Oink wird eingestellt

Christian Wolf

Im November letzten Jahres schrieb Kollege Jürgen über das gerade gestartete Bewertungsportal „Oink“: „Bei Oink geht es darum, wer in der Stadt das beste Chicken Curry hat. Praktisch jedes Ding, was es auf der Welt gibt, ließe sich über Oink bewerten. Ich halte das für eine durchaus gute Idee, denke aber nicht, dass sie sich so einfach wird umsetzen lassen. Denn die Leute sind mittlerweile des Bewertens müde.“

Nun zeigt sich: Jürgens Zweifel waren wohl nicht unbegründet. Vielleicht war Oink tatsächlich einfach zu viel des Guten. Jedenfalls ist nach nur fünf Monaten Schluss. Das verkündete Betreiber Milk Inc. am Mittwoch überraschend auf oink.com.

Andererseits reibt man sich schon ein wenig die Augen. Noch vor wenigen Monaten wurden von gleicher Seite fleißig Jubelstatistiken abgefeiert. 100.000 Downloads der iOS-App gab es bereits zweieinhalb Wochen nach dem Start zu vermelden. Wenig später, auf der LeWeb 2011 in Paris Anfang Dezember, ließ sich Milk-Chef Kevin Rose auf der Bühne bereits für 150.000 heruntergeladene Oink-Apps und 40.000 aktive Nutzer beklatschen. Von weiteren Verbesserungen wurde geredet, Zuversicht vermittelt.

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Vorbei.

Eine wirkliche Begründung für das plötzliche Aus gibt es nicht. Die wenigen Zeilen auf der Oink-Website bleiben vage, lassen aber durchscheinen, dass ein Fortbestand offenbar nicht als lohnenswert erachtet wurde. Offiziell wird das natürlich positiver formuliert. Oink sei ja nur ein erster Test-Ballon gewesen und nun ziehe man eben zum nächsten Projekt weiter. Dafür würden alle Kräfte benötigt. Gemeint ist aber: Oink ist Ballast. Bloß weg damit. Eingestellte Bewertungen und Bilder lassen sich zumindest aber noch bis zum 31. März „retten“.

Ok, so what, könnte man sagen. Dinge kommen und gehen – vor allem im schnelllebigen Medium Internet. Und solange etwas kostenlos angeboten wird, braucht sich doch keiner beschweren.

Dennoch finde ich, ein übler Nachgeschmack bleibt bestehen, wenn Startups sich erst als neue Super-Innovation verkaufen, Nutzer anfixen und dann aus dem Nichts mit dem Spruch die Reißleine ziehen, „Sorry Leute, danke für euer Interesse, aber war bloß ein Versuch. Holt doch bitte euer Zeug ab“. Das trifft noch viel mehr bei Diensten zu, die vor allem von der Bereitschaft einer Community zur Mitarbeit leben. Hier haben die Nutzer für ihre Zeit und ihr Engagement zumindest ein wenig mehr Ehrlichkeit verdient.

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 (Christian Wolf)

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Christian Wolf wird am Telefon oft mit "Wulff" angesprochen, obwohl er niemals Bundespräsident war und rast gerne mit seinem Fahrrad durch Köln. Er hat von 2011 bis 2014 für BASIC thinking geschrieben.