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Echter Name oder nicht: Fragt Facebook eure Freunde aus?

Und noch ein Anlass, der meine bisherige Facebook-Verweigerungshaltung bestätigt. Wer dachte, der Timeline/Chronik-Zwang sei schon dreist, der wird nun einen weiteren Grund finden, um sich aufzuregen. Der Begriff „Stasi“ taucht öfter in den Kommentaren auf, als es Facebook lieb sein kann. Und auch ich muss zugeben, dass sich mir diese Analogie direkt aufdrängte, als ich über die neuen, angeblichen Facebook-Auswüchse bei winfuture.de  gelesen habe.

Demzufolge versucht das Netzwerk nun, über einen Umweg an Realnamen von Nutzern zu kommen, die diesen bislang nicht angegeben haben. Und was bietet sich da besser an, als die jeweiligen Freunde des Klarnamenverweigerers auszuhorchen.

So zeigt der Bericht bei WinFuture einen Screenshot einer Nachricht, in der um Auskunft darüber gebeten wird, ob der Account-Name eines bestimmten Freundes der Wahrheit entspricht. Auch wenn dort nur ein Betroffener explizit genannt wird, ergab eine kleine Recherche in der Twitter-Suche und bei Openbook.org, dass dies offenbar kein Einzelfall ist: Auch andere User berichten bei Facebook und Twitter davon, per Nachricht ausgefragt worden zu sein.

Klar, laut den Facebook-Richtlinien ist es sowie nicht gestattet, sich selbst-gebastelte Namen à la SchnuffelKlaus19 zu geben. Aber: die User ohne Klarnamen haben dafür sicher einen guten Grund. Die Allgegenwärtigkeit von Facebook erzeugt einen gesellschaftlichen Druck, der allen Verweigerern suggeriert, dass sie irgendwo nicht dazugehören. Mit diesem Gefühl im Hinterkopf lassen sich eben doch zahlreiche Nutzer zu einer Anmeldung bei Facebook – wenn auch mit falschen Daten – verleiten.

Genau diese Nutzer, die explizit auf ihren Schutz der persönlichen Daten geachtet haben, würden durch diese Fragerunde nun eiskalt von Facebook erwischt. Die Kommentare auf Facebook zu dieser Vorgehensweise zeigen geteilte Meinungen, von „selbst  Schuld“ bis „geht ja gar nicht“ ist so ziemlich alles vertreten.

Was es mit der Nachricht auf sich hat, versuchen wir gerade herauszufinden. Unsere Anfrage bei der Pressestelle von Facebook läuft und wir werden den Artikel entsprechend updaten, sobald wir mehr Informationen erhalten.

Meiner Meinung nach ginge Facebook mit der Aktion einen Schritt zu weit. Die AGB sind  kein Freifahrtsschein für diese hinterhältige Art der Informationsbeschaffung. Was denkt ihr? Habt ihr auch eine solche Nachricht erhalten?

(Marcel Petritz / Bildquelle: winfuture.de)

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Ehemalige BASIC thinking Autoren

Dieses Posting wurde von einem Blogger geschrieben, der nicht mehr für BASIC thinking aktiv ist.

44 Kommentare

  • Habe die Meldung auch bekommen. Krasserweise kann man Facebook ja nicht mehr (normal) benutzen, bevor man das nicht beantwortet hat (hilft also auch kein Reload o.ä.).
    Wenigstens kann man die Antwort verweigern (als eine der Antwort-Möglichkeiten).

  • @1: Dann kommst du aber bestimmt auf eine schwarze Liste…

    Im Telemediengesetz heißt es:

    „Der Diensteanbieter hat die Nutzung von Telemedien und ihre Bezahlung anonym oder unter Pseudonym zu ermöglichen, soweit dies technisch möglich und zumutbar ist.“

    Aber was ist für Facebook schon zumutbar? Wenn das ganze Konzept darauf basiert, möglichst genaue personenbezogene Daten zu erlangen, heiligt der Zweck fast alle Mittel. Siehe Adresshändler, Call-Center etc.

  • Das ist ja wohl echt die Höhe. Fehlt nur noch folgendes:

    Handelt es sich um die echte Adresse dieses Nutzers?
    Falls nicht geben Sie bitte die echte Adresse ein.

    Handelt es sich bei dem Bild um die darsgestellte Person?
    Falls nicht laden Sie bitte ein biometrisch verwertbares Bild hoch.

    Jaja… FTW Faceworld 🙂

  • Facebook’s Pressestelle antwortet nicht, sie teilt nur etwas mit, wenn sie es will ;-).
    Ich halte es auch in meinem Facebook-Kontakten so, dass ich für jeden deutliche Worte finde wenn er Daten über mich vervollständigt (Arbeitsplatz, Schule, Familie oder besuchte Orte) Mir fällt kein Grund ein, warum ich irgendjemand ungefragt über Facebook über meine persönlichen Umstände informieren sollte. Dazu gehört einfach Vertrauen und Freundschaft und damit zeig ich auch, wer zu meinen Freunden gehört.
    Trotzdem ist Facebook ein sehr gutes Kommunikationsmittel zum Organisieren, Plaudern und in Kontakt bleiben, das ich tatsächlich vermissen würde.

  • Das ist dermaßen dreist, da fällt einem nichts mehr zu ein. Stasi-Methoden – der Ausdruck kommt dem wirklich nahe.
    Zum Glück fühlte ich mich nie genötigt, einem „sozialem“ Netzwerk beitreten zu müssen.

  • Ich ahbe die Meldung von Facebook bisher nicht bekommen. Ich bin eben hier erschrocken. Das ist echt dreist, so die Klarnamenverweigerer zum Wechsel auf den Klarnamen zu bringen. Im Freundeskreis gibt es immer mehr Klarnamenverweigerer.
    Es entwicklet sich langsam genauso wie bei StudiVZ. Kennst das noch jemand? 😉

  • Habe gestern ebenfalls so eine Meldung erhalten. Das Overlay erschien in allen neuen Tabs und ließ sich nicht entfernen.

    Das erinnert mich an eine Situation, in der ich im Urlaub in meinen Account einchecken wollte und Facebook mich „zur Sicherheit“ bat, die Gesichter einiger Freunde zu identifizieren. Crowdsourcing der Algorithmen-Qualitätssicherung leichtgemacht!

  • also die art und weise ist wirklich frech! keine frage…

    aber vielleicht verstehen das hier einige nicht – die Bedingung, um Facebook nutzen zu können, ist die Angabe des Klarnamens. Alles andere verstößt gegen die Nutzungsbedingungen und ist daher nicht erlaubt. Und wenn ich mich nicht an die „Vorschriften“ halte, habe ich auch kein Recht diesen Dienst zu nutzen. Und diese Maßnahme resultiert daraus, dass sich einige nicht dran halten – im Prinzip also völlig legitim… der Weg aber geht gar nicht!

  • Irgendwo geht das zu weit.
    Ich glaub man muss nicht jeden Mist mitmachen.
    Dann lösch ich jetzt mein FB Profil und gut.

  • Witzig.. immer heiter weiter mit Negativschlagzeilen ist wohl Facebooks derzeitiges Motto. Wenn dadurch die Benutzerzahlen sinken, dann ist es meiner Meinung nach vollkommen gerechtfertigt..

  • Das ist absolut unmöglich! Mit den Richtlinien mag das machbar sein. Das macht es aber nicht besser … Wir haben das Thema auch aufgegriffen (http://netzreflexion.wordpress.com/). Das Problem ist ganz einfach: Facebook löst wieder einmal nicht die Probleme seiner User, sondern Probleme, die für das Unternehmen und dessen wirtschaftlichen Erfolg von Bedeutung sind. Unser Vorteil: Dabei ist es auf die Unterstützung seiner Nutzer angewiesen. Deshalb einfach NICHT beantworten.

  • Ich kenne einige weibliche Nutzer, die sich zuerst mit richtigem Namen bei FB angemeldet hatten und dann nach massiven „Kommentaren“ und sogar Stalkingattacken nicht nur den Nutzernamen ändern mussten, sondern ihr altes Konto kündigten, um dann mit einem Phantasienamen neu anzumelden. Wenn nun FB darauf besteht die Freunde derart ausfindig zu machen, ist doch solchen Spinnern Tür und Tor geöffnet.

    Das ist mehr als eine Frechheit und ich denke, dass hier von oberster Stelle gehandelt werden muss.

  • Das ist an Dreistigkeit nicht mehr zu überbieten. Hinter jeder Art der Informationsbeschaffung steht eine Strategie, um die Umsätze und Gewinne zu steigern. Ein Milliarden Unternehmen darf sich anscheinend alles rausnehmen, aber wenn der kleine User mal einen Fehler macht, ist der Stunk gleich riesengroß.

  • … und dann noch dieses scheinheilige „Hilf uns dabei, Facebook zu verbessern“ dadrüber, ich könnte kotzen! Es wird Zeit, auch das kaum genutzte fake-Profil mit den paar besten Freunden zu löschen.

  • Das ist wirklich krass, und wieder ein Grund, sich bei FB abzumelden. Wie lange muss es dauern, bis gegen diese Methoden mal wirklich vorgegangen wird.

  • Bin auch bei FB, und ich finde das geht schon zu weit. FB sammelt alle daten zur einer Person, was Ihr macht, wo, …
    Sind wir schon alle von FB Transparent, die haben schon fast alle daten.

  • Uaah… das ist wirklich unangenehm. Bis jetzt hatte ich mich hinter einem Pseudonym versteckt und daher als sicher gewähnt, aber wenn die jetzt sowas machen…. ich denke jetzt das erste Mal ernsthaft über eine Abmeldung nach.

  • Bestätigt nur meine Meinung.
    ….und was Facebook hat, haben die Oberschnüffler ebenfalls – in Verbindung mit dem neuen dt. meldegesetz erhält dann demnächst jeder Facebook-friend die traurige Nachricht SCHWARZERPETER15 gestern verstorben

  • Das könnte langsam eine gewisse Stimmung erzeugen, die die Leute doch zu einer anderen sozialen Netzwerkplattform treiben wird. So geht man nicht mit seinen Nutzern um.

  • So unschön das Geschnüffel ist – mir ist der Grund dafür nicht klar: Wieso sollen bei FB die Kassen MEHR klingeln, wenn sie den Klarnamen kennen? FB kennt das (Kauf-)Verhalten doch über den Pseudo schon zur Genüge. Und Mails kann FB einem doch auch so schicken, das ist ja hinterlegt. Es kann doch nicht um Hausbesuche gehen?

  • Wenn eine große Anzahl meiner Freunde – in solchen Dingen total unwissend – nicht auf FB wäre währe ich längst weg. So beschränke ich mich auf einen sparsame Veröffentliuchung meiner Daten (bzw. nutze ich eig. nur den Chat). So ein Geschäftsgebahren kann ich nicht ab. Wenn schon Großkonzern, dann G+ – Google macht wenigstens transparent was wo wie gesammelt, verkauft, zensiert wird. Mal schauen ob FB das nächste Myspace und G+ oder gar Diaspora oder Friendica das nächste FB wird. 😉

  • Ich sage nur „Die Geister die ich rief“.
    Glauben die Leute allen Ernstes, dass FB die ganzen Möglichkeiten auf deren Seite für die Menschen umsonst anbietet?
    Ist doch klar, dass sie damit Geld verdienen möchten und meiner Meinung auch gerechtfertigt.

  • Das ist ja mal so richtig dreist – ich warte immer noch auf den großen Knall, in dem die Masse der Nutzer FB verlässt, oder wir sind alle schon so abgestumpft, wer weiß…

  • Klar, das Facebook gerne die Real-Daten der Leute haben möchte. Ich habe zum Glück diese Meldung noch nicht gehabt und bis jetzt auch noch nicht meine Freunde. Bin mal gespannt ob ich die noch bekomme, ich werde aber immer ja klicken, kann ja nicht angehen sowas.

  • Nein, ich habe keine solche Nachricht erhalten. Selbst wenn – was würde dies ändern? Inzwischen stellt sich eine gewisse Resignation und Gelassenheit ein und man arrangiert sich mit solchen Facebook-Spielchen. Zumidest geht es mir so.

    Die einzig logische Konsequenz wäre Facebook den Rücken zu kehren, was für manche Leute, sicherlich auch keine wirkliche Alternative darstellt. Daher muss jeder für sich selbst entscheiden, ob er sich überhaupt auf solche hanebüchenen Frage-Antwortspielchen einlässt.

  • Besonders für minderjährige Nutzer finde ich diese Vorgehensweise von Facebook happig. Sollen die sich nun unter Klarnamen auf den Präsentierteller stellen, bis der nächste Pädophile vorbeisurft? Es ist längst Realität, dass kaum noch ein 14-Jähriger ohne Facebook-Account unterwegs ist. Ganze Schulklassen halten so Verbindung, fast alle unter Pseudonym. Die Freunde nun seitens Facebook untereinander auszuhorchen, wird ein Klima von Mobbing und Bespitzelung schaffen: „Wer von Euch hat mich bei Facebook rausgekickt?“ – Die Sache wird noch Folgen nach sich ziehen, die wir heute nicht mal im Ansatz erahnen.

  • Das geht ja mal überhaupt nicht!! Dieses Ausspionieren ging eindeutig zu weit!! Es gibt Menschen, die ihre Identität schützen müssen und vielleicht trotzdem gerne FB genutzt haben! Wer mit mir in Kontakt tritt unter einem Synonym kann es sich ja schliesslich aussuchen, ob er mich kennt oder nicht! Ich sage nur: Tschüss Facebook!

  • Also Social Media ohne Real Names zu verwenden, widerspricht meiner Meinung nach aber dem Sinn des Ganzen. Viel eher ist es doch so, das jeder „kleine Mann“ (oder Frau) im Internet eine Stimme bekommen will / hat und diese aber meist anonym zum Meckern misbbraucht. Mit dem eigenen Namen gut sichtbar ist der Tonfall dann auch schon viel ruhiger also sonst…. also von mir ein klares Ja zu Real Names.

  • Reale Namen sollten nicht nur in Facebook Einzug halten, sondern auch in anderen sozialen Netzwerken wie Twitter. Dem zufolge kann ich meinen Vorredner nur unterstreichen in seinen Aussagen!

  • Mein Profil wurde gesperrt – warum auch immer – und ich musste als Identifikation den Geburtsort meiner Mutter (!) angeben.
    Facebook akzeptierte die (richtige) Antwort – die Facebook allerdings eigentlich gar nicht wissen kann, da meine Mutter in ihrem Profil ihren Geburtsort gar nicht angegeben hat. Offensichtlich wussten sie das doch – woher auch immer.

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