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Kätzchen für Wikipedia: Woher kommt eigentlich der Katzentrend im Web?

Ich mag ja Katzen, tue der Tierwelt bei meiner Schludrigkeit aber mit Sicherheit den größeren Gefallen, keine zu halten. Doch ich kenne inzwischen eine Handvoll Blogger persönlich, die stolze Katzenhalter sind. Die Zahl der Katzenfans liegt noch um ein Vielfaches höher, wenn ich meine Twitter-Timeline durchforste und alleine nach Lolspeakern Ausschau halte. Der Boom wird sich weiter fortsetzen: Denn Wikimedia, die Organisation hinter Wikipedia, will Autoren des Weblexikons künftig mit virtuellen Geschenken belohnen: Wer einen Text besonders gelungen findet, kann auf ein Herzchen-Symbol klicken und dem Autor eine Nachricht schicken. Dieser Nachricht kann man ein Bild zu Belohnung anfügen: Ein Bier, einen Stern – oder eben ein Kätzchen. Wikimedia testet diese Funktion derzeit.

Das ist ja süß, nett gemeint und alles, aber woher kommt eigentlich der Katzen-Hype im Netz? Und wo liegt die Verbindung zwischen beiden? Vielleicht hier? Das Forum Icanhazcheezburger verschlagwortet die orthographisch absichtlich falsche Lolspeak mit Kätzchenfotos seit 2007. Aus dem gleichen Jahr stammt auch das inzwischen legendäre Video von Charlie Schmidts „Keyboard Cat“ mit mehr als 16 Millionen Abrufen. Die Greatest Hits der musizierenden Katze sind längst auf iTunes zu finden. Und es gibt mehr.

Im vergangenen Herbst gab es einen Kleinkrieg zwischen dem 4chan-Board /b/ und Nutzern der Blogplattform Tumblr. Während 4chan-Nutzer Tumblr lahmlegten, schlugen die Tumblrer zurück, indem sie das /b/-Forum mit süßen Kätzchenfotos überschwemmten. Kult wurde außerdem ein Video der Katze Iggy, die als wohl erste Katze der Welt mit einem iPad und da vor allem mit dem virtuellen Klavier spielen durfte. Katzenmusik, neu definiert:

Auch Comickünstler The Oatmeal hat in zahlreichen Comics seine Liebe zu Katzen festgehalten. Die Blogger Peter Glaser und Gilly twittern regelmäßig über Katzen. Und gar nicht erst versuchen zu kopieren braucht man Simon Tofields wunderbare Cartoon-Serie „Simon’s Cat“, hier mit der meist bewunderten Folge „Cat man do“:

All das hat viel zum Katzenhype beigetragen. Aber wieso werden dann unbescholtene Bürger plötzlich zu Katzenhaltern? Weil viele Webprotagonisten sehr viel Zeit vor dem Rechner verbringen, nicht zu sozialen Bindungen mit anderen Menschen fähig sind und deswegen wenigstens eine Katze als Unterhaltung brauchen? Das wäre ein arg strapaziertes Vorurteil, das ich zumindest bei eingangs erwähnten Personen nicht bestätigen kann. Aber wenn nicht das, was ist es dann?

(Jürgen Vielmeier, Bild: Simon Tofield)


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Über den Autor

Jürgen Vielmeier

Jürgen Vielmeier ist Journalist und Blogger seit 2001. Er lebt in Bonn, liebt das Rheinland und hat von 2010 bis 2012 über 1.500 Artikel auf BASIC thinking geschrieben.

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