Facebook: Willkommen im Börsen-Wunderland

Jürgen Vielmeier

Facebook hat gestern Nacht im Rahmen des lange erwarteten Börsengangs den Höchstpreis von 38 US-Dollar je Aktie festgesetzt und damit für sich und seine Investoren 16 Milliarden Dollar eingenommen. Jetzt geht es zum Start des Aktienhandels darum, wie sich der Kurs entwickelt. Von Analysten und Experten wird ein rosiger Start erwartet. Gleichzeitig warnen viele vor einem langfristigen Wertverlust. Und endlich gibt es jemanden, der nicht nur auf die Euphoriebremse tritt, es gibt auch jemanden, der den Kurs der Aktie höchstselbst in den Keller treiben will: Schleswig-Holsteins oberster Datenschützer Thilo Weichert ist der Mann, der Facebook-Anlegern schon jetzt den Spaß verdirbt. Er sagte der FAZ in einem Interview:

„Wer als Aktionär spekuliert, muss damit rechnen, dass, wenn sich der Datenschutz in Deutschland und Europa mit seinen Belangen durchsetzt, das Geschäftsmodell von Facebook in sich zusammenbricht.“

Wie lange also dauert die Party, zu der sich immer neue Mitspieler gesellen?

Spotify etwa erhielt gestern frisches Kapital und bleibt im Milliardärsklub, in den Pinterest frisch einsteigt. Und passenderweise, um uns an eine ältere Blase zu erinnern, gibt es ein neues Urteil: 17.000 Kleinanleger scheitern vorerst mit einer Klage gegen die Telekom. Sie fühlten sich nicht ausreichend über den wahren Wert des Unternehmens informiert, als das Unternehmen 1996 an die Börse ging. Tja, und heute? Weiß jemand, womit genau Facebook seine 1,04 Milliarden Dollar umsetzt?

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Derweil pumpt Pinterests neuer Hauptinvestor Rakuten aus Japan 50 Millionen der neuen 100 Millionen Dollar in die soziale Pinnwand. Vage Hoffnung: Dass die Nutzer nicht nur gucken und pinnen, sondern auch etwas von dem kaufen, was sie dort sehen. Diese Hoffnung bewertet Pinterest neu auf 1,5 Milliarden US-Dollar.

Werben um die Schönheitskönigin

Spotify wird neu auf 4 Milliarden Dollar bewertet. Der Musikabodienst, der im März in Deutschland startete, setzt bewiesenermaßen Geld um, tritt aber einen Löwenanteil davon an die Musikindustrie ab und dürfte es schwer haben, jemals profitabel zu werden. Im vergangenen Jahr schrieben die Schweden einen Verlust von 59 Millionen bei einem Umsatz von 250 Millionen Dollar.

Manchmal erinnert mich dieses Wetteifern an eine US-Teeniekomödie. Alle Jungs buhlen um die Jahrgangsschönste und überbieten sich mit Geschenken und Aufmerksamkeiten. Es bestärkt das Mädchen in seinem Selbstbewusstsein und lässt sie weitere Zuwendungen fordern, die sie natürlich auch bekommt. Und am Ende? Stellt sich heraus, dass hinter der schönen Fassade nicht viel gewesen ist, was die ganzen Geschenke gerechtfertigt hätte. Aber die bekommt man natürlich nicht mehr zurück…

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(Jürgen Vielmeier)

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Jürgen Vielmeier ist Journalist und Blogger seit 2001. Er lebt in Bonn, liebt das Rheinland und hat von 2010 bis 2012 über 1.500 Artikel auf BASIC thinking geschrieben.