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EA erlebt den Amazon-GAU: Downloadplattform für "Battlefield 3" sammelt Nutzerdaten

Das Spiel macht ganz schön was her – und doch stapeln sich auf Amazon und anderen Online-Shops derzeit die 1-Stern-Bewerungen: Viele Rezensenten loben „Battlefield 3“ als einen der besten Multiplayer-Shooter der Gegenwart – und geben für die PC-Version trotzdem die schlechteste Wertung. Denn Herausgeber Electronic Arts (EA) sammelt Daten der Spieler mit dem fragwürdigen Client des eigenen Downloadportals Origin.

113 Rezensenten geben derzeit auf Amazon 5 Sterne für das Spiel, über 2.000 haben 1 Stern geklickt. Der Client schickt brisante Daten an EA weiter. Konkret sind das Nutzungsdaten und IP-Adressen, sowie etwa die Software- und Hardware-Ausstattung des Rechners. Ferner solle der Hersteller überprüfen können, ob bei anderen auf dem Rechner installierten EA-Spielen Urheberrechtsverstöße vorliegen. EA und seine nicht benannten Partner dürften diese Daten speichern und zu Marketing-Zwecken nutzen. Wer das nicht wolle, solle das Spiel nicht installieren, teilt EA vor dem Installationsprozess lapidar mit. Zu viel des Guten für einen großen Teil der Spieler.

Jurist Thomas Schwenke, der für das Spieleportal „GameStar“ die Nutzungsbedingungen und den Endkunden-Lizenzvertrag geprüft hat, sieht darin sogar „umfangreiche Verstöße gegen Verbraucher- und Datenschutzrechte“. Der Kopierschutz, den EA damit einführe, käme einer Spyware gleich. Der von „Spiegel Online“ befragte Richter im Fachgebiet Medienrecht, Thomas Hoeren, nannte die Nutzungsbedingungen „null und nichtig“. Offenbar sei einfach der Original-Lizenzvertrag aus den USA übersetzt worden, der hierzulande gar keine Gültigkeit hat. Datenschützer haben bereits angekündigt, sich mit dem Fall zu befassen.

Glaubwürdigkeit steht auf dem Spiel

EA hat sich noch nicht offen zu den Vorwürfen geäußert, den Lizenzvertrag aber ein klein wenig entschärft. Einen noch weiter gehenden Paragraphen, der es EA erlaubt, die Kommunikation der Spieler untereinander zu überwachen, hat der Anbieter inzwischen wieder entfernt. Dafür wurde ein neuer Paragraph eingeführt, in dem man sich für das Vertrauen bedankt. Darin heißt es: „Wir geben keine Informationen, die Sie persönlich identifizieren, ohne Ihre Zustimmung weiter, außer in den seltenen Fällen, in denen eine Preisgabe gesetzlich oder zur Durchsetzung der Rechte von EA notwendig ist.“ Rhetorisch etwas ungeschickt heißt es in dem neuen Absatz aber auch: „Informationen über unsere Kunden stellen einen wichtigen Teil unseres Geschäfts dar.“ Obwohl man das Spiel zu Preisen für 50 Euro und mehr anbietet? Man werde personenbezogene Daten niemals weiterverkaufen, heißt es von EA. Klingt nicht gerade glaubhaft, wenn es doch gleichzeitig heißt, man wolle die Daten kommerziell nutzen.

„Battlefield 3“ ist wohl erst der Anfang. Auch das Spiel „Fifa 12“ wird an Origin und dessen Nutzungsbedingungen geknüpft – und in Zukunft soll das für jeden neuen EA-Titel gelten. Spielefans wollen sich das nicht gefallen lassen und haben bereits die Protestseite The Origin ins Leben gerufen. Ich fürchte um des Herstellers Willen, das dürfte in einem Fiasko enden, wenn man da nicht ganz, ganz schnell einlenkt. Die Angst vor Raubkopien hat in diesem Falle etwas derart panisches, dass der Anbieter dazu bereit ist, geltendes Recht zu brechen. Das geht zu weit.

(Jürgen Vielmeier, Bild: EA)


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Über den Autor

Jürgen Vielmeier

Jürgen Vielmeier ist Journalist und Blogger seit 2001. Er lebt in Bonn, liebt das Rheinland und hat von 2010 bis 2012 über 1.500 Artikel auf BASIC thinking geschrieben.

51 Kommentare

  • Sollte man als Unternehmen Angst vor seinen Nicht-Kunden (also Raubkopierern) haben?
    Oder den Fokus darauf legen seine Doch-Kunden (zahlend wohlgemerkt) gut zu versorgen und in Zukunft immer besser zu versorgen…

    Die Antwort darauf gibt wohl dieses Fallbeispiel wie es kaum deutlicher sein kann.

  • Sogar der Spiegel berichtete darüber.

    Was mich viel mehr beunruhigt ist, dass es Spieler gibt, die das Spiel dennoch kaufen, obwohl sie von Origin wissen. Begründung: Das Spiel ist aber doch so toll.
    Wenn das die künftigen Konsumenten sind – Prost, Mahlzeit!

    Für meinen Teil hatte ich mich sehr auf das Game gefreut, aber ich bin doch nicht irre und kaufe es unter diesen Umständen. Da hilft auch die kleine Entschärfung nicht, die EA angekündigt hat.

  • Das lustige daran ist ja, dass gecrackte Versionen vermutlich von der Origin-Spyware befreit sind und der Nutzen für EA damit bei Null liegt. Vielleicht treibt das einige Doch-Kunden dazu, sich lieber nach einer illegalen Version umzusehen, um sich keine Spyware auf den Rechner zu holen.
    Der Schuss könnte auf jeden Fall deutlich nach hinten losgehen.

  • Kann das Spiel noch so gut sein, unter solchen Umständen kommt es mir nicht in die heimischen vier Wände- no way.

  • das spiel ist klasse keine frage. aber mich kotz dieser ganze nutzerdaten kram langsam an. facebook, iphone… usw jetzt auch noch spiele???

  • Ich denke man sollte sich langsam damit abfinden, dass Daten an allen möglichen Stellen gesammelt werden. Ändern wird man es eh nicht mehr können…

  • Die Daten dieser „Killerspiel-Spieler“ müssen dringend gesammelt und sind den Behörden und Verfassungsschützer zur Verfügung zu stellen, wegen der Gefahr von Amokläufen und Terroristen.
    So oder so ähnlich wird wohl die Begründung dafür lauten und ich kann mir schon vorstellen das die Behörden in Bayern oder das BKA gleich mal eine IP Sammel Daten-Kartei mit den extensiven Spielern von „Killerspielen“ Anlegt, dank der Daten von „EA“.
    Auch Dank dieser IP Daten ist es nun möglich neben „Raubkopierern“ auch die Eltern von minderjährigen „Killerspiel-Spielern“ zur Verantwortung zu ziehen.
    Ich empfehle hier gleich einmal Bußgelder, Schulverweise und Internetsperren für solch Treiben … 😉
    Alles nur „Phantasie“ ? ……… wie der „Schultrojaner “
    http://netzpolitik.org/2011/der-schultrojaner-eine-neue-innovation-der-verlage/

    In GB hegt man schon ganz andere Maßnahmen…

  • @10 passsy schrieb

    ..Und die gecrackte version läuft ohne origin…

    Die Battlefield-Reihe sind Online – Multiplayer Spiele (mit einer kleinen Solo – Kampange) , da bringen bekanntlich „Gecrackte Version“ nicht viel Spielpass….

  • Wer viel Geld hat kann doch eine richterliche Verfügung für Deutschland erwirken, die ein Verkaufsverbot beinhaltet. Dann ist zumindest sichergestellt, dass die letzten die auf alles Pfeifen auch was davon haben und mal nachdenken. Die „Stasi“ war schon schlimm…

  • EA bechränkt in seinen EULA das durchsuchen der Software allerdings nicht auf EA Titel. Dort steht daß die komplette Hardware und Softwarkonfiguration durchsucht und genutzt werden kann. Wahrscheinlich will man anhand der installierten Software Nutzerprofile erstellen um zielgerichtet werben zu können. (In-Game Werbung). Welche Schlüsse alleine aus der installierten Software möglich sind demonstriert das Video hier ziemlich deutlich:

    Auch vor sensiblen Daten wie Ordnern mit medizinischen Dateien oder Chats macht EA nicht halt.

  • zu …Schulverweise und Internetsperren

    Völliger Blödsinn.
    und
    wie willst sowas den überwachen?
    von den Kosten da schon mal abgesehen, was dies an Verwaltung etc. kostet.
    wieder mal mit Kanonen auf Spatzen schießen

  • Bürger wehrt Euch…

    Die Sofa-Revolution alleine genügt nicht. Einfach mal bei Facebook auf „Like“ klicken befriedigt zwar das Selbstbewusstsein, aber reichen wird das nicht. Daher nun mal Butter bei die Fische, denn so kann das nicht weiter gehen. • Der Schultroja…

  • @15 Elbe
    zu …Schulverweise und Internetsperren
    Völliger Blödsinn.

    Klar ist es etwas „Überspitzt“ dargestellt , aber doch zukünftig nicht mehr ein Ding der „Unmöglicheiten“.
    Wer schon länger ständig mehr Überwachung, strengeren Jugendschutz und “Killerspiel“ Verbote Fordert … wird diese Daten dann nicht Nutzen wollen?
    Ganz sicher aber nach dem nächsten Amoklauf…..
    Wo ist das Problem, Origin ist sicher gern bereit die Daten der deutschen Spieler genauso an die Behörden oder Schulen zu Verkaufen wie an die Werbeindustrie ….

    Wir sollten langsam Aufwachen …. und uns nicht alles gefallen lassen.

  • Ich hab auch schon davon gehört und finde es frech, gerade jetzt wo EA sich ja so der Community annähert und vieles besser wie Activision macht!

  • Echt nicht zu glauben, aber Ihr seid die Gleichen, die sich über die Datenschützer aufregen, die gegen die Sammelwut von Fac ebook & Co. vorgehen? „Die Männer sind viel zu alt für diese Welt “ und was da nicht alles geschrieben wurde. Dann hört hier bitte auch auf zu mosern.
    Das Grundprinzip ist das Gleiche: Verstoß gegen aktuelle Gesetze.

  • Wenn ich mir diese „Kiddieprotestseite“ über Battlefield und Origin anschaue kann ich nur mit dem Kopf schütteln. Auch hier in den Kommentaren hat man es wohl nicht so mit Groß-/Kleinschreibung und Grammatik…

    Da hat er Amazon nach einer Stellungnahme gefragt und mehr Rechtschreibfehler reingeknallt als überhaupt zählbar…

  • man nutzt facebook, man zahlt mit karte, man schreibt sms, man sammelt payback punkte, man sagt was flasches am telefon und die tonbänder laufen an und von kameras an öffentlichen orten fang ich nicht mal an… findet euch damit ab. daten sind das öl unserer zeit und es gibt nichts was man dagegen tun kann.

  • „….und es gibt nichts was man dagegen tun kann.“

    Wer nichts unternehmen WILL, der kann auch nichts ändern!

    Immer dieses *Achja, ist halt so …* gerede.

    Und dann gibt es natürlich noch so Leute wie A., die nur auf der suche nach der Groß-/Kleinschreibung, Grammatik und Rechtschreibfehlern sind.

    Herrje, aber Lesen kannst du es trotzdem, oder?

  • LOL – und ich hatte es mir vorbestellt (PC-Version) und immer noch nicht erhalten … Der aktuelle DHL Status lautet: „The shipment has been processed in the parcel center of origin“ – WTF?

  • > der ganze Zirkus um die Daten wird EA wohl einen ordentlichen Werbeeffekt bescheren

    Potenzielle BF3 käufer werden wohl jetzt eher zu MW3 greifen, welches am 8.Nov erscheint…also ist das ganze wohl eher ein positiver Werbeeffekt für Activision-Blizzard 😉
    Guck dir halt mal diverse Verkaufscharts an, Battlefield3 ist im freien Fall…Dicke Rote Pfeile nach unten, überall 😉

  • @A.
    Seit wann hat denn Groß- und Kleinschreibung etwas damit zu tun, wie seriös, intelligent oder was auch immer eine Person ist (oder die Sache, über die geredet wird)? Viel bezeichnender ist doch, wie viel (intelligente) Gedanken in eine Aktion fließen. Und danach gemessen steht die Protestaktion auf soliden Füßen. TheOrigin jedoch als “Kiddieprotestseite” abzutun zeugt hingegen von Ahnungslosigkeit, auch wenn noch so schön groß- und kleingeschrieben wird.

    PS: Im ersten Satz fehlt das Komma, schäm dich. Da kann man ja nur noch mit dem Kopf schütteln.

  • ich pfeife auf EA… Die können ihre Origins und nützer daten in den A**** geben

    Ich kaufe mir ein call of duty MW3 in einen „old shool“ shop ohne meine daten herzuschenken

  • Knopperz, ich war am Donnerstag im Saturn, und habe mir das Spiel gekauft (xbox):
    Da spare ich mir das Geld für die Versandkosten und kann (bzw. konnte) gleich am Donnerstag loszocken.

  • Also irgendwie kann ich EA ja verstehen, auch wenn ich sie nicht in Schutz nehmen will.

    Mich würde in dieser ganzen Situation nur mal interessieren, was sich Valve denn so alles erschnüffelt…

    – Hardware finde ich sogar sehr gut, auch wenn es einiges gegen den Strich geht.
    – Software fände ich sehr gut wenn es zB um Treiber gehen würde…
    – Und was meint die Kommunikation zwischen Freunden überwachen? Ja meldet sich etwa jemand bei Facebook oder Google, wenn man da chattet oder Steam?

  • Kein „Raubkopierer“ wird Orgin einfach so installieren und seine gecrackten Spiele von Orgin einscannen lassen. Die illegale Version von Battlefield 3 hat gar kein Orgin, daher ist der Legal-Check etwas überflüssig. EA sollte sich um seine Kunden kümmern und nicht um die Raubkopierer.

    Meiner Meinung nach sollte man EA dafür verklagen. Ich würde sofort unterschreiben.

  • Soviel sind unsere Gesetze noch wert. Es kann doch nicht sein, dass eine Firma ohne Prüfung auf unsere Computer zugreifen kann. Solche Anbieter gehören verboten.

  • Ich glaube das die ganz genau wissen dass es trozdem Leute gibt dennen es egal ist was die machen oder was in den AGBs steht. Ganz ehrlich? das Spiel ist zu verlockend.

    Aber über den Bundestrojaner regt sich die Regirung auf, die sollten wtwas dagenen unternehmen.

  • in zeiten in denen 12 jährige mädchen bereits bilder bei facebook hochladen in denen sie sich halbnackt zur schau stellen, muss man sich ernsthaft fragen, ob diese panik wirklich gerechtfertigt ist. wessen schamgrenze schon im untergeschoss angekommen ist, der wird sich doch sicherlich nicht über ein paar anonymisierte datenerhebungen von ea aufregen.

    davon abgesehen ist es natürlich nichtsdestoweniger eine sauerei von ea. und gleichzeitig muss man dazu sagen, dass ea keineswegs eine ausnahme ist. wer darüber so schockiert ist, sollte mal die lizenzvereinbarungen all seiner anderen softwareprodukte lesen.

  • Da gebe ich dir recht, Negativity. Langzeit- und Flashcookies, Google Analystics, Facebook, iOS… ich weiß nicht, warum die Leute sich so künstlich empören. Das lustige ist ja, dass die Menschen immer erst empört werden müssen.

    Ich habe mir das Spiel für zwanzig Euro bei Ebay gekauft und es macht einen heiden Spaß! Ich habe übrigens Process-Monitor laufen lassen, um zu überprüfen, wo Origins drauf zugreift. Ein interessantes Ergebnis war, dass Origins tatsächlich nur auf EA relevante Daten zugriff!

    Wenn es um menschenunwürdige Arbeitsbedingungen — und das nicht nur in der dritten Welt — geht, dann fragt niemand nach. Wenn es um scheindemokratische Verhältnisse geht und Freiheit nunmehr Ungebundenheit bedeutet, dann sagt niemand etwas. Aber wehe die Medien werfen den Heuchlerbanden mal wieder Fleisch vor… das wird zerrissen und zerfetzt… abartig.

  • Hallo,

    es ist langsam wirklich bedenklich das sich mehr und mehr platformen und netzwerke dieser datensammel-leidenschaft hingeben. ich denke ich werde das spiel direkt wieder online verkaufen.

    lg

  • Wer das freiwillige Hochladen von intimen Informationen zB. auf Facebook mit der Origin-Spyware vergleicht, hat das Thema grundlegend falsch verstanden.

  • „Wer das freiwillige Hochladen von intimen Informationen zB. auf Facebook mit der Origin-Spyware vergleicht, hat das Thema grundlegend falsch verstanden.“

    Wer nicht versteht, dass viele Informationen auf Facebook nicht freiwillig hochgeladen werden, der Nutzer sogar meist gar nicht weiß, dass Facebook ihn beobachtet, hat noch weniger verstanden.

  • Könnte man hier eventuell ein update zu den neuesten Entwicklungen bezüglich Origin posten @Jürgen? Hier hat sich ja gerade bei den neuesten Erkenntnissen bei den nun wirklich gesammelten/übermittelten Daten und der EULA einiges getan.

  • Mir ist an Änderungen bzgl. Battlefield 3 und Origin auch nicht sehr viel aufgefallen, auch wenn jetzt einige Zeit vergangen ist. Klar, einige Passagen der EULA wurden angepasst, aber der Großteil ist weiterhin vorhanden

  • Dass EA Daten von den Nutzern sammelt war ja eig. schon immer klar. Sicher ist es auch sehr interessant für EA zu schauen, wer wirklich gecrackte EA-Games auf dem PC hat. Ich für meinen Teil bleibe lieber Blizzard treu und suchte Diablo 3 weiter. 😛

  • Ich habe mich ja auch lange gegen diesen Onlinewahn von EA und Origin gewährt, allerdings habe ich dann irgendwann mal bei einem Kumpel das Spiel gehsehen und komme nicht mehr von los… trotz der kompletten Kontrolle…

    Allerdings weiss nicht genau ob ich mir das neue Addon zu BF3 zulegen soll…

    Habe es als Download Key gesehen in einem Preisvergleich:

    http://www.planetkey.de/battlefield-3-close-quarters-key-kaufen-und-download.html

    ist das da dann legal? Oder werde ich dann banned? Da hab ich nämlich keinen Bock drauf um ein paar Euro zu sparen! ;/

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