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Babyschritte auf dem Weg zu einem flächendeckenden, offenen WLAN-Netz

Auf der aktuellen IFA gehen erstaunlich viele meiner langjährigen Wünsche in Erfüllung: Die Hersteller stellen massenhaft leichte und schlanke Notebooks vor, Samsung hat eine Kamera mit WLAN, UMTS und Android 4.1 im Programm. Und Kabel Deutschland hat eine Idee zumindest angekündigt, die ich seit Jahren umgesetzt haben will: WLAN-Hotspots von jedermann, auf dass ein flächendeckendes Netz entstehe.

Das ist zumindest Teil eines Plans des Kabelnetzbetreibers Kabel Deutschland (KDG), der bundesweit tausende Hotspots errichten will. Sie sollen in Cafés, Flughäfen und öffentlichen Plätzen entstehen, aber auch in privaten Wohnhäusern: Jeder KDG-Kunde kann sein eigenes WLAN anderen zur Verfügung stellen und dafür die WLANs anderer Kunden desselben Anbieters nutzen. Es ist die Idee des freien Funknetzwerks fon, Jahre später zum ersten Mal von einem deutschen Provider angedacht. Immerhin. Das Hauptproblem, die Rechtslage, allerdings bleibt.

Störerhaftung bleibt bestehen

Vor zwei Wochen war ich für ein paar Tage im Urlaub in Irland und habe mich dort über die zahlreichen offenen WLANs gefreut. Teils konnte man sich in öffentliche WLANs der Stadt – wie in Galway – einwählen, teils stellten Pubs oder Privatpersonen ihr WLAN absichtlich ungesichert zur Verfügung. Für Besucher eine tolle Sache. In Deutschland hingegen wird man belächelt und für verrückt erklärt, wenn man sein WLAN nicht sichert.

Das liegt an der Rechtssituation. Nach wie vor gilt die Störerhaftung, die den Betreiber eines WLAN-Hotspots in die Pflicht für das nimmt, was über seinen Anschluss passiert. Hirnrissig eigentlich aber leider aktuelle Rechtslage, dass nicht der jeweilige Nutzer in die Pflicht genommen wird. Die Berliner Regierungskoalition wollte die Störerhaftung im April entsprechend abändern lassen, um in der Stadt ein freies WLAN zu ermöglichen, letztlich aber blieb alles beim alten. Die Digitale Gesellschaft entwarf dafür mit einem Augenzwinkern einen eigenen Gesetzesentwurf, um der Politik Hilfestellung zu geben. In Berlin wird seit Jahren ein flächendeckendes WLAN-Netz im Innenstadtbereich diskutiert. Nun wird von Kabel Deutschland mit Hilfe der Medienanstalt Berlin-Brandenburg eins umgesetzt. Man wartet nicht mehr auf die langsame Politik, man macht einfach.

Frei für alle wird wohl nie kommen

Das Problem: Wer seine Nutzer in die Haft nehmen will, muss – ebenfalls nach aktuellem Recht – ihre Daten speichern, um selbst aus der Verantwortung zu seine. Diese Speicherung befand das Landgericht München aber für nicht zulässig. Wer als Netzanbieter sein eigenes WLAN-Netz startet, hat es da einfacher, weil sich nur Kunden einwählen, die bereits registriert sind. Die Telekom etwa betreibt auf diese Art und Weise ein Netz von über 11.000 Hotspots in Deutschland – das ich in der Tat sehr vermissen werde, wenn mein Vertrag dort in drei Wochen ausläuft. BT OpenZone und der Anbieter TheCloud, der unter anderem das Münchner Hofbräuhaus vernetzt, verfügen über ähnliche Hotspot-Netze.

Bis es rechtliche Sicherheit für offene WLANs gibt, sind Hotspot-Netze der wohl einzige Weg. Wenn Kabel Deutschland es schafft, zumindest seine Kunden zu vernetzen und ihnen dafür Vorteile zu gewähren, wäre das ein ehrbarer Schritt. Fraglich allerdings, ob die Netzanbieter an einer zu offenen Rechtslage überhaupt Interesse hätten. Denn wenn man künftig an jeder Straßenecke oder auch zu Hause die WLANs anderer nutzen kann, dürften deutlich weniger Festnetzanschlüsse verkauft werden.

(Jürgen Vielmeier, Bild: AVM)

Über den Autor

Jürgen Vielmeier

Jürgen Vielmeier ist Journalist und Blogger seit 2001. Er lebt in Bonn, liebt das Rheinland und hat von 2010 bis 2012 über 1.500 Artikel auf BASIC thinking geschrieben.

19 Kommentare

  • Die Haftung – immer das gleiche Lied, wann wird erkannt und akzeptiert das dass Internet ein Rechtsfreier Raum ist? Also die meisten Studenten die ich kenne haben auch einen DSL-Anschluss zu Hause obwohl sie in den Unigebäuden kostenlos ins Netz können hat wohl was mit Übertragungsrate und Unabhängigkeit zu tun.

  • @mini

    Die Fritzbox ist spitze, einfacher kann man nen DSL-Anschluss nicht nutzen. Ich war nach der Einrichtung innerhalb von 2Minuten online.

    Flächendeckendes WLAN wäre einfach genial, ich würde dieses nur unterstützen. Allerdings bleibt da die Sache mit der Haftung. Was mache ich wenn ein Besucher meinen DSL-Anschluss missbraucht..??

  • Vielleicht sollte man bei der Gelegenheit auch gleich mal erklären, dass ein offenes WLAN von der Mitstörerhaftung betroffen ist, ein Hotspot mit Login/Authentifizierung (wie bei Fon) aber nicht. Das Gesetz spricht von einer hinreichenden Sicherung und diese ist bei einer Authentifizierung gegeben.

  • diese störerhaftung ist wieder mal so ein typisch deutsches Phänomen… – man weiss dass etwas an einem Gesetz nicht stimmt, aber will es einfach nicht ändern… – wenn ich mir das nahe Ausland, in meinem Fall Italien oder Österreich ansehe, die haben einfach freie WLan Hotspots an jeder Ecke, in jedem Cafe und wenn es nicht frei ist, gibt dir jeder gerne das Passwort und gut is.

  • Ich bin seit Jahren FON Mitglied und stelle auch gerne Bandbreite zur Verfügung nur leider tun es in Deutschland viel zu wenige. Schaut euch mal diese FON Karte von Europa an, in UK liefert einer der großen Anbieter seit Jahren kostenlose Router wenn der Kunde ein teil Seiner Bandbreite FON zur Verfügung stellt. So sieht dann auch die Map aus:

    http://maps.fon.com/de

    Im Vergleich dazu ist Deutschland ein Entwicklungsland. Wenn jeder statt zu Meckern einen Teil seiner Bandbreite eventuellen Nutzern zur Verfügung stellen würde sieht es gleich viel besser aus. FON ist mit Password und Zugang über ein System gesichert und man kann die Bandbreite einschränken. 5 Mbit von meiner 32 Mbit Leitung tun nicht weh.

  • Ich kann mich noch an deinen Artikel erinnern, wegen den Digitalkameras und der WLAN bzw. UMTS Funktion. Da hat Samsung mit ihrer Galaxy Camera wirklich etwas geniales geschaffen. Nur das es keine Telefonfunktion gibt, ist schade.

  • Flächendeckendes WLAN, das hätte ich mir in meinem letzten Dänemark Urlaub gewünscht. Da lag unser Ferienhaus in einer Senke und die im Katalog angekündigte Internetverbindung im Haus, kam somit leider nicht zu Stande.
    Nun gut so manch ein Urlaubs Teilnehmer im Haus, hat sich genau darüber gefreut, denn so blieb die Kiste häufiger aus, als von mir gewünscht 😉

  • Tolle Idee, ich würde mein WLAN dafür sehr gern zur Verfügung stellen. Es wäre doch genial, außerdem würde es die Netzbetreiber weiter zwingen ihre Internettarife zu senken.

  • Flächendeckenden kostenlosen WLAN Zugang wie es in alle andere Länder außer Deutschland schon gibt wäre toll. Schon alleine weil hierdurch auch die Mobilfunknetze entlastet werden können.

    Aber solange in DE die sogenannte Störer Haftung gibt und unsere Innenminister meint das auch ohne ein begründeten Verdacht jeder Internet Nutzer ein mögliche Terrorist ist, werden sich solche Ideen in DE nicht verwirklichen lassen.

    Dabei gibt es schon Router mit eigene zusätzlichen Gastzugang. Hierbei kann der Betreiber sein eigene private WLAN absichern und ein eigene zusätzlichen Zugang für Gäste anbieten die beide von einander getrennt werden.

    Es lassen sich sogar Beschränkungen beim Gesamtvolumen für jeden einzelne Nutzer vom Gastzugang einrichten.

    Dies ist auch nicht schlimm da es den meisten darauf ankommt auch mal unterwegs ins Netz zu gehen.

    Wenn DE die blöde Störer Haftung endlich ändern würde, könnte es auch bei uns beinahe überall kostenlose WLANs geben.

    Dafür benötigen wir

    – eine neue Regierung die auch die Vorteil vom Internet erkennt

    – eine auf die Wirklichkeiten angepasste Gesetzgebung zu alle Bereiche vom Internet

    Na ja 2013 haben wir alle die Möglichkeit eine neue Regierung zu wählen 🙂

  • Ich stelle mir immer vor unsere Vorfahren hätten eine ähnliche Politik betrieben , viele Dörfer hätten wohl heute noch keinen Telefon, Strom, Wasseranschluß oder gar Asphaltierte Strassen und in einigen Städten gebe es nur Grundversorgungsstrom für 3 Elektrische Geräte gleichzeitig.
    Nun waren die Politiker vor 100 Jahren sicher keine (Kommunisten) aber hatten wohl mehr Sachverstand als heutige (Neoliberale) , denn sie wusten das wichtige Infrastruktur Aufgabe des Staates ist und nicht in die Hände von Finanzhaien gehört.
    Denn nur so kann sichergestellt werden das alle Bürger egal wo sie wohnen die gleiche Infrasruktur bekommen.

  • Sicher kann man mit Hilfe des Internets unerlaubte Dinge anstellen. Mit einem Telefon geht das aber auch. Dass der Inhaber eines öffentlich zugänglichen Telefons als Störer in die Haft genommen wird, wenn Straftaten über z.B eine Telefonzelle geplant oder durchgeführt werden, müsste eigentlich die Konsequenz aus der fraglichen Rechtsprechung zur Störerhaftung bei einem offennen WLAN sein.

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  • Die Internettarife lassen sich dadurch nicht senken, aber so ein SETI ähnlliches Projekt birgt Risiken die man derzeit kaum abschätzen kann, hinzu kommt noch der Rechtliche Aufwand ggf. wird das ein Projekt ähnlich wie die wende für alternative Energien jeder will es, aber keiner ist bereit die Kosten zu übernehmen? Mal sehen wie es sich Entwickelt…