Lebensgefahr: Australische Polizei warnt vor Apple Maps (Update)

Adrian Bolz

Auch drei Monate nach der Veröffentlichung von Apple Maps ist die Navigationshilfe meilenweit davon entfernt, eine brauchbare Alternative zu den etablierten Produkten der Konkurrenz, allen voran Google Maps, zu sein. Schon kurz nach Erscheinen lieferte die Anwendung derart haarsträubende Ergebnisse, dass Apple-Geschäftsführer Tim Cook sich dazu veranlasst sah, die Nutzer in einem offenem Brief um Entschuldigung zu bitten und kurzerhand die Produkte der Wettbewerber empfahl. Ein Novum.

Jetzt warnt auch die australische Polizei in einer Pressemitteilung eindringlich vor dem Gebrauch von Apple Maps und nennt die Benutzung gar „lebensgefährlich“. Zuvor waren zahlreiche Reisende nach dem Gebrauch von Apple Maps in abgelegenen Regionen des Landes gestrandet.

Einige verharrten 24 Stunden ohne Wasser und Nahrung in gefährlichem Terrain, ehe sie Hilfe holen konnten. In einem weiteren Fall wurde der Ort Mildura von der Anwendung fälschlicherweise mitten im Murray-Sunset National Park verortet. Ganze 70 Kilometer vom eigentlichen Bestimmungsort entfernt. Auch diese Region kann bei Temperaturen um die 46 ° Celsius schnell zur Todesfalle werden. Die Polizeibehörde hat Apple mittlerweile auf die Fehler aufmerksam gemacht und hofft auf rasche Ausbesserung.

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Apple hatte seinerzeit bereits Konsequenzen aus der Karten-Misere gezogen: So wurde der für die Kartenanwendung zuständige Manager Richard Williamson gefeuert. Auch Scott Forstall, der noch bis Anfang 2013 für die iOS-Entwicklung verantwortlich zeichnet, soll sein Aus bei Apple besiegelt haben, indem er seine Unterschrift unter das von Tim Cook aufgesetzte Entschuldigungsschreiben verweigerte. Inzwischen untersteht die Entwicklung des Karten-Ressorts Apples iTunes-Chef Eddy Cue.

Update

Apple hat den Kartenfehler nach Medienberichten inzwischen korrigiert. Dessen Ursprung könnte laut „The Register“ bei den australischen Behörden liegen. Auf einer offiziellen Website mit australischen Geodaten wurde die später auf den Apple-Karten angezeigte Position als „Mildura Rural City“ angegeben, womit allerdings keine Stadt, sondern der lokale Regierungsbezirk gekennzeichnet werden sollte. Apple übernahm die Bezeichnung hingegen offenbar ungeprüft als Standort für die gleichnamige Stadt Mildura.

/Update

Mittlerweile arbeitet Apple thenextweb.com zufolge unter Hochdruck an Verbesserungen von Apple Maps und scheut dabei auch nicht davor zurück, die Expertise der Konkurrenz in Anspruch zu nehmen. Demnach helfen „externe Experten“ und das Unternehmen TomTom bei der Verbesserung der Software aus.

Premium-Anbieter müssen Premium-Produkte liefern

Höchste Zeit, denn ein –  nach eigenem Verständnis – Premium-Anbieter muss eben auch Premium-Produkte abliefern, will er seinem Anspruch und dem der zahlenden Kundschaft gerecht werden. Ein Bananenprodukt (reift beim Kunden) wird da nicht verziehen und darüber hinaus von Nutzern und Presse gnadenlos abgestraft. Ich halte Apple zugute, dass der Aufbau einer fehlerfreien Navigations-App ob seines Umfangs ein hoch kompliziertes Unterfangen ist, erwarte dann aber bei Produkteinführung dennoch so etwas wie Marktreife. Und ganz nebenbei, sogar auf OpenStreetMap basierende Billig-Varianten stellen Apples Karten-App hinsichtlich Fehlerquote in den Schatten. Und das bei vergleichsweise geringen Entwicklungskosten.

Gott sei Dank gibt es zahlreiche Alternativen, die einwandfrei funktionieren. Jüngster Wettbewerber ist übrigens Nokia mit Here Maps für iOS. Wer also eine Autotour quer durch Australien plant, greift bis auf weiteres besser zu den erprobten Produkten der Konkurrenz.

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(Bilder: Apple, Victoria Police)

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Adrian Bolz lebt und arbeitet als Online-Redakteur in Köln. Liebt neben den Weiten des Webs auch die Kultur – im weitesten Sinne. Adrian hat von 2012 bis 2013 für BASIC thinking geschrieben.