Sonstiges

Joyn: Der SMS-Nachfolger und WhatsApp-Konkurrent wird bei der Telekom kostenpflichtig


Von der Telekom sind heute erste Preise über den SMS-Nachfolger Joyn durchgesickert. Was zu befürchten war, hat sich jetzt bewahrheitet: Zumindest im Billigtarif „Special Call 100“ wird der Multi-Messenger kostenpflichtig sein. Der Versand einer Nachricht schlägt mit 19 Cent zu Buche, der Versand einer Datei mit 39 Cent.

Der Unterschied zu SMS und MMS? Größere Datenmengen, mehr Multimedia möglich, meinetwegen auch mehr Komfort. Doch bei der Preispolitik bleibt alles beim Alten. Der monatliche Grundpreis für Special Call 100 beträgt 9,95 Euro – womit es einer der Einsteiger-Tarife bei der Telekom ist. Enthalten sind darin 100 Freiminuten in alle Netze, ansonsten kostet aber fast alles extra. Benutzt man Videotelefonie über Joyn, werden doppelt so viele der Inklusivminuten berechnet. Immerhin: Datenvolumen, die über Joyn anfallen, werden nicht auf das monatliche Inklusivvolumen aufgeschlagen.

Mit Messenging ist in Zukunft keine Kasse mehr zu machen

Es ist davon auszugehen, dass die Telekom Joyn in ihren teureren Complete-Tarifen nicht extra berechnet. Vielleicht wird Joyn darin auch als besonderes neues Kostenlos-Feature gepriesen. Mit dem Kopf schüttele ich gerade trotzdem. Die Produktmanager bei der Telekom haben es offenbar nicht verstanden: Niemand braucht Joyn, zumindest niemand, der ein monatliches Datenpaket hat. Er kann dann kostenlose Messenger wie WhatsApp, iMessage (auf dem iPhone), ChatOn (von Samsung), Skype oder meinetwegen sogar ICQ benutzen. Joyn kann nicht mehr als die anderen auch.

„Irgendwie müssen wir ja damit Geld verdienen“, werden die Mobilfunkbetreiber sagen. Tja, müsst ihr. Aber auf diese Weise? Sicherlich bei den Kunden, die es noch nicht besser wissen. Die wie eh und je über SMS kommunizieren oder vielleicht kein Datenpaket haben. Sobald sich das ändert, können die Tarifanbieter erneut punkten, indem sie dann Joyn „endlich kostenlos“ machen. Die, die andere Messenger kennen, werden nicht darauf hereinfallen und kostenpflichtige Dienste niemals nutzen.

Als die Telekom Joyn im Februar offiziell unter dem Namen vorgestellt hatte, hatte ich dem RCS-e-Produkt eine große Zukunft vorhergesagt. Zu bedenken gab ich aber auch: Joyn wird sich nur durchsetzen, wenn es kostenlos ist. Dem hat die Telekom hier gerade massiv entgegen gewirkt.

Update: Die Telekom hat in einem Blogpost dazu Stellung genommen und noch einmal unterstrichen, wie ich oben andeutete, dass Joyn in Datentarifen kostenlos sein werde. /Update

(Jürgen Vielmeier, Screenshot: GSMA)


Vernetze dich mit uns!

Like uns auf Facebook oder folge uns bei Twitter


Über den Autor

Jürgen Vielmeier

Jürgen Vielmeier ist Journalist und Blogger seit 2001. Er lebt in Bonn, liebt das Rheinland und hat von 2010 bis 2012 über 1.500 Artikel auf BASIC thinking geschrieben.

25 Kommentare

  • Wie sau schlecht ist das? SMS bekommt man heute schon für 6-9 Cent und die hauen sogar noch den Standardtarif von 19 Cent drauf.

    Was soll das für ein Messenger sein?

    „Hey“ kostet 19 Cent.
    „Wie gehts?“ kostet 19 Cent.
    „Was machst du?“ kostet 19 Cent.

    Absolut unrealistischer Quatsch.

  • joa. selbst schuld wer darauf reinfällt. besser, wer überhaupt bei der telekom einen überteuerten vertrag hat.

  • Und dann bestimmt noch extra teure Roaming Gebühren, die EU Vorgaben gelten ja nur für SMS und nicht für Joyn 😉

  • Genau deswegen gibts einen SMS Nacholger (würde ja sonst auch alles über das Internet gehen) … damit man (zumindest am Anfang) wieder höhere Preise verlangen kann. Irgendjemand wirds schon kaufen^^

  • und in anderen ländern bekommt man 5000 sms für 5 dollar. was für die betreiber wahrscheinlich immer noch eine gewinnmarge von hunderten prozent ist.

  • Joyn ist ja meiner persönlichen Meinung nach auch eher ein me2 Produkt das sich am Markt nicht wirklichen etablieren wird.
    Da müssten schon ein paar ganz tolle featuren kommen damit sich die breite Masse von WhatsApp wegbewegt.
    Und SMS Nachfolger? Hallo? Das Thema ist doch inzwischen durch oder?

  • Die Telekom hat doch von Anfang an gesagt, dass Sie nicht glaubt, dass Joyn die Zukunft gehört. Man wolle da eher abwarten was am Markt so passiert und was der Wettbewerb macht.
    In Zeiten von iMessage und noch viel mehr WhatsApp wird jeder die Chancen von Joyn einkategorisieren können.
    Aus diesem Grunde kostet Joyn bei der Telekom auch für Smartphone Besitzer gar nichts! Die 19 Cent ist eine vollkommene Fehlinformation. Dies gilt nur bei reinen Sprachverträgen, die inzwischen immer weniger Kunden haben werden.
    Daher ist es nicht teuer. Kunden die Datenoptionen haben nutzen Joyn kostenlos als Alternative zu WhatsApp. Wer einen reinen Sprachtarif hat, wird WhatsApp nicht nutzen – logisch. Diese nutzen bisher SMS (für auch 19 Cent). Nun können diese Kunden eben als Messaging auch Joyn nutzen für den Selben Preis.

  • Ich kann ebenfalls nur sagen, dass sich dies anhört wie ein Griff ins Klo.

    Ist auch absolut typisch Telekom: Der ehemalige Staatskonzern, der bei Mobilfunktarifen und Trends den Wettbewerbern immer meilenweit hinterherhinkt. Und jetzt wollen sie also den neuen ,,Post-SMS-Standard“ einführen. Bei 19 Cent pro Nachricht kann man sich ausrechnen, wie schnell sich da eine Datenflat oder sogar eine Datenoption rechnet, mit der der Versand von Nachrichten kostenlos ist.

  • Also ich verstehe die Aufregung nicht wirklich. In dem Tarif in dem die Nachrichten 19 Cent kosten ist keine Internetflat enthalten, also nutzen diese Leute auch kein WhatsApp & Co. Für diese Nutzer wird also bei gleichem Preis mehr geboten. Dass 19 Cent generell zu viel für ne SMS sind ist ein anderes Thema, das hat aber nichts mit Joyn zu tun. Außerdem steht in dem Telekom Blog, dass es in allen Internetflat und SMS-Flat Tarifen kostenlos ist. Außerdem soll Joyn doch auch auf Nicht-Smartphones kommen, oder? Das geht mit WhatsApp & Co. nicht.
    Sorry, ich finde den Blog schlecht recherchiert und noch schlechter geschrieben, da nichtmal die von der Telekom veröffentlichten Informationen korrekt wiedergegeben werden. Der Blog liest sich tatsächlich wie eine sinnlose Gestaltung des Services. 5 Minuten Eigenrecherche und die Welt sieht gleich ganz anders aus…
    Wenn jemand mehr wissen will, hier findet sich alles: http://blogs.telekom.com/2012/06/12/telekom-stellt-preisgestaltung-fuer-messaging-dienst-joyn-klar/

  • Hmm … für die Meisten soll joyn kostenfrei sein, aber alle nehmen es als kostenpflichtigen Service wahr. Klingt nach einem Marketingfail :).

  • Für Smartphone-User, die sowieso eine Internetflat bei der Telekom gebucht haben, mag joyn als kostenloses Extra durchaus Sinn machen und steigert durchaus auch in gewissem Maße den Mehrwert der Telekom-Produkte in diesem Bereich. Aber warum in Teufels Namen riskiert die Telekom einen Marketing Gau, indem sie die Kunden mit reinen Sprachverträgen, die sowieso immer weniger werden, so schröpft?

    Die Antwort ist aus Sicht der Telekom einfach: Das tut sich gar nicht, denn der Preis für die Message bei joyn entspricht exakt dem der SMS in den Telekom Standardtarifen – man bekommt also die Extra-Möglichkeiten von joyn ohne Aufpreis sozusagen geschenkt dazu. So kostet der Standardtarif Call S der Telekom 14,95 Euro monatlich, dafür gibt’s 120 Minuten Frei-Minuten in alle Netze, also nur 20 Frei-Minuten mehr als beim joyn-Tarif “Special Call 100″, die SMS kostet natürlich 19 Cent, auch die Gesprächsminuten sind nach dem Verbrauch der Frei-Minuten mit 29 Cent gleich teuer. Bei Call S sind zwar noch kostenlose Telefongespräche am Wochenende ins dt. Festnetz und ins dt. Telekom Mobilfunknetz inklusive, aber das macht vor dem Hintergrund des höheren Grundpreises den Kohl auch nicht fett.

    Die MMS kostet bei Call S 39 Cent, exakt der selbe Preis, den der Versand der neuen joyn Datei kosten wird, also gibt es bei joyn mehr Leistung für das gleiche Geld. Aus Sicht der Telekom ist daher der joyn-Tarif eher ein Schnäppchen als das Gegenteil – auch wenn die von den Mobilfunk-Discountern verwöhnten Kunden das anders sehen mögen.

  • Irgendwie komme ich mir als Telekommunikationskunde in Deutschland IMMER verarscht vor. Da bezahlt man ein Heidengeld für Funktionen die man in anderen Ländern hinterhergeworfen bekommt. Das bezieht sich nicht nur auf diesen Rotz hier sondern auf alle TK Dienste.

    Wir werden nach Strich und Faden abgezockt und die Unternehmen trotz Millionengewinnen auch noch zusätzlich subventioniert. *applause*

  • @Marcus #14: Zum Thema schlechte Recherche: Mein Beitrag enstand Stunden, bevor die Telekom mit dem Blogpost um die Ecke kam, den du verlinkst. Darin schreiben sie, was ich auch (als bis dahin einziger) schrieb: Dass Joyn in Complete-Tarifen vermutlich kostenlos sein wird. Alles andere habe ich oben erwähnt. Was habe ich deiner Meinung nach falsch wiedergegeben?

  • Ich nutze wie bisher iMessage und What’s App, SMS ist für mich nur noch eine Notlösung wenn ich Leute kontaktieren möchte, die kein Smartphone besitzen. Jedoch bevorzuge ich es sowieso lieber, anzurufen anstatt für viel Geld ein paar Textzeilen zu verschicken.

  • Wow 19cent pro Nachricht???Wer soll den Dienst denn deren Meinung nach Nutzen?Glaube kaum, dass es noch Leute mit einem Smartphone gibt, die nicht bereits die kostenfreien Dienste wie WhatsApp nutzen, die auf das Ganze „reinfallen“.

  • @ Jürgen: Dein Blog klingt als wäre die Telekom komplett auf dem kostenpflichtigen Modell und würde diesen Dienst nur bei den Highend Tarifen („vermutlich“) kostenlos bereitstellen. Das ist nunmal nicht richtig, alle Tarife mit Datenflat oder SMS Flat werden es kostenlos nutzen können. Nur weil der Einsteigertarif dies nicht kostenlos enthält ist doch der Dienst nicht pauschal als kostenpflichtig abzustempeln (bevor du fragst, das macht schon deine Überschrift ganz deutlich). Und überleg doch einfach mal was das für die Kunden für Auswirkungen hat. Die mit dem 10 Euro Tarif interessieren sich nicht dafür, denn sonst würden sie schon lange einen Tarif mit SMS-Flat nutzen, denn 19 Cent zahlt heute keiner mehr der regelmäßig SMS verschickt. Der Vorteil liegt dann aber auch bei den Leuten, die SMS an diese Tarifinhaber verschicken, denn WhatsApp kannst du eben nicht an diese verschicken. Wie die Telekom schreibt ist es eine Weiterentwicklung der SMS und die paar Kunden die dann noch 19 Cent zahlen, so what… Nach der Überschrift und dem Artikel hab ich den Kopf über die Telekom geschüttelt, nachdem ich deren Blog gelesen hatte, fand ich es ganz gut…
    Und zum Thema schlecht recherchiert, nur weil die Telekom den Blog ein paar Stunden später schreibt heißt es nicht, dass keine Infos verfügbar waren und auch wenn es so wäre, bis jetzt sehe ich kein Update deines Blogs… Sieh es bitte nicht als Angriff sondern als konstruktive Kritik (ich mag BT sehr und lese hier täglich). Es muss nicht immer jemand sterben, damit ein Film gut ist…

  • Man muss auch einmal die Telekom verstehen, je größer der Anteil der Smartphones auf dem Markt werden, desto geringer werden deren Einnahmen im Bereich SMS/MMS.
    Es wird kein anderen azusweg geben als Joynkostenlos anzubieten.

Kommentieren