Sonstiges

Facebook überlasten: Die Sache mit dem geistigen Eigentum

Inzwischen hat jeder eine Meinung zu Facebooks Datenschutzproblematik. Aber diesmal gibt es eine Gruppe um den Wiener Jura-Studenten Max Schrems, die es dem Freundenetz nicht so einfach machen. Schrams grĂŒndete die Initiative „Europe v Facebook“ und forderte von Facebook die Herausgabe seiner persönlichen Daten. Dazu ist das Netzwerk, das seinen europĂ€ischen Sitz in Irland hat, gesetzlich verpflichtet.

Schrems erhielt eine CD-ROM mit einem 1.200 Seiten starken PDF und jeder Menge Daten, aber das Profil war damit noch nicht vollstĂ€ndig. Er forderte weitere Daten von Facebook und erhielt eine genervte Antwort, die auch die unglĂŒckliche Formulierung „geistiges Eigentum“ enthielt. Anders als Richard Gutjahr es in der Überschrift zu seinem Beitrag formuliert, den wir gestern auf Twitter ebenfalls verlinkt haben, sehe ich darin aber nicht den Hinweis, dass Facebook persönliche Daten eines Nutzers als geistiges Eigentum betrachtet.

Facebook beruft sich darauf, dass man Schrems keine weiteren Daten geben könne, weil man sonst eventuell geistiges Eigentum offenbaren mĂŒsse. Hier wĂ€re aber in der Tat interessant zu erfahren, was das denn nun genau bedeutet. Wieso muss man geistiges Eigentum offenbaren, wenn man Nutzerdaten herausgibt? Es riecht nach einer faulen Ausrede. Facebook reagierte jedenfalls auf Gutjahrs Beitrag mit einer Stellungnahme, in der es heißt, dass man gerade aufgrund der irischen Datenschutzbestimmungen nicht alle Daten herausgeben könne. Man arbeite aber genau wie Schrems mit dem irischen Datenschutzbeauftragten zusammen und warte auf dessen baldige Stellungnahme.

Hat der Exodus lÀngst begonnen?

Weitere Anfragen aus Schrems Initiative zur Herausgabe der persönlichen Daten – unter anderem von RTL – könne man nicht in der gesetzlichen Frist von 40 Tagen beantworten, beklagt sich inzwischen Facebook. Damit sei man ĂŒberfordert. Unterdessen haben nicht wenige Netzbewohner angekĂŒndigt, sich von Facebook verabschieden zu wollen. Oder zumindest raten sie dazu.

Egal ob Gutjahr mit seiner Überschrift den Nagel auf den Kopf getroffen hat oder nicht, interessant finde ich seine folgende These: „Die einzige Sprache, die Facebook versteht, ist Arbeit.“ Die massenhafte Anfrage nach der Herausgabe von Nutzerdaten hat das Netzwerk zumindest dazu veranlasst, auf die VorwĂŒrfe zu reagieren, was man frĂŒher nicht getan hat. Da scheint auch noch weit mehr möglich zu sein. Wenn man Facebook zu einem seriöseren Umgang mit Nutzerdaten bewegen will, dann ist jetzt ganz offensichtlich die beste Zeit dazu. Facebook ist greifbar geworden. Wer will, der kann natĂŒrlich auch einfach gehen. Vielleicht ist das immer noch die deutlichste Sprache.

(JĂŒrgen Vielmeier, Logo: Europe vs Facebook)

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Über den Autor

JĂŒrgen Vielmeier

JĂŒrgen Vielmeier ist Journalist und Blogger seit 2001. Er lebt in Bonn, liebt das Rheinland und hat von 2010 bis 2012 ĂŒber 1.500 Artikel auf BASIC thinking geschrieben.

22 Kommentare

  • super aktion. ein grund mehr warum ich ohne FB durchs leben gehe.
    die meisten leute sind selbstdarsteller auf der plattform – zeitverschwendung
    aber jedem das seine.

  • @klaus haus:
    Ich mag FB nciht, aber das du der Meinung bist das alle bei FB Selbstdarsteller sind, heißt fĂŒr mich das du den sinn hinter FB nicht verstanden hast;). Das ist doch der Unterschied zu jedem anderen Netzwerk. 😉

  • Ich sehe die Datenspeicherung auch kritisch, aber kannte bisher noch nicht die Kampagne. Inzwischen ist es ja schon ĂŒblich ein vielfaches an Daten zu sammeln, als man fĂŒr die eigentliche Seite benötigt.

  • @Anonymous: Kannste selbst gucken. 😉 Das PDF ist oben verlinkt, leider aber auch zu grĂ¶ĂŸten Teilen geschwĂ€rzt.

  • Nur – wenn man geht, gibt man dann nicht vollends den Zugriff auf die vorhandenen Daten auf? Oder glaubst Du daran, dass Facebook die wirklich löscht, wenn ich meinen Account lösche, JĂŒrgen?

  • Daten hin oder her, meiner meinung nach tut sich FB da kein gefallen wenn sie die User als dumm verkaufen wollen. Die neuerungen die bei FB einzug erhalten (werden) ist eigentlich mit dem gedanken des freien und tranzparenten Internet nicht zu vereinbaren, auf der anderen Seite wissen viele Leute die bei Facebook sind eigentlich nicht wass Sie alles von sich preis geben.

  • 1200 Seiten sind wirklich eine Menge Daten.. 😀
    Interessant ist auch, dass heise.de es jetzt eingefĂŒhrt hat, dass man fĂŒr eine FB Empfehlung 2x klicken muss (der Button ist zunĂ€chst ausgegraut). Andernfalls werden Daten an FB geschickt, auch wenn man gar nicht klickt..

  • Danke fĂŒr den Beitrag…
    Schön zu sehen, dass es Facebook mit seinem ignoranten Umgang mit Nutzerdaten immer mehr Schwierigkeiten bekommt, auch wenn das rechtliche Pochen auf PrivatsphÀre und dem sorgfÀltigen Umgang mit Daten, nur ein deutschsprachiges PhÀnomen zu sein scheint.
    Die These : „Die einzige Sprache, die Facebook versteht, ist Arbeit.“,
    klingt in meinen Ohren zwar nett, aber diese Arbeit wird im Normalfall bei bleibend hoher Anfragendichte automatisiert und dann vermutlich als PDF zum Download angeboten werden.
    Weil der Mitgliederaustritt wegen dem Fehlen ausreichender Datenschutzbestimmung wohl ausbleiben wird (falls das ein Wechselgrund inzwischen geworden wĂ€re, mĂŒsstenden VZ-Netzwerken ja die TĂŒren eingerannt werden), glaub ich auch nicht an diese Möglichkeit FB zu mehr DatensensibilitĂ€t anzuhalten.
    Was ich immer noch am sinnvollsten finde, ist frĂŒhe AufklĂ€rung ĂŒber den Umgang mit den eigenen Daten, der Nutzen und Gefahren gleichermaßen in Betracht zieht. Weil das viele Eltern vermutlich selbst nicht durchschauen oder besser machen, wĂ€re soetwas womöglich in den Schulen gut aufgehoben. Das Interesse dafĂŒr bei den SchĂŒlern kann man mal als garantiert betrachten.

  • „Wer will, der kann natĂŒrlich auch einfach gehen. Vielleicht ist das immer noch die deutlichste Sprache.“

    Das einzige was Facebook daraus lernt ist nichts. Es sei denn es machen genug… Und dazu brĂ€uchte es wohl viele viele viele Millionen die gehen. Nur werden es so viele machen?

  • @Patrick: Wichtiger Punkt, ja. Die Daten bleiben gespeichert. Dagegen machen kannst du momentan im Grunde – nichts.

  • Hallo an Alle,

    wenn man Facebook heute verlassen wĂŒrde verliert man auch den Zugriff auf die bisherige abgegenen Daten aber es wĂŒrde auch bedeuten das FB keine neuen Daten mehr von dem jenigen bekommen wird.

  • Auch auf dieser Seite ist der Like-Button der eure Daten weitergibt. Ein paar Leute haben ihn sogar aktiv benutzt. Wie blamabel.

  • Ein interessantes Thema. Facebook wird auch aus beruflicher Sicht immer wichtiger. Allerdings sollte man sich gut ĂŒberlegen, was man dort postet.

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