Google kauft Motorola Mobility: Es geht eher um Patente als um Hardware

Jürgen Vielmeier

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Bitte was? Bei manchen Meldungen glaubt man, sich verlesen zu haben. Mein Kollege Jörg vermutete bereits, dass Anonymous dahinter stecken könnte. Aber zumindest steht es derzeit so im offiziellen Google-Blog und bei Businesswire, und die Meldungen scheinen echt zu sein: Google übernimmt den US-Gerätehersteller Motorola Mobility für rund 12,5 Milliarden US-Dollar (40 Dollar pro Aktie). Das entspricht einem Aufschlag in Höhe von 63 Prozent im Vergleich zum Kurs der Aktie beim Börsenschluss am Freitag. Der Blogpost dazu ist von Googles CEO Larry Page selbst. Er begründet die Übernahme mit einem besseren Stand für den eigenen Patentkatalog gegenüber den Anfeindungen von Microsoft, Apple und anderen.

Damit die Aktionäre auch noch etwas davon haben, schreibt Page: „Zusammen werden wir ein grandioses Nutzererlebnis erschaffen, das das gesamte Android-Ökosystem zum Wohle der Kunden, Partner und Entwickler befeuern wird.“ Das musste er wohl sagen, auch wenn ich da so meine Zweifel habe. Weiter heißt es: Google werde Motorola als separates Geschäft betreiben, Motorola solle weiterhin Android-Lizenzpartner bleiben und Android werde für andere Anbieter und Entwickler selbstverständlich offen bleiben.

Besserer Stand gegen Patentanfeindungen, aber auch mehr als das?

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Der Suchmaschinenriese kauft damit erstmals einen Hardwarepartner für Endkunden und hat damit die Möglichkeit, Tablets und Smartphones aus eigener Hand anzubieten. Auch um Motorolas Videolösungen soll es dabei gehen, möglicherweise, um die Software für Google TV aufzupeppen. Bisherige Hardware, die offiziell unter der Marke Google verkauft wurde, wie das Nexus S oder das Google Chromebook, stammen von Samsung. Der Smartphone-Marktführer dürfte allerdings zu teuer für die Kalifornier gewesen sein, ebenso wie Nokia, in das Google Gerüchten zufolge zumindest in Verhandlungen über eine Android-Partnerschaft stand, bevor Microsoft im großen Stile mit den Finnen kooperierte. Bleibt die Frage: Ist der Kauf ein gutes Geschäft? Ich bin da skeptisch.

Zumindest in den USA besitzt Motorola noch mehr Marktanteile als Sony-Ericsson. In Europa spielt der Anbieter eine ähnlich kleine Rolle bei Smartphones wie HP oder das System Windows Phone 7. Motorolas aktuelles Schlachtschiff bei den Smartphones ist das Atrix, bei den Tablets das Xoom, das seinerzeit erste mit Android 3.0. Beides sind sehr solide Geräte ihrer Klasse, aber doch nur jeweils eins von 20 mehr oder weniger gleichstarken Modellen der Konkurrenz. Der Marktmacht von Samsung, LG, Apple und HTC hatte Motorola zuletzt wenig entgegen zu setzen. Google übernimmt also eine Rostlaube und wird viel investieren müssen, um daraus wieder einen konkurrenzfähigen Sportwagen zu machen.

Wenn das überhaupt das Ziel ist. Denn es ist durchaus glaubhaft, was Page sagt: Dass es beim Kauf dieses vergleichsweise unbedeutenden Anbieters in erster Linie darum geht, die eigenen Patente besser abzusichern. 14.600 Patente hält Motorola Mobility zur Zeit, weitere 6,700 Patente seien eingereicht, schreibt das Unternehmen auf seiner Website. Und es geht darum, den Frontverlauf klarer zu ziehen. Page benennt Apple und Microsoft ganz klar als Konkurrenten, die Angriffe auf Google lancieren würden, schreibt Page. Erst am Wochenende war Google Motorola im Patentstreit mit Microsoft beigestanden. Motorola wurde Anfang des Jahres in die beiden Geschäftseinheiten Mobility und Solutions aufgespalten. Motorola Solutions bleibt von der Übernahme unberührt.

(Jürgen Vielmeier, Bild: Motorola)

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Jürgen Vielmeier ist Journalist und Blogger seit 2001. Er lebt in Bonn, liebt das Rheinland und hat von 2010 bis 2012 über 1.500 Artikel auf BASIC thinking geschrieben.