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Cloud Player: Musikindustrie droht Amazon mit Klagen

Da scheint jemand die Rechnung ohne den Wirt gemacht zu haben: Vertreter der Musikindustrie zeigten sich unzufrieden, als Amazon gestern seine neuen Services Cloud Drive und Cloud Player vorgestellt hat. Amazon-Kunden können ihre Musiksammlung dort online speichern. 5 Gigabyte sind kostenlos, weitere 15 GByte legt Amazon beim Kauf eines Albums obendrauf. Mehr Speicher lässt sich für einen Jahresbeitrag erwerben. Reuters zitiert dazu Liz Young, Sprecherin des Musiklabels Sony: „Wir hoffen, dass sie ein neues Lizenzabkommen abschließen, aber wir behalten uns rechtliche Schritte vor.“

Offenbar waren die Labels erst Ende vergangener Woche von Amazons Schritt informiert worden, Musik künftig zusätzlich aus der Wolke streamen zu lassen. Zusätzlich zu Käufen bei Amazon Musik, die von nun an automatisch im Online-Speicher abgelegt werden, können Kunden von Cloud Drive ihre eigene Musiksammlung dort speichern. Amazon verbietet in seinen Nutzungsbedingungen natürlich, dass Kunden illegal erworbene Musik hochladen. Kontrollieren will und kann man das aber nicht.

Kaum Klagen zu erwarten

Reuters zitiert einen weiteren Manager des Musikbusiness‘, der in die Verhandlungen involviert war. Der nannte es „ein wenig verblüffend“, dass Amazon den Dienst ankündige und dann erst Verhandlungen über die Lizensierung aufnehmen will. Klingt als habe der Online-Buchhändler etwas vorschnell gehandelt. Verständlich in Anbetracht dessen, dass Google und Apple mit ähnlichen Musikdiensten in den kommenden Monaten starten wollen. EMI hatte in den Jahren 2007 und 2008 ein einen langen Rechtsstreit gegen MP3tunes angestrengt, das einen ähnlichen Service angeboten hatte wie Amazon jetzt.

MP3tunes gewann überraschend, spielt aber heute unter den Anbietern keine große Rolle mehr. Seitdem sind einige Jahre ins Land gezogen und selbst die konservativen Musiklabels haben sich für immer mehr Streamingdienste geöffnet. Amazon kann es sich erlauben, sich hier weit aus dem Fenster zu lehnen, denn mit Klagen gegen die ganz Großen zeigt sich selbst die Musikindustrie in letzter Zeit zurückhaltend. Eher zieht man seine Inhalte zurück, wenn einem die Geschäftsbedingungen nicht mehr gefallen. Ein Online-Musikdatenspeicher ist aber eine neue Herausforderung für die Plattenfirmen. In den kommenden Monaten wird es spannend werden zu sehen, wie sie auf die neuen Angebote reagieren werden. Die Zeiten der großen Gerichtsverhandlungen allerdings sind vorbei.

(Jürgen Vielmeier)


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Über den Autor

Jürgen Vielmeier

Jürgen Vielmeier ist Journalist und Blogger seit 2001. Er lebt in Bonn, liebt das Rheinland und hat von 2010 bis 2012 über 1.500 Artikel auf BASIC thinking geschrieben.

15 Kommentare

  • Ich verstehe glaube ich Sony’s Problem nicht so ganz.
    Ich streame meine eigene Musik, die ich selbst käuflich erworben habe?!

    Ist ja nicht so, als könnte ich die Lieder anderer Cloud-Teilnehmer auf mein Device streamen.

  • Ein weiteres (trauriges) Kapitel der Musikindustrie bricht an. Wenn ich das Wort „Lizenzen“ schon lese, bekomme ich einen Krampf. Wir haben 2011 und Musik wird seitens der Industrie immer noch „geschützt“, wie die Goldreserven eines Landes.

  • Die sind so sinnlos!!!!!

    Die Musikindustrie BEklagt sich über fehlende Einnahmen etc. dann VERklagen sie aber Startups, sowie neue Dienste die den Kauf von Musiktiteln, ich nenne es mal „einfacher“, interessanter und umgänglicher machen. Angenommen ich habe so einen Cloud-Player, da ist es doch schön wenn ich mir mein Lieblingslied schnell für einen Euro kaufen kann und es dann direkt streamen kann, egal ob aufs phone, laptop oder PC…..

    Des Weiteren Dropbox oder sonstige Dienste, da könnte ich ja auch meine Musik hochladen, wo liegt das Problem? Ich darf doch auch meine CD-Sammlung bei einer externen Firma zur Verwahrung aufgeben wenn ich bock darauf hab?? Hier schiesst man sich mal wieder selber ins Knie…

  • Hat man das mit Eminem und seiner Plattenfirma mitbekommen. Diese haben einen Rechtsstreit gewonnen bei dem es auch darum ging, dass die Plattenfirma MP3 verkauft hat aber diese nicht an den Künster weiter gegeben hat. Nur die Gewinne aus dem normalen Geschäft.

    Erster auf die Rechte klagen aber dann selber machen.

    Die sollen lieber bei Amazon mit machen anstellen die zu verklagen. Denn ein von Ihnen kontrolliertes monopol ist doch eine win-win Situation. Anstelle sinnlos gegen „piraterie“ anzukämpfen.

  • Lächerliche, unangebrachte, aber zu erwartende, Reaktion der Plattenindustrie.

    Ich hab die Sachen gekauft also muss ich sie streamen können von wo ich will!

  • Kaum Klagen zu erwarten….

    Da wäre ich mir nicht so sicher , vielleicht nicht aus dem im Beitrag ausgeführten Gründen …. aber Hierzulande gibt es ja noch die „Urheberabgabe“ auf Festplatten oder anderen Speichermedien.
    Eine „Online Speicher“ könnte davon Betroffen sein zumal wenn Musik darauf gespeichert wird , ich denke schon das die GEMA Klagen könnte.
    Denn sie werden sicher nicht tatenlos Zuschauen wenn die Physischen Speichermedien zunehmend durch die Cloud ersetzt werden und damit die Urheberrechtsabgaben sinken?

  • Wird Zeit das sich die Plattenindustrie von ihrer per-se-alles-verbieten-Haltung wegbewegt und offensiv mit solchen Themen umgeht…schließlich sieht man an iTunes, Napster und Co. das es durchaus Geschäftsmodelle gibt die gut funktionieren und wenn das ganze nun auch per Streaming aus der Cloud heraus funktioniert ist eigentlich alles wunderbar für den Kunden, denn im Endeffekt geht es mir darum das ich meine Musik überall hören kann!

  • Ich sehe den Unterschied darin nicht, ob man jetzt unterwegs die gekauften CDs hört oder ob man die gekauften Lieder streamen lässt. Eigentlich ja das Gleiche, weswegen ich mich anschließe und diese Entscheidung seitens der Musikindustrie nicht verstehe.

  • Leider ist es dennoch so, dass viele User von nicht Lizenzfreien angeboten das Nutzen und die daraus resultierenden rechtlichen Foglen nicht durchblicken. somit kommt es leider z uder Welee von Abmahnungen udn der Nährboden wird durch zugegeben für nichtjuristen undurchsichtige paragraphen gefördert.

    eine einheitlich deckende Aufklräung wäre seitens des Gesetzgebers mal angebracht.

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