Neue Geschäftsbedingungen: Facebook schafft Mitspracherecht für Nutzer ab

Adrian Bolz
<small>Wer hats gefunden? Facebook versteht es blendend, seine Abstimmungen zu verbergen.</small>
Wer hats gefunden? Facebook versteht es blendend, seine Abstimmungen zu verbergen.
Bislang war es Facebook-Nutzern möglich, über wichtige Regeländerungen, die den Datenschutz und wichtige Nutzungsbedingungen bei „Facebook“ betreffen, abzustimmen. Das war der Fall, wenn eine verkündete Regeländerung mindestens 7.000 User-Kommentare generierte, die ihr ablehnend gegenüberstanden und infolge eine Abstimmung einforderten. So weit, so demokratisch. Damit ein Voting-Urteil anschließend aber auch in Kraft treten konnte, mussten mindestens 30 Prozent aller Nutzer ihre Stimme abgegeben haben. Meint: Rund 300 Millionen Facebook-Nutzer weltweit müssen an die digitale Urne getreten sein, damit ihr Wille auch erhört wird. Andernfalls setzt das Unternehmen die Änderungen wie geplant um.

In einem Blog-Posting hat Elliot Schrage, Vize-Präsident und verantwortlich für die Öffentlichkeitsarbeit, jetzt neben weiteren Änderungen bekanntgegeben, dass die Voting-Option wieder abgeschafft werden soll. Man habe festgestellt, so Schrage, dass bei dem Abstimmungssystem die Quantität der Kommentare über ihre Qualität gestellt wurde. Man wolle deshalb ein neues System ins Leben rufen, bei dem es zu sinnvolleren Rückmeldungen und Interaktionen kommen könne. Als Beispiel führt er Webcasts mit der Anwältin Erin Egan, Chief Privacy Officer of Policy, an und verspricht, dass das Unternehmen die Kommentare der User künftig sorgfältig prüfen würde.

Abstimmungsverfahren nur eine Marketingmasche

UPDATE Newsletter BASIC thinking

Du willst nicht abgehängt werden, wenn es um KI, Green Tech und die Tech-Themen von Morgen geht? Über 12.000 Vordenker bekommen jeden Tag die wichtigsten News direkt in die Inbox und sichern sich ihren Vorsprung.

Nur für kurze Zeit: Anmelden und mit etwas Glück Apple AirPods gewinnen!

Mit deiner Anmeldung bestätigst du unsere Datenschutzerklärung. Beim Gewinnspiel gelten die AGB.

So löblich die Mitspracheoption auf den ersten Blick auch gewirkt haben mag, kann sie getrost als Marketingmasche und damit obsolet betrachtet werden. Die krasse Diskrepanz zwischen 7.000 Kommentaren einerseits, die eine Abstimmung ins Leben rufen, und der 30 prozentigen Beteiligungshürde auf der anderen Seite sprechen wenigstens dafür. Ein solches System kann also ohne große Wehmut beerdigt werden.

Das Versprechen, die Kommentare der User künftig prüfen zu wollen, darf ebenfalls als Hohn verstanden werden und zeigt vielmehr auf, dass Facebook an einer Mitsprache durch die User keinesfalls interessiert ist. Andernfalls hätten lediglich einige Schrauben (7.000 Kommentare = Abstimmung + 5-Prozent-Hürde oder ähnlich) an dem vorhandenen System geändert werden müssen und ein echtes Mitspracherecht wäre gegeben gewesen.

 Der Verweis des Unternehmens auf  Erin Egan, die Fragen der Nutzer künftig beantworten und zudem regelmäßige Webcasts abhalten will, die zur Klärung von „Kommentaren und Fragen bezüglich Privatsphäre, Sicherheit und Datenschutz“ beitragen sollen, lassen einen dann nur noch schmunzeln. Wenn das Unternehmen, wie Egan gegenüber „Techcrunch“ äußert, zu groß für besagte Abstimmungsmethodik geworden ist, wie soll dann eine derart exklusive Behandlung bei rund einer Milliarde Usern auch nur annähernd Erfolg haben? Bleiben wir also realistisch: Facebook wollte und will seine Nutzer nicht an Entscheidungsprozessen beteiligen. Facebook will in erster Linie Geld verdienen und wird seine Nutzungsbedingungen weiterhin dahingehend optimieren.

By the way: Wenn 7000 Nutzer den geplanten Änderungen widersprechen, wird eine Abstimmung ins Leben gerufen. Bei der müssen dann aber mindestens 30 Prozent aller Facebook-Nutzer teilnehmen, damit … 

Google lässt dich jetzt selbst bestimmen, welche Quellen du in der Suche häufiger siehst. Mit zwei schnellen Klicks kannst du BASIC thinking kostenlos als bevorzugte Quelle hinzufügen und damit unabhängigen Tech-Journalismus unterstützen. Vielen Dank!

Na, irgendwer Lust zu widersprechen?

Facebook-Blogposting zur geplanten Abschaffung der Voting-Option

Unser Zins-Tipp

Eröffne jetzt dein kostenloses Myntro Festgeld und erhalte 3,2 Prozent Zinsen auf dein Geld – und das garantiert für 12 Monate!


Jetzt Zinsen sichern

Anzeige

STELLENANZEIGEN
Anforderungs- und Projektmanager touristische...
trendtours Holding GmbH in Eschborn
Mediengestalter Digital & Print / AI Spec...
ÖKORENTA in Aurich
Digital Media & Content Manager (m/w/d)
ITK One GmbH in Hamm
Influencer Marketing Manager (w/m/d)
KOS GmbH & Co. KG in Schönefeld
Social Media Specialist (m/w/d)
E.ON Inhouse Consulting GmbH in Essen
SEA Manager (m/w/d) – Performance Marketing &...
HUK-COBURG Versicherungsgruppe in Coburg
Mitarbeiter Online Marketing [m/w/d]
Lissmac Maschinenbau GmbH in Bad Wurzach
Social Media Manager (w/m/d)
Gewobag Wohnungsbau-Aktiengesellschaft Berlin in Berlin
THEMEN:
Teile diesen Artikel
Folgen
Adrian Bolz lebt und arbeitet als Online-Redakteur in Köln. Liebt neben den Weiten des Webs auch die Kultur – im weitesten Sinne. Adrian hat von 2012 bis 2013 für BASIC thinking geschrieben.