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Wahl der Oscars: Studios setzen auf Streaming – und erleichtern Raubkopierern die Arbeit

Filmstudios schicken jedes Jahr zehntausende Filme auf DVD an die Juroren von Filmfestivals wie den Golden Globes und der Academy Awards (Oscar-Verleihung). Und jedes Jahr gelangen die meisten dieser Filme als Raubkopien auf dem Markt. Das bedeutet für die Studios Verluste, da die Filme in der Regel noch nicht auf DVD veröffentlicht wurden. Torrentfreak zählte etwa zur gleichen Zeit im vergangenen Jahr, dass 27 der 34 für den Oscar nominierten Filme bereits knapp einen Monat vor der offiziellen Verleihung als Raubkopien auf BitTorrent zur Verfügung standen.

Damit soll nach Wunsch der Studios langsam Schluss sein und so stellten sie in diesem Jahr auf Streaming um: Die Jury-Mitglieder bekommen statt der DVDs nun über einen Code Zugang zu einem Stream der Filme auf iTunes. Der jeweilige Schlüssel verliert 24 Stunden nach dem Einlösen seine Gültigkeit. Das ist zum einen technisch fortschrittlicher – die DVD stirbt langsam aus. Zum anderen soll damit verhindert werden, dass wieder zahlreiche Filme als Screener auf Plattformen wie BitTorrent oder MegaUpload landen.

100.000 Zugänge allein für ein Festival

Allerdings könnte gerade das Unterfangen, die Filme vor dem Leaken zu bewahren, den gegenteiligen Effekt haben. TorrentFreak-Gründer Ernesto Van Der Sar sagte in einem Interview: „Das Kopieren eines Streams ist sogar leichter, als eine DVD zu kopieren.“ Das könnte am Ende sogar zu noch mehr Leaks führen. So genannte Webscreener aktueller Oscar-Nominierungen sind bereits bei Google zu finden. Allerdings ist auch das gegenteilige Szenario durchaus denkbar. Es wird vermutet, dass in den vergangenen Jahren oft Filme etwa durch Diebstahl der DVDs an Tauschbörsen gelangten, wovon die eigentlichen Empfänger der Preview-Filme gar nichts mitbekamen. Nur könnten auch Codes und Passwörter für Streaming-Portale ebenso leicht verloren gehen.

Schaut man sich die Dimensionen der Filmfestivals an, dürften Urheberrechtswächter ohnehin wenig Hoffnung haben, Filesharing der Nominierungen zu verhindern. Für die Academy Awards (Oscars) sind alle rund 6.000 Mitglieder der Academy stimmberechtigt, sprich: so viele Mitglieder erhalten Zugang zu den Filmen. Für die Screen Actors Guild Awards versandte das Studio Fox Searchlight Pictures nach Angaben der „Los Angeles Times“ fast 100.000 Zugänge für die nominierten Filme. Dass da nicht einer dabei sein soll, der die Filme ins Netz stellt, ist einfach nicht wahrscheinlich.

TorrentFreak allerdings stellt seit Jahren einen Abwärtstrend fest, was die Auswahl und die Qualität der Oscar-nominierten Filme bei BitTorrent angeht. So seien auch in diesem Jahr wieder 20 der 27 nominierten Filme in DVD-Qualität auf BitTorrent aufgetaucht. Aber bei nur sieben davon geht das Blog davon aus, dass es sich um Kopien handelt, zu denen Academy-Mitglieder Zugang hatten. Das könnte allerdings auch nur bedeuten, dass BitTorrent in der Gunst der Filmfreunde sinkt und sie die Filme jetzt anderswo finden.

(Jürgen Vielmeier)


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Über den Autor

Jürgen Vielmeier

Jürgen Vielmeier ist Journalist und Blogger seit 2001. Er lebt in Bonn, liebt das Rheinland und hat von 2010 bis 2012 über 1.500 Artikel auf BASIC thinking geschrieben.

6 Kommentare

  • @1: Natürlich sind die Streams watermarked wahrshceinlich digital und im Bild sichtbar gleichzeitig), nur bringt das wenig, weil beim umkodieren geht das digitale Wasserzeichen weg (bzw. wird unlesbar) und die eingeblendeten werden auch einfach überblendet und gut ists.

    Die DVD’s hatten sicher auch alle eine entsprechende Kennzeichnung…

  • Auf jeden Fall ein spannendes Thema! Aber egal wie viel Aufwand betrieben wird, es wird immer Filme und Musik zum download geben! Die Studios sollten diesen Umstand akzeptieren und versuchen, daraus noch Profit zu schlagen! Es ist nämlich nicht gesagt, dass wenn jemanden ein downgeloadeter Film gefällt, er ihn sich auch nicht nochmal im Kino anschaut.

  • @Maik: das Filmbusiness ist aber nicht Filme zu produzieren, die den Leuten wirklich gefallen und sie dann mehrfach dafür bezahlen zu lassen. Das gelingt nur ganz wenigen Produktionen. Das Filmbusiness besteht daraus mit Trailern Erwartungen zu schüren, die hoffentlich durch Reviews nicht ganz zerstört werden, damit möglichst viele Menschen in einen Film hineingehen.

    So viel schlechtes wie letztes Jahr habe ich selten ertragen müssen. Hätte ich die Filme schon vorher günstiger gesehen, hätte ich sie mir NIEMALS auf einer Leinwand angeschaut. Sorry …

  • Dies ist auf jeden Fall ein Schritt in die richtige Richtung, aber ob es soviel bringt ist fraglich. Irgendein Schlupfloch wird sicherlich immer gefunden werden.

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