Wenn Libyen das Internet blockiert, was wird dann aus Bit.ly?

Jürgen Vielmeier


Bevor ihr uns vorwerft, wir hätten wohl keine anderen Sorgen und die Menschen wären uns egal: Wir verfolgen natürlich laufend, was derzeit in Libyen passiert. Und wir hoffen, dass der Sturz des Diktators Muammar al-Gaddafi gelingt und möglichst friedlich und ohne Blutvergießen auf beiden Seiten geschieht. Dennoch muss die Frage erlaubt sein, was angesichts der Sperrung des libyschen Internets mit den libyschen .ly-Domains geschieht. Darunter ist mit Bit.ly immerhin der Standardlinkverkürzer von Twitter, dessen Ausfall Nutzer auf der ganzen Welt beträfe.

Bit.ly-CEO John Borthwick teilte auf Quora zunächst mit, da könne nichts passieren, zog seine Antwort aber wenig später zurück. Obwohl Libyen in der Nacht zum Samstag die Internetversorgung im Inland gekappt und das aktuell offenbar wiederholt hat, läuft Bit.ly derzeit problemlos. Laut dem Ingenieur Kim Davies, der die Frage nach der Sicherheit von Bit.ly auf Quora beantwortete, müssten für eine kurzfristige Sperrung alle fünf Domain-Name-Server der .ly-Domain gleichzeitig abgeschaltet werden. Aber nur zwei der fünf .ly-Server stehen in Libyen selbst. Zwei befinden sich in den USA, einer in den Niederlanden. Es handelt sich dabei nicht um Root-Server.

Server könnten explizit vom Netz genommen werden

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Es gibt allerdings einen Haken: Die drei Server, die im Ausland stehen, sind darauf programmiert, sich Updates von den Inlandsservern zu holen. Wenn Libyen diese abschaltet, laufen die anderen autonom weiter, allerdings nur maximal 28 Tage lang. Außerdem könnte die direkte Direktive rausgehen, die Registry-Dateien zu löschen, so dass .ly-Domains auf Anordnung der Behörden auch relativ zeitnah vom Netz gehen könnten. Auf diese Weise konnte der libysche Staat im vergangenen Oktober auch vb.ly vom Netz nehmen, den – nach Angaben der Betreiber – „ersten und einzigen Sex-freundlichen Linkverkürzer des Internets“. Dieser hatte gegen die Moralvorstellung des libyschen Staates verstoßen.

Sollten die politische Lage in Libyen also unruhig und die Regierung an der Macht bleiben, könnte Bit.ly durchaus das gleiche Schicksal drohen. Das zeigt einmal mehr, dass der Trend, Domains nach passenden Endungen zu vergeben, durchaus unschöne Folgen haben kann. Man sollte bei der Wahl der gewünschten Top-Level-Domain die politische Lage in dem jeweiligen Land also nicht ganz außer Acht lassen. Es deutet allerdings aktuell vieles darauf hin, dass die libysche Regierung sich nicht mehr lange an der Macht wird halten können.

(Jürgen Vielmeier)

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Jürgen Vielmeier ist Journalist und Blogger seit 2001. Er lebt in Bonn, liebt das Rheinland und hat von 2010 bis 2012 über 1.500 Artikel auf BASIC thinking geschrieben.