemlos privat Mitschneiden (Aufnehmen) kann um sie später Anzusehen.
    Ich also dadurch Gezwungen werden soll diese verpassten Folgen in der Mediatheke des Senders zu Kaufen.
    Hier sollen Verbraucherechte Beschnitten werden für ein neues Geschäftsmodell.

  • @14 Technik-Freak
    …Die Contentanbieter mögen ihren Inhalt nur gegen Entgelt ins Netz stellen. Das ist ja auch ihr gutes Recht…..

    Das wäre OK ,
    was aber nicht in Ordnung ist und viele noch gar nicht Wissen ist, dass die priv. Sender bei ihren HDTV ( HD+) Sendungen mittels CI+ das Mitschneiden (Aufnehmen) der Sendungen Unterbinden können.
    Was bedeutet das wenn ich eine Serien Folge verpasse ich diese zukünftig nicht mehr zumidest bei den HD+ Sendern problemlos privat Mitschneiden (Aufnehmen) kann um sie später Anzusehen.
    Ich also dadurch Gezwungen werden soll diese verpassten Folgen in der Mediatheke des Senders zu Kaufen.
    Hier sollen Verbraucherechte Beschnitten werden für ein neues Geschäftsmodell.

  • Mittels CI+ können die Sender noch viel mehr nervtötende Dinge anstellen. Beispielsweise TimeShift unterbinden, damit man ja die Werbung anschaut… Das alles gibt doch nur noch mehr Wind auf die Mühlen derer, die im Netz nach kosten- und werbefreien Videoinhalten suchen!

  • @16 Technik-Freak
    …“Das alles gibt doch nur noch mehr Wind auf die Mühlen derer, die im Netz nach kosten- und werbefreien Videoinhalten suchen!“….

    Hier fragt sich wie lange das noch möglich ist , Österreich soll hier als Netzsperre Versuchsplattform dienen
    http://derstandard.at/1288659509748/Kinoto-Klage-Urheberrechtsindustrie-will-ueber-1500-IP-Adressen-sperren

    Kommt dort die Klage durch , wird sicher auch in Deutschland und anderen EU Ländern geklagt.

  • @16 Technik-Freak
    …”Das alles gibt doch nur noch mehr Wind auf die Mühlen derer, die im Netz nach kosten- und werbefreien Videoinhalten suchen!”….

    Hier fragt sich wie lange das noch möglich ist , Österreich soll hier als Netzsperre Versuchsplattform dienen
    http://derstandard.at/1288659509748/Kinoto-Klage-Urheberrechtsindustrie-will-ueber-1500-IP-Adressen-sperren
    Kommt dort die Klage durch , wird sicher auch in Deutschland und anderen EU Ländern geklagt.

  • „Es fehlt jegliche Rechtsgrundlage, wegen möglicher Urheberrechtsverletzungen Websites zu blockieren.“ (Zitat aus dem verlinkten Artikel)

    Solange das so ist, wird sich da nicht viel tun. Man darf nicht vergessen, dass das Internet ungeahnte Möglichkeiten bietet. Die meisten User wollen auch, dass das so bleibt.

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