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Jede Hilfe kommt zu spät: Instagram-Filter werden die Welt erobern

Es hat sich schon seit geraumer Zeit angebahnt, jetzt ist es so weit: Ein neuer Trend rollt durch Marketingagenturen, Wohnzimmer und die Amateurfotografie. Und er wird sich nicht mehr aufhalten lassen. Etwas, was früher Profis vorbehalten war, kann in Kürze auch der Asiproll im tiefer gelegten GTI: Seine Fotos mit künstlerischen Filtern à la Instagram aufmotzen.

Bislang war die Foto-App Instagram nur iPhone-Besitzern vorbehalten – und hatte bereits dort 30 Millionen Fans angezogen. Seit dieser Woche ist Instagram auch für Android-Nutzer verfügbar. Die Tatsache ist weniger das Problem als die Aufmerksamkeit, die daraus resultiert: Ab jetzt kann jeder „korreggte“ Fotos mit dem Handy schießen, aus denen sich mit einem Kunstfilter immer noch etwas rausholen lässt. Egal, wie hässlich sie sind. Das bereichert die Fotografie nur auf den ersten Blick: Schlechte Fotos wird es bald kaum noch geben – und genau das ist das Problem.

Kunst auf Knopfdruck

Denn das wird langweilig werden. Wo es keine schlechten Bilder mehr gibt, gibt es auch keine guten mehr. Es wird ein Einheitsbrei voller Pseudo-Kunst und schon in ein paar Jahren werden wir rückblickend denken: „Wie konnten wir nur?“ Die Tageszeitung schickt ihren freien Reporter nicht mehr mit der Kompaktkamera zum Ortstermin, sondern mit einem Android-Handy. Weil das Gruppenbild von Bürgermeister und dem Vorsitzenden des örtlichen Schützenvereins aber langweilig wirkt, wird der Reporter es mit einem Inkwell-Filter aufhübschen – und den Händedruck für ästhetisch halten.

Der Naturaufnahme der Moränenlandschaft fehlt noch der letzte Pepp? Schnell einen Nashville-Filter drüber gelegt. Ich sitze am Tresen gedankenverloren vor einem Bier und muss der Welt das mitteilen? Mit dem Sutro-Filter verleihe ich dem Schnappschuss die Dynamik, die der Wirklichkeit abgeht. Die Detailaufnahme meiner Computertastatur ist verwackelt? Mit dem Brannan-Filter sieht sie dann erst Recht wie Kunst aus.

Mal sehen, was Instagram draus macht

Die Rhein-Zeitung bietet heute einen Vorgeschmack darauf, wie das aussehen kann, und hat Rheinstagram vorgestellt. Nutzer können ihre Instagram-Bilder mit dem Hashtag #igerskoblenz versehen. Die Bilder werden auf einer Website aggregiert. Durchaus hübsche Bilder finden sich dort neben einigen wenig sagenden. Nichts gegen die Redaktion oder die Idee, die im Sinne einer Social-Media-Strategie sogar sehr löblich ist. Mich verstört eher die Ansicht von Rhein-Zeitung-Redakteur Marcus Schwarze, der schreibt:

„Neue Fotofilter machen aus den manchmal allzu simplen Schnappschüssen mit dem Handy vielfach veredelte, manchmal geniale Aufnahmen. Bilder gewinnen bei sinnvollem Einsatz dieser Filter eine eigene Ästhetik, sei es der einfache fette schwarze Rand um ein Bild oder das Hinzufügen von Unschärfe, um aus einer Panoramaaufnahme ein Bild in Spielzeugeisenbahnoptik zu machen.“

Im Umkehrschluss bedeutet das eine völlig neue Herangehensweise an die Fotografie: Was soll ich mich noch drum scheren, was meine Kamera da aufnimmt? Interessantes Motiv, goldener Schnitt, Objekt gut ausgeleuchtet? Egal! Einfach draufhalten und mal gucken, was Instagram draus macht. Ob wir wollen oder nicht, es lässt sich nicht mehr aufhalten: Wir werden in den nächsten Jahren von Fotos überschwemmt werden, die die Urheber für künstlerisch wertvoll halten. Mit etwas Glück führt der Weg langfristig zurück zur Schlichtheit. Mit viel Pech könnte es dazu führen, dass wir bald schon nicht mehr hingucken können, wenn uns jemand nur ein Foto zeigt.

(Jürgen Vielmeier)

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Über den Autor

Jürgen Vielmeier

Jürgen Vielmeier ist Journalist und Blogger seit 2001. Er lebt in Bonn, liebt das Rheinland und hat von 2010 bis 2012 über 1.500 Artikel auf BASIC thinking geschrieben.

49 Kommentare

  • Du tust so, als wäre bisher jedes Foto im Web, Zeitschriften und Zeitungen orignalgetreu und nicht jeweils 37 Stunden lang in Photoshop nachbearbeitet…

  • hm, der typische Android nutzer ist deiner Meinung nach also „Asiproll im tiefer gelegten GTI“.

    Ich zähle sicherlich zu der mehrheit der Android Nutzer die einen feuchten Furz drum geben welche ehemals exklusive IPhone App jetzt auch für Android verfügbar ist.

  • @Tz: „hm, der typische Android nutzer ist deiner Meinung nach also “Asiproll im tiefer gelegten GTI”.

    Nein.

    @Marc: Sicherlich zum Teil, dann waren aber meist Foto-Profis oder zumindest Halbprofis am Werk. Jetzt kommen die blutigen Amateure.

  • Bei 30mil iphone Usern muss es doch jetzt schon sehr viel Müll geben, kann garnicht anders sein. Wozu also noch paar Jahre warten. Der fall von dem du schreibst ist doch schon längst eingetreten. Integram hin oder her, Leute mit’n smartphone werden so oder so viele Bilder in Zukunft machen die dann auch direkt im Netz landen.

  • Steile These. Filter machen aus schlechten Fotos also gute? Ich denke eher, nichtssagende Fotos bleiben nichtssagend – nur bunter.

  • Wie heißt es so schön: „Eine gute Kamera macht noch keinen guten Fotografen“. Für ein gutes Bild bedarf es weitaus mehr als ein paar Filter und nen Smartphone. Und die Bilderschwemme wurde bereits mit Flickr vorrausgesagt, geht aber an mir bspw. voll vorbei.

  • Entscheidend ist doch immernoch das Motiv und nicht welcher Filter drübergelegt ist… Auch ein Filer kann an der wirklicken Qualität des Fotos nicht wirklich etwas ändern, denn es ist und bleibt ein Filter!

  • Danke! Grandioser Beitrag, der es auf den Punkt bringt! Bedenkt man, dass bei Flickr „instagramapp“ & „iphoneography“ unter den Top-Suchbegriffen sind (http://www.flickr.com/photos/tags/), ist klar, wohin die Reise leider geht. Mal eben schnell abdrücken, ohne sich wirklich mit dem Motiv auseinanderzusetzen, ist „knipsen“, nicht „fotografieren“.

    @Marc: Wenn ein Fotograf 37 Std. vor PS sitzt & sich mit seinem Bild auseinandersetzt, hat das noch immer mehr Wert, als wenn ein Knipser in 37 Sekunden wahllos drauf hält und nen Filter drüber schmeißt.

    Ich jedenfalls hoffe, dass Szenario 1 eintritt: Zurück zur Schlichtheit.

  • Also die beliebtesten Filter sind ja wohl wie ich das sehe meistens diejenigen, welche ein Foto auf alt trimmen. Und auch dieser Trend wird mal vorbei sein. Und man wird wieder Bilder in Originalfarben sehen wollen, die scharf sind und bei denen nicht der Rand ausgefressen ist. Dann sind wieder die Könner gefragt (zu denen ich mich beim fotografieren sicher nicht zähle). Wegen einem App gleich das Ende der Fotografie zu sehen? Na ja. Seh ich anders. Bedenklicher wäre es, wenn eine Kamera auf den Markt käme, die die Motive usw. selber perfekt ausleuchtet 😉

  • Was ist gg Amateure zu sagen? Hätten Amateure nicht damit angefangen das zu tun, was zuvor Profis vorbehalten war, gäbe es diese Seite hier nicht. Aus der Leidenschaft von Amateuren können wichtige, professionalisierte Dinge werden.
    Ein elitärer und snobistischer Blick auf die ganze Sache ist eben auch nur dies, elitär und snobistisch.

  • Ich finde die Entwicklung nicht schlecht. Zusätzlich wird es weiterhin Unterschiede geben. Wer die Grundregeln der Fotografie beachtet wird immer noch bessere Resultate erzielen wie der „Normalo“ der einfach mal mit der Kamera drauf hält…

  • Instagram ist ein Werkzeug, genau wie Photoshop. Verstehe das Problem nicht, gibt ohnehin schon Unmengen an Photoapps fürs Android und sicher werde ich mir auch Instagram anschauen. Der Künstler ist aber immer noch der Photograph, der Motiv und Filter auswählt. Gibt auch genug Instagram-Müll…

  • Vieles am Artikel kann ich nachvollziehen. Dann sehen eben die vielen nutzlosen Facebook-Profile noch etwas spektakulärer aus. Aber die Auswirkung erwarte ich weniger dramatisch, obwohl als Foto-Amateur seit vielen Jahren unterwegs.

    Wahre Ästheten und Fotokenner sehen immer, wie gut ein Bild ist. Egal ob Amateur oder Profi. Wenn durch Instagram und Co wirklich interessante Kreationen hinzukommen, warum denn nicht? Ist ja wohl nicht ausgeschlossen. Und mit einem iPhone macht man die Bilder anders als mit einer sperrigen SLR. Zum Glück sind die iPhone-Bilder (oder eben Androide) nun auch noch anständig aufgelöst und einigermaßen scharf, vergleichen mit der Generation der iPhone 3GS-Kameras.

    Der Rest der Konsumenten-Gemeinde wird den Unterschied sowenig wahrnehmen wie eben früher auch den Unterscheid zwischen einem guten Bild und einem eher durchschnittlichen Urlaubs-Schnappschuss.

    P.S.: Instagram auf Android wird auch nicht viel ändern. Hier in Frankfurt haben fast alle Asiprolls ein iPhone4S….

  • Ich finde den Ärger der iPhone Nutzer darüber das Instagram nun auch für Android-Geräte verfügbar ist vollkommen unverständlich. Aus Entwicklersicht ist dies ein vollkommen logischer Schritt, da Android eine Vielzahl an Nutzern bietet und eine große Community ist sicherlich das Hauptziel der Entwickler. Außerdem ist Instagram ein Tool zum Bearbeiten von Fotos, etwas was es bereits in vielfacher Ausführung gibt und somit auch durchaus jedem zur Verfügung stehen darf.

  • Instagram (und wie all die Dinger heißen) verhält sich zur Fotografie wie sich Ketchup zum Essen verhält: was schlecht ist schmeckt damit wenigstens nach irgendwas, wenn auch alles gleich. Was vorher gut war wird dadurch sicher nicht besser.

  • „Im Umkehrschluss bedeutet das eine völlig neue Herangehensweise an die Fotografie: Was soll ich mich noch drum scheren, was meine Kamera da aufnimmt? Interessantes Motiv, goldener Schnitt, Objekt gut ausgeleuchtet? Egal! Einfach draufhalten und mal gucken, was Instagram draus macht.“

    Das mag am Anfang vielleicht so sein, irgendwann will man aber mehr aus den Fotos rausholen und fängt eben doch wieder damit an, sich intensiver mit der eigentlichen Aufnahme zu beschäftigen. Man braucht sich auf Instagram nur mal die Fotos von Bosch anzusehen, dann weiß man, dass es nicht nur darum geht, wahllos irgendwelche Filter bei misslungenen Bildern anzuwenden.

    Und wenn schon, ist es wirklich ein verbrechen, wenn ich persönlich das Gefühl habe, dass ein mittelgutes Foto von meiner Katze in schwarz-weiß oder mit einem anderen Retro-Filter ein Stück besser aussieht? Ich denke nicht.

    @wortschmiede wenn ein Fotograf 37 Stunden vor Photoshop sitzt, macht er aber auch irgendwas falsch 😉

    @Bruda Dann denk mal darüber nach, wie viel „Müll“ von mehreren hundert Millionen Menschen mit Spiegelreflexkameras produziert wird… So oder so macht nicht die Kamera den Fotografen aus.

  • ich finde es grandios, wie jürgen aus dem foto eines leeren kaffeebechers ein kunstwerk gemacht hat. #instagram

    wobei, instagram schert mich nach wie vor nicht die bohne.

  • @Jürgen „Jetzt kommen die blutigen Amateure.“

    Das gibts überall, oder nicht? Homepage-Baukästen wachsen auch wie Pilze aus der Erde. Man siehts sofort und die Meisten sehen einfach scheiße aus. Darüber ärgern sich auch die „richtigen“ webdeveloper und -designer.
    Diese Seiten begegnen uns überall, man kanns nicht ändern, außer diese seite nie wieder zu besuchen.
    Während man auf Instagram auswählen kann, welche Amateur- und Profifotos man sehen will und welche nicht. Wer 1000 Leuten followt und deren Müll sieht, ist selbst schuld.

    „Es wird ein Einheitsbrei voller Pseudo-Kunst “
    Die wirkliche Kunst ist nicht, irgendeinen der Filter auf sein Bild zu schmeißen, sondern das richtige Motiv zu finden. Wenn ich Müll fotografiere, macht ein Filter es auch nicht besser. Und in den meisten Fällen, werden die Instagram Filter gar nicht erst benutzt. Man suche da nur mal nach den Usern ovan oder toddglee…?!
    Bin da ganz Platero’s Meinung
    „Steile These. Filter machen aus schlechten Fotos also gute? Ich denke eher, nichtssagende Fotos bleiben nichtssagend – nur bunter.“

    „Interessantes Motiv, goldener Schnitt, Objekt gut ausgeleuchtet? Egal!“
    Diese Leute haben keine Ahnung und werden nie Ahnung haben. Diejenigen kommen ja dann auch nicht weit. Außer man lernt draus. Ob die perfekte Ausleuchtung bei Handy Fotografie überhaupt grundlegend relevant ist, bleibt eine gute Frage.

    „Wir werden in den nächsten Jahren von Fotos überschwemmt werden, die die Urheber für künstlerisch wertvoll halten.“
    Und das auch eben nur dann, wenn man demjenigen folgt. Wie soll man an Instagram Fotos eines Users kommen, wenn man nie von ihm gehört/sein Profil angeschaut/ihn gefollowt hat? Du siehst ja jetzt auch nicht meine Tweets. oder?

  • Find Instagram strange, sieht gut aus so füpr schlechte Qually Pics. Ich nutze eine EOS 1Ds mark II DSLR und da geht man nicht mit Instagram ran. Im Web sieht es ok aus, aber für anderes unbrauhcbar, echte Fotografie geht eh nicht weg…klar nutzen es viele, will ich nicht abstreiten, aber ob es jemals 80% der User erreicht? – fraglich… ^^

  • Ich finde Instagram eigentlich sehr cool, natrürlich haben diese Filter nichts mit dem Können einen Fotografen zu tun, jedoch hat meine die DSLR nicht ständig dabei und wenn einem auf dem Weg etwas auffällt, kann man ein typisches „Handybild“ noch ein klein wenig aufwerten. Sogar den Assiproll GTI und natürlich den dicken Benz vom Chef!

  • @jessman5 hmm… hab mir gerade mal die Fotos von ovan und toddglee angesehen.

    1. alles, was ich auf „populagram“ sehen konnte war mit fetten Filtereffekten versehen (http://populagram.appspot.com/user/ovan, http://populagram.appspot.com/user/toddglee) und
    2. bestätigt es meine Meinung: alle diese Fotos sind, mit der fetten Effektschicht, ununterscheidbar. Ketchup drüber! Da ist ein gutes Foto drunter (das mit den Strandkörben oder was das ist), der Rest ist pure Banalität, die erst durch die Filter eine, allerdings völlig uninteressante, Wirkung bekommt.

    Leider tauchen Fotos dieser Art ja in allen möglichen Sozialen Netzen auf und werden von einer großen Zahl Menschen für toll befunden. So war’s vor ein paar Jahren noch mit schlecht gemachtem HDR mit fetten Halos. Es ist schade, wenn die Fotografie so langweilig wird, daß schlechte Effekte das Sahnehäubchen werden.

  • habs auch ausprobiert.
    Ist ganz nett muss ich sagen. mehr aber auch nicht.
    Das ist halt was für die Latte Macchiatto trinkende, Nerdbrillen tragende Hipster Generation. Die GTI-Prollos haben eher die Nacktscanner-Apps.
    Mir gefällt pixlr-o-matic für Android weitaus besser als instagram.
    Ausserdem geht doch der Trend eher wieder in Richtung alt wirkende Analogaufnahme mit echtem Film, ala Lomographie und Konsorten.

  • @Peter „pure Banalität“
    Alltagsdinge, ja. Aber jeder Mensch sieht einen Baum anders. Es ist Kunst, den Baum so zu sehen/fotografieren, dass er eben nicht wie der Baum aussieht, den ich gesehen habe. Und ja, wenn er es schafft den für mich normalen Baum so abzulichten, dass er interessant und schön aussieht, dann finde ich das toll!
    toddglee zb benutzt zwar (nicht die instagram) Filter, aber es hat ne gewisse Anmutung. Er schmeißt nicht wahllos für jedes Bild irgendwelche Filter zusammen. Er hat seinen eigenen Stil. Jedes Bild benutzt dieselben Filter. Das nennt man einheitlich.

    @chris
    Pixl-o-matic ist ganz cool ja, aber da wird ja wohl mit filtern etc extrem übertrieben! wenn irgendwo kack-verfilterte Bilder entstehen, dann da!
    Wenn du auf analog stehst empfehl ich dir Camera+

    Habt ihr eigentlich mal an die gedacht, die sich keine teure 1000€ Canon leisten können? Ich zb bin Azubi. ja. Ich werd mir noch lang keine Canon holen können! Aber selbst wenn ich eine habe, werde ich diese Fotos bearbeiten und auf instagram packen, weil es eine nette Community geworden ist und sie ist scheiße schnell gewachsen. Bei Instagram geht es um das Motiv.. nicht um die Filter!

  • @jessman5 es geht doch gerade nicht um die Kamera!
    Fotografie ist ein (mindestens) vierstufiger Prozess:

    Imagination – Auge – Kamera – Entwicklung

    Auf jeder dieser Stufen kann ich ein Foto verbessern. Jeder dieser Stufen ist kreativ.

    Ich unterstelle der Masse an Instagram Bildern einfach, daß sie diese Kreativität über Bord wirft. Der Filter wird’s schon richten. Das Ergebnis sind dann eben solche Bilder, wie sie auf „populagram“ zu sehen sind. Alle irgendwie gleich, die meisten grottenlangweilig.

    Es gibt Menschen, die mit den allerletzen Kameras gute Fotos machen, weil sie eine gute Imagination und ein gutes Auge haben. Dazu braucht es keine tolle Ausrüstung (tatsächlich steht die oft im Weg). Wer dann noch weiß, was er in der Nachbearbeitung tun kann, um sein Bild dem anzunähern, was er am Anfang im Kopf hatte, der kann wirklich was schaffen.

    Diese zu Tode gefilterten Schnappschüsse sind bestenfalls Fast Food.

  • @Peter Ich zitiere mich selbst „Die wirkliche Kunst ist nicht, irgendeinen der Filter auf sein Bild zu schmeißen, sondern das richtige Motiv zu finden. Wenn ich Müll fotografiere, macht ein Filter es auch nicht besser.“

    Für das richtige Motiv braucht man, wie du sagst, Imagination und Auge. ja. Hatte ich oben aber schon gesagt. Nur etwas anders.
    Zur Kamera: „es geht doch gerade nicht um die Kamera!“ sagst du ja grad selbst. Also egal ob Canon oder iPhone.
    Und bezüglich Entwicklung.. bei jeder digitalen Kamera macht man die wirkliche Entwicklung ja nicht mehr selbst. Also gehts dann wohl um die Bearbeitung. Es ist in der Tat ein Unterschied, ob man jetzt nur ein bisschen nachschärft und nachbelichtet und vl das ganze Bild in einheitliche Töne färbt, oder das ganze Bild mit unendlichen Filtern versaut. Da geb ich dir recht. Aber wie ich in meinem ersten Kommentar schon sagte: das ist nicht die Kunst! Und darauf kommt es bei Instagram auch nicht an. Das macht vl den ersten Eindruck, weil einem die Filter direkt angeboten werden, aber (wie ebenfalls gesagt) nutzen die Meisten die Instagram Filter nicht.

    Für Diejenigen, für die es aufs Motiv ankommt (jetzt mal ausgenommen, ob eingefärbt oder nicht. Das ist halt ein Stilmittel) werfen die Kunst eben nicht über Bord. Die fotografieren ja auch nicht jeden Scheiß. Und die, die denken „Der Filter macht das schon“ ja… habe ich auch schon gesagt: die haben keine Ahnung!

    Und wenn du diese Schnappschüsse nicht sehen willst, meld dich halt nicht bei Instagram an. Wenn du nicht twittern willst, meldest du dich auch nicht bei twitter an und wenn du keine Lust auf facebook hast…. Niemand zwingt dich! Right?

  • ich hab ja nicht gesagt, daß man mit einem iPhone oder Androiden keine guten Fotos machen kann. Ich selbst halte es so, daß ich alles, was aus dem Handy kommt grundsätzlich als „Wegwerffotografie“ betrachte. Die technische Qualität ist in den meisten Fällen viel zu gering, um daraus etwas dauerhaftes zu machen.

    Mir geht es eben um diese ewiggleiche Optik, die Programme dieser Art ausspucken.

    Klar brauch ich mich nicht auf Instagram anzumelden, und offen gesprochen: ich käm nichtmal drauf. Aber: sobald Du in irgendeinem sozialen Netz bist kommst Du dem nicht mehr aus!

    Vielleicht ist es ja auch nur der Neid, der mich da so hart macht: ich muß für ein gutes Foto zuweile ne ganze Zeit arbeiten, nähere mich dem Objekt von mehreren Seiten, breche es, suche Ausschnitte und Winkel, versuche es zu de-konstruieren. Wenn ich dann sehe, daß ein paar Bäume mit fetter Vignette und Gelbtönung tausendfach gelobt werden, dann frag ich mich, was denn da falsch läuft. Aber andererseits hab ich das auch mit vielen anderen Postprocessing Techniken schon erlebt. Wie gesagt, HDR ist auch so’n Ding, jeder Trottel kann an den Reglern drehen, bis jede Kante ne leuchtende Halo wirft und es finden sich immer Unmengen Menschen, die genau das mögen. Warum wird mir ein Rätsel bleiben. Zum Glück wird dann in ein paar Monaten eine neue Sau durch’s Dorf getrieben.

  • Das ist ja der Hammer. Irgendwie fühle ich mich, als Besitzer einer teuren Spiegelreflexkamera, verarscht.

    Alle tun so, als ob es nur ums Bild geht. Dabei konnte man bisher auch sowohl mit ganz billigen wie auch mit teuren Knipsern gute Bilder machen. Das war schon zu Film-Zeiten so.

    Nein, ich operiere ein DSLR-Equipment wegen der Technik. Objektive mit Zoom oder knackscharfe Festbrennweiten, verstellbare Blenden, rauschfreie Nacht-Bilder vom Stativ mit 300mm Brennweite, 2cm grosse Dinge mit Makro auf A3 gedruckt, Serienbilder und so weiter und so fort.

    Wer ambitioniert fotografiert, kann sehr wohl unterscheiden, wie ein interessantes Bild entstand. Und ja, das kann auch mal ausnahmsweise mit gefilterten Handies sein. Das Gute ist, man sieht es sofort. Immer.

  • Wie elitär!
    Gönne doch einfach jedem sein schöneres Photo. Anschauen müssen wir bestimmt nicht plötzlich allerlei private Aufnahmen. Da entscheidet man ja weiterhin noch selbst 😉

  • So ganz kritisch sehe ich das nun eigentlich nicht. Gut die Fotos werden aufgehübscht, aber daran ist nicht nur Instagramm schuld. Gimp, Photoshop und Co bieten ja auch immer mehr solche Filter an.

    Und ob die hässlichen Bilder dann wirklich schöner werden, wage ich zu bezweifeln. Besser ja, aber schöner nein.

  • sehr schlechter beitrag. aber gut um viele kommentare zu bekommen, da die zielgruppe genau erreicht wird.
    Übrigens habe ich schon vor 1 Jahr mit meinem Samsung Galaxy S II schlechte Fotos mit Filter bearbeiten können. Nun habe ich ein iPhone und bisher kein Instagram benutzt, sondern das viel bessere Snapsheets

  • Warum die große Angst vor massenhaft schlechten Fotos, Robert? Die Technik offenbart doch nur Möglichkeiten und ist selber neutral. Immer, wenn in der Geschichte etwas Neues kam, wurde es verteufelt und angehimmelt. Sprengpulver, Dampfmaschine, CD … (oder was weis ich nicht alles).

    Warum soll sich der Amateur nicht darüber freuen, eine weitere Option zu bekommen „bessere“ Bilder zu machen. In der Kombination Smartphone & Instagram (& Co.) wird es neben vielem, schnell langweilig werdenden Material auch wahre Künstwerke geben. Warum also nicht? Ob die von einem Amateur oder Profi sind, ist mir völlig egal! Warum soll ein Profi generell besser sein, als ein Amateur? Wer bestimmt das?

    Was Kunst oder keine Kunst ist lässt sich schon lange vortrefflich diskutieren. Die Bilder des Fotografen Thomas Ruff auf Spiegel Online, zeigen wie groß hier allein die Bandbreite eines einzelnen Künstlers sein kann ((http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,824858,00.html).

    Warum soll ein Amateur nicht generell auch die Chance bekommen ein gutes Foto zu liefern und wenn auch nur durch Zufall? Warum darf ich meine Bilder nicht in dieser Form erstellen und bearbeiten, wenn mir der Prozess der Kreation Glück und Befriedigung schafft, oder von mir aus auch Anerkennung von Oma?

    Die Profis stehen Angesichts solcher Massen an Bildern und Effekten natürlich etwas unter Druck, aber für Profis ist Effekt halt nicht die einzige Gestaltungsmöglichkeit (eher sogar eine schlechte!). Wie hier in den Kommentaren bereits mehrfach betont, liegt bereits in der Reduktion beim Motiv selber schon eine Professionalität, welche so leicht nicht nachzumachen ist. Meisterhaftes zum Thema Reduktion findet sich bspw. unter http://www.leiska.de (Jammerbugten). Das sind dann auch Bilder, welche sich nicht auf Flickr, sondern im Format 100 x 200 in Galerien finden und ihren Preis haben!

    Ein Profi ist auch in der Lage mehr als nur einzelne gute Bilder zu kreieren, sondern versteht etwas von Thema und Serie und meist sieht er schon „Das Bild“, bevor er auf den Auslöser drückt. Ein Profi kann nach Auftrag arbeiten, sonst verdient er nämlich kein Geld mit seiner „Profession“. Und davon ab: Profis versuchen Neues zu finden und experimentieren daher auch genau mit der von Dir beschriebenen Technik.

    Um als Betrachter/Nutzer wiederum die Stecknadel im Heuhaufen zu finden, oder die Spreu vom Weizen zu trennen, müssen wir ja inzwischen nicht mehr in Katalogen blättern, sondern können auf Datenbanken, Tags, Filter und Suchbegriffe zugreifen. Also, wo gibt`s was zu meckern? 🙂

  • Mich langweilen diese Instagram Fotos mit ihrer Pseudo-Ästhetik. Und diese Kriegsreportagen die per Instagram auf ästhetisch getrimmt sind, finde ich hirnlos. Ich gebe dem Artikel insofern Recht, dass die Instagram-Manie einen weiteren Verfall des Sehens bedeutet. Nicht aufzuhalten, klar, aber durchaus kritisch zu begleiten.

  • Diese Kunstfilter erzeugen ja nur den Touch interessanter Motive, können solche interessanten Motive aber niemals schaffen, sondern allenfalls welche unterstreichen. Originelle Motive entstehen immer noch durch den originellen Blick und originelle Perspektiven auf einzelne Objekte, also im Kopf von Fotografen.
    Ein Problem sehe ich darin wenig, zumal die eigentliche Explosion der Amateurfotografie sowie mit dem Aufkommen preiswerter Digitalkameras eintrat. Der geschmackvolle Fotofreund wird interessante, originelle Fotos auch in Lawinen von Instagram-Pseudoschund als solche ausmachen können. Die weiter anschwellenden Fotomassen erschweren das zwar einerseits, bringen aber andererseits auch immer mehr erstaunlich gute Fotos hervor. Gute Adressen dafür sind m.M. z.B. Flickr und Panoramio.

  • Erst heißte es „Etwas, was früher Profis vorbehalten war, kann in Kürze auch der Asiproll…“
    und dann „Bislang war die Foto-App Instagram nur iPhone-Besitzern vorbehalten…“
    Dann sind als I-Phone Knipser Profifotografen oder wat???!!!!!! Und alle anderen Asiprolls……

  • Seit ich ein iPhone 4S habe, nutze ich auch Instagram – und das so gerne, dass ich mich immer häufiger überreden muss, auch mal wieder meine (recht teure) Spiegelreflex einzusetzen.

    Ganz ehrlich: Welche Technik hinter einem Bild steht, ist dermaßen scheißegal, das mir die Worte fehlen. Und würde ich meine Auftraggeber nicht verschrecken, hätte ich wahrscheinlich öfter mal das iPhone gezückt, um einen Job zu erledigen.

    Falls ihr vergleich wollt – hier mein Fotoblog aus DSLR- und iPhone-Bildern http://moodway.de/bilder/ – und was sieht jetzt besser aus?

    Kunst fragt nicht nach dem verwendeten Equipment …

  • Wenn für Millionen Fotos die gleichen Filter verwendet werden, ist es keine „Kunst“ mehr sondern eine Modeerscheinung
    Kunst gibt es nicht auf Knopfdruck und Moden wechseln bekanntlich meist schneller als es den Machern lieb ist.

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