CES: Was wurde eigentlich aus Netbooks?

Jürgen Vielmeier


Auf der aktuellen CES in Las Vegas schlägt ein Highlight das nächste: Tablets klein wie groß, 3D-Fernseher mit oder ohne Brille, Gestensteuerungen für Spielekonsolen wie Set-Top-Boxen, Apps auf allen Plattformen. Und irgendwie hat jeder Hersteller in einer Ecke auch noch ein paar neue Netbooks geparkt. Intel etwa führt auf dem eigenen Stand ein Chrome-OS-Netbook vor. Chrome OS. Ich ruf noch einmal in den leeren Saal: Chrome OS, Googles seit langem erwartetes Cloud-Betriebssystem.

Gut, das wurde bereits im Dezember vorgestellt und einige Journalisten haben es anfassen dürfen. Doch zu kaufen, sowohl in Deutschland und in den USA, gibt es das bislang nicht. Heute Vormittag am Intel-Stand konnte ich das Chrome-OS-Netbook direkt ausprobieren und musste nicht wie bei den Tablets lange darauf warten. (Das nebenstehende Jolicloud-Netbook gefiel mir übrigens besser, aber das ist eine andere Geschichte.) Kaum jemand schien sich für neue Netbooks zu interessieren. Die Besucher nicht und wie es eben aussieht, die Hersteller auch nicht. Mit Sony hat der erste größere Anbieter bereits angedeutet, dass er keine weiteren Netbooks mehr herstellen will.

Netbooks für die Arbeit, Tablets für den Spaß an der Sache

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Woher kommt das plötzliche Ende des Netbook-Trends, der noch vor drei Jahren herbeigejubelt wurde? Die darbenden Hersteller freuten sich damals angesichts steil sinkender Margen bei PC- und Laptop-Verkäufen wie die Schneekönige, eine neue Produktkategorie ins Leben rufen zu können. Inzwischen ist der Markt aber längst gesättigt, die Margen bei den eher niedrigpreisigen Mini-Laptops ohnehin nie hoch gewesen. Zeit also für noch eine neue Produktkategorie, Tablets eben. Und nachdem Apple (iPad) und Samsung (Galaxy Tab) damit bereits sehr erfolgreich sind, der Markt aber fast noch unerschlossen ist, heißt es: auf zu neuen Ufern.

Zum Teil ist es aber auch einfach Psychologie. Man schlendert über die CES, durch Gänge voller namenloser Hersteller von Kabeln, HDMI-Verteilern, Haushaltsgeräten, und bleibt doch immer wieder vor bunten Ständen mit Tablets und Menschenmassen davor stehen. Bunte Bildchen, Touchscreens, die auf Knopfdruck reagieren. Das macht einfach mehr Spaß als ein seelenloses Mini-Notebook mit elendigen Tasten. Ich bin maximal ein Laien-Psychologe, aber ich vermute mal, dass Netbooks die Anwender schon aufgrund ihrer äußeren Form an Arbeit erinnern. Und wer macht das schon gerne in seiner Freizeit. Arbeiten kann man mit Tablets zwar irgendwie auch, in erster Linie dienen sie aber der Unterhaltung.

Das wird nicht das Ende der Netbooks sein. Ich gehe stark davon aus, dass die meisten Hersteller zumindest einige Modelle behalten werden. Die Nische wäre ansonsten unbesetzt. Aber wer einfach nur einen Luxusgegenstand sucht, um in der Freizeit zu spielen, Musik zu hören oder einfach nur mit einem Touchscreen zu spielen, der dürfte eher zum Tablet greifen.

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(Jürgen Vielmeier)

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Jürgen Vielmeier ist Journalist und Blogger seit 2001. Er lebt in Bonn, liebt das Rheinland und hat von 2010 bis 2012 über 1.500 Artikel auf BASIC thinking geschrieben.