"Unprinting": Forscher entwickeln Laser-Radiergummi für bedrucktes Papier

Christian Wolf

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Ich weiß nicht, wie ihr das so handhabt. Ich für meinen Teil bedrucke Papier jedenfalls meist beidseitig, um ein wenig Geld und Ressourcen zu sparen. Klar, ich könnte Texte auch generell direkt am Bildschirm lesen und so das Drucken auf ein paar Briefe im Jahr beschränken, bis sich auch diese irgendwann durch die De-Mail ersetzen lassen. Aber mal ehrlich: Trotz aller Digitalisierung finde ich das Lesen längerer Textpassagen am Monitor grauenvoll. Gut, vielleicht wäre das mit einem Tablet anders – habe ich aber nicht. Und Anmerkungen lassen sich immer noch am besten per Hand irgendwo an den Rand kritzeln.

Andererseits ist der Raum auf einem Blatt physisch begrenzt. Irgendwann ist der Bogen voll und fliegt zerknüllt in den – ja nicht zufällig so genannten – „Papierkorb“. Nach ein paar Monaten wird dann in meinem Fall mal ein neuer Packen Papier für ein paar Euro fällig. In Unternehmen sieht das wiederum ganz anders aus. Hier verursacht der immense Verbrauch an Druckerpapier jährlich beachtliche Kosten.

Sollte sich allerdings eine an der University of Cambridge in Zusammenarbeit mit dem Lehrstuhl für Photonische Technologien der Universität Erlangen entwickelte analoge Löschmethode durchsetzen, ließe sich dieser Posten künftig vielleicht deutlich begrenzen. Und auch in Sachen Umwelt- und Klimaschutz könnte der Ansatz völlig neue Möglichkeiten eröffnen. Und nein, es geht natürlich nicht um eine neue Form von „Tipp-Ex“.

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Wie „Extremetech“ auf Basis eines Artikels im Wissenschaftsjournal „Proceedings of the Royal Society“ berichtet, ist es dem britisch-deutschem Forscher-Quartett nach zahlreichen Versuchen vielmehr gelungen, ein laserbasiertes Verfahren zu entwickeln, mit dem sich zumindest dunkle Tonerpartikel wieder restlos von Papier entfernen lassen – ohne dieses physisch zu beschädigen.

Während der Toner bei herkömmlichen Laserdruckern durch ein Wechselspiel positiver und negativer Aufladung sowie große Hitze fixiert wird, arbeitet die Papierreinigung demnach mit sogenannten Ultrakurzpulslasern, die im Picosekunden-Takt auf Toner-Partikel abgefeuert werden und diese so von der Oberfläche abtragen. Um dabei nicht auch das Papier zu zerstören, kommt grünes Laserlicht zum Einsatz, welches zwar sofort durch den Toner absorbiert wird, aber folgenlos durch die Zellulosefasern dringen soll.

Als Hauptvorteil ihrer Methode nennen die Wissenschaftler eine wesentliche Reduktion des Treibhausgases Kohlendioxid, das bei der Papierherstellung in rauen Mengen in die Atmosphäre gelangt. Selbst gegenüber klassischen Recyling-Maßnahmen soll das „Unprinting“ den CO2-Ausstoß im ungünstigsten Fall halbieren. Gehe man vom Idealfall aus, könne die Einsparung sogar das Zwanzigfache der heute anfallenden Menge umfassen, heißt es.

Einziger, aber gewichtiger, Haken: Die für die „Toner-Wäsche“ benötigten Ultrakurzpulslaser sind bisher ausschließlich in ein paar Laboren zu finden. Man stehe daher erst ganz am Anfang eines noch sehr langen Weges, bevor ein serienreifer Prototyp verfügbar sei, betonten die Forscher. Und dennoch: Die Vorstellung, irgendwann bedruckte Blätter in ein Gerät zu schieben, das anschließend blütenweißes Kopierpapier ausspuckt, ist wirklich faszinierend.

(Christian Wolf; Bild: gnubier/pixelio.de)

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Christian Wolf wird am Telefon oft mit "Wulff" angesprochen, obwohl er niemals Bundespräsident war und rast gerne mit seinem Fahrrad durch Köln. Er hat von 2011 bis 2014 für BASIC thinking geschrieben.