Facebook testet Highlighted Updates und Cloud-Speicher für Gruppen: Börsengang vor Augen

Jürgen Vielmeier


Kauf dir Aufmerksamkeit: Weil angeblich nur 12 Prozent eurer Facebook-Freunde eure Status-Updates auch wirklich lesen, bekommt ihr bald möglicherweise die Chance, sie sichtbarer zu machen. Facebook bestätigte der Technikseite Stuff.co.nz, dass man ein derartiges, kostenpflichtiges Feature mit einigen Nutzern teste. Was „sichtbarer“ heißt: Hervorgehobene Posts erscheinen für jeden Freund oben im Facebook-Feed. Sie bleiben länger dort stehen und werden besonders farblich gekennzeichnet.

Ein „Highlighted Update“ kostet im Test 2 US-Dollar, zahlbar per Kreditkarte oder PayPal – nicht mit Facebooks hauseigener Währung Credits. Offen ist allerdings noch die Antwort auf die Frage, was mit „Freunden“ ist, die man eigentlich ausgeblendet hat. Wird man deren Geschwafel dann trotzdem wieder lesen müssen? Das Feature richtet sich laut Facebook zunächst an Privatnutzer und erst einmal nicht an Unternehmen. Falls doch, könnte das der Anfang vom Ende für Facebook sein. Ob hervorgehobene Updates jemals für alle Nutzer ausgerollt wird, wollte man bei Facebook noch nicht sagen. Ich hoffe nicht.


Außerdem testet Facebook derzeit einen Online-Speicher: Jeder Nutzer soll bis zu 25 GByte hochladen können und mit anderen Nutzern austauschen. Dokumente, kurze Videos, aber keine Musik oder .exe-Files. Eine Antwort auf Google Drive oder Dropbox ist das allerdings höchstens indirekt: Die Möglichkeit soll vorerst ganz im „sozialen“ Sinne nur für Facebook Gruppen zur Verfügung stehen. Ein privater, persönlicher Speicher ist damit offenbar nicht gemeint.

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Nutzer und Investoren bezirzen

So oder so: Facebook ist wieder aktiv, versucht mögliche Investoren mit seriöseren Funktionen wie dem App Center oder der Integration in Bing zu umschmeicheln. In einer Woche geht es für das Social Network an die Börse und die Prognosen könnten wahrlich besser sein. Je nachdem, wen man fragt, besteht ein großes Interesse an den Anteilsscheinen oder eine schwache Nachfrage. Auch mit Ehrlichkeit („Schwächen im bisherigen Geschäftsmodell„) wirbt man kurz vor Schluss noch einmal um die Gunst der Geldgeber.

Mir scheint, als wollten Investoren verschiedener Lager die Stimmung für ihre eigenen Interessen nutzen. Ich gehe von einem soliden Börsenstart des Social Networks aus. Die Aktie dürfte ihr Geld wert sein, große Wertsteigerungen erwarte ich aber eher weniger. Das Geschäftsmodell basiert auf Vertrauen und geringen Eintrittsbarrieren. Jetzt alles umzuschmeißen und mit Funktionen wie Highlighted Updates Geld zu verdienen, werden die Nutzer nicht mittragen. Für Facebook wird es eine Gratwanderung zwischen den Interessen von Investoren und denen der Nutzer. Diese stehen sich diametral gegenüber.

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(Jürgen Vielmeier, Screenshots: Stuff.co.nz, Mashable)

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Jürgen Vielmeier ist Journalist und Blogger seit 2001. Er lebt in Bonn, liebt das Rheinland und hat von 2010 bis 2012 über 1.500 Artikel auf BASIC thinking geschrieben.