Sklaven halten, Suizide verhindern: Apple-kritisches Spiel angeblich verbannt

Jürgen Vielmeier

Bissige Satire: Michael Pineschi hat nach eigenen Angaben ein iPhone-Spiel herausgegeben, das sich kritisch mit der Produktion von iPhones und anderen Smartphones auseinander setzt. „Phone Story“ soll sieben Stunden lang im App Store verfügbar gewesen sein, ehe Apple den Stecker zog und das Spiel wieder verbannte. Die Screenshots sind eindeutig: Aufgabe des Spiels ist es etwa, als Aufseher einer Koltanmine im Kongo die Arbeiter zu bewachen, als unkritischer Kunde iPhones vor dem Apple Store zu fangen oder giftigen Elektroschrott ohne Atemschutz zu entsorgen. Spätestens in dem Level, in dem es darum geht, Arbeiter mit einer Bahre aufzufangen, die sich vom Fabrikdach in den Tod stürzen wollen, geht es ins Makabre und ziemlich direkt gegen Apple.

Die App verstößt damit gleich gegen einen ganze Reihe der Richtlinien, um in Apples App Store aufgenommen zu werden: Gewalt, Kindesmissbrauch, „roher Inhalt“ und im Falle der „Phone Story“ auch ein Verstoß gegen die Spenden-Richtlinien, die Apple vorsieht. Apps, die einem guten Zweck dienen, müssten demnach kostenlos sein und dürfen Spenden nur per SMS oder über eine Website im Safari-Browser erhalten. Pineschi wollte für die App 99 US-Cent verlangen und die Einnahmen daraus Gewerkschaften und Organisationen spenden, die sich für Arbeitsschutz und gegen inhumane Beschaffung von Rohstoffen einsetzen.

Ich bin mir ehrlich gesagt noch nicht ganz sicher, ob es das Spiel je gegeben hat und ob Pineschis Geschichte stimmt, dass die App tatsächlich für eine kurze Zeit im App Store gewesen sei. Zwar findet man nach einiger Suche jemanden, der behauptet, das Spiel getestet zu haben. Ich werde aber das Gefühl nicht los, dass das nur eine PR-Finte ist, um auf die Aktion hinzuweisen. Auf der anderen Seite steht der Spiele-Entwickler Molleindustria dahinter, der bereits zahlreiche kritische Games veröffentlicht hat, die spielbar sind. Etwa das Wikileaks-Spiel LeakyWorld oder Oligarchy, bei dem es darum geht, die Umwelt mit Ölbohrungen zu zerstören und Politiker zu korrumpieren.

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[Update:] Das Spiel scheint echt zu sein. Hier hat es jemand getestet und auf Video aufgenommen [/Update]

Selbst wenn „Phone Story“ kein echtes Spiel sein sollte und es nur die Screenshots wirklich gibt: Ich finde die Aktion legitim. Wir alle leben ein Doppelleben, in dem wir einerseits immer den neuesten Gadgets hinterher hechten und andererseits natürlich wollen, dass sie auf sauberem Wege hergestellt sind. Das heißt: Wollen wir das eigentlich dringend, oder ist es uns nicht manchmal auch einfach egal? Oder wer von euch hat beim Kauf seines letzten Smartphones einen Gedanken daran verschwendet, dass dafür vielleicht Menschen gestorben sind oder wie Arbeitssklaven gehalten wurden?

In einer perfekten Welt würden für Smartphones und andere Gadgets nur ungiftige, fair gehandelte Rohstoffe verwendet. Kinderarbeit und Produktionshallen ohne Arbeitsschutz und Lohnsklaven gäbe es nicht, und am Ende des Lebenszyklus‘ eines Geräts stünde fachmännisches Recyceln, bei dem die Rohstoffe ohne Materialverlust für neue Geräte verwendet würden. Kosten tut das Smartphone dann natürlich trotzdem nur 200 Euro.

Das ist Zukunftsmusik. Der Technik deswegen den Rücken zu kehren und ein asketisches Leben zu führen, kann meiner Ansicht nach auch nicht die Lösung sein. Aber wir alle sollten hin und wieder bei den Herstellern darauf pochen, dass sich Dinge verbessern. Und damit wir uns daran erinnern, bedarf es solcher Aktionen wie der Phone Story. Pineschi überlegt nun übrigens, das Spiel für Android und jailbrokene iPhones herauszugeben. Guter Mann!

(Jürgen Vielmeier, Bilder: Molleindustria)

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Jürgen Vielmeier ist Journalist und Blogger seit 2001. Er lebt in Bonn, liebt das Rheinland und hat von 2010 bis 2012 über 1.500 Artikel auf BASIC thinking geschrieben.