Chefwechsel bei Google: Erfolgreicher Schmidt findet den richtigen Zeitpunkt, um abzutreten

Jürgen Vielmeier

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Frischer Wind ohne das Fenster zu öffnen: Googles amtierender CEO Eric Schmidt tritt in die zweite Reihe ab und macht Platz für Mitgründer Larry Page, der den Suchriesen bereits in den Anfangstagen von 1998 bis 2001 geführt hatte. Mitgründer Sergey Brin bleibt Chefentwickler. Schmidt klopft sich in einer Stellungnahme im offiziellen Google-Blog dementsprechend auf die Schulter:

Ich bin enorm stolz auf meine zurückliegendes Jahrzehnt als CEO, und ich bin mir sicher, dass die nächsten zehn Jahre unter Larry noch besser werden. Larry ist in meiner Meinung nach bereit, (das Unternehmen) zu führen.

Schmidt wird nun Chef des Verwaltungsrates und interner Berater. Und was wird es unter Pages Führung geben? Zumindest wohl kein Social Network, schätzt Liz Gannes von AllThingsDigital:

„Falls er einen Account auf Twitter, Facebook oder LinkedIn hat, dann nur unter geschlossener Privatssphäre oder unter falschem Namen. Ich konnte nicht einmal ein aktives Google-Profil für Larry Page finden. Googles gesamte Führungsmannschaft ist besonders anti-social für ein Internetunternehmen, obwohl Schmidt (…), anders als Page, zumindest den Grips hatte, Twitter zu testen und alle paar Wochen einmal Updates zu veröffentlichen.“

Zumindest den Groupon-Trend hat Google erkannt. Getreu dem Motto „Wenn du sie nicht kaufen kannst, kopier sie“, hat Google gestern einen eigenen Groupon-Klon angekündigt. Er soll Google Offers heißen und mit dem eigenen Bezahldienst Google Checkout zusammenarbeiten. Den Abtritt Schmidts koppelte Google ähnlich wie vor ein paar Tagen Apple an die Bekanntgabe der Finanzergebnisse für das vierte Quartal und das Gesamtjahr 2010: Der Umsatz stieg im Vergleich zu 2009 von 23,65 Milliarden auf 29,32 Milliarden US-Dollar, der Gewinn kletterte von 6,5 auf 8,5 Milliarden Dollar.

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Schmidt übernahm den obersten Chefposten bei Google 2001, weil Page und Brin einen erfahrenen Manager suchten. In seiner zehnjährigen Amtszeit machte er aus der jungen Suchmaschine einen führenden Internerkonzern mit 24.000 Mitarbeitern weltweit. In die Zeit fällt bis auf die Websuche der Start praktisch aller Produkte, die heute Googles Erfolg ausmachen: Google Maps, Earth oder Mail, der Aufbau von Googles Werbemaschinerie, die kontinuierliche Verbesserung der Google-Suche und der Kauf von YouTube. Mit Android, Docs und Chrome fiel auch der Start heute vielversprechender Zukunftsprodukte in Schmidts Amtszeit als CEO.

Page als sein Nachfolger übernimmt dennoch auch die Probleme, mit denen Schmidt zuletzt zu kämpfen hatte: Die Kritik von Datenschützern etwa an Streetview und der hamsterartigen Sammelwut von Nutzerdaten. YouTube droht ohne eine Einigung mit den Musikkonzernen und ohne Premium-Videocontent die Luft auszugehen. Auch ein seit langem erwartetes Social Network als Konkurrenz zu Facebook blieb Google bislang schuldig. Und ob das in mittlerweile jahrelanger Arbeit entwickelte Cloud-Betriebssystem Chrome OS für Net- und Notebooks noch zum Erfolg wird, ist ungewiss, da die Industrie fast all ihre Energie auf Tablets lenkt. Page wird sich etwas einfallen lassen müssen. Für Schmidt persönlich ist das der beste Moment abzutreten: das Geschäft brummt, seinem Nachfolger bieten sich alle Chancen, besser kann es für ihn nicht mehr werden. Er twitterte seinen Abschied mit Hinweis auf seine bisherige Rolle mit Humor: „Die tägliche elterliche Aufsichtspflicht ist nicht länger von Nöten.“

(Jürgen Vielmeier, Bild: Charles Haynes)

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Jürgen Vielmeier ist Journalist und Blogger seit 2001. Er lebt in Bonn, liebt das Rheinland und hat von 2010 bis 2012 über 1.500 Artikel auf BASIC thinking geschrieben.