Sonstiges

Schaulaufen der Kandidaten: Jemand Interesse am 10-Milliarden-Netzwerk Twitter?

Google, Facebook und noch ein drittes, nicht benanntes, Unternehmen sind an einer Übernahme von Twitter interessiert. Das meldet das „Wall Street Journal“ heute. Ein Verhandlungspartner soll Twitters Wert auf 8 bis 10 Milliarden US-Dollar beziffert haben. Erst im Dezember hatte eine neue Finanzierungsrunde in Höhe von 200 Millionen Dollar Twitter auf einen Wert von 3,7 Milliarden Dollar gehoben. Das Unternehmen selbst sieht seinen potenziellen Wert bei 100 Milliarden Dollar. Twitters Umsatz im vergangenen Jahr betrug laut „Wall Street Journal“ 45 Millionen Dollar; in diesem Jahr erwartet man 100 bis 110 Millionen Dollar. Willkommen in der neuen Webblase.

Die neue Bewertung soll unabhängig einer gestern erfolgten neuen Finanzierungsrunde von Andreessen Horowitz gewesen sein. Die Finanziers um Netscape-Gründer Marc Andreessen investierten 80 Millionen Dollar in Twitter. Eine Sprecherin des Kapitalgebers wollte aber nicht kommentieren, für wie viele Anteile das Geld geflossen ist. Geld macht Twitter bislang mit drei Werbeformaten: Promoted Trends, Promoted Tweets und Promoted Accounts. Mehr als die Umsätze hergeben, dürften Technik und Personal allerdings gleich wieder auffressen. Die Mitarbeiterzahl stieg im Laufe des vergangenen Jahres von etwa 100 auf 350. Was also würden Google, Facebook oder der ominöse Dritte mit Twitter anstellen? Wer wäre der geeignetste Kandidat?

Twitter würde zu Facebook passen

Bei Google sieht man wenig Synergien zu bestehenden Angeboten. Es könnte dem Suchriesen lediglich darum gehen, Twitter zu kaufen, um Web-3.0-Präsenz zu zeigen, bevor es jemand anders tun kann. Dass Google das seit langem geplante, eigene Social Network um Twitter herumbauen würde, scheint unwahrscheinlich. Dienste wie Buzz, Google Places, Google Profile oder Google Talk lassen sich nicht ohne erhebliche Umbaumaßnahmen mit Twitter kombinieren. Wahrscheinlicher wäre, dass Google Twitter im Falle eines Kaufs ähnlich neben anderen Diensten her schwimmen ließe wie YouTube.

Mehr Gemeinsamkeiten sehe ich zwischen Twitter und Facebook. Facebook hat das Kapital und das Know-how, um Twitter um Services wie Facebook Deals zu erweitern. Eine Eincheck-Funktion per Tweet, eine Integration von Tweets in der eigenen Timeline, eine Möglichkeit, Facebook-Statusmeldungen über einen Dienst wie Deck.ly über Twitter zu verschicken. Hier fallen einem gleich eine Menge Möglichkeiten ein, und Facebook traut man sogar zu, Twitter zu monetarisieren.

Wer könnte kein Interesse an Twitter haben!

Wer käme noch in Frage? Als erstes fallen einem natürlich die finanzstarken und kaufkräftigen Konzerne Apple und Microsoft ein. Apples bislang wenig attraktives Social-Music-Network Ping lässt Statusmeldungen bereits auf Twitter crossposten. Sonstige Gemeinsamkeiten finden sich eigentlich nicht. Wäre Apple wirklich an Eigenaktivitäten zum Thema Social Network interessiert, dann würde man Ping interessanter machen und/oder als Webversion veröffentlichen. Microsoft hingegen ist bislang im Bereich Social Networks wenig aktiv. Mit Twitter könnte man sich endlich erfolgreich ins Geschehen einkaufen. Als kaufkräftig im Bereich Social Media hat sich in der Vergangenheit auch die russische Mail.ru Group erwiesen. Die Nachfolgegesellschaft der Digital Sky Technologies hält Anteile an Facebook, Groupon und Zynga und ist im Besitz des Instant-Messengers ICQ.

Rupert Murdoch, der MySpace lostreten will, könnte sich mit Twitter diesmal Relevanz in seine News Corp einkaufen. Yahoo, von denen man auch lange nichts mehr gehört hat, könnten sich mit einem Twitter-Kauf wieder ins Gespräch bringen. Eigentlich scheidet nur AOL als Kandidat aus, der nach dem Kauf der Huffington Post nun nicht mehr genug Kapital an Bord hat. Bei all den Spekulationen sollte nicht verschwiegen werden, dass Twitter eigentlich gar nicht übernommen werden will. Man gefällt sich offenbar in der Rolle, wenig Geld umzusetzen, umso mehr von Kapitalgebern zu kassieren und sich möglichst hoch bewerten zu lassen. Aber nicht, dass man den Milliarden hinterher trauert, wenn die Blase erstmal geplatzt ist, und das scheint nicht mehr lange zu dauern.

(Jürgen Vielmeier)

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Über den Autor

Jürgen Vielmeier

Jürgen Vielmeier ist Journalist und Blogger seit 2001. Er lebt in Bonn, liebt das Rheinland und hat von 2010 bis 2012 über 1.500 Artikel auf BASIC thinking geschrieben.

23 Kommentare

  • Hallo

    Google könnte twitter besser in die Suchergebnisse einbinden und verwenden, das wäre für Google schon ein ziemlich großer Gewinn. Das Aufwerten der Ergebnisse durch twitter wäre nicht nur für die normale Suche ein Gewinn, sondern z. B. auch für Google-Places.

    Twitter wäre natürlich auch ein riesiger Datengewinn für jeden Käufer. Sofern Twitter den gekauft werden wollte.

    LG Daniel

  • Kommt das Sommerloch dieses Jahr früher?? Man hört doch schon seit Monaten von potentiellen Übernahmen von Twitter! Am Ende kriegt sowieso Facebook den Zuschlag 🙂

  • Ich bleibe dabei: Google als Übernahme fände ich gut. Die Russen auf keinen Fall, die Nummer mit ICQ ist ja nicht mehr zu übertreffen (ich sage nur das Rumgezicke mit den Apps wie Beejive etc.)

    Google weiß wenigstens, wie man sowas technisch richtig macht.

  • Also ich denke am Ende kauft Google; Twitter! Dann fehlt nur noch Facebook. Ich fänds aber am besten wenn Twitter nicht verkauft wird und so wie bisher weitergeführt wird.

  • Kann mir jemand sagen mit was Twitter 45 Mio. verdient hat? Werbung sehe ich dort keine, wo kommt dieses Geld her?

  • Denke auch an Google. Bei Google hat man schon mehrere Projekte gekauft, die sich mit eigenen Konzepten überschneiden. YouTube und Doubleclick sind hierfür wohl die besten Beispiele.

    Facebook musste jahrelang selber Anteile verkaufen, um sich irgendwie zu finanzieren (u.a. Peter Thiel/Paypal, Microsoft, Mail.ru). Schätzungen, dass der Wert von Facebook bei 50 Mia $ liegen, halte ich für Schwachsinn. Den Wert kennt keiner und kann auch niemand kennen – das ist erfundenes Geld. Facebook selber ist gar nicht im Besitz 50 Mia $. Und wenn doch, dann wäre jeder Nutzer 100 $ Wert (bei 500 Mio Mitgliedern). Demnach denke ich nicht, dass für Facebook ein Kauf in der Dimension wirklich in Frage kommt.

    Abgesehen davon wird es sicher schwierig sein, sich auf einen Deal zu einigen, wenn Twitter sich selbst bei einem Wert von 100 Mia $ sieht… Diesen Wert wage ich ebenfalls zu bezweifeln.

  • Twitter verkaufen? Mh ich finde Twitter irgendwie nicht so toll, und die Werte die genannt wurden sind ebenfalls sehr hoch (für die Seite).

    Klar, Twitter kennt jeder aber Facebook ist denke ich mit mehr Potenzial verbunden

  • Interessant und denkbar wäre eine Fusion von Twitter mit Smart Strategie.

    Am Kapital wird es nicht scheitern, die machen ja unglaubliche Gewinne mit Sportwetten-Arbitragen. Unter Insidern gilt es als Flaggschiff auf diesem Gebiet.

    Eine Fusion würde meines Erachten beiden Unternehmen einen gigantischen Mehrwert bringen.

  • Ich spekuliere einfach mal: Der unbekannte Dritte ist Microsoft. Dort versucht man ja seit Jahren, im Internet einen Fuß auf den Boden zu kriegen. Die Kriegskasse dürfte die 10 Mrd. hergeben, und mit der Übernahme wäre Microsoft wieder gut im Rennen, nachdem die letzten Versuche gescheitert sind (Übernahme von Yahoo) oder keine Aussicht auf Marktführerschaft haben (Bing).

  • Gibt es eigentlich auch etwas nachhaltiges bei Twitter? 100 Milliarden, bei einem Umsatz von 45 Mio. – spinnen die? Wofür? Ich bin geschockt, zeigt es doch die Unverhältnismäßigkeit. Ab einer bestimmten Größenordnung ist ’ne Millionen mehr oder weniger nicht wichtig.

  • Es wäre interessant, Twitter an eine Art Stiftung zu vermachen / zu verkaufen und keinem Privatunternehmen einzuverleiben. (Finanzierung ist ein anderes Thema)

    Twitter ist mehr und mehr zum (glücklicherweise) Schauplatz von Volksbewegungen geworden, Bsp. Iran oder eben aktuell Ägypten.

    Was aber passiert, wenn ein Land, wo Twitter gehostet wird, selbst einmal zum Ziel des Unmuts im Netzwerk wird (Bsp. Wikileaks). Vll. gibt es hier ja irgendeine globale Lösung.

    Twitter ist irgendwo zum Gemeingut für Informationsfreiheit und Demokratie geworden.

  • Ich verstehe auch nicht, wo der Twitter-Wert hekommt. Das sind doch erfundenen Zahlen, als ob da jemand im Büro sass und mit Würfeln gespielt hat 🙂

  • […] Was UberMedia nun vorgeworfen wird, sind zum Teil Versuche, mit denen das Unternehmen Geld verdienen will: Affiliate-Werbung, Nutzer auf externe Websites locken. “UberTwitter” hieß seit Jahren so, ohne dass sich Twitter daran je öffentlicht gestört hätte. Dass man nun möchte, dass der Konkurrent den Namen des Clients ändert, deutet darauf hin, dass Twitter zunehmend versuchen will, den Namen “Twitter” für sich selbst zu reservieren. Auf dass niemand sonst mehr damit Kasse mache. Twitter wurde nach einer Finanzierungsrunde von Investoren um Netscape-Gründer Marc Andreessen kürzlich auf 8 bis 10 Milliarden US-Dollar bewertet. […]

  • Also wenn es zu einem Verkauf an Facebook oder Google kommen sollte, würde ich meinen Account sofort löschen. Apple würde ich noch mitmachen, da ich mehrere Produkte habe von denen und die im Social Web noch nichts haben außer ihr Ping da – aber am besten sie bleiben eigenständig!

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