GamePad und Wii U: Hat Nintendo das Zeug dazu, wieder Vorreiter zu werden?

Jürgen Vielmeier


Ich bin hin- und hergerissen: Was Nintendo-President Satoru Iwata da gestern im Vorfeld der Spielemesse E3 in einem halbstündigen Video angeteasert hat, sieht teilweise bemerkenswert aus. So bemerkenswert, dass man meint, man hätte das alles schon einmal gesehen. Hat man nämlich auch: Bereits vor einem Jahr im Vorfeld der Spielemesse E3 2011 in Los Angeles. Im Wii U GamePad ist weiterhin alles drin, was Nintendo hätte reinpacken können: Touchscreen, Second Screen, NFC, Beschleunigungssensoren, Gyroskop, Mikrofon, Frontkamera – und eine Unzahl an Tasten. Ihr könnt das GamePad als Fernbedienung nutzen, ihr könnt damit kleinere Spiele im Controller selbst spielen, ihr könnt auf dem 6,2-Zoll-Touchscreen auch etwa Zeichnungen erstellen, entweder mit dem Finger oder mit einem Stylus. Wo hört da ein Controller auf und wo fängt eine mobile Spielekonsole an?

Was sich jetzt innerhalb dieses einen Jahres getan hat? Die Sensortasten wurden durch druckempfindliche Analogsticks mit 360-Grad-Steuerung ausgetauscht und sind weiter an den Gehäuserand gerückt. Nintendo unternimmt nichts gegen die Flut an zusätzlichen Control-Knöpfen – der Trend scheint bei allen Herstellern hin zum 10-Finger-System zu gehen. Die Japaner wollen da nicht fehlen und verpassen damit die Chance, weiterhin mit Einfachheit zu punkten, wie bei der ihrerzeit revolutionären Wii Remote. Und zusätzlich hat man bei einigen Entwicklungen Microsoft all zu offen den Finger gezeigt.

Die ergonomisch geformten Handballen auf der Rückseite des GamePads, die Anbindung an ein soziales Netzwerk in der Wii U (Miiverse) und vor allem der zweite Controller Wii U Pro, der dem Gamepad der Xbox 360 fast gleicht, wie ein Ei dem anderen. Es scheint eine Botschaft in Richtung Microsoft zu sein: Was ihr könnt, können wir längst, nur besser.

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Auch die Grafik, die Nintendo für einige der Spiele anteasert, könnte endlich mit der von Xbox und Playstation 3 konkurrenzfähig sein. Ein kleiner Vorsprung ist da alles in allem durchaus zu sehen, auch wenn Nintendo bislang nichts von einer Kinect-ähnlichen Gesten- und Sprachsteuerung angekündigt hat.


Sehr schön gefällt mir die Möglichkeit, einige Spielelemente mit dem GamePad zu steuern, etwa, Wurfsterne direkt von der mobilen Steuerung auf den großen Bildschirm zu werfen. Nintendo nimmt außerdem den Begriff „Second Screen“ wörtlich und macht es für andere Spieler möglich, das Spiel auf dem GamePad mitzuspielen. Beim Baseball etwa kann ein Spieler mit der WiiMote schlagen, während ein anderer den Ball mit dem GamePad fängt. Das Zusammenspiel mit anderen soll nicht nur im eigenen Wohnzimmer möglich sein, wie Iwata unterstreicht, sondern über mehrere Wohnzimmer hinweg. Und doch darf man nicht außer Acht lassen, dass das GamePad ein ganz schön großer, wenn auch offenbar leichter, Kasten geworden ist.

Das Social Network Miiverse? Kommt zu einem Zeitpunkt, in dem Social Networks auf dem absteigenden Ast sind. Trotzdem eine Erweiterung, die Spieler heutzutage erwarten. Das alles kommt zusätzlich zu dem, was mich vor einem Jahr begeistert hat. Ich habe damals erwartet, dass die Wii U ein großer Erfolg werden wird. Heute bin ich nicht mehr ganz so euphorisch, aber immer noch begeistert. Sony und Microsoft haben dem zur Zeit nicht viel entgegen zu setzen. Im Herbst soll die Wii U dann endlich auf den Markt kommen – und das wird auch langsam Zeit.

(Jürgen Vielmeier, Bilder: Nintendo)

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Jürgen Vielmeier ist Journalist und Blogger seit 2001. Er lebt in Bonn, liebt das Rheinland und hat von 2010 bis 2012 über 1.500 Artikel auf BASIC thinking geschrieben.