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Basic Flashback: Eine Hommage an WLANs – wo die schnelle Lutzi die Telekom killt

Ich mag meine Nachbarschaft. Hier ist immer was los, hier laufen schräge Typen herum und hier scheint eine ganze Kolonie verirrter Künstler zu leben. Und sie pflegen die besondere Leidenschaft, einen kleinen Teil ihrer Nachbarschaft mit anonymen, ultrakurzen Cybertexten zu amüsieren: kreative WLAN-Namen. Twitter ist im Vergleich dazu ein Tolstoi-Roman: WLAN-SSIDs dürfen maximal 32 Zeichen lang sein. Sie werden nur von den Menschen in der unmittelbaren Nachbarschaft überhaupt gelesen, und auch nur dann, wenn man das seltene Vergnügen hat, sein eigenes WLAN gegen ein anderes zu tauschen.

Als meine Wohnung noch eine WG war, half ein Freund dabei, das WLAN einzurichten. Er machte sich einen Spaß daraus und nannte es „hierkoenntihrkiffen“, dabei tranken wir doch eigentlich nur Bier. Irgendwann ging das Router-Passwort verloren und deswegen heißt das WLAN jetzt immer noch so. Sei’s drum, „Fritz! Box WLAN 3270“ kann jeder, und leider macht sich die Mehrheit der WLAN-Nutzer nicht die Mühe, die Voreinstellung des Herstellers zu ändern. Eine nicht gerade kleine  Zahl aber nutzt den kreativen Minispielraum doch und schafft sich mit einer kreativen SSID (Service-Set Identifier) ein eigenes Reich.

Der Name für ein eigenes Cyber-Reich

Ich wollte die interessanten WLAN-Namen meiner vernetzten Nachbarschaft herausfinden und mache mich deswegen auf zu einer kleinen Reise. Die Bonner Altstadt, in der ich lebe und arbeite, ist recht dicht besiedelt. Hauptsächlich junge Menschen wohnen hier: Studenten, junge Berufstätige und Familien, viele Einwanderer. Es reiht sich Mehrparteienhaus an Mehrparteienhaus, unterbrochen oft nur von einer der vielen Kneipen und Geschäfte. Im Treppenhaus beginnt mein Spaziergang. Ein Nachbar hat sein WLAN „Tresor“ genannt, auf dass es niemand knacken möge:

An der Straßenecke scheint ein Liebhaber asiatischer Martial-Arts-Filme zu wohnen:

Das WLAN „Ludolfs“ fällt mir einige Häuser weiter auf, zufällig (?) direkt in der Nähe eines Fachhandels für Autolacke:

Reale Geschwindigkeit oder nur gewünscht? Der Bezeichner dieses WLANs mag seinen Router auf jeden Fall:

Ob das bei diesem Besitzer ebenso der Fall ist, wage ich zu bezweifeln…

Diese hier haben zumindest noch Hoffnung:

Einen Straßenzug weiter scheint es politisch radikal zu werden. Hier haust die …

… der direkte Nachbar der …

Ich wage mich immer weiter in das Viertel hinein. Second-Hand-Shops, Fußballkneipen, kleine Büros und allerlei Freaks auf einem Haufen:

Weiter hinten plötzlich schlechter …

… und recht radikaler Geschmack:

Darf man haben, wenn die Wahrheit da draußen liegt…

… oder die Antwort auf alle Fragen schon gegeben ist:

Auf diese Weise habe ich meine Nachbarschaft noch nie gesehen, aber sie wird mir zunehmend sympathischer. Meist sieht man nur die Menschen auf der Straße; hinter die Fassade blickt man selten. Schließlich bin ich im Grünen angelangt:

Hier verhallt selbst ein Schrei von der Lautstärke eines Tarzanrufs:

Dabei liegt die treffendste Bezeichnung für ein WLAN oft so nahe, dass man sich fragt, warum man nicht selbst auf diesen schönen Namen gekommen ist:

So kann man die Suche nach der perfekten SSID noch fortführen…

Es sei denn, sie sagen mir endlich das Kennwort für die…

Nach dem Spaziergang mit dem iPhone in der Hand fühlt man sich erfrischt, kreativ inspiriert, fröhlicher als vorher. Und gleichwohl bleibt man ein wenig traurig zurück: So viel Bandbreite wird verschenkt, weil jeder Besitzer angehalten ist, sein Netz zu verschlüsseln. Und auch mit den Cyberkünstlern des Alltags wird man nie ins Gespräch kommen. Es möge doch bitte jemand eine App programmieren, mit der ich WLAN-Betreibern, deren Namen mir sympathisch sind, eine Nachricht schicken kann: „Seid mutig und teilt mit mir euer Netz! Wer ich bin? Ach, …“

Erkennt jemand sein WLAN wieder? Dann bitte melden! Welche verrückten WLAN-Namen kennt ihr? Sagt es uns in den Kommentaren!

(Jürgen Vielmeier)


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Über den Autor

Jürgen Vielmeier

Jürgen Vielmeier ist Journalist und Blogger seit 2001. Er lebt in Bonn, liebt das Rheinland und hat von 2010 bis 2012 über 1.500 Artikel auf BASIC thinking geschrieben.

62 Kommentare

  • Skandal, jetzt werden schon hier SSIDs aus der Bonner Innenstadt verbreitet. Schon mal an Datenschutz gedacht? Mal schauen was die bloggenden Kollegen dazu sagen werden.

  • Eine feine Idee, dieser WLAN-Check. Solch einen Spaziergang werde ich demnächst auch mal auf die Tagesordnung sezten. Bin doch mal gespannt, ob hier auch ne schnelle Lutzi zu finden ist.
    Schönen Sonntag noch und danke für den Fisch.

  • „dabei tranken wir doch eigentlich nur Bier“ jaaaaa, klar 😉
    oder liegt die betonung auf „eigentlich“ 😉

  • Da musste ich doch gleichmal schauen, was bei mir so in der Nachbarschaft für Namen vergeben werden. Nun ja, bis auf ein paar Standard-Namen gab es dann doch einen, der aus der Bahn fällt. Da hat jemand sein W-LAN doch tatsächlich „Dreckbox“ genannt. In wie fern das auf den Router zu beziehen ist oder die jeweilige Behausung, kann ich nicht beurteilen. Eigentlich eine schöne Gegend hier. Nun denn, fröhliches Entdecken der W-Lan-Landschaft. Ahso, super Artikel!

  • Meine Nachbarn sind leider nicht so arg kreativ:

    [11:56:59] gsn@silk:~$ sudo iwlist wlan0 scan|sed -n ’s/^.*ESSID:“(.*)“$/1/p‘
    aloria
    FRITZ!Box Fon WLAN 7112
    Home-Network
    Micha
    Brueggen
    Arcor-CDA140
    Melle_Belkin_N_Wireless_E9CFEB

    Immerhin krigt man so einen kleinen Einblick in die Marktanteile von Router-Herstellern ;o)

    Gruß,

    nighty

  • Gute Idee, darüber mal einen Beitrag zu verfassen. Sehr nett! Meine Nachbarschaft (inklusive mir selber) ist leider kaum kreativ. Mit bestem Willen könnte ich hier jetzt höchstens „Schlumpfhausen“ nennen – das war’s in meiner Nachbarschaft.
    Aber wenn einem unterwegs mal langweilig ist, kann es jetzt auch eine nette Beschäftigung sein, auf seinem Mobiltelefon die WLAN-Namen zu betrachten und zu schauen, was da so dabei ist… 😉

  • Vielen Dank für diesen Einblick. Meine Nachbarschaft ist diesbezüglich leider unglaublich unkreativ… Aber vielelicht ändert sich das nach diesem Beitrag. Ich werde jetzt auf jeden Fall öfter mal nachkontrollieren 😉

  • Hier nicht zu nennende Verwandte haben ihres „abschaum“ getauft. „Drecksrouter“ hab ich auch schonmal gesehen. So hat man immer nen passenden Namen, mit dem man die Dinger anmaulen kann, wenn sie mal nicht wollen… 😉

  • Jetzt stell dir mal vor, diese Geräte würden sich alle untereinander vernetzen, anstatt antike Telefonleitungen oder Glasfaser zu verwenden um ne Menge Geld an Telekommunikationsfirmen zu schaufeln. Dann könnten nicht nur die Webangebote der Uni und der Stadt kostenfrei genutzt werden, sondern auch sämtliche Webhoster im Stadtgebiet, Unternehmen mit eigenen Servern, und Privatmenschen könnten eine Art Localnet aufbauen, kostenfrei (bis auf die Anschaffungskosten eines WLAN-Routers).

    Welche Möglichkeiten sich dann mit Diaspora, Opera Unite, Stadtwiki, Liquid Feedback eröffnen, kannst du dir selbst ausmalen 🙂

    Die Zukunft hält noch schöne Sachen für uns bereit.

  • Was ich hier so finde:

    – erstsuchichdich
    – Ostblockschädel
    – Bundesnachrichtendienst

    Es dominieren aber auch deutlich die FritzBoxen.

  • Also wir haben von Jahren mal mit „Husten“ als Name angefangen, der Nachbar daraufhin „Schnupfen“ genommen.

    Mit dem neuen Router gabs dann „Grippe“, nach einer Neukonfig „Schweinegrippe“.

  • Nachdem jemand freundlicherweise unser WLAN zum Herunterladen eines Films via bittorrent nutzte und wir abgemahnt wurden, haben wir den Namen und das Passwort unseres WG-WLAN geändert.
    Es heißt jetzt wie der Film: Nordwand

  • Eure Beiträge gefallen mir. 🙂 Vielleicht sollten wir eine Abstimmung der besten Namen hieran anschließen! Werde morgen mal die Kollegen fragen, was die davon halten.

    @#26 doenen: Bisher noch nicht. Wir haben mal ein paar Nachbarn und Gäste mitsurfen lassen. Die fanden’s witzig, haben aber dann nicht gefragt, ob wir auch eine Plantage auf dem Balkon haben. Und die Polizei war auch noch nicht da, zumindest nicht deswegen… 😉

    @#21 Frank: Na ja, ich glaube, was Andreas meint, ist nicht, dass es an Ideen oder Möglichkeiten fehlt, sondern dass es rechtlich schwierig ist, sie umzusetzen.

    @#17 Andreas: Ja, aber irgendwer muss zumindest in den nächsten Jahren schon noch kabelgebundene Breitbandanschlüsse bereitstellen, mit denen die Router dann funken. Überflüssig ist eigentlich, dass jeder einen Zuhause hat. Für die TK-Anbieter wäre es zumindest in meiner Gegend wirtschaftlicher, einen Hochleistungsrouter in jede Straßenlaterne zu hängen. Die rechtliche Lage bleibt schwierig. Durch die Privatrouter ist genug Bandbreite für ein lückenloses Highspeednetz in der gesamten Innenstadt vorhanden. #25 Goliath beschreibt aber genau das Problem, das heute besteht: Du musst dein WLAN absichern, weil sich sonst Leute was von dir runtersaugen und du dafür haftbar bist. Was ein Quatsch!

  • Wer heute in Koblenz – Altstadt an unserer WG mit W-Lan „palastderliebe“ klingelt, bekommt unentgeldlich ein kühles blondes.

  • Bei mir gibt es nur die Kuhkacke2. Was wohl aus Kuhkacke1 geworden ist?

    Mein eigenes heißt ganz minimalistisch —

  • Also meins heisst ja

    wlan-in-da-haus
    und
    weihnachtsbaum (repeater)

    und dann hab ich noch

    daheim beim nachbarn

    und

    KTAG Kasse1
    KTAG Kasse2
    KTAG Kasse3
    KTAG Wurst
    KTAG Lager

    und wer nun wissen will was ktag ist – google erster treffer 😉

  • ich rede ja gar nicht vom internet, sondern von einem anderen netz. da gibt es dann diese rechtlichen probleme nicht, auch wenn es da andere geben mag. freifunk mag da ein guter ansatz sein, aber hat sich bisher nicht durchgesetzt – setzt wohl auf die falschen supporter/marketing.

  • Ich pflege schon immer meine rechnernamen und ssid so zu benennen, dass jeder laie sofort erkennt zu welchem gerät jetzt was gehört. und so heißt dann auch das wlan meines kleinen homeservers im selbstgebauten holzgehäuse ganz einfach „Weinkiste“ 🙂

  • Die Mitarbeiter einer meiner Kunden, eine Metzgerei mit Partyservice, surfen in ihrem Netz „WurstLAdeN“ 🙂

  • „a murder of crows“ heißt mein persönliches Heimnetz … hatte zeitweise mal bis zu 10 solcher Netze (Bezeichnungen für diverse Tierherden) laufen, aber übrig geblieben ist nur noch „a destruction of cats“ und obiges 😉

    Nachbarn wunderten sich und ahnten schon wer es ist …

  • Mein SSID heißt einfach FRITZ!Box Fon WLAN 7170, obwohl ich eigentlich Netgear habe. (Security by Obscurity) Aber gestern, als ich bei einem Freund zuhause war und wir seinen Router umkonfigurierten, hatten wir auch die Gelegenheit genutzt und SSIDs von Nachbarschaft uns angesehen. Am lustigsten fand ich – Skynet 🙂

  • ich surfe immer noch auf “ cloud nine „, aber Google_Messwagen_… find ich genial. Meine Nachbarn würden bestimmt gleich den Datenschutz anrufen – oder wenigstens die Fenster verpixeln! Dabei nennen die sich doch auch nur “ Fritz!BoxWLAN 7141 „und “ Home “ und denken Google weiß das nicht!

  • btw, die im Artikel vorgeschlagene App geht leider nur mit Jailbreak. Apple hat im März den Zugriff auf die privaten APIs untersagt mit denen man SSIDs der Umgebung auflisten kann. Das wäre Vorraussetzung dafür Nachrichten hinterlassen zu können 😉

  • In meinem Wirkungskreis haben sich allerlei Abarten von „AntenneMann“ etabliert, der Mini-Antennemann für die kleine FritzBox, der große AntenneMann und einige mehr 🙂

  • Habe schon immer auf so einen Artikel gewartet! 🙂
    Bei uns in der Stadt sind mir bisher 4 Netzwerke aufgefallen, die „Hurensohn“ heissen.

  • Freunde von mir haben Ihr WLAN in „LeiserFickenDaOben“ umbenannt, nachdem man die Nachbarn immer die ganze Nacht ficken gehört hat.

  • Seit Android 2.2 kann ich mein Desire als WLAN Hotspot nutzen, der Name Google_Messwagen_34 😉 Meine Nachbarn sind da nicht so Kreativ. Speedport oder WLAN-irgendwelcheIrrwitzigenZahlenKolonnen regieren da

    cu an other time
    on an other place

    der bagalutenGregor

  • Also mei Router heisst „Himmel“ und passend dazu meine Rechner „Engelchen 1“, „Engelchen 2“ und „Engelchen 3“. Woraufhin meine bessere Hälfte natürlich seinen Teufelchen nennen musste. ;O)

  • Fühle mich mit dem Namen meines Netzes „Idiot Outside“ etwas unkreativ, aber wenn man mal in die Umgebung schaut „WLAN-7D0516“ und „NETGEAR“ ist es ja net ganz so langweilig ^^

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