Sonstiges

Samsung: Apple hat von Sony abgekupfert. Apple: Selbst Google hatte Samsung gewarnt


Ich ziehe meinen Hut vor demjenigen, der bis hierhin gelesen hat. Denn ihr ahnt es: Es geht zum gefühlt zehntausendsten Mal um das langweilige Thema Patente und Gerichtsstreite aufgrund der vermeintlichen Verletzung solcher. Wir schreiben darüber auch schon lange nicht mehr, es sei denn, es passiert etwas für das ewige Hickhack Kurioses. Und das dürfte heute passiert sein. Denn Samsung hat die Front erweitert und Sony mit hineingezogen. Denn der Kopist sei in Wirklichkeit Apple, behauptet Samsung. Die Idee zum Design des iPhone habe Sony geliefert.

Als Beweis führt man ein Interview aus dem Jahr 2006 mit dem Sony-Designer Takashi Ashida in der Businessweek an. Auf die Frage, wie er einen Musikspieler entwerfen würde, sagte dieser, er wolle keine Tasten. Musik habe keine Form, sie fließe. Also designte er etwas mit abgerundeten Ecken, das perfekt in die Hand passe und nur über notwendige Tasten verfüge. Wie später das iPhone oder der iPod touch.

Selbst beauftragte Designer sollen Samsung gewarnt haben

Samsung argumentiert weiter: Kurz nachdem das Interview mit Ashida beim iPod-Hersteller bekannt wurde, habe Apple den Designer Shin Nishibori damit beaufragt, ein „Sony-artiges Design“ für ein Apple-Phone zu entwerfen. Nishibori soll dann am Rechner ein computergestütztes Design (CAD) entworfen und dies sogar mit dem Schriftzug „Sony“ versehen haben. Diese CAD-Zeichnungen (siehe oben) fielen nun Samsung in die Hände. Wenn die Koreaner damit beweisen könnten, dass Apple sich an gemeingebräuchlichen Designs und Geschmackmustern von Sony orientiert habe, dann wäre das Argument hinfällig, dass Samsung Apple schamlos kopiert habe.


Apple iPhone 3GS und Samsung Galaxy S

Apple ist natürlich bei der „Beweisbeschaffung“ nicht untätig geblieben und will interne Dokumente bei Samsung aufgetan haben. Denen nach will Google Samsung im Jahr 2010 gewarnt haben, die damals noch geplanten Tablets Galaxy Tab und Galaxy Tab 10.1 seien zu nah am iPad. Für das 10.1 solle Samsung ein unterscheidbareres Design entwerfen. Weiteren Dokumenten nach soll Samsungs eigene Produktdesign-Gruppe im Jahr 2011 bedauert haben, dass das Smartphone Galaxy S zu nah am iPhone sei. Eine von Samsung beauftragte und bezahlte Crew von Designern kam in einer Produktstudie des Galaxy S im Vergleich zum iPhone (Bildvergleich oben) zum gleichen Ergebnis: „Alles, was man tun muss, ist, die Logos abzudecken und schon kann man praktisch keinen Unterschied mehr zwischen den beiden Geräten erkennen.“

Und so wird es vor Gericht wohl munter weiter gehen. Dienstag legte Apple wieder vor und erwirkte vor dem Landgericht Düsseldorf ein europaweites Verkaufsverbot für Samsungs Galaxy Tab 7.7. Sowohl in Düsseldorf als auch heute vor dem Oberlandesgericht München allerdings wurden Apples Beschwerden gegen das Galaxy Tab 10.1N abgeschmettert. Auch mit einer einstweiligen Verfügung gegen das Smartphone Galaxy Nexus scheiterte Apple. Das Verfahren war schon die Berufung, nachdem Apple im Januar mit dem gleichen Fall vor dem Landgericht München gescheitert war. Kommende Woche wird es in Kalifornien weiter gehen, dann wohl mit oben beschriebenen Beweisen. Wir melden uns in ein paar Jahren wieder, wenn das alles vorbei ist.

(Jürgen Vielmeier, Bild via AllThingD, Apple, Samsung)


Vernetze dich mit uns!

Like uns auf Facebook oder folge uns bei Twitter


Über den Autor

Jürgen Vielmeier

Jürgen Vielmeier ist Journalist und Blogger seit 2001. Er lebt in Bonn, liebt das Rheinland und hat von 2010 bis 2012 über 1.500 Artikel auf BASIC thinking geschrieben.

18 Kommentare

  • Ich finde, dass das alles eher Kinderkrieg ist. Im Endeffekt ist es jetzt so, dass es sich in 2 Lager teilt, wie bei den Kameraherstellern Canon oder Nikon oder Adidas oder Nike.
    Beide sind erfolgreich und vermarkten ihre Produkte.

  • Verstehe nicht ganz, was das eine mit dem anderen zu tun haette.

    Angenommen Apple hat von Sony kopiert, dann hat – der anschuldigung nach – trotzdem weiterhin Samsung bei Apple abgeschaut. Oder eben bei Sony. Aber deren Designidee war ihnen ja damals wahrscheinlich noch garnicht bekannt.

    @FixxooReparatur
    Ja, so schaut es ganz klar aus. Leider wird das abgesehen von positiven Effekten wie schneller Weiterentwicklung doch arg auf dem Ruecken der Nutzer ausgetragen.

    Bei meiner letzten Generation Geraete (Google + Win Laptop + iPhone) konnte war das noch recht gut, da Google versucht, alles auch auf Apple Geraete zu bringen.
    Heute (Google + Macbook + Android Phone) ist die bastelei schon teilweise recht gross, und Apple treibt seinen als ‚Exklusivitaet‘ getarnten Separatismus immer weiter.
    Ich als User stehen zwischendrin und muss mich letztlich mit einer Behelfsloesung zufrieden geben, die ohne diesen ‚Kinderkrieg‘ wirklich optimal sein koennte.

  • Der Artikel hat einen Fehler: in dem Businessweek-Artikel hat Ashida nie von den „notwendigen“ Knöpfen gesprochen. Er hat von seiner Idee eines Walkmans _ohne_ Knöpfe gesprochen und sich darüber geärgert, dass der Sony Walkman letztendlich doch Knöpfe hatte. Bitte korrigiert das.

  • wieso WIESO wird immer ein falsches bild vom galaxy s verwendet wo das menüu aufgerufen ist und nicht der homescreen der sich DEUTLICH von der ios oberfläche unterscheidet? natürlich damit es auch so aussieht als wäre es 1:1 kopiert!! ja ja mal wieder sehr objektiv das ganze…

  • Wenn das Design wirklich von Sony ist muss das ziemlich peinlich für Apple sein.
    Ich finde es, aber irgentwie auch komisch, dass Sony so etwas nie veröffentlicht hat, und warum kommt da vor Samsung niemand drauf?
    hmm.. Fragen über Fragen 🙂

  • Aber wieder der Bildvergleich 3GS vs SGS, bei dem die tatsächlichen Grössenverhältnisse nicht berücksichtigt werden. (+ wurde bei diesem Bild ja auch wieder absichtlich ein Homescreen mit einem Appdrawer verglichen, nur um Ähnlichkeiten zu „beweisen“ – es ist mir klar, dass dies nicht die Absicht von Basicthinking ist, aber leider findet man diese Bilder immer wieder)

  • Hallo miteinander, ich bin seit 1995 im Mobilfunkbereich tätig.
    Es gab viele Marken wie Ericsson, Nokia, Siemens, Motorola, Bosch und andere. Wenige haben überlebt. Keiner, ich betone keiner, hat wenn man den heutigen Geschmacksmuster als Kopierschutz erwähnt, vom anderen Konkurrenten fast 1:1 abgekupfert oder kopiert. Das ein Handy in der Propotion „ähnlich“ aussehen kann, ist technisch bedingt. Nicht mal Sony als Japaner haben so dreist kopiert wie dann Samsung. Diese Marke bzw. die Koreaner sind in dieser Hinsicht unvergleichbar. Sie kopierten Motorola Geräte 1:1 (V50, V3, MP220) und viele mehr. Ich habe damals nie verstanden warum Motorola oder andere diesbezüglich sich nie gewehrt haben. Man sieht ja was dann passiert. Tja und nun, hat Samsung gemeint es geht einfach weiter so aber leider hat sich Appel dies nicht mehr gefallen lassen und wundern sich nun das sich jemand wehrt. Gut so und weiter so. Ich bin für offene freie Marktwirtschaft aber jeder soll sein Design erfinden bsp. Nokia Lumia 800 oder Motorola Razr und sich nicht durch Gechmacksmuster von Konkurrenten profilieren, so dreisst macht es nur Samsung auf dem Markt. Die sind so dreisst das Sie sogar die Schachtel und/oder Steckverbindungen 1:1 vom iPhone 3 kopieren und das ist einfach nur unverschämt.
    Deshalb würde ich mir eher ein Motorola oder Nokia als Nachfolgegerät zu einem iPhone vorstellen als ein Samsung Gerät.
    Es lebe das Geschmacksmuster.

  • @robe02
    Ja finde ich auch,aber warum hast du Sony nicht erwähnt? Die sind auch immer dabei ein eigenes Design zu finden und ich finde es gelingt ihnen sehr gut 😉

  • Wieso zeigt ihr auf den Bildern vom iPhone immer das Menü und vom Galaxy S den Drawer?

    Damit es gleicher aussieht?

  • @robe02

    Ich habe selten so einen dämlichen Mist gelesen.
    Das Geschmacksmuster ist eindeutig einem Hersteller von Frühstücksbrettern zu zuordnen und hätte er das Geld gegen Apple zu klagen würde Apple alt aus sehen. Und scheiß was auf Geschmacksmuster ,ich stelle mir gerade die unterschiedlichen Formen bei den Autobauern vor wenn die sich alle ihre Geschmacksmuster sichern lassen würden. Grausam.
    Die brillieren mit Qualität und nicht mit Formen, nur leider ist Apple von dieser Schiene abgegangen und ein fast 30 Jahre altes OS (Debian) haut mich auch nicht mehr vom Hocker.

  • Ist echt schwierig, nicht gefakte Bilder zu finden, aber hier ist zB eins http://daveburrows.files.wordpress.com/2010/08/samsung-galaxy-s-iphone.jpg

    und man erkennt schon einen großen Unterschied im Homescreen, bei Android gibt es Widgets, Schaltflächen für Verbindungen und der momentane Screen wird oben (anstatt wie beim eiFon unten) angezeigt, ausserdem gibt es ja die Notification Bar die man runterziehen kann (was aplle ja erst bei iOS 5 ‚erfunden‘ (=geklaut wie sonst auch alles) hat)

    Im ausgeschalteten Zustand (und bei besserer Beleuchtung)
    =>
    http://www.zatznotfunny.com/wordpress/wp-content/uploads/2010/07/samsung-galaxy-versus-iphone-3gs.jpg

    erkennt man auch einige Unterschiede, zum einen Ist der Lautsprecher oben beim SGS nicht so markant, ausserdem ist da der SAMSUNG Schriftzug und die drei Sichtbaren Sensoren (Näherungs/Helligkeitssensor und Kamera)
    Ausserdem gibt es 3 Tasten, eine davon mechanisch und 2 berührungsempfindliche, der in der Mitte ist nicht rund sondern rechteckig und hat auch nicht das apple typische Quadrat aufgderuckt, ausserdem ist die Taste nicht nach innen gewölbt (was bei der Form auch unpraktisch wäre)

    dann wäre da noch der dickere Rahmen und natürlich die andere (Display-)grösse.

    eine dreiste Kopie kann ich darin nicht erkennen…

    sry für Rechtschreibfehler bin noch nicht lang wach 🙂

  • “Alles, was man tun muss, ist, die Logos abzudecken und schon kann man praktisch keinen Unterschied mehr zwischen den beiden Geräten erkennen

Kommentieren