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Hotspot-Wüste Deutschland: ein Vorschlag


Wenn einer der gleichen Meinung ist, wie wir selbst, halten wir ihn für intelligent. Ich verleihe diese Eigenschaft damit Dells Marketing Director Petra Wolf. Die hat unlängst gefordert, Deutschland dürfe nicht Nachzügler bei öffentlichen WLANs sein, sondern könnte mühelos Vorreiter werden. „Mobile Systeme boomen, aber beim Ausbau einer kostenfreien WLAN-Infrastruktur hinkt Deutschland deutlich hinterher“, sagte Wolf. In anderen Ländern sei ein öffentliches, leicht zugängliches WLAN längst gang und gäbe und technisch wäre das gar kein großes Problem, es auch hierzulande einzuführen.

Ihre Lösung dafür: „Auch öffentliche Einrichtungen müssen nachlegen, damit etwa Reisende in Bahnhöfen, Zügen oder Flughäfen einfachen WLAN-Zugang erhalten.“ Damit meint sie zusätzliche, vergleichsweise geringe Investitionen von Unternehmen und der öffentlichen Hand. Dabei ginge es eigentlich noch viel, viel einfacher.

DSL-Anbieter belohnen Kunden

Und zwar, indem Privatleute ihr WLAN einfach unverschlüsselt lassen. „Bist du noch zu retten?“, werdet ihr jetzt fragen. Dann kann doch jeder Kriminelle über meinen Anschluss Kinderpornos verbreiten oder Bankkonten knacken und ich muss dafür haften. Nicht, wenn man das Gesetz ändert und derjenige haften müsste, der sich eingewählt hat, was eben nicht zwingend der Anschlussinhaber ist. Ihr werdet mir hundert Gründe nennen können, warum das nicht so einfach ist und warum man Gesetze nicht so einfach ändern kann. Das ist sicher richtig. Ich wollte auch nichts mehr, als die Idee einmal zur Diskussion stellen. Vielleicht findet sich ja ein Weg. Ähnlich versuchen das ja bereits die fon- und die Freifunk-Initiative.

Wie es noch ginge? Ein Breitbandanbieter, ich sag einfach mal: die Telekom, könnte ihr Hotspot-Netz mit Privatkundenanschlüssen erweitern. Wer sein WLAN für andere öffnet, zahlt im Monat weniger Grundgebühren. Wenn das mal kein Anreiz wäre. Die Telekom sorgt für eine Verschlüsselung und der Rabatt würde gewährt, wenn ein anderer Telekom-Kunde nachweislich auf meinen Anschluss zugegriffen hätte. Es wäre also eine Art Gutschrift. Erweitern ließe sich das noch über ein Bonusprogramm: Greift ein Telekom-Kunde auf meinen Anschluss zu, zahle ich 5 Euro weniger, bei zwei Kunden 10 Euro und so weiter. Das WLAN-Netz in deutschen Städten ist erstaunlich dicht. Das Potenzial ist zumindest da. Wo es doch immer heißt: Sehe erst die Möglichkeiten, dann die Probleme. Discuss!

(Jürgen Vielmeier, Bild: Telekom)


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Über den Autor

Jürgen Vielmeier

Jürgen Vielmeier ist Journalist und Blogger seit 2001. Er lebt in Bonn, liebt das Rheinland und hat von 2010 bis 2012 über 1.500 Artikel auf BASIC thinking geschrieben.

28 Kommentare

  • Ich bin ja absolut deiner Meinung – und in vielen Ländern ist es ja auch genauso geregelt. Aber bei uns ist ja gerade letztes (?) Jahr dieses Gesetz durchgewunken worden wonach man gefälligst sein WLAN zu verschlüsseln hat.
    Da hat niemand daran gedacht, dass ich z.B. ganz gerne meine Kapazitäten der Allgemeinheit zur Verfügung stellen würde. Insofern wird das leider ein Traum bleiben. Auch glaube ich nicht, dass irgendeine Firma das Risiko auf sich nehmen wird. Dafür wird in Deutschland zu gerne geklagt und reguliert.

  • Hier in portugal koppelt der groesste anbieter zon.pt seine modems mit fon. Dadurch entsteht ganz natuerlich ein paralelles free fon netz das sehr sehr nuetzlich ist.
    Auch immer mehr restaurants, kaffees und hotels bieten freies wi-fi.
    Natuerlich weiss ich nicht und auch wohl niemand interessiert es wer was haften wuerde, in gegensatz zu deutschland stellt man solche fragen erst garnicht wirklich.

  • Gutschriften für WLAN-Öffnung? Da schießt sich der Breitbandanbieter doch ins eigene Knie. Weniger Einnahmen durch Rabatte und bei Flächendeckung weniger Verkaufschancen für mobiles Internet.

    Ganz weit an der Wirtschaftlichkeit vorbei gedacht…

  • @Mischo: Ganz im Gegenteil. Du sparst Kapazitäten für dein 3G/4G-Netz und kannst trotzdem in Städten ein nahezu flächendeckendes Netz ohne Datenbeschränkung anbieten. Das lockt Kunden.

  • Bei uns im Haus nutzen zwei Nachbarn mein WLAN kostenlos. Aus dem einfachen Grund, weil keine Kapazitäten mehr frei sind. Statt sich also von meinen Nachbarn 15 Euro im Monat zu holen, und mir 5 Euro davon gutzuschreiben, zahl ich halt für alle. In Summe weniger, als der Anbieter verdienen könnte. Vom Cafe unten im Haus ganz zu schweigen. Irgend so ein Swisscom-Scheiss, den noch nie jemand genutzt hat, weil keiner der es muss, 7 Euro für „kurz E-Mail checken“ zahlt.

  • War vorletze Woche in Prag in jedem Cafee/bar/restaurant/hotel offenes Wlan meistens sogar ohne Passwort… Dagegen ist die Situation in Deutschland echt mies…

  • Macht Sinn.

    Und jeder der ne FritzBox hat, hat da ja auch schon einen Gastzugang eingebaut, so dass jeder, der darüber surft, keinen Zugriff auf die privaten Rechner hat.

    Insofern ist das wirklich nur eine rechtliche Frage.

  • @8 7ero schrieb
    Offenes wlan + ausländischen vpn Anbieter schon gibts keine Probleme mehr wegen p2p oder sonstiges.

    Aber nur solange der „vpn Anbieter“ oder dessen Server keine IP Adressen speichert ….. VPN ist nicht per se Anonym schon gar nicht bei Kommerziellen Anbietern denn die müssen sich ja auch gegen Klagen schützen.

    In Deutschland ist halt die Gefahr der Störerhaftung zu Groß für offene Wlan Betreiber , zudem haben wir eine „tollwütige“ Abmahn Industrie.

  • Wenn denn die vorhanden Hotspots wenigstens sinnvoll funktionieren würden. Von den letzten 10 Versuchen in Telekom-hotspots zu kommen waren lediglich 2 erfolgreich. (Versucht in mehreren Großstadtbahnhöfen)

  • Also mir wäre das aus sicherheitstechnischer Sicht viel zu Riskant. WLAN generell halte ich für sehr bedenklich, weil so quasi jeder der will Zugang zu den Daten auf meiner Festplatte bekommen kann, der sich in der Nähe befindet. Sowas ist vielleicht sinnvoll für Leute, die viel mit Laptop unterwegs sind, auf das Internet angewiesen sind und keine sensiblen Daten auf dem Gerät haben. Aber ansonsten würde ich ein solches offenes WLAN ganz sicher nicht benutzen.

  • In Österreich hat man fast bei jedem McDonalds gratis WLAN ohne Registrierung.

    Als Privater würde ich auf keinen Fall gratis WLAN anbieten solange nicht gewährleistet ist, dass man für Verstöße seiner Nutzer nicht haftet.
    Hätte ich ein Kaffee oder ein Hotel würde ich es schon machen, aber nur mit gewissen Voraussetzungen.

    @ Jürgen Vielmeier
    Zur Entlastung der Mobilfunknetze würde ich Femto-Cell-Router nehmen.

  • Gerade beim Renovieren in jede Ecke der Wohnung mindestens eine Lan-Steckdose sauber Unterputz verlegt. Wlan bleibt bei mir zu Hause aus. Zu unsicher, unkomfortabel, störungsanfällig, langsam und vielleicht auch Gesundheitsschädigend? Bei mir gehts nur per Kabel ins Netz

  • Es wäre natürlich eine „noble“ Angelegenheit, wenn man das eigene Wlan-Netz öffnen würde, aber wenn dann über die Verbindung jemand Mist baut, hat man als gutmütiger Bereitsteller dann den schwarzen Peter gezogen.

    Eine Überwachung und Protokollierung des Datenverkehrs wäre wiederum auch unschön und würde bei einem Wlan im Nachhinein wahrscheinlich auch nicht mehr viel nützen.

    Und auch wenn man das rechtlich anders handhaben würde: dann wüsste doch jeder, der entsprechend strafbare Tätigkeiten vorhat, dass er nur ins nächste offene Wlan müsste.

    Ich finde die Idee aber generell gar nicht verkehrt, nur glaube ich nicht, dass man das halbwegs sicher (vor allem rechtlich) hinkriegen kann.

  • @ 10:
    also ich hatte bis jetzt bei keinem einzigen hotspot der telekom ein problem…

    es ist zwar durchaus nervig, sich erst mit dem netz zu verbinden, dann umständlich erstmal den benutzernamen + kennwort jedes mal aufs neue einzugeben und dann erst loszusurfen…
    aber funktionieren tuts bei mir eig. immer..?! seis im ICE, mcdonalds oder an ner hotspot-telefonzelle….

    aber hey… was ist eigentlich mit dem kostenlosen wlan in jeder burger king-filiale geworden?
    vor ein, zwei jahren hiess es doch noch großspurig von der konzernleitung, dass man in jedem restaurant kostenlos freies wlan anbieten möchte…
    das hatte ich bis jetzt in EINEM restaurant, und das hat am 26. september diesen jahres dicht gemacht. (also nicht das wlan, das restaurant…)
    ääähhh ja.

    und naja…
    also das mit den rabatten, ich weiß ja nicht….
    wie will der netzanbieter das feststellen, ob DU dich einwählst oder ein fremder, durch den du dann rabatt kriegst?
    holst dir halt mal paar alte geräte für 100 euro, wählst dich paar mal ein und hast dann am ende noch schön gewinn??

  • Die rechtliche Situation kippt nie und nimmer. Nur durch die Angst vor der kriminellen Nutzung lässt sich jedem Haushalt ein eigener DSL Anschluss und im besten Fall mehrere Flatrates für die mobile Internetnutzung verkaufen.

    Wenn man dsfür nicht haftbar wäre, könnten sich selbst mit einem DSL 6000 Anschluss problemlos mehrere Nachbarn einwählen ohne voneinander zu merken. Die legalen Nutzungsmöglichkeiten für diese und höhere Geschwindigkeiten sind sehr rar. (kommerzielle Film- und Softwareangebote) Eher ergeben sich Flaschenhälse beim Upstream, die aber nur relevant werden, wenn man multimediale Inhalte veröffentlichen möchte, an denen man selbst das Urheberrecht hält.

  • Ich teile bereits mit meinen Nachbarn das verschlüsselte und zusätzlich mit Mac-Filter geschützte Drahtlos-Netzwerk und würde auch sofort auf die unverschlüsselte Variante wechseln. Aber in Deutschland gehen Politik (=Anwälte) doch nicht mit der Content- / Abmahn-Mafia auf Konfrontationskurs indem sie ein „so nützliches Gesetz“ zum Vorteil des Bürgers ändern. Keine Krähe hackt der anderen ein Auge aus und die Content-Industrie könnte mit Ihren Klagen sofort einpacken… ganze Anwaltsherscharen (=Politiker) könnten sich einen Job als Pizzabote suchen.

    Aber selbst für den unwahrscheinlichen Fall, dass die Inhaber- und Störerhaftung ausgesetzt wird, findet sich höchstwahrscheinlich ganz schnell eine entsprechende Gesetzeslücke, wonach man dann doch den Wlan-Betreiber zur Verantwortung zieht, weil der eigentliche Urheberrechtsverletzer nicht mehr zu ermitteln ist.

    Mein Senf dazu: zuerst muss eine Kulturflatrate eingeführt (und GEZ/GEMA abgeschafft) werden. Ich zahle gerne 30 Euro im Monat, darf mir dann aber auch ungestraft Musik und Serien aus dem Netz ziehen. Erst wenn der Aspekt des Content-Klaus wegfällt, kann man über die Öffnung von Wlan-Netzen nachdenken.

    Aber leider ist auch dies extrem unwahrscheinlich: die GEZ hätte, mit Einführung der Haushaltspauschale (könnte – optimistisch gesehen – ja eine Vorstufe zur Kulturflatrate sein), eigentlich abgeschafft werden können.. Deren Aufgaben hätten vom Finanzamt übernommen werden können. Hätten… die GEZ aber munter weiter.
    Will heißen, eine Behörde / ein Organ, das in Deutschland einmal Fuß gefasst hat, wird sich mit allen Mitteln wehren, abgeschafft zu werden. Da unsere Politiker aber nun mal in deren Aufsichtsräten sitzen und sich selbst das Wasser abgraben würden und zusätzlich von modernen IT-Landschaften, digitalem Content etc. überhaupt keine Ahnung haben, ist auch eine Kulturflatrate extrem unwahrscheinlich.

    Ich wähle die Piraten…

  • Die Haftung für illegale Tauschbörsennutzung ist aber nur ein Teil des Risikos.
    Wird das WLAN zum Beispiel für den Download von Kinderpornografie genutzt oder für andere kriminelle Aktivitäten, steht den Ermittlern fast immer nur die IP-Adresse zur Verfügung. Der daraus hergeleitete Anfangsverdacht richtet sich gegen den WLAN-Betreiber. Daraufhin können Wohnung und Arbeitsplatz durchsucht und die gesamte Hardware beschlagnahmt werden…..

    http://www.lawblog.de/index.php/archives/2010/05/25/hilfe-ein-unverschlusseltes-wlan/

  • Wenn das Gesetz dahingehend geändert werden sollte, dass nicht der Betreiber des WLAN-Netzes, sondern der Nutzer zur Verantwortung gezogen wird, kommt mir sofort ein Gedanke: Ins Netz nur noch per „Log In“?
    Denn vermutlich wird man dann natürlich (amtlich) wissen wollen, wer da gerade surft. Toller Gedanke…

    Anonymes surfen ist doch eh längst möglich – via freier Prepaid-Sim und Smartphone. Dazu muss man keine kriminellen Hintergedanken haben. Es geht einfach niemanden etwas an, wofür man sich interessiert.

    Briefe darf man anonym versenden, daher hat man mMn. schwerkriminelle Aktivitäten nur sekundär im Sinn. Hauptsächlich haben da die Rechteverwerter wohl ihre Hände wieder im Spiel, die alles blockieren.

  • Kostenlose Hotspots gibt es in alle andere Länder außer Deutschland.

    Ist aber auch klassisch für unsere Land – schließlich sind die Internet Nutzer per Saldo schon verdächtig, zumindest laut Meinung von Innenminister Friedrich.

    Nein aber im ernst.

    Es wäre schon möglich über ein Gastzugang neben sein verschlüsselten WLAN ein öffentliches und kostenlose anzubieten.

    Und warum soll ich beim Hamburger Bräter (Mc Pappe) auch noch vielleicht 10 Euro für die Nutzung von ein Hotspot extra zahlen? Schließlich konsumiere ich hier was und wenn einer während ein normalen Aufenthalt hier noch surft dann ist dies Dienst am Kunden und sollte eigentlich kostenlos sein!

  • Endlich mal jemand, der laut sagt, was ich seit Ewigkeiten denke (aber auch vortrage und blogge). Ich verstehe auch den deutschen Ansatz nicht. Ich arbeite an der Hochschule und es wird ein Riesenaufwand für Eduroam gemacht (keine Ahnung wie teuer das war) gemacht und dabei sind Hochschulen für den Wissenszugang da. Das gleiche gilt auch für alle anderen öffentlichen Einrichtungen, z.B. Museen, Schulen, Bibliotheken und vor allem Parlamente (Wollen die nicht immer Transparenz? Aber ich komm im Bundestag noch nicht einmal auf Abgeordnetenwatch ohne UMTS). Wer einmal in Litauen oder Estland war, weiss was ich meine. Ich finde die deutsche Regelung unerhört und verstehe nicht einmal im Ansatz, warum das so sein muss. Ich hab bald 100 MBit und bin nur 4 Stunden pro Tag zuhause online. Warum soll kein Tourist über mein WLAN surfen? Schaden tut es mir nicht.

    Grüße aus dem Norden
    Andreas

  • Stimmt, selbst in vermeintlich rückständigeren Ländern ist der kostenlose WLAN Zugang viel verbreiteter als in Deutschland. In Flughäfen, Fastfood Restaurants, Cafés und Shopping Malls habe ich in Malaysia und in Thailand überall einen offenen WLAN Zugang gefunden. Einfach als Service für Kunden. Natürlich nicht lückenlos und im Hinterland, sondern in den Hauptstädten und Tourismusgebieten, trotzdem ist das sehr praktisch.

  • „Das böse offene Netzwerk!“ – das hört man immer wieder (gestern Abend im Tatort z.B) – und natürlich hat die Politik keine Lust dies zu ändern! Dank der prima Lobbyarbeit der Telekom und anderer Provider! Ne, da müsste es schon eine starke (Volks-) Bewegung geben, damit dies geschehe … und dagegen gibt’s doch wieder die vielen Geschichten vom bösen offenen Netzwerk! (…)

  • 2011: Wir haben die Welt verändert!…

    Jetzt, zum Ende des Jahres, ist wieder die Zeit, in der einem besinnlich zumute wird, in der man in sich geht und Rückschau hält auf das vergangene Jahr. Man fragt sich, was bleibt und was man erreicht hat. Meist fällt das Resümee einer solchen Rücksch…

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