Sonstiges

Feiertagsshopping hat seinen Preis: Pfefferspray, überlastete Server, Geld vom Staat

Wir alle lieben Angebote und Schlussverkäufe. Händler freuen sich im vierten Quartal über die höchsten Umsätze, Kunden lieben Angebote, und Deals locken praktisch mehr denn je. Selbst tägliche Rabatt-Angebote wie von Groupon, Dauertiefstpreise und der so genannte „Schluss mit dem Preiswahnsinn“ ändern daran nichts. So hat der Black Friday in den USA der Industrie wieder einmal Rekordeinnahmen beschert, vor allem dem Online-Handel: 816 Millionen US-Dollar haben die Händler laut Comscore am vergangenen Freitag in den USA umgesetzt, dem Tag nach dem Feiertag Thanksgiving, an dem viele Menschen einen Brückentag nehmen.

Angesichts der Zahlen fragt man sich, warum es überhaupt zu Szenen kommen konnte, wie denen in einem Walmart in Los Angeles. Dort hat eine Frau nach Zeugenaussagen gegen die Umstehenden Pfefferspray eingesetzt, um im Kampf um eine vergünstigte Xbox oder Wii-Spiele zum Zuge zu kommen. Etwa 20 Menschen wurden davon leicht verletzt. Dem Ganzen sollen tumultartige Szenen vorausgegangen sein; Kunden wurden offenbar gegen Regale gedrückt. In Jakarta in Indonesien kam es bei einer Rabattaktion für das neue Blackberry-Smartphone (!) Bold 9790 zu einer Panik unter den über 3.000 Wartenden. Etwa hundert Menschen wurden verletzt. Ist Online-Shopping die Lösung für solche Probleme?

Ironischerweise hatte Walmart in den USA nicht nur offline mit Pfefferspray-Attacken und Schießereien auf dem Parkplatz zu kämpfen. Auch online ging nahezu nichts mehr. Die Server brachen unter dem Ansturm der Kunden zusammen. Für Walmart wurde das Wochenende zu einem kompletten Desaster.

Deutschland: Amazon trickst den Staat aus

Aber auch Amazons Server sollen teilweise lahm gelegen haben. Das Online-Kaufhaus bietet heute wie viele andere Unternehmen einen Cybermonday an. Der Tag ist traditionell in den USA gar noch kaufkräftiger als der Black Friday. Im vergangenen Jahr erzielten die Online-Händler an eben diesem Montag einen Rekordumsatz von 1 Milliarde US-Dollar. In diesem Jahr soll ein neuer Rekord gefeiert werden. Bei Amazon geht der diesjährige „Cybermonday“ in Deutschland mit zeitlich begrenzten Angeboten sogar bis Mittwoch. Allerdings wirft eine Unternehmenspraxis, die am Wochenende bekannt wurde, ein etwas dunkleres Licht auf den Retailer: Amazon setzt wohl tausende Arbeitslose als Saisonarbeiter ein, die zuvor sechs Wochen lang in Form einer Aktivierungs- oder Eingliederungsmaßnahme arbeiten müssen und nur vier davon bezahlt werden. Der Rest wird aus Geldern der Agentur für Arbeit oder der Jobcenter gedeckt, der Steuerzahler kommt also dafür auf.

Die Praxis ist legal, sofern man die Beschäftigten nicht jedes Jahr erneut für die gleichen Maßnahmen schult. Das hat das Online-Kaufhaus dem „Spiegel“ zufolge aber getan. Der gleiche Bericht verweist auf Arbeitnehmervertreter, die vermuten, dass die Hälfte der 9.000 befristeten Aushilfen bei Amazon davon betroffen sind. Bei anderen Anbietern ist es vermutlich nicht viel anders. Weihnachten hat seinen Preis.

Wie haltet ihr es, wenn Weihnachten oder die nächste Rabattaktion nahen? Kauft ihr lieber im lokalen Elektrohandel oder Online ein? Oder seid ihr angesichts des Konsumwahns mit seinen Tücken zu Abstinenzlern geworden?

(Jürgen Vielmeier, Bild: KTLA)


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Über den Autor

Jürgen Vielmeier

Jürgen Vielmeier ist Journalist und Blogger seit 2001. Er lebt in Bonn, liebt das Rheinland und hat von 2010 bis 2012 über 1.500 Artikel auf BASIC thinking geschrieben.

18 Kommentare

  • Der schwarze Freitag-seit je her ein Kuriosum.Alles an Rabatten ist auf diesen einen Tag vereint- dass Auswüchse von Gewalt und Pfefferspray-Attacken folgen ist klar. Mir jedenfalls hat der Besuch bei Primark schon gereicht-wo es fast immer so aussieht. Elendige Geschichte. Aufgrunddressen finde ich es toll, dass man Online alles kaufen kann-auch ich werde heute dem Amazon-Monday beobachten& vielleicht ein Schnäppchen schlagen. Jedoch sehe ich Rabattaktionen als solches eher skeptisch-meist ist doch irgendwo ein Haken dran; deshalb immer schön recherchieren & nicht jedes „Angebot“ glauben! Und was Amazon mit den armen Arbeitskräften macht ist nicht die feine Art- ein Armutszeugnis für einen Big Player, welcher eigentlich genug Geld von uns allen in die Kassen gespült bekommt. So far! Super Artikel, der zum nachdenken anregt!

  • Ist an diesem Tag denn wirklich alles so günstig, oder können diese Leute nur nicht mit dem Netz umgehen?

    Schnäppchen reizen mich nicht. Etwas nur zu kaufen, weil es gerade billiger zu haben ist, halte ich für ziemlich dämlich. 😉

  • „Die Praxis ist legal, sofern man die Beschäftigten nicht jedes Jahr erneut für die gleichen Maßnahmen schult.“

    Sie ist auch legal, wenn man das jedes Jahr aufs neue macht. Es ist nur offiziell „nicht so beabsichtigt“ und soll dann jetzt wo es die ganze Welt weiß mal geändert werden…

  • Wahnsinn … habe bereits Bilder im Fernsehen gesehen. Freunde von mir sind am Samstag nach NY geflogen. Stellt sich die Frage ob es Glück oder Pech war …

  • Sowas löst bei mir eigentlich nur Kopfschütteln und ein gewisses Maß an Fremdschämen aus.
    Aber solange nicht ein grundsätzliches Umdenken statt findet, wird der Mensch im Zeitalter des Kapitalismus, meiner Meinung nach, immer auf Kosten andere Menschen leben. (nehme mich selbst nicht aus)
    Allerdings kann man auch in Zeiten von „Geiz ist geil“ den Weihnachtskonusmwahnsinn eindämmen.
    Ich verschenke prinzipiell nur noch Bücher.

  • „Amazon beutet Arbeitslose und den deutschen Steuerzahler aus.“

    Auf einmal klingt es garnicht mehr so schlecht verhohlen bewundernd…

  • Da greift man sich doch an den Kopf worauf sich Menschen wegen ein paar reudigen Geldscheinen einlasssen. Ich würd mir das im leben nicht antun, lieber eine stunde länger arbeiten und dafür in ruhe einkaufen. Nee nee nee

  • Bringen wir es auf einen Nenner! Es ist die Gier, die Menschen zu solchen Dingen treibt! Egal ob Schlägereien bei Media-Markt Eröffnungen oder anderen Sonderangeboten – sobald ein „Schnäppchen“ lockt schaltet das Hirn aus…

  • @erna:
    der autor meandert sich haltungslos durchs thema.
    gut für die diskussion, gutes thema überhaupt – wobei, die hälfte interressierts ehnicht, bzw.

    #7 Mark [www] schrieb am 28.11.2011, 18:25:

    Ich wollte mir gerade etwas bestellen, aber natürlich muss der Server kurz vor dem Abschluss zusammenbrechen 🙁

    lulz

  • Wer einmal eine Media-Markt-Eröffnung (als Kunde) mitgemacht hat, weiß, dass sowas in abgeschwächter Form auch hier möglich ist – ich hatte nur den Gedanken „bloß nicht hinfallen, die trampeln dich sonst platt“… nie wieder!

  • Der Cyber Monday bei Amazon war dieses Jahr bislang sehr viel besser als vergangenes – von den teilweise unsinnigen Rabatten (89,99 statt 90,76?!) mal abgesehen.. ein paar interessante Sachen waren dabei, wirklich zum Kauf überzeugt hat mich aber bislang keine davon.. mal sehen was morgen noch an den Start kommt 😉

  • Die Angebote am Black Friday sind wirklich sehr gut. zB das Asus Transformer für $250 statt $390. Ich hab mir das Anstellen dann aber doch nicht angetan – schon um 10 Uhr abends (Best Buy öffnete um Mitternacht) waren ca 300 Leute vor meinem kleinen lokalen Geschäft und von diesen „Doorbuster“ Waren gibt es oft nur 10 Stück im Laden.
    Am Cyber Monday sind die Rabatte deutlich geringer….aber besser als nix.

  • Wenn man die Augen offen hält kann man jederzeit tolle Deals bekommen, nicht nur am Black Friday. Warum man sich studenlang die Beine in den Bauch steht ist mir ein Rätsel.

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