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MyTaxi im Test: Taxiruf auf Knopfdruck

Ein paar Mal tippen statt anrufen: Die App MyTaxi ist nach der Pilotphase in Hamburg im Januar auch in Köln und Bonn gestartet. Die App vermittelt Taxifahrten direkt zwischen Fahrer und Kunde, ohne dass man eine Taxizentrale anrufen muss, und steht für iPhone und Android zur Verfügung. Wir haben sie getestet. So viel vorab: Der Service funktioniert prima und bietet interessante Extras, die aus den Möglichkeiten eines Smartphones alles heraus holen. Ein paar Verbesserungsvorschläge haben wir aber trotzdem.

Sucht man ein Taxi und startet MyTaxi, lokalisiert die App via GPS zunächst den Aufenthaltsort. Diesen kann man, wenn ungenau, noch von Hand verändern. Von da an geht es automatisch: Die App ermittelt einen Taxifahrer in der Umgebung und meldet sich mit einem akustischen Signal, wenn sie einen Fahrer gefunden hat. Dieser bestätigt den Auftrag per Knopfdruck und macht sich auf den Weg. Ab dann wird es interessant.

Begibt sich ein Fahrer auf den Weg, kann man die Distanz auf einer Karte verfolgen, die er noch zurücklegen muss. Man kann auf der Karte verfolgen, wo das Taxi gerade ist. Die App rechnet aus, wie lange der Fahrer noch zum Kunden braucht. Zumindest ungefähr. In meinem Test wurden die anfangs angezeigten gut fünf Minuten einfach nicht weniger, während die letzten von der App geschätzten zwei Minuten in Wirklichkeit eher 30 Sekunden waren. Die App berechnet die Entfernung in Metern und kennt die aktuelle Verkehrslage nicht. Eine Funktion, die den Verkehrsstand berechnet, ist aber auch noch Zukunftsmusik.

Härtetest kommt zu früh

Wir unterziehen die App dem Härtetest: 7:50 Uhr morgens, Bonn, Berufsverkehr, Schnee. Die Karte lokalisiert zwar sechs Taxis, doch es kommt keins. Zweimal wiederhole ich den Versuch erfolglos. Der Dienst ist erst vor wenigen Wochen gestartet. Inzwischen sind aber 60 Taxis in Bonn unterwegs, sagt mir Sven Johannes Külper von Intapps. Gestern sind im Laufe des Tages 17 neue Fahrer hinzugekommen. Vielleicht kam der Härtetest einfach zu früh.

Mehr Glück habe ich dafür am Abend: Der Fahrer kommt wie bestellt nach gut fünf Minuten. Seit Anfang Januar läuft die Funktion in Bonn, sagt er. Anfangs sei praktisch gar nichts los gewesen, sagt er, inzwischen aber nutzen mehrere Leute den Dienst täglich, vor allem Mitarbeiter der Telekom und der Deutschen Post. Der Service funktioniere besser als der der Bonner Taxizentrale, die sich weniger kümmere. Die Organisation mit MyTaxi funktioniere besser. Mein Fahrer sagt, er sei Eigenunternehmer, der sich der Taxizentrale angeschlossen hat und MyTaxi nebenbei benutzt. Für ihn bedeutet das zusätzliches Geschäft. Der Bonner Taxiruf ist nicht involviert. Die Taxifahrer gehen die Partnerschaft direkt mit MyTaxi ein. Das ist das Geschäftsmodell der Hamburger, die dadurch mit örtlichen Taxizentralen konkurrieren. Einen anderen Ansatz verfolgt die App Taxicaller, die mit örtlichen Taxiunternehmen zusammen arbeitet statt mit den Fahrern direkt.

Verbindung zwischen Preisrechner und Buchung fehlt

MyTaxi erhält 79 Cent für jede vermittelte Fahrt. Laut der MyTaxi-Homepage können Fahrer den Preis auf 49 Cent drücken, wenn sie im Taxi für den Service werben. Die ersten drei Monate sind für den Fahrer kostenlos. Ich zahle am Ende 6,00 Euro plus Trinkgeld für meine kurze Testfahrt. Der Fahrpreisrechner von MyTaxi hatte 5,90 Euro errechnet. Ein ungefährer Wert – eine Preisbindung an den Tarifrechner gibt es nicht. Das ließe sich noch verbessern. Schade ist außerdem, dass man vom Fahrpreisrechner aus nicht direkt eine Fahrt buchen kann, obwohl man hier natürlich schon Start- und Zieladresse eingeben muss. Immerhin kann man Start und Ziel speichern und später bei der Taxibestellung wieder aufrufen.

Weiterer Nachteil: Man muss die Zieladresse kennen; es genügt also nicht, nur den Namen einer Lokalität zu kennen. Die Zieladresse kann man im Fahrpreisrechner zwar orten, allerdings kommt dabei nur der Standort heraus, an dem man sich gerade befindet. Das kann ja nicht das Ziel sein. Wünschenswert wäre hier die Möglichkeit, das Ziel auf einer Karte zu lokalisieren und damit die Eingabe von Straßenname und Hausnummer zu umgehen. Auch verbesserungswürdig: Beim Einstiegen ins Taxi fragt mich mein Fahrer noch, wohin ich möchte. Das habe ich zwar im Preisrechner angeben können, nicht aber bei der Taxibestellung. Wünschenswert also: Eine bessere Verzahnung von Bestellung und Fahrpreisrechner.

Taxiradar zeigt Fahrten der Taxis auf einer Karte an

Trotz kleiner Verbesserungsmöglichkeiten überzeugt die App. Gut durchdacht zum Beispiel: Die App meldet sich eine Minute vor Eintreffen per Push-Nachricht, dass das Taxi gleich eintrifft. So muss man nicht draußen in der Kälte warten. Wer Langeweile hat, kann sich auf dem Taxiradar ständig aktualisiert den Standort aller verfügbaren Taxis anschauen und sehen, wohin sie gerade fahren. Man könnte direkt ins Schwärmen geraten, was sich mit dieser Funktion noch alles anstellen ließe, aber das würde den Rahmen dieser Meldung sprengen.

MyTaxi hieß früher 1TouchTaxi, eine Bezeichnung, die der App nicht ganz gerecht wird. Es geht komfortabler als mit einem Anruf bei der Taxizentrale, aber es ist definitiv mehr als ein Klick. Hinter MyTaxi steht das Hamburger Unternehmen Intapps. In der Hansestadt startete die App bereits im vergangenen Jahr. Laut Intapps-Pressesprecher Sven Johannes Külper sind dort bereits 800 Fahrer im Einsatz. In den kommenden zwei Monaten sollen München, Berlin und Frankfurt folgen, bis Mitte des Jahres weitere Großstädte wie Dortmund, Stuttgart, Hannover und Düsseldorf. Interessierte Fahrer werden nicht einfach bei MyTaxi aufgenommen, sondern zuvor geschult. Um mit MyTaxi kommunizieren, brauchen sie keine weitere Technik als ein iPhone oder ein Android-Smartphone – denn für Fahrer gibt es eine eigene App.

(Jürgen Vielmeier)


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Über den Autor

Jürgen Vielmeier

Jürgen Vielmeier ist Journalist und Blogger seit 2001. Er lebt in Bonn, liebt das Rheinland und hat von 2010 bis 2012 über 1.500 Artikel auf BASIC thinking geschrieben.

19 Kommentare

  • Habe die App jetzt mal ausführlich getestet und bin ehrlich gesagt begeistert. Jeder Versuch hat geklappt und ich musste nie länger als 7 Minuten warten! Der Preis wich auch kaum on dem errechneten ab. Also ich bin überzeugt!

  • „Um mit MyTaxi kommunizieren, brauchen sie keine weitere Technik als ein iPhone oder ein Android-Smartphone – denn für Fahrer gibt es eine eigene App.“

    Oder auch Windows Mobile 6, denn die Fahrer-App gibt es auch dafür.

  • Eine Ergänzug hab ich noch zu den Verbesserungsvorschlägen:

    Beim 1-Klick-Taxiruf sollte es Buttons für die häufigsten Sonderfälle geben. Bisher kann man dort nur EC-Kartenzahlung anhaken, es sollte aber auch für „Hund dabei“ und „Baby/Kindersitz benötigt“ Buttons geben. Sowas muss man bisher in das Textfeld eintragen, zumindestens für die häufigen Anliegen sollte es Buttons geben

  • Richtig interessant wird es erst, wenn es in allen deutschen Großstädten funktioniert. Dann erspart man sich die lästige Suche nach den Taxizentralen – manchmal unter Zeitdruck. In der Tat aber eine feine Sache.

  • Ziel sollte natürlich sein, dass das Ganze früher oder später auch für „ländlichere“ Regionen funktioniert. Also dort, wo es keinen oder nur eingeschränkt vorhandenen ÖPNV gibt bzw. nachts eben nicht mehr grundsätzlich mehrere Taxis unterwegs sind.

  • @ Vielmeier, 5,90€, 6€ was solls, eine Fahrpreisberechnung kann NIE genau sein, Unterschiede im Preis enstehen u. a. auch schon dadurch welche Fahrspur genutzt wird…
    Wenn jemand nicht mit dem Fahrer reden möchte, ist sicher besser, die App übermittel auch das Fahrziel, statt nur der Anfrage.

    Neue Ideen brauchen Zeit und Übung.

    Sacht PW

  • @Peter Würz: Ob 5,90 oder 6 € war mir herzlich egal. Ich hab’s nur als Verbesserungsvorschlag formuliert, den Preisrechner als Preisbindung zu nehmen, um für den Fahrgast mehr Sicherheit zu erzielen. Aber wenn’s bei diesen Minimalabweichungen bleibt, soll’s mir auch egal sein. 😉

  • Mytaxi ist vom Ansatz wirklich GIGA aber springt zu kurz. Mit fehlt die Sichtbarkeit auf einem normalen Rechner und jede Menge Vertriebspower in Düsseldorf und Köln wo leider einigermaßen tote Hose ist. Statt sich auf Hotels zu fokussieren die seit je her in Lage waren Taxis für Ihre Gäste einzupfeifen sollten sich die Programiererjungens lieber darauf konzentrieren die sehr gute Premium-TAXI-Idee weiter hochzufahren oder über Sammel- oder Airportklamotten durchzudenken wo der Anwendernutzen steigt. Ausserdem ist zu nicht zu begreifen warum diese Peer-To-Peer Jobvermittler nicht schon lange in der Kurierrichtung rumfurzen lassen oder auch mal über Myfwz.de oder Mymfz.de nachdenken die anders als die myTaxi.de oder com zur Zeit noch deutlich unter 100.000 Euro zu haben sind. Hoffentlich muss da T-Venture nicht mal tief in die Tasche greifen wenn die Marketingkommunikation eine kompletten Bude auf NULL gestellt wird und neu durchgestartet werden muss. Denn: Wer mit eine NET Domain einen solchen Löwen freilassen darf, könnte selbst gefressen werden.

  • Merke: Taxidriver können auch Haare schneiden, schießen … oder Kurieraufaugaben erfüllen wie !!!! wichtige Kippen kaltes Bier besorgen. Da geht mir der Giga…dingeskirchen… Ansatz schon weiter… bei dem die Vögel offensichtlich schon begriffen haben, dass jeder Mikrojobber alles kann, sich für nichts zu schade ist und gleichzeitig auf Kinder aufpassen kann, Webseiten bastelt und die Wände streicht. Was aber wird dann mit Tiramzizoooooooo (ohweh) die glauben, dass jetzt alle Kurierzentralen Partner- und ganz nass im Schritt – werden weil die noch nie ein Smartphone mit Trackersoftware gesehen haben mit dem der arme Kurierradler noch besser durch die Stadt gejagt werden kann um arme wiederum Taxifahrer in den Wahnsinn zu treiben??? Ich denke, dass die Jungens von T-Venture am Ende Recht hatten weil die auf jeden FAll den Absatz der muffeligen 4G´s nach vorne bringen werden die jetzt erst mal jeder auf die Augen gedrückt bekommt der „mitspielen“ will.

  • Diese App ist für nichts zu gebrauchen und ich war sehr unzufrieden. Hab das x mal versucht, deinstalliert und bin jetzt auf der suche nach einer guten Alternative…

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