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"WSJ": Microsoft will 8,5 Milliarden Dollar für Skype zahlen [Update]

Das nennt man dann wohl so etwas wie einen Paukenschlag. Im Auto auf dem Weg zur Arbeit habe ich heute Morgen noch gehört, dass in Bonn heute beim BSI eine Sicherheitskonferenz beginnt, die sich mit den Gefahren beschäftigt, die Nutzern von Smartphones drohen. „Prima“, dachte ich, „endlich macht man sich auch darüber mal Gedanken“. Doch als ich dann im Büro einen Blick auf die Homepage des „Wall Street Journal“ warf, stockte mir kurzzeitig der Atem. „Microsoft Near Deal to Buy Skype“ war und ist dort zu lesen. Zu Deutsch: Microsoft steht kurz davor, den VoIP-Dienst Skype zu kaufen.

Nichts wird es also offenbar mit einem Börsengang des beliebten Plauderprogramms. Und auch ein Verkauf an Facebook oder Google ist offenbar vom Tisch. Vielmehr soll nun der weltgrößte Softwarekonzern das höchste Gebot abgegeben haben und bereit sein – man lese und staune -, inklusive Schulden bis zu 8,5 Milliarden (!) US-Dollar zu investieren. Nur nochmal zur Erinnerung: eBay hatte sich 2009 für 1,9 Milliarden Dollar von Skype getrennt, nachdem die Auktionsplattform 2005 für 2,6 Milliarden Dollar zugeschlagen hatte.

Nun stellt sich natürlich die Frage: Was will Microsoft mit Skype und dem teuersten Zukauf der Firmengeschichte? Denkbar wäre, dass die VoIP-Software genutzt werden soll, um das Smartphone-Betriebssystem Windows Phone 7 deutlich aufzuwerten. Damit bekämen auch die Partnerschaft mit Nokia und die für Anfang 2012 angekündigten Windows Phone 7-Handys der Finnen ein noch attraktiveres Gesicht. Bei einem Kauf dürfte Skype aber natürlich auch fester Bestandteil neuer klassischer Windows-Versionen  für den PC und Notebooks werden.

Weder Skype noch Microsoft wollten sich am Morgen näher zu den Gerüchten äußern. Deswegen sollten wir einfach mal abwarten, was heute im Laufe des Tages so passiert. Gerüchten zufolge könnte der Deal nämlich noch am Dienstag offiziell bekannt gegeben werden und dann wird sich bestimmt auch Microsoft-Chef Steve Ballmer zu Wort melden. Wir halten euch an dieser Stelle auf dem Laufenden.

Update 14:30 Uhr – Übernahme bestätigt

So, die offizielle Bestätigung ist da: Skype wird von Microsoft geschluckt – für 8,5 Milliarden US-Dollar. Laut einer Unternehmensmeldung von Microsoft wird der Betrag in bar gezahlt und der weltgrößte Softwarekonzern hofft, das Geschäft noch im Laufe dieses Jahres abschließen zu können. Der bisherige Skype-Chef Tony Bates wird an Bord bleiben und direkt an Steve Ballmer berichten. Auch in Zukunft soll es Mac- und Linux-Versionen von Skype geben. Darüber hinaus soll die VoIP-Software auch auf der Xbox zum Einsatz kommen. Microsoft-Boss Ballmer meint: „Wir werden die Zukunft der Echtzeitkommunikation neu gestalten, damit Menschen jederzeit mit ihrer Familie, Freunden und Kollegen überall auf der Welt in Kontakt bleiben können.“

(Hayo Lücke)

 


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Über den Autor

Hayo Lücke

Hayo Lücke hat von 2009 bis 2014 insgesamt fünf Jahre lang für BASIC thinking geschrieben und dabei über 300 Artikel beigesteuert.

13 Kommentare

  • Wollen wir nur hoffen das (falls Skype an Microsoft geht) es weiterhin für mehrere Plattformen (Linux, Max, iOS, usw..) veröffentlicht wird und Microsoft wie so oft den Markt nicht kaputt macht.

  • Was ist an Skype 8,5 Milliarden Euro wert?
    Die Leute nutzen das, weils kostenlos ist. Wenn man wirklich versucht, diese Summe zu refinanzieren, wird eben auf Alternativen ausgewichen.
    Ich bin gespannt, ob Micro$oft Skype irgendwann für den halben Preis weiterverkauft um die Verluste zu begrenzen oder der Dienst so schlecht gemacht wird, dass er in der Bedeutungslosigkeit verschwindet.

  • Skype 8,5 Milliarden Euro wert 😉 aber auch keine 8,5 Milliarden Dollar.

    Vermutlich kauft aber MS Skype für einen Dial mit Facebook , an dem MS ja schon jetzt eine Beteiligung hat und durch eine Nutzungs Überlassung von Skype mehr Einfluß bei Facebook gewinnen könnte?
    Um damit „das Smartphone-Betriebssystem Windows Phone 7 deutlich aufzuwerten“, sehe ich eher weniger da es die Telefon-Carrier kaum zulassen werden sich durch MS ihr Geschäftsmodell zerstören zu lassen.

    Dann bliebe noch die Anwendung auf der XBox oder dem TV mit MS Mediasoftware. Skype würde aber sicher nur auch dort zum „Erfolg“ für MS wenn es auf Facebook läuft.

    Ein Problem wird aber durch den Kauf von Microsoft nicht Ändern , Skype wird dann wohl „Prioritäre Software“ bleiben und damit nur im eigenen Netz und mit eigener Skype Software Nutzbar.
    Beim Kauf von Google hätte vielleicht die Chance bestanden das große Teile von Skype „Open Source“ geworden wären was die Verbreitung und Nutzung mit allen Plattformen, Netzen oder Programmen ermöglicht hätte.

  • MS bleibt nichts anderes übrig als mit Programmen Geld zu verdihnen.
    Das Office Paket und die OS Produkte verkaufen sich nicht mehr so gut. Und im Servermarkt sah es noch nie gut aus. Außerdem erinnere ich mich noch sehr gut an die erschreckenden Zahlen von WindowsMobile 7.

  • Wie bezahlt man denn 8,5 Mrd. US-Dollar in bar? Entweder hat sich die Bedeutung des Begriffs Barzahlung in den letzten Jahren geändert und ich hab nichts mitbekommen, oder die schicken die Scheine mit mehreren LKWs druchs Land.

  • 8,5 Mrd. $ sind kaum Vorstellbar , vermutlich hätte MS dafür zur Zeit auch Griechenland Einkaufen können , um einmal die Relationen zu Verdeutlichen.

    Was bekommt MS dafür … ein Stück Software mit etwa 200 Millionen aktiven Nutzern.
    Ein kostenloser VoIP Dienst der bisher unter keinem Besitzer regelmäßige Gewinne Erwirtschaften konnte, ob sich dies nun unter MS ändert ist sehr Fraglich.
    Ich will es zwar nicht direkt als Fehlkauf einschätzen doch der Kaufpreis ist absolut nicht gerechtfertigt und wird sich wohl kaum jemals amortisieren.
    Es zeigt eher wie Nervös Microsoft zur Zeit ist und wohl große Angst herrscht den Anschluss zu Verlieren.

  • Vielleicht wollen sie die Software auch selber nutzen, um ihre eigene Technik zu verbessern. („Darüber hinaus soll die VoIP-Software auch auf der Xbox zum Einsatz kommen.“)

  • […] Viele denken schon an eine neue Blase der New Economy. Skype erwirtschafte in 2010 einen Verlust von 6,9 Millionen Dollar und das kann man schon als Erfolg bezeichnen, denn 2009 waren es noch 369 Millionen US-Dollar Verlust.In Anbetracht der Tatsache, dass Skype in der Hauptsache kostenfrei ist, ist es auch keine große Überraschung, dass man so schlecht Geld verdienen kann. Die Clients und unterstützten Plattformen, aber auch der Betrieb kostet schließlich richtig Geld. Trotzdem ist es Microsoft die Summe von 8,5 Milliarden US-Dollar wert. Und die Kaufsumme wird bar bezahlt. […]

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