Windows 8: Microsoft lässt für Software-Piraten aus Versehen die Hintertür offen

Christian Wolf

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Peinlich, peinlich: Da macht Microsoft Millionen im Kampf gegen Software-Piraterie locker, gibt Schwarzkopierern dann aber selbst die fulminanteste Steilvorlage, die man sich nur wünschen kann und darf sich dementsprechend nicht wundern, wenn diese krachend versenkt wird. Aber worum geht es?

Bekanntermaßen wird Windows 8 noch bis Ende Januar mit diversen Preis-Specials eingeführt. Neben monetären Rabatten fällt darunter auch ein befristeter Gratis-Download des später für 9,99 Euro erhältlichen Windows 8 Media Center Packs. Dieses enthält das bereits aus Windows 7 bekannte, nun aber nicht mehr mitgelieferte Windows Media Center und wird bei Windows 8 – insofern keine alternative Software installiert ist – unter anderem für das Abspielen von DVDs oder die Aufzeichnung von TV-Sendungen benötigt.

Wer das Windows 8 Media Center Pack anfordert, dem schickt Microsoft einen separaten Produktschlüssel, mit dem die Software kostenfrei bezogen und installiert werden kann. Und genau hier liegt die Schwachstelle, die spätestens seit Dienstag als offenes Geheimnis bezeichnet werden kann, nachdem sich ein Nutzer bei reddit.com umfassend darüber ausließ. Demnach ist es offenbar möglich, mithilfe des Media-Center-Schlüssel, eine zuvor nur für einen befristeten Zeitraum von 180 Tagen aktivierte KMS-Lizenz von Windows 8 dauerhaft zu validieren, da dieser den ursprünglichen Schlüssel ohne Prüfung ersetzt. Mit anderen Worten: Jede auf dunklen Wegen abgegriffene Version lässt sich einfach reinwaschen.

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Möglich wird dies über ein zweites Leck: Mit dem eigentlich für Unternehmen gedachten KMS-Dienst – dem sogenannten Key Management Service – lassen sich eigentlich mehrere Windows-8-Versionen über einen zugehörigen Server aktivieren, sodass einzelne Computer keine direkte Verbindung mehr zu Microsoft benötigen – in großen IT-Abteilungen eine immense Zeitersparnis. Allerdings tauchten im Netz bereits vor dem Start des neuen Betriebssystems Anleitungen darüber auf, wie sich die vorab kostenfrei erhältlichen RTM-Varianten (Release to Manufacturing) immer wieder für jeweils sechs Monate neu aktivieren ließen. Dies funktioniert im Prinzip auch mit illegal kopierten Verkaufsversionen – in Kombination mit dem Media-Center-Schlüssel eine perfekte Toolbox für das eigene Gratis-Windows. Mit Sicherheit aber nicht mehr lange.

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Christian Wolf wird am Telefon oft mit "Wulff" angesprochen, obwohl er niemals Bundespräsident war und rast gerne mit seinem Fahrrad durch Köln. Er hat von 2011 bis 2014 für BASIC thinking geschrieben.