Apple vs Samsung in Kalifornien: Szenen einer Gerichts- und Mediensatire

Jürgen Vielmeier

Vielleicht klären Samsung und Apple es jetzt ja wirklich ein- für allemal. Der Prozess zwischen den beiden Schwergewichten vor dem Gericht in San Jose, Kalifornien, wird von manchen Beobachtern als Entscheidungsschlacht im Patentkrieg gewertet. Und der Schlagabtausch bekommt mittlerweile Kino-Niveau, denn beide Kontrahenten fahren sich weiterhin munter gegenseitig in die Parade. Apple hat dutzende Prototypen vorgestellt, praktisch, um zu beweisen, dass man jeden Formfaktor beliebig denkbarer Smartphones und Tablets patentiert hat. Was man da so sieht, schaut gar nicht schlecht aus. Aber Samsung weiß zu kontern.

Gleich vor Gericht wurde es allerdings unschön, als Samsung abgelehnte Beweise der Presse zuspielte, was Apple und die zuständige Richterin aufbrachte. Gerade weil alle Beteiligten sich so ernst nehmen, könnte man die Satire des Jahrzehnts daraus machen.

Geht es um Kurven, geht es um Ecken? Wer hatte was zuerst, wer hat von wem abgeguckt? Ist es das alles wert, massive Ressourcen vor Gericht zu verschleudern? Urteilt selbst und schaut sie euch an, die ersten Prototypen. Wäre das etwas für euch? Diese beiden iPhone-Prototypen etwa erinnern mich eher an Nokias Lumia 800:

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Es geht auch kantiger:

Und das iPad hätte um ein Haar einen ausklappbaren Arm als Ständer bekommen:

TheVerge hat die Komplettübersicht der fast 40 Prototypen von iPhone, iPad und iPod touch. Samsung hat seinerseits ebenfalls Bilder von Prototypen früher Touchscreen-Smartphones veröffentlicht. Aber ich fürchte, die sind weit weniger schick und untermauern eher Apples These, dass sich der Nebenbuhler bei neueren Phones am iPhone orientiert habe:

Allerdings hat Samsung nach eigener Beweislage schon 2006 an etwas iPhone-artigem gearbeitet, also schon vor dem Start des ersten iPhones:

Und eins davon wollte Samsung mit Nachdruck dem Gericht zeigen: Das im Frühjahr 2007 vorgestellte F700, an dem man nach eigenen Angaben schon Monate gearbeitet habe, bevor Apple das erste iPhone im Januar 2007 vorstellte:

Was man auf dem schönen Vergleichsbild oben vergaß zu erwähnen: Dass das F700 ein Slider-Handy mit ausklappbarer Tastatur war, 50 Prozent dicker als das erste iPhone. Spannender war da, was Samsung vergangene Woche im Vorfeld des Prozesses vorführte: Einen angeblichen iPhone-Prototypen, bei dem Apple sich von Sony habe inspirieren lassen:

Die beiden letzteren Beweise, wenn man sie so nennen mag, reichte Samsung allerdings zu spät vor Gericht ein. Die Beweisaufnahme war da schon abgeschlossen. Also spielte Samsung sie der Presse zu, was Richterin Lucy Koh auf die Palme brachte, als sie davon über einen Artikel im Techblog All Things D erfuhrt. Samsung verteidigt die Veröffentlichung, Apple fordert deswegen eine Strafe für den Kontrahenten, zumal dieser wiederholt Beweise vernichtet habe.

Schon am ersten Prozesstag hatte Samsung die eigene Strategie offenbart. Es geht dem Marktführer darum zu zeigen, dass es sich um eine Smartphone-Evolution handle, die Apple nicht patentieren könne. Die Koreaner hatten mehr oder weniger argumentiert, Apple habe das Rechteck ja auch nicht erfunden. Auch die Auswahl der Geschworenen dauerte Stunden: Das Gericht musste Menschen finden, die möglichst wenig Erfahrung mit Smartphones hatten und selbst möglichst weder ein Apple- noch ein Samsung-Phone besaßen. Besorgt euch Popcorn, Leute! Das wird noch lustig werden.

(Jürgen Vielmeier, Bilder: Apple via TheVerge, Buzzfeed, TechCrunch, Hexus Lifestyle)

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Jürgen Vielmeier ist Journalist und Blogger seit 2001. Er lebt in Bonn, liebt das Rheinland und hat von 2010 bis 2012 über 1.500 Artikel auf BASIC thinking geschrieben.